Samstag, 10. Juli 2010

Sommer-Special: die besten GIALLI (chronologisch)

Mörder mit schwarzen Handschuhen, die an psycho-sexuellen Störungen leiden, leicht bekleidete Opfer, sommerliche Locations und Originalschauplätze, avantgardistische Musik und Schauspieler-Ensembles verschiedener europäischer Nationen, das sind einige der Zutaten des italienischen Giallo-Kinos. Hier sind die besten Vertreter des Genres.

The Girl Who Knew Too Much (1963)

Mario Bavas augenzwinkernde Hitchcock-Hommage ist der Vorläufer des später zur Perfektion entwickelten Giallos. Die reizende Leticia Roman will in Rom nur ihre Tante besuchen, welche noch in der gleichen Nacht verstirbt. Allein im Haus wird sie hernach Zeuge eines Mordes, aber die Leiche verschwindet. Gemeinsam mit dem mysteriösen John Saxon kommt sie dem "Alphabet"-Killer auf die Spur.... - Hervorragende Schwarzweiß-Kamera voller Licht und unheimlicher Schatten, nette Set Pieces (Roman verschanzt sich nachts im Haus und spannt Wollfäden) und Bavas stimmungsvolle Regie machen den insgesamt leichten Thriller sehenswert. Ausführliche Rezension hier.

Blutige Seide (1963)
Wieder mal Mario Bava mit einem der wichtigsten Genre-Filme. Im Modehaus von Eva Bartok und Cameron Mitchell geht ein Killer um, der die Models und jeden, der in den Besitz eines Tagebuchs gelangt, grausam ermordet. - Wilde Farben, fantastische Kamera, so gut wie kein Plot, lediglich eine Abfolge von lose zusammengehaltenen Mordsequenzen, die unheimliche Erscheinung des Mörders mit schwarzen Handschuhen und gesichtsloser Maske, sowie die Konzentration auf die Todesangst der Opfer machen "Blood and Black Lace" zum Must-See für Giallo-Fans. Ausführliche Rezension hier.

Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (1969)
Argento folgt in seinem Regiedebüt den Spuren des Meisters Bava und kreiert nicht nur einen Welterfolg, sondern auch einen der besten und definitivsten Gialli. Tony Musante beobachtet einen Angriff auf Eva Renzi und kommt einem Frauenmörder auf die Spur. Grandiose Spannungs-Sequenzen, visuelle Einfälle und ein bizarrer Titel ("The Bird with the Crystal Plumage"), der jahrzehntelang weitere Regisseure zu ähnlich ausgefallener Namensgebung animieren sollte. Ausführliche Rezension hier.


Five Dolls for an August Moon (1970)
Giallo trifft Agatha Christies "Zehn kleine Negerlein" auf einer exotischen Insel. Eine wissenschaftliche Formel löst eine Mordserie unter den Feriengästen aus. - Der Film, den Mario Bava selbst nicht mochte, bietet neben der hübschen Location und einigen makaberen Einfällen jede Menge Atmosphäre und eine wundervolle Sequenz, in der umgestürzte bunte Glaskugeln dekorativ durch eine Villa rollen und den Blick auf eine schöne Leiche freigeben, sowie Einstellungen aus dem Kühlraum des Hauses, in dem sich bald die Toten stapeln, bzw. an Fleischerhaken baumeln. Der Titel steht übrigens in keinem Zusammenhang mit der Handlung, ist aber einfach zu schön. Mit 70er-Ikone Edwige Fenech! Mehr.

Der Schwanz des Skorpions (1970)
Sergio Martinos Werk ist deutlich von Hitchcocks "Psycho" beeinflusst und spielt zur Abwechslung nicht in Italien, sondern in Athen. Dort führt ein tödlicher Unfall zu Versicherungsbetrug, Erpressung und Mord. Hauptdarstellerin Anita Strindberg muss wie weiland Janet Leigh frühzeitig dran glauben, es übernimmt George Hilton. Die raffinierte Geschichte mit ihren überraschenden Wendungen und viel Tempo machen den Reiz von Martinos Giallo aus. Ausführliche Rezension hier.


Das Geheimnis der grünen Stecknadel (1971)
Massimo Dallamanos Thriller war noch Teil der offiziellen Edgar Wallace-Reihe, steht aber ganz im Zeichen des Giallos. Inspektor Joachim Fuchsberger geht in London einer Reihe von Frauenmorden nach und kommt einer zurückliegenden Abtreibung, anschließender Geistesgestörtheit und konsequent ausgeführter Rache auf die Spur. - Bizarre Morde und gute Darsteller wie Fabio Testi, Christine Galbo und Karin Baal. Hinter der Kamera stand Joe d'Amato, die wundervolle Musik stammt wie so oft von Ennio Morricone. Ausführliche Rezension hier.


Der schwarze Leib der Tarantel (1971)
Drei Bond-Girls in einem Film! Barbara Bach, Claudine Auger und Barbara Bouchet schlagen sich mit einem Mörder herum, der seine Opfer zunächst lähmt und sie dann ihren eigenen Tod miterleben lässt. Giancarlo Giannini ermittelt in einem der besten Beiträge des Genres. Die effektvollste Sequenz für alle Arachnophobiker zeigt einen Dokumentarfilm über die titelgebende Tarantel, die einen grausamen Tod erlebt. Die Auflösung ist haarsträubend, aber bis dahin gibt es jede Menge Morde, Action und attraktive Stars. Musik wieder von Morricone. Mehr hier.


The Child - Die Stadt wird zum Alptraum (1972)
Regisseur Aldo Lado verlegt seinen Psycho-Thriller nach Venedig, wo schon Nicolas Roeg für viel Spannung und Grusel sorgte. Hier muss der abgespeckte Ex-Bond George Lazenby den Mord an seiner kleinen Tochter verarbeiten und deren Killer suchen. Dabei deckt er ein Netz aus Doppelmoral und Abscheulichkeit hinter respektabler Fassade (sprich: der katholischen Kirche) auf. - Lado ist hier ein zynischer Film gelungen, der mehr als andere Gialli emotional aufwühlt und einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, im positiven Sinne. Morde an Kindern zwecks spannender Unterhaltung sind immer schwierig, aber Lado nimmt seinen Plot ernst. Die originelle Musikuntermalung stammt erneut von - raten Sie mal!

The Case of the Bloody Iris (1972)
Ein Mord in einem Hochhaus erschüttert das Leben des jungen Models Edwige Fenech. Bald schon steht sie selbst im Visier des Killers. Welcher der skurrilen Nachbarn ist der Täter?... - Ein Vorzeige-Giallo, der alle wichtigen Elemente beinhaltet. Viel Atmosphäre, schöne Bilder, tolle Kamerafahrten, hübsche Frauen, denen unentwegt die Bluse heruntergerissen wird (was wirklich schon absurde Züge annimmt) und der unvermeidliche George Hilton. Dazu ein Fahrstuhlmord, der allen Fans von "Dressed to Kill" die Sprache verschlagen dürfte. - In Deutschland unter dem Titel "Drops of Blood" auf DVD erschienen. Rezension hier.

Torso (1973)
Wieder Sergio Martino, diesmal mit einem kleinen Horror-Klassiker, auch als "Die Säge des Teufels" bekannt. - Ein Unbekannter tötet Studentinnen, das einzige Indiz - ein roter Schal. Richtig in Fahrt kommt der Film nach einer Stunde, wenn Hauptdarstellerin Suzy Kendall als "Final Girl" ihren Resturlaub in einer abgelegenen Villa eingeschlossen mit den Leichen ihrer Kommilitoninnen und dem Killer mit der Säge verbringen muss. Klaustrophobischer Terror vom Feinsten. Der amerikanische Slasher-Film hat sich hier reichlich bedient.


The Perfume of the Lady in Black (1974)
Obwohl er so aussieht, handelt es sich hier um keinen "echten" Giallo, denn bis kurz vor Schluss wird niemand ermordet. Mimsy Farmer spielt in dieser Hommage an Polanskis "Ekel" und "Rosemaries Baby" eine leicht neurotische junge Frau, deren Leben nach und nach aus den Fugen gerät. Soll Mimsy in den Wahnsinn getrieben werden? - Herausragendes Psychodrama von Francesco Barilli in wunderschön komponierten Bildern und mit starker Atmosphäre. Wenn man glaubt, man wüsste, was passiert, macht der Film einen völlig unerwarteten Schlenker und präsentiert ein blutig-makaberes Finale, das man gesehen haben muss. Ein kleines Meisterwerk! - In Italien auf einer hervorragenden DVD erschienen. Mehr.

Rosso - Die Farbe des Todes (1975)
Argento ist zurück und stößt den klassischen Giallo in eine neue Dimension des Schreckens. Oft kopiert, aber nie erreicht wurde dieses Juwel des italienischen Kinos. David Hemmings sucht den Mörder mit dem Hackebeil und verliert darüber fast den Verstand. Großartige Set Pieces, einige der schönsten Morde des Thriller-Kinos und atemlose Spannung, wenn Hemmings ein Geheimnis nach dem nächsten aufdeckt und dem Killer immer näher kommt. Argentos Kamera ist außer Rand und Band, die Band "Goblin" ebenso. - Ausführliche Rezension hier.


Der New York Ripper (1982)
Lucio Fulcis berüchtigtster Film (und das will etwas heißen), weltweit gekürzt, zensiert, beschlagnahmt und verachtet, ist gleichzeitig einer seiner besten. Junge Frauen werden brutal ermordet, ein Killer quakt wie Donald Duck, ein müder Cop mag gar nicht mehr hinschauen. - Nie war Fulcis Weltsicht düsterer, der Moloch New York ist kein Platz, an dem man auch nur fünf Minuten verbringen möchte. Die Splatter-Effekte sind grotesk überzeichnet, die Frauenfeindlichkeit, die Fulci immer wieder vorgeworfen wird, ist doch eher eine allgemeine Menschenfeindlichkeit. Dreckige Locations, ein klasse Score und eine so grimmige Atmosphäre, dass man hinterher duschen muss. Mehr dazu hier.

Tenebre - Der kalte Hauch des Todes (1982)
Argento ist noch einmal zurück. Nach den übersinnlichen Horror-Meisterwerken "Suspiria" und "Inferno" besinnt sich der Meister auf seine Wurzeln und liefert einen ebenso sonnigen wie eiskalten Thriller ab, in dem das Blut hoch und weit spritzt. In Rom tötet ein Unbekannter Frauen nach der Art, wie sie Krimi-Autor Anthony Franciosa in seinen Romanen vorgibt. - Argento verarbeitet hier die traumatische Erfahrung mit einem Stalker, zeigt ein hypermodernes, sonnendurchflutetes Rom ohne jede Touristenattraktion, das rote Blut färbt die weißen Kleider und Oberflächen wie moderne Kunst. Da kann Daria Nicolodi nur noch schreien. Musik von "Goblin". Ausführliche Rezension hier.

Sleepless (2002)
Lange nachdem der Giallo bereits keine nennenswerten Beiträge mehr hervorbrachte, kam erneut Argento und inszenierte seinen bislang letzten großen Thriller nach altem Schema. - Ein charismatischer Max von Sydow mit Schlafproblemen und der junge Stefano Dionisi ermitteln in einer Mordserie, bei welcher der Täter nach einem alten Kinderreim vorgeht... - ein Riesenhit in Italien, der nicht mit Meilensteinen von damals mithalten kann, aber ausgezeichnete Unterhaltung mit originellen Mordsequenzen, straffes Tempo, einen hämmernden "Goblin"-Soundtrack und die erste zärtliche Liebeszene in Argentos Schaffen bietet. Die ersten 20 Minuten (der Killer verfolgt sein potentielles Opfer durch einen fahrenden Zug) sind geradezu bombastisch spannend. Ausführliche Rezension hier.

Kommentare:

  1. Hi Mathias, das ist ja mal eine gelungene Retrospektive. Ich hab mir jetzt "Sleepless" und "New York Ripper" bestellt, viele andere sind ja gar nicht erhältlich ?
    Was ist eigentlich mit Thalias Blog passiert, zumindest bei mir ist da kein Aufruf mehr möglich ?
    Liebe Grüsse
    Ray

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  2. Dankeschön, lieber Ray, da wünsche ich sehr viel Spaß! Der 'Ripper' ist schon ein sehr extremer Film. Die meisten anderen findest Du schon auch auf DVD, schau mal bei der OFDB, wenn Dich ein Titel interessiert.

    Thalia ihren Blog gelöscht.

    Liebe Grüße zurück!

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