Samstag, 20. November 2010

Im Banne des Unheimlichen (1968)

IM BANNE DES UNHEIMLICHEN stammt aus der späteren Phase der Edgar Wallace-Verfilmungen und gehört nicht unbedingt zu den unverzichtbaren Klassikern, kann aber einigermaßen gut unterhalten, wenn man über mehrere Albernheiten gnädig hinwegsieht.

Worum geht es? Bei der Trauerfeier des verstorbenen Sir Oliver Ramsey dringt plötzlich schallendes Gelächter aus dem verschlossenen Sarg. Sir Cecil (Wolfgang Kieling), der leicht neurotische Bruder des Verstorbenen, ist fest überzeugt, sein Bruder sei noch am Leben - zumal dieser scheinbar immer wieder vor dessen Fenster als verkleidetes Schreckgespenst auftaucht. In dieser Maske begeht der Unheimliche auch zahlreiche Morde mit einem giftigen Skorpionstachel.
Inspektor Higgins (Joachim Fuchsberger) von Scotland Yard kommt zunächst auf die Spur eines afrikanischen Gifts, dann auf einen Versicherungsbetrug und jede Menge dubioser Machenschaften, während Freunde, Verwandte und Ärzte des Toten vom Unheimlichen ins Jenseits befördert werden...

Von Edgar Wallaces Roman "Der Unheimliche" bleibt da nicht mehr viel übrig, muss ja auch nicht. Stattdessen feiert man bei der Rialto lieber deftigen Mummenschanz, mit einem als Leichengerippe verkleideten Mörder, der wohl eher die Lachmuskeln animierte, würde nicht Filmkomponist Peter Thomas dem Unheimlichen jedes Mal eine schaurige Auftrittsmusik gönnen.
Von echter Spannung kann leider keine Rede sein, und der klassische Werbespruch "Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein" trifft auch keineswegs zu, da der Film nach der Hälfte seiner Laufzeit deutliche Längen aufweist und die Demaskierung des Killers - eigentlich der Höhepunkt der Filme - nicht mehr so recht interessiert. Ein echtes Highlight oder Set Piece gibt es nicht, dafür aber jede Menge Nonsens, z.B. den modischen Dietrich, mit dem Blacky Fuchsberger angeblich eine verschlossene Tür aufbekommt, und der aussieht wie ein Taschenventilator. Die vielen Kleindarsteller mit Berliner Schnauze, die Gerüchten zufolge Briten darstellen, sind ebenfalls - wie so oft - höchst amüsant.
Keine Besprechung vom UNHEIMLICHEN wäre allerdings komplett ohne die Erwähnung von Peter Mosbacher, der als grün geschminkter "West-Inder" Ramiro den Gipfel der Peinlichkeit im gesamten Wallace-Universum darstellt. Nicht einmal der affige Gorilla, der im Nachfolger "Der Gorilla von Soho" (1968) Uschi Glas nachstellt, ist so albern wie diese beschämende Maske.

Joachim Fuchsberger spielt entspannt und humorig den Inspektor Higgins, der von der entzückenden Ilse Pagé als Miss Finley kokett "Higgi" gennant wird (da hat wohl jemand "Im Geheimdienst ihrer Majestät" gesehen..), der auch mal einer Bibliotheksangestellten lüstern unter den Rock gafft, wenn sie im Obergeschoss ein Buch sucht. Respekt vor Frauen als ebenbürtige Menschen gibt es in der Filmreihe ohnehin nicht wirklich, es sei denn, sie sehen aus wie Karin Dor.
Die Schwedin Siw Mattson, deren Filmografie ganze drei (!) Auftritte aufweist, ist zwar als geil daherplappernde Reporterin ("Ein Knaller, ? Meine Beine!") ganz nett anzuschauen, darstellerisch bleiben aber einige Wünsche offen, auch wenn sich die Inszenierung heftig bemüht, sie wie eine deutsch/britisch/schwedische Emma Peel wirken zu lassen.
Den unterhaltsamsten Part hat Hubert "Hupsi" von Meyerink als Yard-Chef Sir Arthur, der im Büro Ballett-Schritte tanzt und angeblich seinen in den Ruhestand versetzten Vorgänger Siegfried Schürenberg abgelöst hat, obwohl er deutlich älter wirkt. Den besten Dialog bekommt er, wenn er sich im Yard Fotos von Sängerin Lil Lindfors anschaut (Kommentar: "Sehr attraktiv") und dann bei der Aufnahme ihrer Leiche enttäuscht anmerkt: "In dieser Stellung ist sie natürlich weniger attraktiv!"

In Nebenrollen leisten Wolfgang Spier, Siegfried Rauch und Pinkas Braun gewohnt gute Arbeit, der wunderbare Wolfgang Kieling wird leider verschenkt und muss als paranoider Sir Cecil ständig in Todesangst die Augen aufreißen und herumschreien. Klasse ist der Auftritt von Edith Schneider, eine der besten Synchronsprecherinnen aller Zeiten (u.a. Doris Day und Ava Gardner), in der Rolle einer Giftexpertin. Lil Lindfors singt - begleitet von Voodoo-Trommeln - das schmissige Titellied "The Space of Today", mit einem der sinnlosesten Texte der Musikgeschichte.

An Kamera, Schnitt und Musik gibt es wie immer nichts auszusetzen, Regisseur Alfred Vohrer bemüht sich um hohes Tempo und schnell wechselnde Schauplätze (mit besonderem Augenmerk auf dynamische Szenenübergänge), doch das Buch von Ladislas Fodor gibt leider nicht viel her. Als Zuschauer hat man bis kurz vor Schluss keinen Schimmer, worum es eigentlich in der ganzen Geschichte geht, so bleibt einem auch das Mitfiebern erspart. Man kann sich zurücklehnen, das Gehirn ausschalten und den Unheimlichen vor seinen Augen vorbeiziehen lassen, ohne dass bleibende Schäden entstünden.

Als nächstes produzierte die Rialto übrigens mit "Der Gorilla von Soho" den mit Abstand schlechtesten Wallace aller Zeiten, bevor man das Qualitätsniveau glücklicherweise wieder anhob.

05/10

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