Montag, 12. April 2010

Anaconda (1997)

Ein Dokumentarfilm-Team unter der Leitung von Eric Stoltz und Jennifer Lopez schippert auf der Suche nach mysteriösen Ureinwohnern seelenruhig durch den Amazonas, als ihnen etwas Grauenvolles begegnet - Jon Voight im Overacting-Modus! Dazu wird die Crew noch von einer riesigen Schlange dezimiert, gegen die einfach kein Kraut gewachsen ist...

Was für ein Knaller! Alles an ANACONDA (Anaconda) ist so unglaubwürdig und übertrieben, dass er tatsächlich genau die Qualität besitzt, die einen miesen Film zum absoluten Kultfilm macht, zum Brüller jedes Video-Abends und Klassiker des Trash-Kinos.

Wo soll man anfangen?
Nehmen wir mal die Titeldarstellerin, die menschenfressende Schlange. Nicht nur ändert sich ihre Größe und ihr Aussehen von Szene zu Szene, sie ist in den animierten Sequenzen derart schlecht bearbeitet, dass nicht einmal Farbe, Kontrast und Schärfe von Schlange und dem Rest des Bilds zusammenpassen. Und auch eine Riesen-Anaconda kann sich nicht in der Luft um einen Menschen schlängeln, ohne sich auch nur irgendwo festzuhalten, und das innerhalb von Sekunden!
Es stimmt auch, dass Anacondas ihr Futter wieder hochwürgen, es darf aber bezweifelt werden, ob sie nur so zum Spaß einen halb verdauten Jon Voight ausspucken, um Ice Cube und La Lopez zu ärgern. Dass Voight dabei noch der Lopez ein Augenzwinkern schenken darf, gehört zu den Momenten, in denen das Trash-Herz höher schlägt.

Jennifer Lopez tut was sie kann - sie sieht gut aus und macht sich immer wieder die Bluse nass, das reicht auch. Die anderen Darsteller haben sich entschieden, entweder gar nichts zu spielen, sich beschämt in die Bootskajüte für den Rest des Films zu verziehen (Eric Stoltz), oder sie beweisen Größe und machen es wie Jon Voight: sie übertreiben, was das Zeug hält! Vom dämlichen Akzent bis zum irren Augenrollen ist hier alles drin, was schlechte Schauspielschulen hergeben. Da bleibt sogar der animierten Anaconda das Maul offen.
Dazu gibt es noch ein rasendes Wildschwein, 500 Meter abgelegte Schlangenhaut, tote Äffchen und eine besonders böse Hummel, die für den einzig wirkungsvollen Schockeffekt sorgt - einen Luftröhrenschnitt mit Fischmesser.

ANACONDA ist geniale Unterhaltung, durchweg unfreiwillig komisch, mit viel Tempo und keinem einzigen intelligenten Einfall in 90 Minuten. Der Film wurde für sechs Goldene Himbeeren nominiert (darunter "Schlechtester Film, Regisseur, Nebendarsteller Voight und "Worst Screen Couple" - Voght und die Anaconda!), verlor aber in den meisten Kategorien an Kevin Costners Mega-Flop "The Postman". Ärgerlich.

07/10

Nein, bitte nicht fressen, ich habe noch nicht fertig gespielt!

Kommentare:

  1. Hallo Mathias,

    ich bekenne mich ohne Reue zum deutschen Nr. 1 Fan dieses Films, war er doch 1999 auch einer der ersten DVDs (der damals in einem Kaufhaus noch sage und schreibe DM 60,00 kostete), die ich erstanden habe.

    Die Amazonas-Stimmung von ANACONDA ist herrlich gelungen. Den Soundtrack liebe ich und Jon Voights Overacting ist ein würdiges Pendant zu den anderen blassen Figuren (ausgenommen Jonathan Price als snobistisch-schwuler Reporter, der leider zu früh den Film verlassen muss). Auch wenn Du mit den Special Effects natürlich Recht hast, aber wer erst einmal in den Spannungsbogen des Filmes eingewickelt ist, dem fallen solche Unebenheiten kaum noch auf. Nicht jeder Produzent hat ein Budget wie weiland Steven Spielberg bei seinem JURASSIC PARK.

    Die jüngsten Nachahmprodukte wie ANACONDAS - DIE SUCHE NACH DER BLUTORCHIDEE und SNAKES ON THE PLANE kann man dagegen glatt vergessen !

    Ich vergnüge mich übrigens auch bei ähnlich gestalteten Ökothrillern wie SPIDERS, EIGHT LEGGED FREAKS, PYTHON und OCTOPUS. Nur den alten Bert I. Gordon Schinken EMPIRE OF THE ANTS habe ich kürzlich aus meiner Sammlung verstossen, das ist nämlich echter Trash !
    Den von Dir rezensierten FROGS betrachte ich trotz des grossartigen Ray Milland, aber ohne echte Special Effects als einen typischen Stinker !

    Gruss Ralf

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  2. Hallo Ralf,

    ich habe mich bei ANACONDA auch prächtig amüsiert.
    EMPIRE OF THE ANTS mit der geilen Joan Collins finde ich immer noch lustig, EIGHT LEGGED FREAKS mochte ich wegen der Computer-Spinnen überhaupt nicht.

    Was böse Tierchen angeht, empfehle ich noch den wunderbaren MÖRDERSPINNEN mit William Shatner, der erzeugt immer noch Gänsehaut bei mir, weil die Spinnen echt sind.

    Die FRÖSCHE stinken zum Himmel, in der Tat. :-)

    Gruß von Mathias

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  3. Hallo Mathias,

    na ja, was die Computeranimationen angeht bin ich wahrscheinlich etwas nachsichtiger als Du.
    Jedenfalls agieren die Computerspinnen in EIGHT LEGGED FREAKS besser als die meisten der menschlichen Akteure dort. Wegen der langen Entwicklungszeit hat die Produktion übrigens auf das Züchten von 3 Meter hohen Spinnen verzichtet !

    Habe übrigens in meiner Auflistung auch ARACHNOPHOBIA vergessen, den ich auch als sehenswert einstufe.

    Also, bei EMPIRE OF THE ANTS waren die Ameisen wenigstens überwiegend echt, eben nur vergrössert. Aber war 'Plastic Doll' Joan Collins eigentlich echt in diesem Film oder nur eine Stop-Motion-Erscheinung ? Ich finde mit den solchen 'Kunstfiguren' wie Joan Collins, Linda Evans und Frederik Stafford hätte Fa. Mattel ein Konkurrenzprodukt zur Barbie-Kollektion schaffen können.

    Gruss Ralf

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