Mittwoch, 17. Februar 2010

China Blue - bei Tag und Nacht (1984)

Wenn Sie schon immer mal sehen wollten, wie Hollywoodstar Anthony Perkins mit Riesen-Vibratoren aus Metall auf blutige Gummipuppen einsticht, in Peep-Shows an Poppers schnüffelt oder als Priester verkleidet hinter Kathleen Turner herjagt, um sie entweder zu bekehren oder umzubringen, dann sind Sie bei Ken Russells CHINA BLUE (Crimes of Passion) aus dem Jahr 1984 genau richtig!

Wenn Sie außerdem sehen möchten, wie Hollywoodstar Kathleen Turner als Designerin bei Tag und Hure bei Nacht ausgefallene Freierwünsche erfüllt, sich als Nonne, Vergewaltigungsopfer und Gewinnerin einer Miss-Wahl verkleidet, Flöte spielt, Polizisten mit dem eigenen Gummiknüppel malträtiert (und zwar dort, wo es wirklich weh tut), dann könnte CHINA BLUE sogar Ihr Lieblingsfilm werden.

Die Story: Hure "China Blue" wird auf ihren nächtlichen Streifzügen durch die Gosse von einem braven Privatdetektiv (John Laughlin) verfolgt, der sich nach und nach in die mysteriöse Frau mit dem Doppelleben verliebt. Die passt aber so gar nicht zu seinem bürgerlichen Leben mit Ehefrau, Kindern, Ratenzahlungen und Grillparties...

Dem Darsteller Laughlin ist dabei viel vorgeworfen worden, von Fehlbesetzung bis Null-Talent. Als attraktiver All-American-Guy funktioniert er aber ideal. Ken Russell demontiert damit genüsslich den Amerikanischen Traum und die herrschende Doppelmoral (in der man zwar zu einer Prostituierten gehen, sie aber um Himmels Willen nicht respektieren darf). CHINA BLUE ist Drama, Thriller und Horrorfilm, angelehnt an Louis Bunuels Klassiker "Belle De Jour" (1967), und neben allen grotesken Elementen finden sich überraschend präzise Beobachtungen. Die Figur der China Blue ist äußerst komplex, und Kathleen Turners Darstellung allein lohnt das Ansehen. Alle Männer im Film wollen sie besitzen, beherrschen, manipulieren. Doch so selbstsicher wie sich China Blue auch wähnt - sie muss erkennen, dass sie als Prostituierte ihren Freiern vielleicht intellektuell, aber nie im Bezug auf Macht überlegen ist, ganz einfach weil das System es so verlangt.

Filmmusiker Rick Wakeman verarbeitet Dvoraks Symphonie "Aus der Neuen Welt" zu völlig neuen 80er- Elektronik-Klängen, dahinter steckt Absicht (abgesehen davon wurde "China Blue" von "New World Pictures" produziert!). Mag das Ausleben sämtlicher denkbarer Erotik-Fantasien an jeder Ecke möglich sein, zwischenmenschlich läuft überhaupt nichts mehr. Alle Figuren im Film sind emotional zurückgeblieben. Schöne neue Welt! Dazu gibt es visuelle Spielereien, viel schwarzen Humor und schließlich noch Anthony Perkins, der einer gefesselten und geknebelten Turner am Klavier das Lied "C'mon Get Happy" vorspielt- und singt, bevor er mit dem Metall-Vibrator auf sie losgeht.

CHINA BLUE ist geschmacklos, bizarr, brutal und komisch. Ein "Guilty Pleasure" für mich, aber sicher nicht jedermanns Sache.

9.5/10

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