Donnerstag, 15. Juli 2010

Eine zuviel im Bett (1963)

Dieses Remake des Cary Grant-Klassikers "My Favourite Wife" (1940) war ursprünglich unter dem Titel "Something's Got To Give" geplant, in den Hauptrollen Marilyn Monroe, Dean Martin und Cyd Charisse, Regie sollte George Cukor führen.
Die Produktion wurde eingestellt, nachdem Monroe wegen ständiger Unpünktlichkeit und Unprofessionalität gefeuert wurde und kurz darauf verstarb.
Das noch vorhandene Material dieses nicht realisierten Films kann man noch auf der DVD "Marilyn - The Final Days" bestaunen.

Die tragische Produktion wurde mit neuem Cast und Regisseur Michael Gordon wieder aufgenommen, die Hauptrollen übernahmen Doris Day, James Garner und Polly Bergen (nachdem sich Martin und Charisse aus Respekt für die verstorbene Monroe weigerten, ihre Rollen zu wiederholen).
Die Details wurden angepasst, die Geschichte blieb gleich. Nachdem Doris Day als Ehefrau des Anwalts James Garner bei einem Flugzeugabsturz spurlos verschwand, soll sie nun - 5 Jahre später - für tot erklärt werden, da Garner seine neue Verlobte Bergen endlich heiraten möchte. Just an diesem Tag aber taucht die Verschollene wieder auf. Da müsste Garner seiner Braut eigentlich nur die Wahrheit gestehen, aber wie es die Komödie will, braucht es 100 turbulente Minuten, bis das Happy End eingeläutet wird...

Um den Film von Monroe auf Doris Day zurechtzuschneidern, wurden zunächst die Nacktbadeszenen gestrichen, die für einiges Aufsehen sorgten, als Marilyn noch bei der Arbeit war. Das passt selbstverständlich nicht zur mütterlichen Doris Day. Im Swimming-Pool planschen nun die Kinder, und sie trägt anständig einen Badeanzug.
Die traurige Vorgeschichte merkt man EINE ZUVIEL IM BETT (Move Over, Darling) keine Sekunde an, der Film ist ein herrlicher, temporeicher Spaß mit reichlich Klamauk, Slapstick und einer Doris Day außer Rand und Band, und das schon in der ersten Szene, wenn sie - nach ihrer Rettung durch die Marine - in einer Telefonzelle zu Hause anrufen möchte, aber die Dame von der Vermittlung sich als sehr störrisch erweist.

Einige Logiklöcher stören da wenig - wie etwa die Frage, wo um alles in der Welt Doris Day fünf Jahre auf einer einsamen Insel im Pazifik die Mittel für ihre platinblonde Haartönung herbekommen hat. Die Geschichte ist natürlich von vorne bis hinten konstruiert, ein klärendes Wort zwischen den Protagonisten würde den Film sofort beenden.
In dem Fall würden wir aber echte Highlights verpassen, wie James Ganers Probleme in der Hochzeitsnacht, die er nicht vollziehen kann, weil seine erste Frau im Zimmer nebenan darauf wartet, dass er seiner neuen Frau die Wahrheit sagt. Diese wird von Polly Bergen als neurotisches Bündel gespielt. Sie muss dabei so sexy sein, dass man versteht, was Garner an ihr findet, gleichzeitig aber so schräg, dass der Film sie am Ende ohne viel Aufregung loswerden kann, und das gelingt ihr wunderbar.

Weitere Höhepunkte: Doris Day gerät auf der Flucht vor ihrem Mann mit ihrem Cabrio in die Autowaschanlage - eine grandiose Slapstick-Sequenz, die beweist, dass Day eine echte Vollblut-Komikerin ist, die keine Scheu zeigt, sich komplett zum Affen zu machen.
Zuvor verkleidet sie sich als schwedische Masseuse, um sich in Garners Haushalt einzuschleichen und Polly Bergen ordentlich zu vermöbeln, und sie becirct einen skurrilen Schuhverkäufer (den einzigartigen Don Knotts), sich gegenüber ihres eifersüchtigen Gatten für den Mann auszugeben, mit dem sie die letzten Jahre unfreiwillig auf der Insel verbracht hat, und dessen imposante Erscheinung (er wird gespielt von Chuck Connors) James Garner auf falsche Gedanken bringen könnte.
Diese Verführungsszene existiert übrigens auch noch mit Marilyn Monroe, und man kann wunderbar die beiden Schauspielerinnen vergleichen, die beide ihre eigenen Stärken haben.

Als Days Schwiegermutter ist erneut Thelma Ritter zu sehen, mit der sie schon in "Bettgeflüster" harmonierte, und die auch hier wieder einen Hang zu alkoholischen Getränken mitten am Tag zeigt. Doris Day singt im Film selbst diesmal nicht, dafür aber den schön schmusigen Titelsong "Move Over, Darling", der zum Hit wurde.

EINE ZUVIEL IM BETT gehört zu den bunten Seifenkomödien, die einen Sonntagnachmittag so herrlich verschönern können.

08/10


Marilyn im unvollendeten "Something's Got To Give"

Kommentare:

  1. Und auch wenn der hier ohne Hudson auskommen muß, finde ich ihn fast sogar noch besser!

    Die Szene in der Waschanlage erinnert mich immer ein bißchen an die Sache mit dem Cabrio im Swimmingpool, den die Kids unter zu Hilfenahme von Mamas Waschpulver in eine weiße Schneelandschaft verwandeln. So gesehen im Day/Garner-Klassiker "Was diese Frau so alles treibt" (The Thrill of it All).

    Hast Du den etwa auch schon kommentiert? ;-)

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  2. Aber natürlich, der gehört zu meinen All-Time-Favourites! "Ich bin Beverly Boyer und bin ein Schwein!" :-))
    Und "Eine zuviel im Bett" mag ich auch ganz besonders, ich glaube sogar, das war mein erster Day-Film... LG, Mathias

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  3. Ist aber auch durchaus reizvoll sich die Monroe in diesem Film vorzustellen, oder nicht?! ;-)

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  4. Na klar! Wie gesagt, die noch erhaltenen Aufnahmen und Szenen sind toll, sie wirkt da unglaublich zerbrechlich und schön. Ob sie aber auch in die Autowaschanlage gefahren wäre?

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