Dienstag, 16. Februar 2010

Eins, zwei, drei (1961)

Als ONE TWO THREE 1961 herauskam, wurde er mit verachtender Ignoranz gestraft. Niemand wollte oder konnte seinerzeit wirklich über ein geteiltes Berlin lachen. Erst Jahrzehnte später wurde der Film neu entdeckt und endlich gewürdigt als das, was er ist - ein Meisterwerk der Filmsatire.

Mit einem noch für heutige Maßstäbe atemberaubenden Tempo rast die Handlung voran, getrieben von einem James Cagney auf Speed und einem Sammelsurium skurriler Nebenfiguren aus erstklassigen deutschen und US-Schauspielern. Der Film bietet gar so viele Gags und Seitenhiebe, dass man ihn mehrmals sehen muss, um alle mitzubekommen. Daneben gibt es unvergessliche Film-Momente, etwa Lilo Pulvers Striptease zu Khachaturians "Säbeltanz" oder den wunderbaren Hanns Lothar in Frauenkleidern. Hier kriegt jeder sein Fett weg - die Deutschen (die natürlich alle nichts vom Krieg mitbekommen haben), die Kommunisten (die alle käuflich sind und ihre politische Gesinnung nur vor sich hertragen), die Amerikaner (die kulturell zurückgeblieben sind und sich gleichzeitig als beispielhafte Herrschaftsmacht aufspielen), der verarmte Adel, die Widerstandbewegung und natürlich die Russen - in Form dreier Handelsvertreter, die direkt aus einem Lubitsch-Film stammen könnten, Wilders großem Vorbild und Mentor. Billy Wilder hat vor nichts und niemandem Respekt und ist damit aktueller denn je.

"Eins, zwei, drei" ist eine politische Farce, bissig bis zur Schmerzgrenze, unglaublich komisch und unglaublich wahr, bis zur allerletzten Pointe - Coca Cola-Vertreter Cagney muss feststellen, dass Pepsi auf dem Vormarsch ist...

10/10

Kommentare:

  1. Hallo Ralf,

    der Film war wohl nirgendwo sonderlich erfolgreich, ich kann ihn immer wieder sehen. Ich bin überrascht, dass Du ihn zu "süß und klebrig" findest, dick aufgetragen ist er natürlich absolut, das mag ich gerade daran. Und da wären wir auch schon wieder bei Hupsi von Meyerinck. :-)

    Gruß von Mathias

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  2. Hallo Mathias,

    süss natürlich nicht im Sinne von nett, sondern überzuckert, d.h. übertrieben. Wenn z.B. der Hausarzt zu Wagners Walkürenritt trällert "pregnant ist schwanger, schwanger ist pregnant..." (oder so ähnlich). Auch Hanns Lothars Aufritt in Frauenkleidern finde ich absolut unlustig. Genauso wie Filme a la CHARLEY'S TANTE, DIE TOLLEN TANTEN, TANTE TRUDE AUS BUXTEDEHUDE u.ä. Da frage ich mich immer, wer hier wohl mehr verhohnepiepelt wird, die Frauen oder die Männer.

    Travestie im erotischen Sinne (s. TOO WONG FOO und PRISCILLA) ist dagegegen etwas anderes. Nun ja, halt Geschmacksache !

    Gruss

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  3. Ach so, dann verstehe ich es besser. Ich gestehe, ich finde Lothar auch in Frauenkleidern lustig, ohne aber mehr.
    Außer in "Manche mögen's heiß" mag ich die Travestie-Nummer aber auch nicht besonders, "Charley's Tante" finde ich schrecklich, die anderen von Dir erwähnten Filme auch. Die Klamotten des deutschen Films der 60er/70er sind nix für mich, trotz Trash-Fimmel.
    Gruß!

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