Samstag, 19. Juni 2010

Landhaus der toten Seelen (1976)

Horrorfilme über Spukhäuser gibt es viele, und die meisten leiden unter dem Problem, dass die Charaktere wider besseren Wissens in ihrem Horror-Haus wohnen bleiben, anstatt einfach die Flucht zu ergreifen. Dan Curtis' Gruselschocker BURNT OFFERINGS (Landhaus der toten Seelen) bietet zumindest eine erstklassige Besetzung, einige gelungene Schauderszenen und eine relativ originelle Grundidee, auch wenn er gelegentlich in unfreiwillige Komik abdriftet.

Wer zieht ein? Das Ehepaar Karen Black und Oliver Reed (diese Paarung muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, weil wir es hier mit zwei echten Trash-Ikonen zu tun haben, wir erinnern uns an schamloses Overacting der beiden in zahlreichen Bad Movies) zieht über den Sommer mit ihrem unausstehlichen Sohn (Lee Montgomery) und der alten Tante Elizabeth (Leinwandlegende Bette Davis) in ein gewaltiges Herrenhaus. Dort sollen sie sich um das Gebäude und eine ältere Dame kümmern sollen, die im obersten Stockwerk wohnt, aber nie zu sehen ist. Man könnte sich fragen, wer seine greise Muter einfach so fremden Leuten überlässt, da es sich bei den Vermietern aber um die skurrilen Burgess Meredith und Eileen Heckart handelt, stellt sich die Frage eher weniger.

Nicht lange, und es geschehen merkwürdige Dinge. Das etwas heruntergekommene Haus erneuert sich selbst (indem es den "frischen" Bewohnern die Lebensenergie aussaugt, ein sehr schauriger Gedanke), verwelkte Blumen erblühen wieder, Karen Black entwickelt ein "Jack Nicholson/Shining"-Syndrom und fühlt sich dem Haus immer mehr verbunden, hüllt sich in altmodische Klamotten und bekommt graue Haare, Tantchen Davis erleidet einen Herzinfarkt, ein Swimming Pool wird zum mörderischen Spaßbad, Pflanzen versuchen, die Flucht der Familie zu verhindern, und Oliver Reed durchleidet neben Gesichtskrämpfen schreckliche Alpträume, in denen er von einem unheimlichen Leichenwagen-Chauffeur gepeinigt wird.

Besagter Chauffeur wurde übrigens von Dan Curtis zufällig im Filmteam entdeckt und aufgrund seines gespenstischen Äußeren umgehend besetzt. Die großartige Bette Davis wird leider in ihrer undankbaren Rolle verschwendet, allerdings spielt sie ihren Herzinfarkt mit realistischer Intensität. Reed und Black übertreiben unentwegt, und man fragt sich, ob dem Film die Komik bewusst ist, wenn Black sich mehr über eine zerbrochene Schüssel aufregt als über die Tatsache, dass sie sich immer mehr in Norman Bates' Mutter verwandelt.
Sohnemann Lee Montgomery hat bereits im Ratten-Sequel "Ben" mit seiner menschelnden, süßlichen "Was bin ich heute wieder knufffig"-Art zu Tode genervt, und auch hier hofft man zeitig, dass er von einer herumfliegenden Dachlatte erschlagen wird. (ACHTUNG, SPOILER!) Im Finale bekommt er dann endlich, was er verdient und wird unter einem herabstürzenden Schornstein begraben.

BURNT OFFERINGS bietet einen sehr gelungenen Schock am Ende, wenn Oliver Reed endlich das Zimmer der alten Mutter unterm Dach stürmt und im Lehnstuhl - natürlich - seine eigene Frau entdeckt, die ihn mit einer derart gemeinen Grimasse anglotzt, dass auch dem hartgesottensten Zuschauer die Haare zu Berge stehen. Reeds folgender Fenstersturz, bei dem er zermatscht direkt auf der Windschutzscheibe seines Wagens und vor den Augen seines Sohnes landet, kann sich ebenfalls sehen lassen. Mich persönlich haben am meisten die Familienfotos gegruselt, die im Haus aufgereiht sind und Menschen mit sehr merkwürdigen Gesichtsausdrücken zeigen (darunter übrigens auch Regisseur Curtis und andere Team-Mitglieder). Hier besitzt der Film eine Subtilität, die ihm an anderer Stelle oft fehlt.

Alles in allem muss man BURNT OFFERINGS objektiv wohl nicht gesehen haben, ich liebe ihn aber wegen seines 70er Charmes , der schrägen Stars, und weil er trotz weniger Längen einfach Spaß macht. Ich kann ihn immer wieder sehen, am liebsten im Sommer. Definitiv ein Guilty Pleasure und hochgradig unterschätzt!

09/10

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