Sonntag, 29. August 2010

Lebendig begraben (1961)

In dieser dritten Poe-Verfilmung von Roger Corman spielte ausnahmsweise nicht Vincent Price die Hauptrolle, stattdessen übernahm Ray Milland den Part des Protagonisten. Trotz der Abwesenheit von Price gehört LEBENDIG BEGRABEN (Premature Burial) zu den besten Beiträgen der Reihe, auch weil Milland eine ganz andere, seriöse Qualität in den Film einbringt.

Milland spielt hier den von Ängsten gepeinigten Guy Carrell, dessen größte Furcht darin besteht, lebendig begraben zu werden. Um diesem schrecklichen Ereignis vorzubeugen, hat er sich eine Gruft konstruieren lassen, die auf alle Eventualitäten vorbereitet ist. Es gibt eine Alarmglocke, einen geheimen Ausgang und weitere Sicherheitsvorkehrungen. Carrells Verlobte (Hazel Court) hält nichts von seiner Paranoia und schlägt ihm vor, das Grab seines Vaters zu öffnen, um ihm zu beweisen, dass dieser nicht lebendig begraben wurde. Dahinter steckt natürlich ein zielgerichteter Plan der hübschen Dame, und schon bald findet sich Carrell in seiner eigenen Gruft wieder...

In LEBENDIG BEGRABEN thematisiert Roger Corman eine der größten Ängste des Schriftstellers Poe, die er in zahlreichen Geschichten aufgearbeitet hat. Tatsächlich kamen solche Fälle zu Poes Zeiten auch öfter vor als man befürchten musste. Mit der direkten Vorlage "The Premature Burial" hat der Film aber nur das Thema gemein, darüber hinaus strickt Corman einen mörderischen Plot, dessen Überraschungen man früh ahnt, der aber dennoch Riesenspaß macht und eher im Stil von Clouzots "Die Teuflischen" (1955) als in Poes Sinne erdacht ist. Einen übersinnlichen Aspekt gibt es im gesamten Film nicht.

Ray Milland besitzt nicht die überragende Persönlichkeit eines Vincent Price, dafür spielt er seinen Part aber ernsthaft und lässt den Zuschauer an seinen Ängsten teilhaben. Im Gegensatz zu Price, der in Cormans Poe-Adaptionen eher den verführerischen bis wahnsinnigen Bösen spielte, ist Milland hier ein echter Sympathieträger und Opfer teuflischer Machenschaften. Interessanterweise sind auch die Farben dieses Mal etwas gedämpfter als in den Vorgängern.
Milland zur Seite steht eine berückende Hazel Court, die viele Horrorfilme der 60er mit ihrer Anwesenheit veredelte, und in einer kleinen Nebenrolle ist Cormans Stammschauspieler Dick Miller zu sehen.

Visuell steht LEBENDIG BEGRABEN seinen Vorgängern in nichts nach, er ist herrlich anzuschauen, seine Cinemascope-Bilder sind wundervoll komponiert. Obwohl die Geschichte sich nur an wenigen Schauplätzen abspielt, gibt es genug Friedhöfe, Trockennebel, Grabkammern und wehende Vorhänge, dass für reichlich klassischen Gruselstoff gesorgt ist.
In den folgenden Produktionen übernahm Vincent Price wieder die Hauptrolle. So bleibt LEBENDIG BEGRABEN der einzig untypische Film aus Cormans Reihe, aber er gehört definitiv in der Rangfolge ganz nach oben.

08/10

Kommentare:

  1. Hallo Ralf,
    wobei "Folterkammer", den ich auch sehr mag, nicht offiziell zu den Poe-Filmen gehört, der basiert ja auf Lovecraft. Man merkt den Unterschied aber kaum. Gruß von Mathias

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  2. Hallo Mathias,

    ja, die Lovecraft-Vorlage ist natürlich bekannt, aber man hat halt DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS (in sich schon ein irreführender Titel) unter dem Etikett 'Poe' verkauft, genauso wie später auch bei Edgar Wallace gepfuscht wurde. Gegenüber LEBENDIG BEGRABEN wirkt die Story hier auf mich noch minimaler, dafür wabert ordentlich der Kunstnebel vor den Papp-Kulissen und der Film hat einen exorbitanten Score von Ronald Stein, der mindestens die Hälfte des Streifens trägt. Zusammen mit Vincent Prices zuverlässig gruseliger Darstellung bildet der Streifen schliesslich ein abgerundetes Ganzes !

    Mit bestem Gruss

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  3. Hallo Mathias,

    zu Bryan Edgar Wallace kann ich Dir leider auch nicht mehr sagen als Wikipedia. Angeblich hat er einige Bücher verfasst, aber es ist schon merkwürdig, dass diese erst erschienen sind, als sich die Film-Serie nach Edgar Wallace-Büchern in Deutschland als Knüller herausgestellt hat. Gut möglich, dass hier Ghostwriter am Werk gewesen sind.

    Ich bin mir sicher, dass der gute Bryan Edgar das Los vieler Söhne im Schatten berühmter Väter oder Mütter geteilt hat und sich vornehmlich mit der Verwaltung, Rechteverwertung und Ausgabe seines Erbes
    beschäftigt hat.

    Einige auf seinen Buchtiteln basierende Filme (z.B. DER HENKER VON LONDON) habe ich mir angesehen und war - trotz bekannter deutscher Besetzung - schwer enttäuscht gewesen. Die Streifen wirkten auf mich wie ein billiger Abklatsch der Original Edgar-Wallace-Reihe, die eben ihren ganz besonderen 'Magic Touch' hat.

    Aus seinem Buch 'DER MANN DER NICHT SCHWIMMEN WOLLTE' könnte man übrigens unter Zuhilfenahme eines Schausielers, eines Krokodils und eines Baggersees einen vorzüglichen kleinen Kurzfilm fertigen (kicher !).

    Früher habe ich übrigens auch einige Werke vom Meister selbst gelesen (z.B. DAS GASTHAUS AN DER THEMSE), die mir aber schon als Jugendlichem zu trivial, zu naiv und zu billig geschrieben erschienen. Bei der Menge der auftretenden Personen musste man sich nicht wundern, wenn ein Gangster, der auf Seite 18 erschossen worden war, auf Seite 108 wieder lebendig aufgetauchte.

    Für den Erfolg dieses Genres war also hauptsächlich nur der Name von Edgar Wallace, einige seiner Buchtitel, ein findiger Produzent und Herstellungsleiter sowie ein beständiger Stamm an Drehbuchautoren, Regisseuren und Darstellern verantwortlich.

    Gruss Ralf

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  4. Hallo Ralf,

    danke erstmal für die Infos. Ich habe in der Jugend auch viele Wallace-Bücher gelesen und sie auch sämtlich noch im Regal (aus Nostalgiegründen), aber so richtig toll fand ich schon damals keins, ich mochte die Filme immer lieber.
    Die CCC-Verfilmungen finde ich auch sehr enttäuschend, mit Ausnahme von "Der Henker von London", der für mich zumindest ansehbar war (und wegen Felmy).

    Allerdings gibt es mittlerweile für mich auch bei den Rialto-Wallace-Filmen einige Beiträge, die ich beim letzten Sehen vorzeitig ausgeschaltet habe. Andere wiederum, die ich früher nicht mochte, gefallen mir jetzt besser (z.B. "Die Gruft mit dem Rätselschloss"). Ist immer wieder schön, sich mit ihnen zu beschäftigen.

    Hätte RTL in den 90ern nicht mit ihren grottenschlechten Verfilmungen alles ruiniert, könnte man die Titel immer nochmal im Fernsehen neu auflegen.
    Liebe Grüße!

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