Mittwoch, 17. Februar 2010

Todesstille (1989)

Mit TODESSTILLE (Dead Calm) ist dem Australier Phillip Noyce 1989 ein atemberaubender Psycho-Thriller gelungen, der bis auf wenige Ausnahmen zu Beginn mit lediglich drei Darstellern und zwei Schauplätzen auskommt. Vorbild für dieses Psycho-Stück ist offensichtlich Polanskis "Das Messer im Wasser", der ebenfalls von drei Menschen auf einem Boot erzählte.

Hier sind es Sam Neill und die damals noch relativ unbekannte Nicole Kidman, die auf ihrer Segelyacht auf hoher See über den tragischen Tod ihres Kindes hinwegkommen wollen. Als sie eine führerlos treibende Yacht entdecken, auf der sich nur ein einziger Überlebender befindet (Billy Zane), nimmt das Unheil seinen Lauf, und bald ist Neill auf einem sinkenden Boot eingeschlossen, und Kidman muss allein gegen den psychopathischen Zane um ihr Leben kämpfen...

Phillip Noyce spielt grandios mit Urängsten und inszeniert einen virtuosen Alptraum. Das grausige Geschehen spielt sich dabei in bester Hitchcock-Manier unter strahlend blauem Himmel und gleißender Sonne ab. Die Spannung baut sich langsam auf, der Zuschauer ist den etwas naiven Helden immer einen Schritt voraus, wodurch sich klassischer Suspense ergibt. Nicole Kidman spielt fantastisch gegen das Klischee der hilflosen Filmheldin an, die vom Mann gerettet werden muss. Ihre Rae ist eine Kämpferin, die sich mit Funkgerät, selbstgemachter Schlaftabletten-Limonade und Harpune gegen ihren Widersacher zur Wehr setzen kann. In der umstrittensten Szene setzt sie sogar ihren Körper ein, um ihn von einem versteckten Gewehr abzulenken.

Billy Zane hat großen Spaß bei der Darstellung des komplett durchgeknallten Psychopathen, er ist furchterregend und dazu noch sexy. Sam Neill agiert gewohnt glaubwürdig und muss besonders in einer Sequenz (bei der alle Zuschauer mit ihm den Atem anhalten) außerordentlichen Mut beweisen. Graeme Revell hat einen pulsierenden, opernhaften Score komponiert, der lange im Gedächtnis bleibt, und die knappe Filmzeit vergeht aufgrund der straffen Inszenierung wie im Flug.

Bedauerlicherweise liegt auf der deutschen DVD - ebenso wie auf der VHS - nur die geschnittene Version des Thrillers vor. TODESSTILLE ist exakt an zwei Stellen gegen Ende gekürzt, einmal beim Harpunenschuss Kidmans und beim finalen Abfeuern der Leuchtrakete durch Neill (beide Schnitte sind abrupt und überdeutlich, sogar die Musik wird einfach abgewürgt). Interessant dabei ist die Tatsache, dass Jugendlichen hier ein künstlicher Harpunenpfeil im Bein mit etwas Kunstblut vorenthalten, ihnen aber zuvor eine drastische Vergewaltigung in voller Länge präsentiert wird. Sehr seltsame Moralvorstellungen. Die ausländischen Fassungen von TODESSTILLE sind sämtlich ungekürzt.

08/10

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