Dienstag, 24. August 2010

Hautnah verfolgt (1987)

Karen Arthurs Thriller HAUTNAH VERFOLGT (Lady Beware - weder der deutsche noch der Originaltitel sind sonderlich erregend) kam ungefähr zeitgleich mit dem ungleich teureren "Eine verhängnisvolle Affäre" ins Kino und ging im Fahrwasser des Mega-Hits unter, dabei sind seine Betrachtungen zum Thema Stalking, sexuelle Obsession und Psycho-Terror um einiges intelligenter als in Adrian Lynes Hochglanz-Schocker.
Leider fehlt ihm aber auch der Funke, der zum Massenpublikum überspringt, weil er sehr viel weniger lautmalerisch angelegt ist.

Worum geht es? Diane Lane spielt eine junge Designerin, die frisch eingetroffen in Pittsburgh einen Job in einem großen Kaufhaus als Schaufensterdekorateurin bekommt. Ihre originell und kontrovers gestalteten Schaufenster (mit sehr viel Sex und Gewalt) locken nicht nur unzählige Schaulustige, Journalisten und Kunden an, sondern auch einen Psychopathen, der in Diane eine Seelenverwandte zu finden glaubt. Zunächst belästigt er sie mit Telefonanrufen, dann steigt er bei ihr in die Wohnung ein. Als Diane nicht mehr ein noch aus weiß, entscheidet sie sich, zurückzuschlagen. Sie macht den Unbekannten mit detektivischem Gespür ausfindig und beginnt selbst eine Rufmord-Kampagne. Bald stehen sich Opfer und Täter hautnah gegenüber...

Karen Arthurs Thriller nimmt konsequent die weibliche Sicht ein und zeichnet die von Diane Lane gespielte Katya zunächst als Opfer männlicher Attacken, denen sie hilflos ausgeliefert ist. Nachdem der Psychopath bei ihr eingestiegen ist (er badet in ihrer Badewanne und stellt ein paar unerhörte Sachen mit ihrer Unterwäsche an), lässt Diane Lane die Fenster vergittern und verlässt die Wohnung nicht mehr, bis sie erkennen muss, dass sie sich selbst im buchstäblichen Sinne ein Gefängnis geschaffen und ihre persönliche Freiheit und Selbstbestimmung aufgegeben hat.
Während sich üblicherweise in solchen Thrillern die Angriffe des Psychopathen so weit steigern, bis die Heldin sich nur noch mit Gewalt wehren kann, schlägt Karen Arthur jedoch einen anderen Weg ein und lässt Diane Lanes Katya aktiv werden. Katya entdeckt die Identität des Stalkers, lauert ihm auf, verteilt Flugzettel mit seinem Gesicht und bedroht ihn. Der verheiratete Mann, der sich nur aus der Anonymität heraus überlegen fühlte, wird nervös und bekommt plötzlich selbst Panik, dass sein "heiles" Leben aus den Fugen gerät. Das zeigt nicht nur Katyas Intelligenz, sondern auch ihre Entschlossenheit, sich nicht zu unterwerfen.
Dieser Dreh wird oft als feministisch bezeichnet, das kann man so stehen lassen. Auf jeden Fall ist es sehr viel interessanter als der übliche Ablauf, in dem sich die arme Frau von Männern retten lassen muss oder zur Mörderin aus Notwehr wird.

HAUTNAH VERFOLGT ist dabei durchweg spannend, auch wenn der 80er-Look mittlerweile komplett veraltet wirkt - so wohnt Lane z.B. in einem dieser gigantischen Fabrik-Lofts (à la "Flashdance"), ausgestattet mit Schaufensterpuppen, Neonbeleuchtung und ähnlich typischen Zutaten des Jahrzehnts der Geschmacklosigkeiten. Auch der Soundtrack bietet die volle 80er-Dröhnung, und das Karrieregirl, das es in der "großen Stadt" zu etwas bringt, gesellt sich organisch zu ähnlichen Filmen wie "Das Geheimnis meines Erfolges" oder "Mannequin" (in dem Schaufenster ebenfalls eine größere Rolle spielen). Der schwule Dekorateur-Kollege darf natürlich auch nicht fehlen, wobei er hier deutlich sympathischer und weniger beleidigend als in "Mannequin" gespielt wird.

In Lanes aufsehenerregender Ausstattung der Schaufenster stecken übrigens viele hübsche Details, sie sind voller erotischer Fetische und Gewalt (wenngleich vollkommen unrealistisch - so setzt Lane z.B. Schlagsahne-Häubchen als Deko, die wohl kaum mehrere Wochen in Form bleiben). Lane selbst scheint anfangs eine sexuell aufgeschlossene Person zu sein, weswegen sich der Stalker in ihr wiedererkennt, doch das - genau wie ihr Apartment - ist alles nur Fassade. So entgeht der Thriller dem Klischee, dass eine selbstbewusste Frau für ihr sündiges Treiben bestraft wird. Er sagt lediglich, dass man aufpassen sollte, wenn man Sex zur Vermarktung der eigenen Kreativität nutzt - und wen man damit anlockt.

Neben der hervorragenden Diane Lane, die seinerzeit viel zu oft in minderwertigen Filmen vergeudet wurde und erst jetzt einen Status besitzt, der ihr gerecht wird, spielen kaum nennenswerte Darsteller. Ihr Gegenspieler Michael Woods ist sehr schmierig und überzeugend, Katyas Liebesgeschichte mit Journalist Cotter Smith bereichert den Film allerdings nicht wirklich und verläuft im Nirgendwo.
Insgesamt bietet HAUTNAH VERFOLGT sehr gute Unterhaltung, ist aber leider nie über den Geheimtipp-Status hinausgekommen.

09/10

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