Mittwoch, 24. März 2010

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1959)


Jules Vernes meisterhafte Erzählung über zwei Forscher, die eine unterirdische Reise zum Erdkern unternehmen, ist wie geschaffen für einen abenteuerlichen Kinostoff und wurde mehrfach verfilmt. Die Hollywood-Version von Henry Levin darf als die Gelungenste angesehen werden, auch wenn sie außer der Grundgeschichte mit dem Roman kaum noch etwas gemein hat.

Der allzeit verlässliche James Mason spielt hier einen schottischen Geologen, der mit seinem Studenten Pat Boone, der Witwe eines Kollegen, sowie einem isländischen Helfer und dessen lustiger Ente Gertrud auf besagte Reise geht. Unter Tage geraten sie an Urzeitviecher, Riesenpilze und einen Ozean, sie entdecken Atlantis und müssen nebenbei noch gegen einen Widersacher kämpfen - alles Elemente, die entweder gar nicht oder nur am Rande in der Romanfassung auftauchen.

So ist DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE ein perfektes Beispiel, wie Hollywood aus einer klaustrophobisch-utopischen Geschichte ein witziges Abenteuer für die ganze Familie machen kann.
Dass dieses uneingeschränkt genießbar ist, liegt an den Darstellern, der liebevollen Ausstattung und den wirklich originellen Einfällen. Die Begegnung der Gruppe mit den Urzeit-Echsen z.B. ist nicht nur tricktechnisch brillant, sondern auch mörderisch spannend und heute noch beängstigend. Die Screwball-Dialoge zwischen Mason und seiner widerspenstigen Reisegefährtin (die im Roman nicht existiert - Verne war nicht gerade bekannt für seine starken Frauenfiguren) sprühen vor sarkastischem Witz. Die Ente Gertrud lässt alle Tierfreundherzen höher schlagen. Und wem das alles noch nicht reicht, für den gibt es noch den hübschen Pat Boone, der nicht nur die gesamte zweite Hälfte des Films in zerrissenen Klamotten absolviert, sondern auch noch mehrere Schnulzen trällert, damit sich auch der Soundtrack gut verkauft.

Apropos Soundtrack - der einzige, der sich künstlerisch loyal zur Romanvorlage verhält, ist Komponist Bernard Herrmann. Dessen düstere Musik ist geradezu gewaltig geraten, so wie es einem Erdmittelpunkt angemessen ist. Er verwendete zur Vertonung von Atlantis allein 5 Orgeln und erschafft einen tödlich ernsten Gegenpol zur heiteren Unterhaltung. Man wundert sich fast, dass die 20th Century Fox ihm diese Musik durchgehen ließ.

Alles in allem handelt es sich bei der REISE ZUM MITTELPUNKT... um letztlich harmlose, aber äußerst spannende, witzige und fantasievolle Unterhaltung, die kaum altert. Für Kinder und das Kind in uns allen. Das Logikverständnis soll und muss man bei einem solchen Film selbstverständlich ausschalten - nur am Ende stellt sich die Frage, warum Pat Bone kilometerweit aus einem Vulkan herausgeschleudert wird, in einem ausladenden Baum landet, seine Hose dabei verliert, aber ansonsten nicht einmal einen Kratzer abbekommt. Das geht dann bei aller Liebe doch ein bisschen arg weit in Richtung Blödsinn... oder?

07/10

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