Mittwoch, 12. Mai 2010

Lizenz zum Töten (1989)

LIZENZ ZUM TÖTEN (Licence To Kill) war wahrscheinlich der umstrittenste Film der Reihe, bevor Daniel Craig die Bühne betrat. Zu sehr weicht der 16. Beitrag vom bekannten Bond-Schema ab, zu amerikanisch, zu gewalttätig, zu humorlos und zu sehr "Miami Vice" sei er geworden, wurde allgemein bemängelt. Das ist alles richtig, sagt aber noch nichts über seine Qualität aus.

In LIZENZ ZUM TÖTEN befindet sich Bond (Timothy Dalton in seinem zweiten und letzten Bond) auf privatem Rachefeldzug, nachdem Drogenbaron Sanchez (Robert Davi) seinen guten Freund Felix Leiter bei dessen Hochzeit zum Witwer gemacht und durch einen Hai grausam verstümmelt hat. Bond gibt seine Lizenz ab und schleicht sich undercover in Sanchez' Organisation ein...

Was dem Film in der Tat komplett abgeht, sind Humor, Eleganz und Glamour. LIZENZ ZUM TÖTEN wirkt roh, manchmal geradezu schäbig und brutal. Anthony Zerbe zerplatzt in einer Druckkammer, David Hedison wird den Haien zum Fraß vorgeworfen, einem Liebhaber von Talisa Soto wird das Herz herausgeschnitten (im Off). Keine schöne Gesellschaft, in die unser Bond da gerät, aber auch er verhält sich wenig Gentleman-like. Dalton kann als knallharter Rächer absolut überzeugen. Seine Ernsthaftigkeit kommt der Story zugute, ein Roger Moore wäre in diesem Szenario vollkommen undenkbar.

An seiner Seite spielt Carey Lowell die burschikose 'Bondine' Pam Bouvier, eine Pilotin, die auch zuschlagen kann, das macht sie einnehmend gut und ist eine schöne Abwechslung von den dummen Blondinen der vorigen Filme. Als Widersacher Sanchez ist Robert Davi perfekt besetzt, und der junge und damals noch unbekannte Benicio Del Toro kann als Sanchez' rechte Hand Dario alle an die Wand spielen. Er agiert so verrückt, dass man tatsächlich Angst vor ihm bekommt, und sein Tod in einem Häcksler ist ein weiterer blutiger Höhepunkt auf dieser 007-Schlachtplatte.

Was die Locations betrifft, kommt der Film kaum über Florida hinaus (daher die ständigen "Miami Vice"-Assoziationen), dafür bleibt aber die Erzählung straff und auf den Hauptplot konzentriert. Im Gegensatz zu den üblichen Weltbeherrschungs-Szenarien der Vorgänger erzählt LIZENZ ZUM TÖTEN eine wirklich logische, spannende und glaubwürdige Geschichte. Diese mag zwar nicht typisch für die Bond-Reihe sein, aber sie funktioniert so viel besser als alberne Silicon Valley-Masterpläne. Manchmal muss man als Fan eben auch bereit sein, etwas anderes zu akzeptieren.
Der Film geht streckenweise einen so ungewohnten Weg, dass die klassischen Motive ('Q's Spielereien, 'M', Bond im Casino) fast schon störend wirken. Ein funkelndes Agenten-Abenteuer ist dieser Beitrag kaum geworden, aber als harter Action-Thriller kann er absolut überzeugen, zumal er ein hohes Tempo vorlegt, das beim heutigen Sehen noch standhalten kann. Er ist überhaupt sehr gut gealtert, was man nicht von allen Bonds sagen kann.

An den Kinokassen war LIZENZ ZUM TÖTEN eher wenig erfolgreich, zumal er mit "Lethal Weapon 2" und dem dritten "Indiana Jones" zu starke Konkurrenz bekam. Daraufhin wurde die Reihe erst einmal auf Eis gelegt, um sich sechs Jahre später spektakulär zurückzumelden...

08/10

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