Sonntag, 28. Februar 2010

Blumen ohne Duft (1970)

"Beyond the Valley of the Dolls", so der Originaltitel, durfte aufgrund legaler Streitereien mit der Autorin von "Valley of the Dolls" nicht als Sequel beworben werden, erzählt aber im Grund die gleiche Geschichte noch einmal. Im Gegensatz zur Vorlage "Tal der Puppen", in welchem absurde Schicksale so ernst genommen werden, dass der Film ein Klassiker des unfreiwilligen Humors geworden ist, geht Regisseur Russ Meyer in seiner Version weiter und macht gleich zu Beginn deutlich, dass es sich hier um teuren Trash handelt. Tatsächlich war dies der erste Film der 20th Century Fox, der mit einem X-Rating bedacht wurde und ist dem Studio heute noch so peinlich, dass er in keiner offiziellen Chronik auftaucht. Dass die deutsche DVD heute noch ein FSK 18-Siegel trägt, bleibt allerdings ein Witz, denn außer einem abgeschlagenen Pappmachè-Kopf und jeder Menge nackter Brüste (das Markenzeichen von Russ Meyer), gibt es weit und breit nichts, was Sechsjährige erschrecken würde.

Meyer und sein Drehbuchautor Roger Ebert (der US-Filmkritiker) erzählen von drei Mädels, die im ihrer Rockband im Musikgeschäft Furore machen wollen und dabei an (wenig) Alkohol, Pillen und (jeder Menge) Sex beinahe zerbrechen, bis ein bizarres Happy End mit Erzählerstimme von Russ Meyer doch noch alles gut werden lässt. Die erste Stunde des Films verläuft dabei eher beschaulich und bietet außer jeder Menge Partyszenen mit Joints und Oben-Ohne-Girls nichts Aufregendes. Dann aber überschlagen sich plötzlich die Ereignisse, Abgründe tun sich auf, es gibt Vergewaltigungen, Selbstmordversuche auf offener Bühne, einen Butler, der sich als Nazi verkleidet und einen androgynen Rock-Titan, der sich überraschend als Frau outet und einem widerspenstigen Lover mit seinem Ritterschwert enthauptet, bevor er noch weitere unaussprechliche Taten verübt.

Das absurde Spektakel wird von "Schauspielerinnen" dargeboten, die größtenteils als Playmate tätig waren und dementsprechendes "Talent" aufweisen. Wie üblich bei Meyer beherrschen die Frauen den Film, Männer sind von geringer Bedeutung und müssen oft als Sexobjekte herhalten. Das macht Meyers Independent-Produktionen so originell und erfrischend, hier - unter der Aufsicht eines großen Studios - kommt dieser Vorzug nur wenig zum Vorschein. Das Ganze ist hübsch gefilmt und wird von altmodischen Montagen begleitet, der Trash-Faktor ist vom ersten Moment an präsent und auch gewollt. Da frohlockt ein Pärchen in Zeitlupe durch Wald und Wiesen, ein naiver Junge vom Land wird erst von seiner Freundin, dann von einer Pornodarstellerin gedemütigt, bevor er während eines Live-Acts der Girlieband vom Schnürboden springt (mit einem wirklich schaurigen "Knack"-Soundeffekt beim Aufprall), später sitzt er im Rollstuhl und erlebt eine wundersame Filmheilung.

Alles in allem muss man "Blumen ohne Duft" nicht gesehen haben, aber als Partykracher besitzt er durchaus Unterhaltungswert, weil man über die hölzernen Darsteller/innen, die schwerfällige Regie und die bewusst naiven Übertreibungen sehr schön lachen kann. Ich ziehe dennoch das Original wegen seiner Blindheit gegenüber des eigenen Trash-Faktors vor.

07/10

Mittwoch, 24. Februar 2010

Ninas Alibi (1989)

Die romantische Komödie NINAS ALIBI (Her Alibi) von Bruce Beresford (Miss Daisy und ihr Chauffeur) erzählt von einem Krimi-Schriftsteller, der mangels neuer Ideen einer attraktiven Mordangeklagten (Model Paulina Porizkova in ihrem Leinwanddebüt) zu einem falschen Alibi verhilft - in der Hoffnung auf eine stürmische Liebesaffäre und Inspiraton für seine Arbeit. Doch was, wenn er sich tatsächlich eine Mörderin ins Haus geholt hat...?

Beresfords Film verfolgt keine weiteren Ansprüche als das Publikum 90 Minuten unbeschwert zu unterhalten, und er weiß um die Albernheit seiner Grundidee. Letzlich ist es Geschmackssache, doch ich mochte diese unprätentiöse kleine Krimikomödie schon damals in den Spät-Achtzigern und mag sie immer noch. Das liegt in erster Linie am humorvollen und warmherzigen Drehbuch, das unentwegt die Welt der Krimis auf die Schippe nimmt. So erfindet Tom Selleck mit Peter Swift eine sämtlich aus Klischees bestehende Romanfigur und kommentiert die tatsächlichen Ereignisse in übertriebner Groschenroman-Manier als Off-Erzähler. So wird aus einer übergewichtigen Gefängnisaufseherin eine "hinreißende Skandinavierin", und wenn Selleck den Müll hinausträgt und dabei ins Stolpern kommt, hören wir, wie sein Held sich mit der "Geschmeidigkeit eines Panthers" durch die Nacht bewegt. Diese ironischen Brechungen machen den Reiz von NINAS ALIBI aus.

Paulina Porizkova kann in ihrer Rolle mit Schönheit, Sex-Appeal und Natürlichkeit bezaubern, William Daniels liefert in einer Nebenrolle als Sellecks ängstlicher Lektor, der wegen des falschen Alibis nicht "als Sex-Sklave eines tätowierten Drogenkönigs" im Gefängnis landen will, eine Glanzleistung ab. Das Hauptproblem des Films ist Selleck selbst. Das Drehbuch verlangt einen Autor, der sich in seinen wüsten Männerfantasien und Romanen als Macho auslebt, während er im wahren Leben so ungeschickt und spießig ist, dass keine Frau sich für ihn interessieren würde. Tom Selleck aber haftet seit "Magnum, P.I." nunmal der Macho wie maßgeschneidert an. Er ist zu jung, zu attraktiv und zu kernig für die Rolle. NINAS ALIBI würde weitaus besser funktionieren, wenn man sich einen Woody Allen oder Steve Martin in diesem Part vorstellt. Dabei gibt es schauspielerisch an Selleck gar nichts auszusetzen, er ist einfach eine unglückliche Wahl.
Bruce Beresford konstruiert für ihn einige komödiantische Szenen, wie sie in den Komödien der 50er und 60er stattfinden könnten - etwa, wenn Porizkova einen Pfeil in Sellecks Hinterteil schießt und sein Gesprächspartner am Telefon die darauf folgende Hektik völlig missversteht ("So bekommen wir ihn nie heraus, wir brauchen Hilfe!"). Auch deswegen macht NINAS ALIBI einen (positiv) altmodischen Eindruck. Dies ist einer der Filme, die man sich an einem verregneten Sonntag gut anschauen kann. Er tut niemandem weh, bietet ein paar herzhafte Lacher, eine hübsche Romanze und einen wirklich wunderschönen Soundtrack von Georges Delerue.

Die in Deutschland erschienene DVD bietet den Film leider nur im Vollbild-Format und in der deutschen Synchronfassung, ohne O-Ton oder Untertitel. Da bleiben leider viele Wünsche offen.

07/10

Dienstag, 23. Februar 2010

Gattaca (1997)

Regisseur und Autor Andrew Niccol entwirft in GATTACA eine düstere Zukunftsvision, die er konsequent durchspielt, mit deutlichen Bezügen zur heutigen Realität (Stichwort "Elite"). Mittels Präimplantationsdiagnostik werden perfekte Menschen mit hoher Lebenserwartung geschaffen, die auf dem Arbeitsmarkt Karriere machen können. Alle anderen fallen durchs Raster.
Andrew Niccol inszeniert einen Mix aus Sci-Fi, Thriller, Drama und auch Melodram in kühlen, durchgestylten Bildern. Die Welt von GATTACA ist in sich geschlossen, Kostüme und Ausstattung verweisen durchgängig auf die 40er Jahre und damit auf ein anderes Regime, in dem der "perfekte Mensch" das gesellschaftliche und politische Ideal war.
Die Darsteller sind allesamt hervorragend und passen sich dem strengen Regie-Stil an, der oft von ihnen verlangt, keinerlei Emotionen zu zeigen (um in der Welt von GATTACA nicht "aufzufallen"), ein Querverweis auf den Sci-Fi-Klassiker "Invasion of the Body Snatchers". Tatsächlich scheint die Elite in GATTACA aus seelenlosen Menschen-Doppelgängern zu bestehen. Ethan Hawke spielt hier seine (für mich) beste Rolle. Uma ist die perfekte Besetzung für die kühle blonde Schönheit, die ihre Emotionen (fast) durchgängig unter Kontrolle hat. Thurman wäre eine fantastische Schauspielerin für Hitchcock gewesen...
Fazit: GATTACA schafft es mühelos, spannende Unterhaltung, intelligente Science-Fiction und Kunstkino miteinander zu verbinden.

08/10

Curtains - Wahn ohne Ende (1983)

CURTAINS entstand im Zuge der "Halloween"-Welle und präsentiert viele der typischen Mechanismen, verlässt aber auch gelegentlich die Schiene und bietet neben guten Darstellern wie John Vernon und Samantha Eggar einige hübsch surreale, beängstigende Szenen.
Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass hier ein Ensemble von erwachsenen Schauspielern agiert und auf die üblich kreischenden Teenies verzichtet wird. CURTAINS handelt von einer Gruppe Schauspielerinnen, die zwecks Casting in ein abgelegenes Landhaus kommen. Als ein maskierter Mörder die Damen der Reihe nach ins Jenseits befördert, müssen sich die Überlebenden fragen, ob sie wirklich für eine Rolle sterben möchten... oder ist etwa alles ganz anders, als es aussieht?

Unter den Darstellerinnen befindet sich übrigens auch Linda Thorson, bekannt als Tara King aus "Mit Schirm, Charme und Melone". CURTAINS spielt recht intelligent mit Schein und Sein (nach dem Vorspann öffnet sich ein Vorhang zur Handlung, der von John Vernon gespielte Regisseur trägt den Namen des CURTAINS-Regisseurs Jonathan Stryker, bei dem es sich tatsächlich aber um Richard Ciupka handelt), bietet einige doppelte Böden, und eine Mordszene auf einem zugefrorenen See ist so spannend inszeniert, dass sie heute noch Gänsehaut verursacht.

Alles in allem gehört CURTAINS aus dem Jahr 1983 zu den sehenswerteren Beiträgen des Genres.

08/10

Tigerland (2001)

TIGERLAND aus dem Jahr 2001 war der Versuch von Star-Regisseur Joel Schumacher, einen kleinen, persönlichen Film ohne Hollywood-Schnickschnack zu produzieren. Das ist ihm nur teilweise gelungen. Zwar hat der Film einen interessanten, authentischen Look aufgrund der kostengünstigen Produktionsweise (viel Handkamera, wenig Licht, kein Make-Up), die Story an sich kann aber nicht ganz überzeugen, zumal sie stets an den weitaus besseren "Full Metal Jacket" erinnert.

TIGERLAND spielt zur Zeit des Vietnam-Krieges in einem simulierten Vietnam-Camp, wo die jungen Soldaten unter "Echt"-Bedingungen den baldigen Einsatz proben. Der junge Rekrut Bozz (Colin Farrell) verweigert sich dem harten Drill und den vielen psychologischen Demütigungen der Vorgesetzten und wartet auf eine Möglichkeit zur Flucht. Doch es kommt alles anders als geplant...

Es gibt nicht wirklich viele Szenen, die man nicht schon so oder anders in thematisch ähnlichen Filmen gesehen hätte, doch die Darsteller - viele davon erstmalig vor der Kamera - liefern hervorragende Leistungen ab, allen voran Colin Farrell, der hier von Schumacher entdeckt wurde und seine erste große Hauptrolle spielt. TIGERLAND konzentriert sich dabei wohltuend auf die zwischenmenschlichen Konflikte und verzichtet völlig auf effekthascherische Kriegseinsätze, Action oder Special Effects. Auch Pathos ist hier glücklicherweise nicht zu finden. Insgesamt ist TIGERLAND unterhaltsam und durchaus spannend, erreicht aber nicht die Intensität, die wahrscheinlich beabsichtigt war.

06/10

Die drei ??? - Das verfluchte Schloss (2009)

Die drei Fragezeichen sind treue Begleiter seit meinen Jugendtagen. Aufgrund schlechter Mundpropaganda war ich vom ersten Kinofilm "Das Geheimnis der Geisterinsel" eher positiv überrascht, beim VERFLUCHTEN SCHLOSS allerdings verhält es sich genau umgekehrt.

Der Inhalt: Die drei Detektive Justus, Peter und Bob geraten durch eine Videobotschaft, die Justus' verstorbene Eltern kurz vor ihrem Tod hinterlassen haben, in das verfluchte Schloss des Erfinders Stephen Terrill, wo sie allerhand Mysteriöses erleben, einem seltsamen Mädchen sowie dem Geist des Schlossbesitzers begegnen und schließlich einen Schatz suchen müssen...

Positiv zu vermerken sind die Leistungen der Darsteller, wobei besonders Chancellor Miller als hochintelligenter, grüblerischer Justus Jonas absolut überzeugt, der stets ruhig bleibt, während die Kollegen gern in Hysterie ausbrechen. Die emotionalen Momente gelingen ihm nicht so gut, das liegt aber an der Einfallslosigkeit des Drehbuchs. So muss Miller z.B. eine unmögliche Szene am Grab seiner Eltern spielen, die man schon tausendfach gesehen hat ("Habt ihr mir nicht vertraut?" schluchz)

Der Trend zur Emotionalisierung geht auch hier weiter. Die Detektive dürfen nicht mehr durch einen Auftrag (des seligen Hitchcock) gut gelaunt in ihr unheimliches Abenteuer stolpern, sondern es muss einen privaten Aufhänger und jede Menge Tränen und Kitsch geben. Die Penetranz, den Detektiven psychologischen Ballast aufzubürden, war bereits in den jüngeren Folgen der Hörspielreihe überflüssig. Originalität, Witz und Spannung wären mir deutlich lieber, aber der Humor ist flach (auch für Kinder), die Geschichte hangelt sich mit dünnem roten Faden von einem Erlebnis zum nächsten, und dazu wird sich links und rechts bei anderen Filmen bedient, etwa "Haunted Hill" oder "13 Ghosts".

Die Charaktere bleiben farblos, Peter Shaw (Nick Price) und Bob Andrews (Cameron Monaghan) werden unerklärlicherweise beide als trottelig gezeichnet. Price muss schon beim ersten Schlossbesuch eine schlimme Slapstick-Einlage absolvieren, die Ed Wood stolz gemacht hätte (man sieht, wie der arme Darsteller sich selbst gegen sämtliche Dekorationen wirft). Annette Kemp als mysteriöses Mädel Caroline bereichert den Film überhaupt nicht, hier musste nur wieder einmal (wie bereits im Vorgänger) für das weibliche Publikum eine Identifikationsfigur vor die Kamera und in die Story gezerrt werden.

So sehr ich mich über das Eintreffen von Chauffeur Morton samt goldenem Rolls Royce gefreut habe (sogar mit der Stimme von Andreas von der Meden), auch diese von den Fans jahrzehntelang geliebte Figur bleibt völlig uninteressant. Ein müder Schlussgag nach den ersten Abspanntiteln rundet übrigens den schwachen Eindruck ab. Es folgt ein schlimmer Rap-Song, den ich gar nicht so schnell ausschalten konnte wie mir übel wurde.

Kamera und Effekte sind in Ordnung, wenngleich nicht atemberaubend. In einer wirklich gelungenen Sequenz erkennt Justus den versteckten Geheimgang und eine zu entschlüsselnde Formel im verfluchten Gemäuer, ansonsten bietet das VERFLUCHTE SCHLOSS für meinen Geschmack zu wenig Grusel, Abenteuer und Witz.
"Die drei ??? und das Gespensterschloss" war eine meiner Lieblingsfolgen der Hörspiel-Reihe, die Verfilmung aber hat mich mehr als einmal tödlich gelangweilt. Ich bezweifle, dass man so neue Fans gewinnt, man schreckt dazu noch die alten ab. Kein guter Weg.

03/10

Poltergeist (1982)

POLTERGEIST (Poltergeist) war einer der großen Horror-Erfolge der 80er, und bis heute ist unklar, inwieweit Produzent Steven Spielberg dem Regisseur Tobe Hooper ("The Texas Chainsaw Massacre", 1974) bei der Arbeit ins Handwerk gepfuscht hat, denn der Film weist einige typische Spielbergsche Motive und Szenen auf. Der grundsätzlich satirische Ton, in dem POLTERGEIST neben allem Schrecken das amerikanische Kleinstadtleben demontiert, ist dagegen reinster Hooper, und der finale Akt des Films so unerwartet düster, dass man wirklich nicht mehr von einem Spielberg-Märchen sprechen kann.

Der Inhalt dürfte hinlänglich bekannt sein, aber kurz noch mal: die Familie Freeling bekommt es von einem Tag auf den anderen mit seltsamen Phänomenen zu tun. Zuerst verschwindet Tochter Carol Anne im Fernseher, dann bewegen sich Möbel und Gegenstände, und schließlich bricht der wahre Horror über die Familie herein...

POLTERGEIST ist das beste Beispiel, wie man Spannung, Horror und Humor kongenial verbinden kann. Die Identifikation mit der Durchschnittsfamilie fällt viel leichter, weil alle Familienmitglieder ausnehmend gut charakterisiert und sympathisch gezeichnet sind - mit sehr skurrilen Eigenarten. Neben dem ganzen Geister-Trubel erzählt der Film von einem Thema, das in den 80ern von großer Relevanz war (und so gesehen immer noch relevant ist) - Kritik an der Ausbeutung durch Großkonzerne. Wie sich herausstellt, sind die Poltergeister die Geister von toten Ureinwohnern, deren Friedhof man einfach verlegt hat, um dort Häuser für die "guten" amerikanischen Familien zu bauen. Nur hat man "vergessen", die Toten mit zu verlegen. Es ist selten, dass im Horror-Genre solche klar politischen Subtexte transportiert werden, und gerade dieses Element ist es, was POLTERGEIST bis heute frisch gehalten hat.
Der Film hat Tempo und ebenso komische wie zutiefst erschreckende Sequenzen. Die Darsteller sind ausnahmslos hervorragend, Jerry Goldsmith hat einen klasse Soundtrack komponiert, und die Spezialeffekte (von denen es vielleicht einen Tick zu viele gibt) können auch heute noch überzeugen.

Sicher, POLTERGEIST ist reinstes Mainstream-Kino, das niemandem wirklich weh tut (Blut fließt kaum im Film), aber als Achterbahn funktioniert der Film perfekt.

09/10


Poltergeist II (1986)

"Poltergeist" war einer der großen Horror-Erfolge der 80er, das schrie natürlich nach einer Fortsetzung. Doch das Sequel lässt leider fast alles vermissen, was das Original auszeichnete. Und selbst wenn man Teil 2 nicht am Vorgänger misst, fällt er als Horrorfilm durch.

Das Positive zuerst: beinahe alle Darsteller aus Teil 1 spielen wieder mit, das ist bei Fortsetzungen durchaus nicht üblich und wertet den Film deutlich auf. Die Schauspieler sind sehr vertraut mit ihren Charakteren und spielen erneut hervorragend. Zum bekannten Ensemble gesellt sich Julian Beck als finsterer Reverend, und ihm gehören die einzig wirklich grusligen Momente. Sein Anblick, seine Sprache (klasse im O-Ton, aber auch gut synchronisiert) und seine Gesten sind von unheimlicher Wirkung. Ebenso hinzu gekommen ist Will Sampson ("Einer flog übers Kuckucksnest") als indianischer Helfer der Familie, der mit allerlei Zaubereien einen Weg aus dem Unheil sucht.

Hier liegt schon die erste große Schwäche von "Poltergeist 2": der Film hat kein Thema. Der grundsätzlich satirische Ton, in dem "Poltergeist" neben allem Schrecken das amerikanische Kleinstadtleben demontierte, ist hier nicht mehr vorhanden. Stattdessen entscheidet sich Regisseur Gibson für eine süßliche "Liebe und Familie werden über alles siegen"-Erzählung, die am Ende wirklich peinlich und beschämend für alle Beteiligten wird. Weder die Magie der Ureinwohner noch die Kraft von Medium Tangina (Zelda Rubinstein) werden sinnvoll benutzt, und besonders unangenehm wird der Film zwischenzeitlich, wenn die bösen Geister von Familienvater Craig T. Nelson Besitz ergreifen und er zum brutalen Vergewaltiger mutiert, bevor er ein ekelhaftes Monster erbricht (kein Tippfehler).

Die Spezialeffekte sind hervorragend und haben die Zeit gut überstanden, aber der Film ist nie wirklich spannend. Das merkt man besonders, wenn plötzlich laute Action-Szenen über den Zuschauer hereinbrechen (die Zahnspange, die Kettensäge), die ohne Zusammenhang daherkommen und nichts anderes sind als der plumpe Versuch, den Film gelegentlich etwas in Schwung zu bringen. Die "andere Seite", die wir in Teil 1 nicht zu Gesicht bekamen, soll hier der große Knüller sein, ist aber nur ein Gewaber aus Nebel und Bluescreen, durch das die Schauspieler an Drähten hindurchfliegen. Geheimnisse sind manchmal besser.

Alles in allem ist "Poltergeist 2" eine echte Enttäuschung. Er ist gut gespielt und hat ein paar gelungene Sequenzen, aber darüberhinaus ist er süßlich, weinerlich, extrem harmlos, streckenweise langweilig und bietet ein wirklich schlimmes Finale inklusive verstorbener Großmama als Rauschgoldengel im Jenseits, über das man nur lachen kann. Schade.

06/10

Poltergeist III (1988)

Nach dem Erfolg von "Poltergeist" und der (schwachen) Fortsetzung konnte der dritte Teil nicht ausbleiben, leider stand aber bis auf Kinderdarstellerin Heather O'Rourke und Zelda Rubinstein als Medium Tangina keiner der Original-Schauspieler mehr zur Verfügung. So verlegte Regisseur Gary Sherman die Handlung von den bislang genutzten Einfamilienhäusern in friedlichen Vororten in einen modernen Wolkenkratzer in Chicago, was zwar keine umwerfend neue Idee war (man denke an Lamberto Bavas "Dämonen 2" oder Cronenbergs "Shivers"), als Set bietet das Hochhaus aber genügend Abwechslung. Nach diversen Poltergeist-Angriffen lebt nun die kleine Carol-Anne (O'Rourke) bei Tante und Onkel (Nancy Allen und Tom Skerritt), und ehe sie sich versieht, ergreifen auch hier wieder die Geister um den in Teil 2 eigentlich besiegten Reverend Kane wieder Besitz von Wohneinrichtung und Menschen...

Was POLTERGEIST 3 bietet in erster Linie außergewöhnliche Effekte, die allesamt nicht in der Post-Produktion eingefügt wurden, sondern direkt beim Dreh zum Einsatz kamen. Mittels Doppelgänger und Spiegeltricks werden hier sehr hübsche Einfälle geschaffen (so tun die Spiegelbilder der Darsteller bewusst oft nicht das, was ihre Originale gerade machen), und die düstere Grundstimmung - verstärkt durch Joe Renzettis Score - steht zwar im krassen Gegensatz zu den Vorgängern, kann aber durchaus überzeugen. Leider bringt der Film eine Gruppe kreischender Teenager ins Spiel, die in der Reihe überhaupt nichts verloren und auch zum Horror nichts beizutragen haben.
Ich persönlich mag POLTERGEIST 3 trotzdem ganz gerne, obwohl mir bewusst ist, dass es sich um keinen guten Film handelt, was hauptsächlich an der Besetzung liegt. Nancy Allen (Ex-Mrs. De Palma) sieht man ohnehin viel zu selten, Tom Skerritt ist grundsätzlich sehenswert, und in einer Nebenrolle spielt die junge Lara Flynn Boyle recht reizend. Die junge Heather O'Rourke, die im Zentrum des Films steht, verstarb leider während der Dreharbeiten, weswegen der Film komplett umgeschrieben werden musste. Das entstandene Chaos merkt man deutlich, er wirkt unfokussiert und seltsam beliebig. Die Ereignisse haben kein klares Ziel, und am Ende wird Darsteller Kipley Wentz bzw. dessen Schicksal völlig vergessen, eine klare Schlampigkeit. Auch die Abwesenheit von Carol-Annes Eltern wird mehr als dürftig erklärt, und die Tatsache, dass sich Medium Tangina extra von weither auf den Weg macht, um der Kleinen beizustehen, die von ihren Eltern aber völlig im Stich gelassen wird, macht die Handlung unglaubwürdig. Auch die schlussendliche Auflösung widerspricht in ihrer (Un-)Logik den Vorgängern.

Nein, ein guter Horrorfilm ist POLTERGEIST 3 nicht, aber er bietet einige ausgezeichnete Effekte, gute Darsteller und ist insgesamt so unterhaltsam, dass er doch an einem Totel-Flop vorbeischrammt. Und er verzichtet weitgehend auf den familiären Kitsch, der Teil 2 so unerträglich machte.

06/10

Prom Night (1980)

Mit PROM NIGHT versuchte Regisseur Paul Lynch 1980 auf den sensationellen "Halloween"-Zug aufzuspringen und inszenierte einen Teenie-Slasher, der relativ erfolgreich lief, mehrere Sequels und 2008 ein grottenschlechtes Remake inspirierte.
Obwohl er selbst nur die von John Carpenter vorgegebene Formel benutzt, haben sich spätere Slasher auch an PROM NIGHT orientiert. Was den Film aus heutiger Sicht eher zum Trash macht, sind einerseits Leslie Nielsen, der hier als Jamie Lee Curtis' Vater und Highschool-Rektor eine ernste Rolle spielt, und zum anderen der verzweifelte Versuch Lynchs, den Mega-Hit "Saturday Night Fever" gleich mit zu verwursten, was zu vielen unglaublich geschmacklosen Tanzeinlagen und Disco-Lichtern im letzten Akt führt.

Inhaltlich geht es um Altbekanntes: ein Jugendstreich mit tödlichen Folgen lässt eine Gruppe von Schülern kurz vor dem Abschlussball nicht mehr schlafen, denn ein Unbekannter droht mit anonymen Anrufen und Mord. Auf dem Ball kommt es zum spannenden Showdown zwischen Disco-Queen Jamie Lee und dem wahnsinnigen Mörder...

Paul Lynch baut seine Spannung ganz ordentlich auf und streut jede Menge falscher Spuren und haufenweise Verdächtige ein. Tatsächlich kann man kaum erraten, wer sich unter der Skimaske verbirgt, die der Täter neben seinem Hackebeil trägt, und die Auflösung ist ebenso überraschend wie sinnvoll. Im letzten Drittel läuft der Film auf Hochtouren, während besonders im Mittelteil doch immer wieder belanglose Szenen um die farblos gezeichneten Charaktere zu gelegentlicher Langeweile führen.

Es wird natürlich wie üblich etwas gekifft, gefummelt und überlegt, wann man seinen Jungfrauen-Status verlieren sollte oder nicht, das sind die Standards und werden bis heute (leider) kaum variiert. Jamie Lee Curtis trägt den Film als sympathisches Mädel mit düsterer Vergangenheit, und die Zuneigung und Freundschaft zwischen den Figuren wirkt echt und ungekünstelt. Das blonde, verkommene Sexbiest darf natürlich nicht fehlen - wenn schon überall geklaut wird, warum dann nicht auch bei "Carrie"?

Alles in allem ist PROM NIGHT kein Pflichtprogramm und hat deutlich Staub angesetzt - anders als Carpenters "Halloween", dessen Qualität und Kunst ihn eben zu Recht unsterblich machen. Wer einen nostalgischen Horror-Abend mit Filmen seiner Jugend in den frühen 80ern verbringen möchte, der liegt mit diesem Horror/Disco-Mix nicht verkehrt. PROM NIGHT ist übrigens bis auf eine Ausnahme erstaunlich unblutig.

06/10

Prom Night 2 - Mary Lou (1988)

1957 wird das schöne, aber böse Abschlussball-Luder Mary Lou nach einem misslungenen Streich (einer gigantischen Stinkbombe) auf offener Bühne gegrillt. 20 Jahre später fährt ihr Geist in die unschuldige Vicky, die plötzlich ganz böse Dinge anstellt - sie schminkt sich die Lippen blutrot und baggert kurz darauf nicht nur den Pfarrer, den eigenen Vater, sondern auch Mitschülerinnen nackig unter der Mädchendusche an. Überflüssig zu erwähnen, dass einige Mitschüler (und Erwachsene) nebenbei grausig zur Hölle fahren müssen, denn was wäre ein Teenie-Horror ohne tote Teenager?

Positiv zu vermerken ist die Tatsache, dass der Film sich zwar ausgiebig bei den Vorbildern bedient, aber immerhin eine Geschichte erzählt, die auch relativ spannend funktioniert. Das Budget von PROM NIGHT 2 verhindert zwar einen wirklich stilvollen Look, aber über weite Strecken lässt sich der Horrorstreifen gut anschauen. Das liegt auch an der Besetzung aus relativ unbekannten Gesichtern, lediglich "Scanner" Michael Ironside als Schulrektor ist eine feste Größe im Horrorgeschäft und immer gern gesehen.
Einige Einfälle sind äußerst bizarr (ein Spiegel wird zum Tor in eine andere Welt, ein Volleyball versetzt Vicky in ein Spinnen-Netz, eine Mitschülerin wird zwischen Umkleiden zerquetscht), aber fantasievoller als axtschwingende Serienkiller. Die Verwandlung unserer liebreizenden Hauptdarstellerin in eine bösartige Furie mit Vorliebe für 50er-Schlager besitzt durchaus Witz, man hätte aber auf den geschmacklosen Inzest-Subtext verzichten können. Überhaupt verzeichnet PROM NIGHT für einen US-Film ein erstaunliches Maß an Nacktheit und Frivolitäten - so bekommt selbst der Schul-Nerd für die Fälschung der Abschlussball-Wahlergebnisse Oralsex als Gegenleistung von der schlampigen Möchtegern-Prom-Queen. Das alles rückt den Film in die Schmuddel-Ecke, macht ihn aber auch sehr unterhaltsam. Der Schlussgag ist dreist aus Wes Cravens "Nightmare on Elm Street" geklaut. Ein weiterer Gag: Die Charaktere sind sämtlich nach Horror-Regisseuren benannt (Craven, Carpenter, Hooper, etc.). Alle weiteren Sequels des Films kann man sich übrigens getrost sparen.
Ich finde es absolut erstaunlich, dass Ende der 80er niemand mehr an die ausgelutschte Slasher-Formal glaubte, wir aber heute im Jahr 2009 immer noch mit genau diesen Filmen (darunter ein grottenschlechtes Remake des Original-"Prom Night") unentwegt überschüttet werden. Hallo, Fantasielosigkeit.

05/10

Sisters - Tödliche Schwestern (2006)

Eine Reporterin (Chloe Sevigny) beobachtet einen Mord und gerät bei eigenen Nachforschungen in die Fänge eines skrupellosen Arztes (Stephen Rea) und seiner Geliebten (Lou Doillon, Tochter von Jane Birkin), die ein schreckliches Geheimnis verbindet...

Man fragt sich, wann endlich Schluss ist mit überflüssigen und ideenlosen Remakes, die nicht einmal Geld einbringen und somit weder künstlerisch noch finanziell überzeugen können. Brian De Palmas "Sisters" von 1973 war eine verspielte, schwarzhumorige und höchst avantgardistische Hitchcock-Hommage, die dem Regisseur erstmals einen Publikumshit bescherte.

SISTERS - TÖDLICHE SCHWESTERN aus dem Jahr 2006 von Douglas Buck hingegen ist - tja, gar nichts. Für einen Thriller ist er nicht spannend genug, für einen Horrorfilm in keiner Weise erschreckend, die Charaktere sind allesamt lächerlich unterzeichnet und uninteressant, und der langsame Spannungsaufbau aus De Palmas Original führt hier in der Kopie nur zu gähnender Langeweile, zumal das Mordopfer dem Zuschauer herzlich egal ist. Kameraarbeit und Ausstattung kommen extrem unattraktiv daher. Überwiegend in Grün und Braun gehalten, sind die Sets minimal bis kaum ausgestattet, so hinterlässt SISTERS einen billigen und schlampigen Eindruck. Das Finale rutscht dann plötzlich in einen wahren Bildersturm mit Verfremdungseffekten, dem der Zuschauer nur folgen kann, wenn er das Original gesehen hat, da Regisseur Buck nicht in der Lage ist, seine Geschichte logisch weiter zu erzählen. So bleibt am Ende nichts als Kopfschütteln übrig.

Das Einzige, was diesen in die Länge gezogenen MTV-Clip irgendwie ansehbar macht, sind die hervorragenden (und verschenkten) Darsteller Chloe Sevigny und Stephen Rea, die man immer gerne sieht, das reicht aber bei weitem nicht aus, um SISTERS zu empfehlen. Zwar wurde der Film großspurig angekündigt, doch am Ende lief er in den meisten Ländern nicht im Kino und wurde als DVD-Premiere verschleudert (hierzulande war er auf DVD zu haben, bevor er in den USA in den Kino-Verleih kam).

SISTERS ist nichts anderes als ein trauriger Beleg für die Ideenlosigkeit Hollywoods und eine einzige Leichenfledderei.

01/10

Die schwarze Mamba (1981)

"Die schwarze Mamba" ist ein britischer Schocker über eine geplante Entführung, die schief geht, als Entführer und Geisel im Haus gegen eine ausgebrochene schwarze Mamba kämpfen müssen, während draußen die Polizei das Haus belagert. Der Film ist komplett überkonstruiert und lebt von einer Anhäufung von Zufällen. Das macht aber überhaupt nichts, denn er ist mit viel Tempo inszeniert und bietet neben klasse Action- und Suspense-Szenen gleich zwei der exzentrischsten Schauspieler aller Zeiten - Klaus Kinski und Oliver Reed, die beide hemmungslos overacten, den Film aber durch ihre bloße Anwesenheit aufwerten. In Nebenrollen finden sich Filmgrößen wie Sterling Hayden, Nicol Williamson und die immer hervorragende, wunderschön-verletzliche Susan George. "Die schwarze Mamba" wurde übrigens zunächst von Tobe Hooper ("Blutgericht in Texas") inszeniert und nach Schwierigkeiten durch Piers Haggard ersetzt.

06/10

Amityville Horror (1979)

Eine junge Familie zieht in ein hübsches Haus am See. Leider hat im neuen Heim vor Jahren ein Teenager seine gesamte Familie umgebracht. Bald spielen die Kinder mit unsichtbaren Freunden, Vater James Brolin schleift unentwegt seine Axt, und Blut läuft aus der Tapete. Höchste Zeit, das Anwesen zu verlassen - falls es nicht schon zu spät ist...

Stuart Rosenbergs AMITYVILLE HORROR von 1979 war international ein Kassenschlager, der sich heute für viele schwer erklären lässt, weil es dem Film am großen Spannungsbogen (sowie Tempo) und den Figuren an gesundem Menschenverstand mangelt.

Das Spukhaus-Geschehen basiert auf einem "wahren Fall", bei dem sich ein naives Pärchen mit dem Hauskauf vollkommen überschuldete und eine wilde Grusel-Szenerie kreierte, um aus der Schuldenfalle zu kommen.
Stephen King hat in seinem lesenswerten Sachbuch "Danse Macabre" den Grund für den Filmerfolg auf den Punkt gebracht: AMITYVILLE HORROR thematisiert die nackte Existenzangst. Von der ersten Szene an befinden sich Margot Kidder und James Brolin in Geldnot. Das Haus mit den nötigen Reparaturen verschlingt immer mehr Geld, in einer Sequenz verschwindet buchstäblich Bargeld auf Nimmerwiedersehen und sorgt für Riesenärger zwischen den Protagonisten. James Brolin wird nicht nur wahnsinnig, weil ein Geist von ihm Besitz ergreift, sondern er verzweifelt an seiner neuen Rolle als Familienvater, der er nicht gerecht werden kann. Margot Kidder als seine Gattin stammt aus ärmlichen Verhältnissen und wollte immer ein Haus, das sich nun als Fehlkauf erweist. Alle Charaktere sind mit ihren Lebensaufgaben überfordert.

Hier wird eine Vielzahl von erwachsenen Problemen angesprochen, die man so nicht allzu häufig im Horror-Kino findet. Letztlich aber ist und bleibt dies ein Horrorfilm, und was er genremäßig zu bieten hat, sind ein guter Score von Lalo Schifrin, einige spannende Momente und gute Darsteller - wenn man Rod Steiger abzieht, der unentwegt schamlos übertreibt. Die ersten zwanzig Minuten sind atmosphärisch gut gelungen, das Finale enttäuscht hingegen komplett.

AMITYVILLE HORROR kommt insgesamt zu schleppend von der Stelle, in der Schublade "Spukhäuser" gibt es aber wesentlich schlechtere Filme. Ich mochte ihn seinerzeit als Jugendlicher und mag ihn immer noch, auch wenn er objektiv nicht besonders gut ist. Sowas gibt's.

07/10

Mamba (1988)

"Mamba" ist ein Schocker für Freunde des B-Films, zumal er die volle Spät-80er-Dröhnung bietet (Synthie-Pop Soundtrack von Giorgio Moroder, Designer-Ausstattung). Die Story: ein verlassener Spiele-Entwickler (Brian De Palma-Darsteller Gregg Henry) setzt eine tödliche Mamba im Loft seiner Ex aus und beobachtet via Monitor-Grafik von draußen, wie sie eingeschlossen gegen die Schlange kämpft. - Auch hier muss der Film einiges an Konstruktion aufbieten, damit der Thriller funktioniert. So hat das Loft praktischerweise keine Türen oder Fenster, damit unser gejagtes Opfer nicht einfach entkommen kann. "Mamba" ist ein Zwei-Personen-Film mit nur einem Schauplatz (abgesehen von der Eröffnungs-Sequenz). Neben ein paar wirklich dämlichen Einfällen (das Befüllen eines Kühlschranks wird als Popsong-Montage inszeniert, wie überhaupt an jeder passenden und unpassenden Stelle Synthie-Pop eingespielt wird - einmal sogar, als die Mamba "zufällig" über eine Fernbedienung schlängelt und damit die Stereoanlage zum Leben erweckt) kann "Mamba" aber für die 75 Minuten (länger ist er nicht) gut unterhalten und hat genug Einfälle, um die absurde Geschichte am Laufen zu halten. Gregg Henry ist wie immer hervorragend, Trudie Styler (Ehefrau von Sting) mangelt es leider an Talent, sie ist deutlich zu alt für die Rolle, zudem nervt ihre Figur hin und wieder durch unglaubwürdige Charakterisierungen und eine schlechte Synchronisation (im Original ist sie besser zu ertragen). Aber auch das trübt den Spaß nicht. Giorgio Moroder hat für die Schlange selbst ein nettes Score-Thema komponiert, das immer zu hören ist, wenn die Kamera die verzerrte Subjektive der Mamba annimmt. Wenn gerade kein Song zu hören ist, funktioniert sein Score glänzend.

05/10

Elmer (1988)

Der Originaltitel von ELMER bringt es deutlicher auf den Punkt - hier geht es um BRAIN DAMAGE, einen Gehirnschaden, jedoch keinesfalls den seiner Erfinder, denn ELMER ist eine überraschend intelligente, metaphorische, dabei auch komplett überdrehte Groteske vom Regisseur des Kult-Horrors "Basket Case", welcher ebenfalls von einer gestörten Paar-Beziehung handelte.

Eben jene Beziehung hat in ELMER der von Rick Herbst gespielte, junge Brian (in dessen Namen schon das "Brain" steckt, wer es noch nicht entdeckt hat) zu einer wurmähnlichen Schleim-Kreatur - eben dem Elmer - die sich in seinem Apartment eingenistet hat und ihn per Stachelstich ins Genick mit einer Flüssigkeit versorgt, durch die der frustrierte Brian die Welt in den schönsten Farben sieht. Bald schon verfällt er dem Elmer, schottet sich immer mehr von seiner Umwelt ab und gibt sich seiner Sucht hin. Doch der Elmer will auch eine Gegenleistung. Auf seinem Speiseplan stehen nämlich Gehirne, und die muss Brian ihm besorgen...

Schon die kurze Inhaltsangabe macht deutlich, worum es Frank Henenlotter geht. Der Elmer ist nichts anderes als ein Drogendealer, der mit allen Tricks arbeitet. Er verlockt, verspricht, verführt, singt absurde Songs im Waschbecken, er bietet kurzes Glück, um dann brutal zu erpressen. Wer hier allzu dick aufgetragene Metaphorik wittert, der könnte recht haben, doch gelingt es Henenlotter fantastisch, seine Botschaft unter so viel skurrilem Humor, originellen Einfällen und ausgefallener Inszenierung geschickt zu tarnen, dass man die Bezüge klar erkennt, sich aber trotzdem herrlich unterhält.

Gleichzeitig entwirft er ein beängstigendes Bild (auch hier eine Parallele zu "Basket Case") vom dreckigen New York mit allen Hinterhöfen, Mülltonnen, schäbigen Hotelzimmern und verirrten Seelen, die er nur finden kann. Eine Welt ohne Mitleid, ohne Platz für Brian. Ebenfalls sehenswert ist ELMER wegen der vollen 80er-Dröhnung. Hübsch hausgemachte Spezialeffekte und Neon-Licht-Shows, toupierte Haare, Schulterpolster, Army-Fashion und dazu eine herrliche Hommage an den Vorgänger "Basket Case", wenn Brian in der U-Bahn sitzt und feststellt, dass er nicht der einzige New Yorker mit Dachschaden und merkwürdiger Begleitung ist.

Die Splattereinlagen sind heftig, aber allesamt einfallsreich und mit Ironie an- bzw. hingerichtet. Die Sequenz, in der Brian sich in einer Halluzination am Ohr pult und es schließlich vollständig abreißt, dürfte jeden noch so hartgesottenen Zuschauer das Grausen lehren und ist zugleich auf bizarre Art komisch. Man könnte ELMER als frühen Cronenberg auf LSD bezeichnen. Ich kann ihn jedem empfehlen, der Lust am abgefahrenen Schreckens-Kino hat und darf sagen, dass ich ELMER seit den 80ern mit mehreren Menschen gemeinsam gesehen habe, die sich absolut nichts aus Horror, und schon gar nichts aus blutigen Splatterfilmen machen, und doch hat er (naja, fast) alle begeistert. Ein Geheimtipp!

09/10

The Broken (2008)

Spiegel zerbrechen ohne Grund, Hunde erkennen ihre Herrchen nicht mehr wieder, ehemals sympathische Liebhaber verhalten sich plötzlich emotionslos, und die Radiologin Lena Headey sieht ihre eigene Doppelgängerin auf der Straße vorbeifahren. Ist dies ein neuer Angriff der "Body Snatchers"? Und wem kann sie jetzt noch trauen...?

Die britisch/französische Produktion THE BROKEN von Sean Ellis aus dem Jahr 2008 ist eine Mischung aus Horror, Mystery und Arthaus-Kino. Der Film bietet eine sehr kühle, durchgestylte Atmosphäre, gute Darsteller und ein paar sehr gelungene Schockeffekte (wie einen wirklich beängstigenden Alptraum). Spektakulär neu oder sonderlich originell ist das alles nicht, aber sehr hübsch gefilmt und bis zum Schluss mysteriös und spannend. Brutalitäten sind so gut wie nicht vorhanden, weswegen sich "Hostel"-gewöhnte Horror-Fans eher langweilen dürften, denn THE BROKEN setzt durchgängig auf Beunruhigung statt Blut und Action. Der finale Twist kommt nicht sonderlich überraschend, rundet den Film aber befriedigend ab. Die Besetzung agiert auf gutem Niveau, wobei die meisten sich nur bemühen müssen, möglichst wenig zu spielen. Besonders über das Wiedersehen mit Melvil Poupaud (Die Zeit, die bleibt) habe ich mich persönlich gefreut. Lena Headey ist in der Hauptrolle durchaus charismatisch und anziehend.
Negativ fällt auf, dass einige Einstellungen deutlich zu lange gehalten werden bzw. sich wiederholen (wie ein Slow-Mo-Autounfall, in welchem man sehr genau den Dummy am Steuer erkennen kann, der wie Lena Headey aussehen soll). Dazu bleiben viele Fragen und Logiklöcher offen, was mich aber nicht weiter gestört hat. Ein Meilenstein des Horors ist THE BROKEN nicht, aber solide Unterhaltung für die eine oder andere Gänsehaut.

07/10

Truck Driver (1981)

TRUCK DRIVER (Road Games) aus dem Jahr 1981 ist eine lupenreine Hitchcock-Hommage vom australischen Regisseur Richard Franklin, der einige Jahre später die Fortsetzung von Hitchcocks Klassiker PSYCHO inszenieren durfte. Stacy Keach spielt hier einen gelangweilten Fernfahrer im australischen Outback, der einen mysteriösen Van-Fahrer, welcher immer wieder auftaucht, verdächtigt, ein gesuchter Serienkiller zu sein. Bei seinen Nachforschungen gerät er selbst in den Verdacht, der Gesuchte zu sein. Zur Hilfe kommt ihm eine Tramperin, dargestellt von Scream Queen Jamie Lee Curtis kurz nach ihrem großen Durchbruch mit John Carpenters HALLOWEEN. Ihre Rolle bleibt allerdings relativ klein, da sie schon bald vom Unbekannten entführt wird. Die Grundstory hat Regisseur Franklin dabei aus Hitchcocks FENSTER ZUM HOF übernommen und in ein originelles Setting verlegt. TRUCK DRIVER lebt in erster Linie von der Atmosphäre der einsamen Highways durchs Outback. Dazu gibt es überraschende Wendungen, einige sehr spannende Suspense-Sequenzen und schwarzen Humor. TRUCK DRIVER ist kein großer Klassiker des Genres, aber für einen unterhaltsamen DVD-Abend ist er genau die richtige Wahl.

07/10

Die Fremde in dir (2007)

Als eine Art weibliche Version von Charles Bronsons EIN MANN SIEHT ROT kann man Neil Jordans "Die Fremde in dir" nicht abtun, was er aber stattdessen sein will, das erschließt sich kaum. Der Film hängt irgendwo zwischen Arthouse-und Psychodrama und Selbstjustiz-Thriller fest, er nimmt sich (zu) ernst, bietet aber kaum neue oder tiefe Einblicke in die weibliche Psyche. Jodie Foster greift zu drastischen Maßnahmen, um den Tod ihres Geliebten zu rächen. In politisch korrekten Zeiten wie diesen muss sie dabei leiden (und darf eben keine Genugtuung empfinden), und das tut sie ununterbrochen. Das führt leider dazu, dass sich früher oder später auch der Zuschauer quält. Kein Humor hellt das düstere Geschehen auf - abgesehen von einem sehr kläglichen Versuch, als ein bekiffter U-Bahn-Fahrgast ein Phantombild von Jodie Foster anfertigen lassen soll und am Ende das Bild von Jennifer Aniston dabei herauskommt.

Regisseur Neil Jordan ist bekannt für anspruchsvolle Dramen (THE CRYING GAME), aber hier sind leider zu viele Drehbuchautoren am Werk, die sich gegenseitig behindern. Spannung kommt praktisch nie auf, lediglich die wie immer hervorragende Jodie Foster kann Mitleid und Sympathie für ihre Figur erwecken. Der Film hilft ihr allerdings wenig. In mehreren Rückblenden erinnert sie sich an ihren getöteten Liebhaber, und jedes Mal erinnert sie sich an - Sex! Sogar in der Notaufnahme, wenn ihr die blutigen Kleider vom Leib geschnitten werden, entscheidet sich Jordan für eine Parallelmontage mit zärtlichem Liebesspiel, dabei dürfte Sex so ziemlich das Letzte sein, woran jemand einen Gedanken verschwendet, wenn er an ein lebensrettendes Beatmungsgerät angeschlossen wird. Andere Einfälle hingegen, etwa Fosters Streifzüge mit dem Richtmikro durch New York, sind dagegen sehr gelungen und vermitteln ein authentisches Gefühl vom Großstadtleben.

Unterm Strich aber ist "Die Fremde in dir" zu lang, zu verkrampft, zu klischiert (die "Bösen" im Film sind sämtlich Stereotypen, vom schmierigen Zuhälter bis zu schwarzen U-Bahn-Rüpeln). Das Finale gibt dem Drama schließlich den Todesstoß. Ohne hier näher darauf einzugehen, ist es vollkommen unglaubwürdig und unrealistisch. Schade, denn die Ausgangsidee ist - obwohl nicht neu (weibliche Rächerinnen gab es schon immer in der Filmgeschichte, von Farrah Fawcett in EXTREMITIES bis zu Margaux Hemingway in LIPSTICK) - sehr reizvoll.

Empfehlen kann ich ihn Fans von Jodie Foster. Sie ist eine so außerordentlich sensible und intelligente Darstellerin, dass man leicht darüber hinweg sehen kann, wenn das Material schwach ist. Als Meditation über die menschliche Kälte und Einsamkeit in einer Großstadt wie New York lohnt sich "Die Fremde in dir" ebenfalls.

04/10

Auf Liebe und Tod (1983)

Der Immobilienmakler Julien (Jean-Louis Trintignant) gerät unversehens unter Mordverdacht. Seine Sekretärin Barbara (Fanny Ardant), die in ihrer Freizeit Theater spielt, versteckt Julien vor der Polizei und macht sich auf die Suche nach dem Mörder...

AUF LIEBE UND TOD (Vivement Dimanche!), der letzte Spielfilm von François Truffaut, ist eine liebevolle Hommage an die Filme seiner Jugend, ganz besonders die Werke Hitchcocks und die des Film Noir.
Die verspielte Krimi-Komödie greift inhaltlich den Klassiker "Zeuge gesucht" (1944) von Robert Siodmak auf und bezieht sich u.a. sehr deutlich auf "Die rote Lola" (1950), wenn Fanny Ardant als Mitglied einer Laienspieltruppe im 'wahren Leben' die Rolle einer Prostituierten spielen muss, um den Mörder zu finden - ebenso wie es Jane Wyman in Hitchcocks Vorbild tun musste. Die Frau/Geliebte, die dem hilflosen und an einen bestimmten Ort gebundenem Mann helfen muss, erinnert natürlich auch an Truffauts Lieblings-Hitchcock "Das Fenster zum Hof" (1954).

Trotz aller Zitate ist AUF LIEBE UND TOD aber ein eigenständiges Werk mit eigener Handschrift. Truffauts locker-leichtes Spiel mit Krimi-Konventionen und sexuellen Obsessionen (Jean-Louis Trintignant beobachtet in seinem Versteck durch das Kellerfenster die Beine der vorbeigenden Frauen) besticht außerdem durch das lebendige Spiel Fanny Ardants, den quirligen Humor, Georges Delerues beschwingten Score und die ausgezeichnete Schwarz-Weiß-Fotografie. Weniger ein Schwanengesang als ein herrlich unterhaltsamer Zeitvertreib.

09/10

Ein schönes Mädchen wie ich (1972)

Truffauts lockere schwarze Komödie EINS CHÖNES MÄDCHEN WIE ICH (Une belle fille comme moi) erzählt von einem Soziologiestudenten (André Dussollier als Bücherwurm mit riesiger Brille), der einer inhaftierten Kriminellen (Bernadette Lafont in einer hinreißenden Darstellung, der Filmtitel ist Programm) zur Freiheit verhelfen will - also AUF LIEBE UND TOD mit vertauschten Geschlechterrollen.

EIN SCHÖNES MÄDCHEN WIE ICH gehört zu den weniger bekannten Werken Truffauts und wurde bei seiner Premiere nicht gerade positiv aufgenommen. Er gehört aber zu den entspanntesten und unverfroren albernsten Filmen des Regisseurs.

06/10

Midnight Express (1978)

MIDNIGHT EXPRESS aus dem Jahre 1978 erzählt von dem jungen Amerikaner Billy Haynes (Brad Davis), der bei dem Versuch, Haschisch über die türkische Grenze zu schmuggeln, erwischt und zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe (seine zunächst nur 4jährige Strafe wird in lebenslänglich umgewandelt, kurz bevor er sie abgesessen hat) verurteilt wird. Im türkischen Gefängnis muss er Qualen und Demütigungen über sich ergehen lassen, scheinbar ohne Ausweg und Hoffnung...

MIDNIGHT EXPRESS - der vage auf einem Erlebnisbericht des echten Billy Haynes basiert - verursachte bei seinem Start auf den Filmfestspielen in Cannes eine heftige Kontroverse. Die einen hielten ihn für ein Meisterwerk, andere attackierten ihn wegen seiner (scheinbar) anti-türkischen Haltung. Noch heute kann man im Internet wütende Kommentare zum Film lesen, und die Türkei legte in den 80ern weltweiten Protest gegen TV-Ausstrahlungen ein. Tatsächlich findet sich nicht ein sympathischer türkischer Charakter im ganzen Film. Alan Parker nimmt dazu im Audiokommentar der DVD Stellung und erklärt, dass er absolut zu dem Film steht, er ihn heute aber anders machen würde (müsste).

Es stellt sich die Frage, ob die heutige Art, den "netten Nazi" (Zitat Parker) einzubauen und sich somit politisch korrekt zu verhalten, nicht im Grunde verlogener ist. Insbesondere ein Monolog von Brad Davis vor Gericht, in dem er alle Türken als Schweine bezeichnet, war Ziel der Kritik. Drehbuchautor Oliver Stone erklärt, dass es nicht die Sichtweise der Filmemacher, sondern die Figur des Billy Haynes ist, der hier am Ende seiner Leidensfähigkeit angekommen ist, was durch diese irrationalen Äußerungen ausgedrückt wird (man kann darüber diskutieren, inwieweit der Autor ihm dennoch die Worte in den Mund legt). Beim heutigen Ansehen des Films fällt auf, dass sich Alan Parker nicht wirklich um eine realistische Darstellung eines bestimmten Vollzugs bemüht. Seine Geschichte spielt vielmehr in einem Niemandsland, einer vollkommen illusorischen Welt, in der Gewalt und Wahnsinn an der Tagesordnung sind.

MIDNIGHT EXPRESS ist ein harter, brutaler und schonungsloser Film, der aber überraschend zärtliche Momente enthält (bis hin zu sinnlicher Erotik unter den Insassen, was ein weiterer Punkt des Anstoßes war) und sich jenseits aller Gefängnisfilm-Klischees bewegt - bis auf eine kurze Ausbruchs-Sequenz, die klassisches Genre-Kino darstellt. Dass er weltweit ein Riesen-Erfolg wurde, lässt sich durch die Tatsache erklären, dass er von universellen Themen handelt. Der Verlust von Freiheit, Intimität, Identität und Menschenwürde löst eine Kette von Urängsten im Zuschauer aus, und selten wurde der Terror einer Gefangenschaft so eindringlich beschrieben wie in diesem Film. Der Beginn allein gehört zu den spannendsten Sequenzen, die je auf Film gebannt wurden.

Was auch immer man politisch von MIDNIGHT EXPRESS hält, er ist ein packendes, kraftvolles und beklemmendes Erlebnis. Auch wenn er gealtert ist (hauptsächlich wegen der Musik), kann er heute immer noch filmisch vollkommen überzeugen. In der Hauptrolle geht Brad Davis über alle Grenzen, sein unmenschlicher Wutausbruch in der Mitte des Films ist fast unerträglich anzusehen, so intensiv fühlt man mit ihm. Alan Parker erzählt, er habe während es Drehens Angst vor Davis' Identifikation mit seiner Rolle gehabt.

MIDNIGHT EXPRESS wurde u.a. mit sechs Golden Globes und 2 Oscars ausgezeichnet - für Oliver Stones Drehbuch und Giorgio Moroders Musik. Brad Davis wurde skandalöserweise nicht einmal nominiert.

08/10

Dementia 13 (1962)

Hinter dem reißerischen Cover verbirgt sich Francis Ford Coppolas erster offizieller Spielfilm DEMENTIA 13, den er 1962 unter der Produktion von Roger Corman schnell und billig inszenierte.
Der Schwarzweißfilm ist deutlich an Hitchcocks "Psycho" angelehnt und lief früher in der OmU-Fassung auch im TV (im berüchtigten "Gruselkabinett"). Der Schocker erzählt von einer reichen Familie, die auf einem einsamen Schloss lebt, in dem ein axtschwingender Mörder umgeht. DEMENTIA 13 beginnt mit einer wundervoll unheimlichen Sequenz. Der Ehemann von Louise Haloran (Luana Anders) erliegt nachts in einem Ruderboot mitten auf dem See einem Herzinfarkt. Anstatt seinen Tod der Polizei zu melden, wirft die junge Witwe den toten Gatten über Bord und lässt seinen Tod wie ein eiliges Verschwinden aussehen, um sich von der hochherrschaftlichen Familie des Mannes den Erbteil zu sichern. Doch dazu kommt es nicht mehr, denn in dem düsteren Gemäuer schmiedet so mancher seine mörderischen Pläne...

Die erste halbe Stunde von DEMENTIA 13 steckt voll genialer Gruselatmosphäre, nächtlicher Ausflüge durchs Schloss, Puppen im Teich und Leichen unter Wasser. Dann verabschiedet sich überraschend eine Hauptfigur per Axthieb aus dem Film - eine Wendung, die deutlich von Hitchcock übernommen wurde. Luana Anders spielt die eiskalte Erbschleicherin perfekt und kann der Diebin Janet Leigh in Hitchcocks Klassiker durchaus das Wasser reichen. Des weiteren agiert Kubrick-Darsteller Patrick Magee gewohnt exaltiert. Die übrigen Darsteller gehen in Ordnung, leider lässt das Erzähltempo bald nach, und man kann schnell die Identität des Axtmörders erraten. Trotzdem ist Coppola hier ein sehr einfaches, kleines Schockerchen gelungen, das man als Horror-Fan durchaus mal gesehen haben kann.

08/10

Das Omen (1976)

Als ein Kindermädchen sich erhängt, ein Pfarrer von einem Eisenstab durchbohrt wird und sich alle Tiere im Zoo sehr seltsam benehmen, müssen Gregory Peck - US-Botschafter in London - und dessen Ehefrau Lee Remick einsehen, dass ihr süßer Nachwuchs mehr als nur anders ist... Er ist der Sohn des Teufels, und wer hinter sein Geheimnis kommt, muss einen spektakulären Tod sterben!

Das ist das simple Erfolgsrezept von DAS OMEN aus dem Jahr 1976. Nachdem William Friedkins Mega-Hit "Der Exorzist" den Horrorfilm auch im Mainstream etablieren konnte, wollte jedes große Hollywood-Studio seinen eigenen teuflischen Kassenknüller, und die Fox erschuf DAS OMEN.

Unter der Regie von Richard Donner entstand ein moderner Klassiker des Genres, ein wahrhaft unheimlicher, rasanter und spektakulärer Satans-Thriller, der durch überzeugende Darsteller, fantastische Cinemascope-Fotografie, enormes Tempo, erstaunliche Kreativität in den Mordszenen sowie Jerry Goldsmiths packende, wuchtige und wegweisende Filmmusik, für die der Komponist einen verdienten Oscar erhielt, überzeugen kann. Natürlich ist die Geschichte im Grunde albern, Bibeltexte werden hier z.B. auf geradezu lachhafte Weise wörtlich genommen, ein Kleinkind auf dem Dreirad befördert seine Mutter beim Blumengießen fast ins Jenseits, das Ehepaar stellt eine Haushälterin (großartig: Billie Whitelaw) aus der Hölle ein, die niemand bei vollem Verstand auch nur 5 Minuten auf sein Kind aufpassen ließe. Doch der Wirkung des Films kann man sich schwer entziehen.

Die Darsteller spielen ihre Rollen mit tödlichem Ernst, insbesondere Hollywood-Ikone Gregory Peck, für den DAS OMEN der einzige Ausflug ins Horror-Genre bleiben sollte. Und wer erinnert sich nicht gern an die ZDF-Ausstrahlung Mitte der 80er, bei der sämtliche Todesszenen geschnitten wurden, und die dennoch eine heftige Duskussion um Gewalt im Fernsehen nach sich zog? Schöne Zeiten! Wie gut DAS OMEN heute noch ist, beweist das 2006 entstandene, vollkommen überflüssige Remake, das auf keiner Ebene funktioniert.

09/10

Damien - Omen II (1978)

Der Sohn des Teufels ist zurück! Mitten in der Pubertät muss er sich seiner unheimlichen Kräfte bewusst werden und sie zielbringend einsetzen. Zur Seite stehen ihm dabei ein übereifriger Konzern-Manager (Robert Foxworth mit schrecklichem Minipli) und Genre-Ikone Lance Henriksen als Damiens Ausbilder in der Militär-Akademie. Zieh-Eltern William Holden und Lee Grant ahnen jedoch, dass da etwas mit dem Spross nicht stimmt...

Die Fortsetzung des Klassikers "Das Omen" aus dem Jahr 1978 ist als Sequel durchaus ansehbar, bietet eine solide Starbesetzung, einen fantastischen Score von Jerry Goldsmith (der meiner Meinung nach dessen Oscar-prämierte Musik des Originals noch übertrifft) und einige spektakuläre Todes-Sequenzen, und die sind es letzten Endes, was die Fans sehen wollen. Was hingegen fehlt, sind ein durchgehender Spannungsbogen sowie die unheimliche Gruselatmosphäre des ersten Teils. Einige Unwahrscheinlichkeiten trüben allerdings den Genuss, auch entwickelt der Film nicht unbedingt die Geschichte weiter, sondern spult sie mit verändertem Personal von vorne ab - jeder, der hinter Damiens Geheimnis kommt, muss sterben, und das auf möglichst bizarre Weise. Eine neugierige Journalistin wird von einer übrig gebliebenen Hitchcock-Krähe angegriffen und vom Laster überrollt, ein Wissenschaftler von einem Fahrstuhlseil zerteilt, und in der wohl besten Sequenz bricht der großväterliche Freund der Familie auf einem (fast) zugefrorenen See im Eis ein. Das höllische Geschehen ist bis in die Nebenrollen gut gespielt, auch wenn die ungewöhnliche Präsenz eines Gregory Peck fehlt. Alles in allem ist DAMIEN - OMEN II sicher kein Horror-Meisterwerk, aber was Fortsetzungen angeht, spielt er durchaus in einer höheren Liga und ist um Längen besser als der vermurkste dritte Teil. Interessant übrigens, dass hier global agierende Konzerne als Hort des Bösen und ihre Manager als Handlanger des Teufels dargestellt werden. Sollte der Film womöglich so prophetisch sein?

08/10

Barbaras Baby - Omen III (1981)

Teufelskind Damien (Sam Neill) ist mittlerweile erwachsen geworden und sich seiner unheilvollen Kräfte voll bewusst. Als Herrscher über den Thorn-Konzern und neu ernannter Botschafter in London plagen ihn jedoch die bevorstehende Wiedergeburt seines ärgsten Widersachers - Jesus höchstpersönlich - und ein paar Mönche, die den Satan endgültig zurück in die Hölle schicken wollen...

Der dritte Teil der "Omen"-Saga ist auch gleichzeitig der Schwächste geworden. Man fragt sich, warum nicht einmal das Grundprinzip der Vorgänger (jeder, der Damiens Geheimnis kennt, muss spektakulär sterben) übernommen wurde. Zwar gibt es ein paar Todes-Szenen, sie sind jedoch weder außergewöhnlich, noch ergeben die meisten von ihnen einen Sinn. Die mordenden Mönche müssen sich so dumm und unlogisch verhalten, dass es für Neill ein Leichtes ist, sie ins Jenseits zu befördern.

Dazu verletzt OMEN III einige zuvor aufgestellte Regeln - so reicht offenbar mittlerweile ein Dolchstoß, um Damien den Garaus zu machen, im Original war stets von allen sieben Dolchen (in Kreuzform) die Rede. Aber ich will keine Haare spalten, denn OMEN III hat durchaus gute Ansätze. Die Geschichte um Journalistin Lisa Harrow, deren Sohn und sie selbst dem Charme des Teufels nicht widerstehen können, bietet spannende Konflikte, leider aber verhindern zu viele Subplots, dass der Film sich auf diese Figuren konzentriert. Die Ausrottung aller Londoner Babys, unter denen sich der auferstandene Erlöser befinden könnte, hört sich spektakulär (und geschmacklos) an, ist es aber leider in der Umsetzung nicht geworden, sondern eher unangenehm.

Das titelgebende "Barbara's Baby" spielt übrigens keine Rolle in der Filmhandlung, dies ist nur ein verzweifelter Versuch des deutschen Verleihs, den Film an Polanskis Klassiker "Rosemary's Baby" zu koppeln. Was OMEN III an Positivem zu bieten hat, sind Sam Neill und der ewig verlässliche Jerry Goldsmith. Neill interpretiert seine Rolle interessant und überzeugend (soweit man einen Sohn des Teufels "überzeugend" spielen kann, man kennt ja so wenige im wahren Leben), Goldsmiths Soundtrack strotzt nur so vor unheimlicher Wucht. Einige gelungene Sequenzen (wie die Fuchsjagd oder der Selbstmord des Botschafters) können leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film in seiner Gesamtheit keinen würdigen Abschluss der Trilogie darstellt. Dazu ist auch das finale Duell (das ultimative Gut gegen Böse) zu enttäuschend geraten.

06/10

Dirty Harry 5 - Das Todesspiel (1988)

DIRTY HARRY 5 - DAS TODESSPIEL (The Dead Pool) aus dem Jahr 1988 ist der bislang letzte Teil der Reihe und gilt nicht gerade als Höhepunkt. Wenn man allerdings nicht zuviel erwartet, dann kann DAS TODESSPIEL perfekt unterhalten und bietet neben guter Action, Humor und einigen satirischen Seitenhieben auf Sensationsjournalismus, Medienzirkus und die Filmindustrie gleich mehrere hervorragende Schauspieler kurz vor ihrem Durchbruch.

So tummeln sich hier Jim Carrey, Liam Neeson (als Regisseur von Horrorfilmen und Hauptverdächtiger) und Patricia Clarkson, die sich brillant weigert, auf die Blondine vom Dienst reduziert zu werden und die beste Darstellerleistung des Films liefert. Größtes Plus des Thrillers ist natürlich Clint Eastwood selbst, dessen Harry Callahan deutlich in die Jahre gekommen ist, der aber weiterhin keine Skrupel hat, Verfolger ohne Warnung über den Haufen zu schießen. Trotz dieser typischen Unkorrektheiten ist sein Harry aber deutlich herzlicher und sympathischer angelegt als in allen vorangegangenen Teilen. Der Plot dreht sich um mehrere Morde an Personen des öffentlichen Lebens, deren Namen sich auf einer Wettspiel-Liste wieder finden. Auf dieser Liste steht dummerweise auch Harrys Name... Nebenbei schlägt sich Eastwood noch mit einem rachsüchtigen Verurteilten durch, den er aber schnell durch gezielten Psycho-Terror zur Ruhe bringt.

Die Plotlines stehen hier sehr nebeneinander, und der Film zerfällt ein wenig in seine Einzelteile, außerdem ist die Auflösung der Todesliste bzw. die Identität des Killers äußerst schwach ausgefallen. Doch wiegen die Stärken des Films die Schwächen in meinen Augen mühelos auf. In der besten Szene werden Harry und sein asiatischer Partner in ihrem Dienstwagen von einem Spielzeugwagen mit tödlicher Sprengladung verfolgt. Diese Sequenz ist ebenso komisch, spannend wie absurd (niemand kommt auf die Idee, einfach aus dem Auto zu springen) - ebenso wie der ganze Film. Simple, gute Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger.

07/10

Dirty Harry kommt zurück (1983)

"Go Ahead. Make My Day". Das sind die Worte, die Eastwoods Filmfigur Harry Callahan auf den Punkt bringen. Mit SUDDEN IMPACT - DIRTY HARRY KOMMT ZURÜCK führte Clint Eastwood die schon legendäre Reihe nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als Regisseur in die 80er. Dirty Harry ist zurück, härter und düsterer als je zuvor. Nach den Versuchen der vorigen Teile, den Charakter des Harry Callahan sympathischer und zugänglicher fürs Publikum zu gestalten, bringt Eastwood seinen Harry wieder an den Ausgangspunkt zurück. Er ist hart, rücksichtslos und so politisch unkorrekt, dass man im Rückblick nur staunen kann, was man sich seinerzeit im Mainstream-Kino noch getraut hat. Heute wäre Harry Callahan ein Fall für den Polizeipsychiater.

In SUDDEN IMPACT jagt Harry eine attraktive Mörderin (damalige Eastwood-Lebensgefährtin Sondra Locke), die sich für eine Vergewaltigung rächt und ihre Peiniger regelrecht hinrichtet. SUDDEN IMPACT ist damit nicht nur der schwärzeste Film der Reihe, er wandelt auch thematisch auf äußerst schwierigen Pfaden. Selbstjustiz, der Unterschied von Gesetz und Gerechtigkeit, das Opfer als Täter, das ist alles keine leichte Kost, trotz gelegentlich humoriger Ausflüge (in Form eines skurrilen Hundes, den Harry nicht bändigen kann). Eastwood bemüht sich sehr um ein genaues Psychogramm seiner Täterin und weniger um Action. So unterläuft SUDDEN IMPACT die Erwartungen des Publikums, kann aber durchaus über weite Strecken fesseln. Er ist nicht der beste Teil der Reihe und wird durch einige Geschmacksentgleisungen (Harrys Frauenfeindlichkeit und Waffenfetischismus) abgewertet, doch bietet SUDDEN IMPACT genug Spannung und Nervenkitzel. Und in Zeiten in denen uns verweichlichte Milchbubis im Kino als harte Kerle verkauft werden sollen, ist ein echter Eastwood - egal aus welcher Zeit - immer willkommen.

08/10

Callahan (1973)

MAGNUM FORCE, oder CALLAHAN, wie er hierzulande heißt, aus dem Jahr 1973 ist die Fortsetzung des ungemein erfolg- und einflussreichen Originals "Dirty Harry" von Don Siegel und kann seinem Vorgänger durchaus das Wasser reichen. Viele Fans halten ihn sogar für besser als das Original.
Dem würde ich mich zwar nicht anschließen, doch kann dieser zweite Teil absolut auf eigenen Füßen stehen (man braucht keinerlei Vorkenntnisse, um der Handlung und den Figuren zu folgen) und präsentiert neben einem etwas geglätteten Harry Callahan (um den Erfolg des ersten Teils zu toppen, wurde er ein wenig sympathischer und zugänglicher gestaltet) eine spannende Story um eine Bande von Motorradcops, die Rauschgiftdealer ermorden. Selbstjustiz, Korruption und Intrigen innerhalb der Polizei sowie die ewige Frage nach Gesetz und Gerechtigkeit werden hier höchst unterhaltsam und actionreich verhandelt, wenngleich weniger düster als im Vorgänger.

CALLAHAN bietet darüber hinaus eine klasse 70er-Ästhetik, einen extrem coolen Score von Lalo Schifrin, der zum Erkennungsmerkmal der "Dirty Harry"-Filme geworden ist, und einen wie immer bestechenden, aber unbestechlichen Clint Eastwood als Cop, der das System und die Bürokratie hasst. Zur Seite stehen ihm hervorragende Nebendarsteller wie Hal Holbrook, David Soul (später bekannt aus "Starsky & Hutch") und Robert Urich ("Vegas").

08/10

Das Bildnis des Dorian Gray (1945)

Die Hollywood-Verfilmung des berühmten (und einzigen) Oscar Wilde-Romans genießt den Ruf eines verdienten Klassikers, dennoch habe ich zeitlebens einen Bogen darum gemacht, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie ein amerikanischer Film von 1945 mit den Themen, Texten und Moralvorstellungen des Autors umspringt.
Jetzt habe ich dies endlich nachgeholt und bin - wie ich es erwartet hatte - schwer enttäuscht. Natürlich hat es ein Hollywood-Film der 40er schwer, eine solche Geschichte adäquat wiederzugeben, die Frage ist nur - muss man es dann überhaupt tun? Sehenswert ist "Das Bildnis des Dorian Gray" allenfalls wegen der hervorragenden S/W-Kameraführung und der sorgfältigen Ausstattung, inhaltlich und darstellerisch bietet er so gut wie nichts.

Der Film erzählt in Rudimenten die Geschichte eines narzisstischen jungen Mannes (Hurd Hatfield), der dem Laster verfällt und über Jahrzehnte von jugendlicher Schönheit bleibt, während ein zu Beginn gemaltes Porträt sein wahres Alter und jeden scheußlichen Charakterzug offenbart. Damit bleibt die Verfilmung ein simples Moral- und Schauerstück, funktioniert aber nicht einmal als solches, denn wirklicher Horror stellt sich erst in den letzten zehn Minuten ein, vorher spielt sich ein plüschiges Kostümdrama ab, dem es sowohl an Leben wie an dramatischer Spannung fehlt.

Das Bildnis selbst ist der Star des Films. Die kurzen Farbeinstellungen, in welchen das Gemälde in den ansonsten monochromen Film eingebettet wurden, sind dabei noch die besten Einfälle, auch wenn sie nichts weiter als technische Spielereien sind.

Gravierender wirken sind die Änderungen gegenüber der Vorlage aus. Dorians erste große Liebe - eine Bühnenschauspielerin, die als Shakespeares Julia das Publikum begeistert und ihr Talent verliert, als sie zum ersten Mal wahre Gefühle für Dorian empfindet - mutiert hier zu einer Tingeltangel-Sängerin (Angela Lansbury) in einer kleinen Spelunke. Der Lebemann Lord Henry verkommt zu einem ewig plappernden Langweiler, der von dem (stets aristokratischen) George Sanders als lieber Onkel gespielt wird. Oscar Wildes geniale Bonmots und Betrachtungen über Gesellschaft, Geschlechter, Alter und Jugend sprudeln unentwegt aus seinem Mund, bis sie schließlich vollkommen beliebig und belanglos wirken.
Am schlimmsten aber trifft es Dorian Gray selbst, der von einem hölzernen Hurd Hatfield ohne jeden Funken Leidenschaft oder Lust an moralischen Abgründen und Verführbarkeit, gespielt wird - und nebenbei, schön ist er in meinen Augen ebenfalls nicht, aber das dürfte wohl Geschmackssache sein. Waum auch nur irgendjemand von dieser Kleiderpuppe fasziniert sein sollte, bleibt ein Rätsel, keine Spur mehr von der Besessenheit, die sämtliche Figuren - Männer und Frauen - dazu zwingt, ihn besitzen, verführen, verderben oder lieben wollen. Auch Basil, der Maler des Bildes, wird durch die Eliminierung aller homoerotischer Elemente vollständig seines Charakters beraubt.

Ein Zyniker würde sagen, dass hier eine meisterhafte, intelligente und sarkastische Vorlage für ein dummes (oder für dumm gehaltenes) amerikanisches Publikum auf den kleinsten gemeinsamen Nenner eingedampft wurde. Ein Trauerspiel.

Es ist absolut erstaunlich, dass diese in jeder Hinsicht aufregende Vorlage, die voller visueller und erzählerischer Möglichkeiten steckt (und dazu reichlich Sex, Verkommenheit und Mord bietet) bis heute zu keiner guten Verfilmung geführt hat. Die Version von 1970 mit Helmut Berger ist reinster Trash, alle weiteren Versuche enden meist in gepflegter Langeweile.

03/10

Montag, 22. Februar 2010

Ein gutes Jahr (2006)

Ridley Scott hat in seiner unbeständigen Karriere mehrere Meistewerke, einige ansehnliche Filme und auch viele Gurken produziert. Zu diesen gehört auch "Ein gutes Jahr" (A Good Year), der das Talent aller Beteiligten verschenkt.

Die Geschichte ist bereits hundertfach fürs Kino und Fernsehen produziert worden und hinlänglich bekannt - ein gewissenloser Londoner Broker erbt ein Weingut in Frankreich, stolpert in Designerklamotten durch die idyllische Landschaft, um dann später die Liebe zur Natur, zum Leben und den... blablabla....

Wer nach 10 Minuten nicht weiß, wie der Film endet, der hat womöglich die letzten 100 Jahre auf einer einsamen Insel verbracht. Ridley Scott fehlt es leider an jedem Talent für Komödie, sein Timing stimmt einfach nie. Dafür taucht er alles in durchgestylte Bilder, wobei das "böse" Londoner Broker-Milieu natürlich kaltes Blau abbekommt, während das zauberhafte Frankreich in Gold und Grün leuchtet. Um Crowe als Frauenheld zu charakterisieren, kriecht Scotts Kamera in geradezu erstaunlicher Unfähigkeit regelmäßig sämtlichen Darstellerinnen in die Bluse und unter die Röcke. Die wunderbare und hochtalentierte Valeria Bruni-Tedeschi, die in vielen Filmen gezeigt hat, dass sie mehr kann als nur umwerfend auszusehen, wird von Scott für eine banale Szene benutzt, die eine Komparsin hätte spielen können, und danach weggeworfen. Eine Schande.

Warum Crowe als unsympathischer Neureicher "das Leben" nicht in ärmlicher Umgebung neu entdeckt, sondern praktisch von einem Reichtum in den nächsten stolpert, hat sich mir nicht erschlossen. Russell Crowe gehört sicher zu den besten Schauspielern seiner Generation, aber als Komödiant versagt er auf ganzer Linie. Man kann als Zuschauer nicht einmal Schadenfreude empfinden, wenn er sich das Designerhemd vollkleckert oder kopfüber im verdreckten Pool landet. In Rückblenden gibt der grandiose Albert Finney als Crowes Onkel oder Opa (unwichtig) ununterbrochen platte Lebensweisheiten von sich ("Ein Mann muss seine Niederlagen ebenso feiern wie seine Siege!"). Dazu kommen noch eine uninteressante Liebesgeschichte, ein Geheimnis um den alten Weinkeller und jede Menge Klischees, wie die Handy-Besessenheit von Crowe und die Einführung von Marion Cotillard, die so wahnsinnig französisch auf einem Fahrrad, mit kurzem Röckchen und Äpfeln beladen (ist sie nicht ein hinreißendes Geschöpf der Natur und so... ohlala?) über die einsame Landstraße radelt. Da kommt einem schon der Cidre hoch.

"Ein gutes Jahr" ist nichts weiter als ein überlanger, vorhersehbarer und sturzlangweiliger Katalog von Postkarten-Ansichten ohne Witz, Originalität oder ein einziges halbwegs interessantes Element.
In einem wirklich guten Jahr hätte ich diesen Film verpasst, aber so gab es für mich zwei Stunden Zeitverschwendung.

01/10

Sonntag, 21. Februar 2010

Die schwarze Witwe (1987)

Catherine (Theresa Russell) ist eine männermordende Femme Fatale, die nach erfolgreichem Mord ihre Identität wechselt und sich ein neues wohlhabendes Opfer sucht. FBI-Agentin Alex (Debra Winger) ist der schwarzen Witwe auf der Spur. Auf Hawaii treffen die Frauen aufeinander, es beginnt ein tödliches Katz- und Mausspiel...

Bob Rafelsons BLACK WIDOW gehört zu den besten Thrillern der 80er. Er wurde von Kritik und Publikum eher lauwarm aufgenommen, Kunstgewerbe und Verquastheit wurden ihm vorgeworfen. Dass der Film an der Oberfläche vielleicht weniger Spannung bietet als vergleichbare Reißer, stört mich dabei nicht im Geringsten. Stattdessen bietet er Subtexte und intellektuelle Raffinesse. Das Duell der beiden Damen ist faszinierend zu beobachten und mit sexueller Spannung aufgeladen, zumal sie von solch hervorragenden Schauspielerinnen verkörpert werden wie Russell und Winger. Debra Winger spielt hier zwar die Hauptrolle und Sympathiefigur, ihre Jagd nach der schönen Giftspinne bietet aber zahllose Abgründe. So entwickelt die eher unscheinbare Agentin sehr früh eine eigenartige Obsession gegenüber der mordenden Catherine. Gleich nach ihrer ersten Begegnung müssen beide während eines Tauchkurses Mund-zu-Mund-Beatmung üben, und auch in der besten Szene kommt es zu einem Kuss zwischen beiden, der mehr Gefahr verheißt als Sinnlichkeit. Sie tauschen die Kleider und die Männer, doch befindet sich Alex immer im Netz ihrer Gegnerin, die gekommt die Fäden zieht.

Regisseur Rafelson taucht das Geschehen in durchgestylte Bilder und hat mit Hawaii einen fantastischen Schauplatz für die unterdrückten Leidenschaften gefunden. Neben den Hauptdarstellerinnen spielt ein exzellentes Männer-Ensemble, u.a. Dennis Hopper, Niccol Williamson und der Franzose Sami Frey. Alle männlichen Charaktere bleiben untergeordnet und verkörpern grundlegend unterschiedliche Typen, denen sich Theresa Russells Catherine jedesmal auf beängstigende Weise anpasst. Ein sehr leiser Film mit komplexen Charakteren und schleichender Spannung, sowie einer raffinierten Drehung am Ende.

10/10

Alle lieben Oscar (2002)

"Alle lieben Oscar", ein bescheidener Low Budget-Film, auf DV gedreht, war ein Publikumsrenner auf dem Sundance Filmfestival - so beliebt, dass die "Miramax" Weinstein-Brüder den Film unter ihre Fittiche genommen und ein wenig aufgemöbelt haben (daher der unerwartet aufwändige Vorspann, der überhaupt nicht zum folgenden Film passt). Regisseur Gary Winik bekam daraufhin den Auftrag für "30 über Nacht" - wenn das kein Karrieresprung ist!
Wie auch immer, "Alle lieben Oscar" ist wirklich nicht für jedermann. Ich fand ihn ziemlich enttäuschend, so sympathisch auch die Hintergrundgeschichte sein mag, und es sei jedem Regie-Neuling gegönnt, einen Überraschungserfolg zu landen. Aber der Film ist nur stellenweise komisch, zu abgestanden ist die Story vom jungenhaften Oscar, dem reihenweise ältere Frauen zu Füßen liegen, und der wahnsinnig in seine Stiefmutter (Sigourney Weaver) verknallt ist.
Die prominenten Darsteller (die alle für den Mindestlohn arbeiteten, damit der Film entstehen konnte) geben ihr Bestes, aber so freizügig der Film auch sein möchte, er bleibt immer furchtbar verklemmt. Sigourney Weaver sieht umwerfend aus, hat aber kaum etwas zu spielen, Bebe Neuwirth (chronisch unterbeschäftigt und soo großartig) übernimmt den Job mit Witz und Charme. John Ritters Figur hat so wenig Charakter, dass sie praktisch von jedem hätte gespielt werden können. Und der jugendliche Hauptdarsteller, der Held der Geschichte, wirkt leider zu unsympathisch und verkorkst, um ihn ins Herz zu schließen - ganz zu schweigen von seinem Faible für Französisch (jeweils mit Untertiteln) und Voltaire, wo sich der Film plötzlich intellektuell geben möchte, aber trotzdem leer bleibt.
Dazu muss man leider sagen, dass die DV-Technik, bei der alles wie im Heimvideo aussieht, in manchen (sehr wenigen) Filmen hilft oder wenigstens nicht schadet - für eine romantische Komödie ist sie eine Katastrophe. Dieses Genre setzt das Vertrauen in die Unglaubwürdigkeit der Story und die Eleganz des Ambientes voraus - beides funktioniert nicht mit DV, das immer Glaubwürdigkeit und Authentizität vermittelt.
Tja...und dann bleibt natürlich noch die etwas schwierige Frage, ob die Story mit vertauschten Geschlechtern auch noch witzig gewesen wäre...ein 15jähriges Mädel, das von mehreren Männern um die 50 befummelt wird...ich glaube kaum.

03/10

Wahnsinnig verliebt (2002)

"Wahnsinnig verliebt" hat eine so dermaßen originelle Grundidee, dass ich den Film bei jedem neuen Betrachten nur bewundern kann. Er hebt sich wohltuend von US-Produktionen durch seine unverklemmte Moral und absolute Eigenständigkeit ab. Zur Geschichte kann ich nicht viel sagen, ohne die vielen Überraschungen kaputt zu machen, aber nur so viel - die junge Angelique ist wahnsinnig verliebt in einen verheirateten Herz-Spezialisten. Ihre Liebe steigert sich bald in Besesenheit - aber die Dinge sind nicht immer so, wie sie auf den ersten Blick aussehen...
Die Besetzung ist hervorragend, allen voran natürlich "Amelie" Audrey Tautou. Viele halten die junge Frazösin für eine Fehlbesetzung, weil sie hier völlig gegen das "Amelie"-Image anspielt (was absurd ist, eine Darstellerin darf ja wohl spielen, was sie will). Tatsächlich ist sie perfekt für die Rolle, bezaubert durch ihre unglaubliche Naivität, bis dann...tja, bis man dann wirklich Angst vor ihr bekommt.
Die Regie ist nicht umwerfend künstlerisch, aber erzählt die Story in hohem Tempo, mit vielen kleinen Anspielungen (und Hilfe der Ausstattung) auf die Farbe der Liebe und Herzen, die dem ganzen später einen exquisit-bitteren Beigeschmack geben. Hitchcock hätte seine wahre Freude gehabt.

8.5/10

Die Frauen von Stepford (2004)

Die Katastrophen hinter den Kulissen von STEPFORD sind legendär - nach der Hälfte der Drehzeit stieg Hauptdarsteller John Cusack aus und wurde durch Matthew Broderick ersetzt, zwischen Midler und Kidman hat es angeblich nur gekracht, Glenn Close und Midler lagen im Dauerstreit mit Regisseur Oz, der Budget und Drehzeit dermaßen überzog, dass er beinahe selbst gefeuert wurde, dann fiel der Film bei Testvorführungen gnadenlos durch, und schnell wurde ein neues Finale gedreht. - Nun gibt es Filme, denen man so ein Chaos nicht anmerkt. Hier ist es jede Minute spürbar. Der Film ist - kurz gesagt - einfach grauenhaft schlecht. Er kann sich nicht entscheiden, ob er Satire, Komödie, Thriller oder Horrorfilm sein will, ist in seinem Humor zu laut und überdreht, in den Spannungsmomenten zu schwach, und die Figuren bleiben allesamt Karikaturen, um deren Schicksal man sich keine Sekunde schert. Das fängt bereits damit an, dass Nicole Kidman eingeführt wird als Produzentin von geschmacklosen TV-Gameshows. Nicht gerade eine Charakterisierung, die Sympathie erzeugt, sollte man denken. Dazu kommt, dass Kidman von Anfang an püppchenhaft und mechanisch wirkt - ihre "Verwandlung" in eine der Stepford-Frauen hat lediglich den Effekt, dass sie nun endlich aussieht, wie sie in anderen Filmen zurechtgemacht ist. Katharine Ross spielte in der Original-Verfilmung des Stoffes aus den 70ern eine moderne, starke Frau mit Charakter und Schwächen - Kidman bleibt immer der Hollywood-Star, der sich in einen falschen Film verirrt hat. Die übrige Besetzung tut, was sie immer tut - Broderick bleibt blass bis zur Unkenntlichkeit, Close wiederholt ihre Darstellung aus MARS ATTACKS, und Bette Midler gibt erneut die schrille Schachtel (die Frage, warum sie auch immer nach Stepford zieht, oder warum überhaupt irgend jemand in diese Stadt ziehen möchte, wird nie beantwortet).
Aber die Darsteller sind beileibe nicht das Schlimmste am Film, der unentwegt die Intelligenz des Publikums beleidigt und eine Unlogik nach der Nächsten auftischt. Zunächst will er uns erzählen, die Frauen seien Roboter (ein Geheimnis, das die Zuschauer nach 15 Minuten erfahren, die Figuren aber 90 langweilige Minuten lang herausfinden müssen), im Finale erfahren wir jedoch, dass sie lediglich mittels Mikrochip im Gehirn gesteuert werden - eine Entscheidung, die alles vorher Geschehene sinnlos macht. Warum wird eine Frau mit Mikrochip zum lebenden Geldautomaten, warum verbrennt Midlers Haut nicht über der Herdflamme? Egal. Das Finale wagt es dann noch, ein Happy End aufzutischen, für welches das Wort "unglaubwürdig" neu erfunden werden müsste (wer hat bloß einen Mechanismus in den Apparat" eingebaut, der alles rückgängig machen kann? Und wozu?), und das die unglaubliche Frechheit besitzt, die Schuld an allem nicht den Männern, sondern einer Frau zu geben! Damit beleidigt Oz nicht nur das Publikum, die Romanvorlage und den Original-Film, er untergräbt auch noch dümmlich seinen eigenen Ansatz. DIE FRAUEN VON STEPFORD ist eine einzige Katastrophe - nicht so schlecht, dass er schon wieder gut ist, sondern einfach nur witzlos, dumm und langweilig, von vorne bis hinten.

00/10

Im Bann des Jadeskorpions (2002)

Natürlich reichen die neueren Filme Woody Allens (mit Ausnahme von "Match Point") nicht mehr an seine früheren Meisterwerke wie "Annie Hall" oder "Manhattan" heran, aber von welchem Regisseur kann man das schon erwarten? "Im Bann des Jadeskorpions" ist daher auch nicht wegen psychologischer Tiefe oder philosophischer Gedankenspiele zu empfehlen, die seine Geniestreiche auszeichnete, sondern einzig und allein wegen des schrägen Humors, den geschliffenen Dialogen und des brillanten Ensembles. Für mich reicht das schon, um dem Film die volle Punktzahl zu geben. Was Woody Allen hier bietet, ist beste Unterhaltung mit Tempo, Skurrilität und Wortwitz. Besonders die Schlagabtausche zwischen Woody Allen und Helen Hunt erinnern stark an die Screwball-Comedies der 30er. In Nebenrollen glänzen Dan Akroyd und die verführerische Charlize Theron als ultimative, kettenrauchende Femme Fatale, die heillos Woody Allen verfällt. Allein dafür muss man den Film schon lieben. Ein großer Spaß, nicht mehr und nicht weniger - natürlich besonders in der Originalfassung.

07/10

Baby Boom - Eine schöne Bescherung (1987)

Eigentlich wäre der Film nicht zu ertragen - er ist dermaßen süßlich, vorhersehbar, überdeutlich und unrealistisch, dass er mit der falschen Besetzung eine Katastrophe wäre. Aber er hat glücklicherweise mit Diane Keaton eine Hauptdarstellerin, die ein wirklich einzigartiges komisches Potential hat, die eine Rolle ganz eigen und unverwechselbar spielt, dass man "Baby Boom" tatsächlich nicht nur ertragen, sondern ziemlich gut genießen kann. Der Film wird im Grunde erst gut, als Keaton mit ihrem Baby aufs Land zieht. Die Sequenzen in New York sind schon damals reine Klischees gewesen, und das Bild von der 80er-Karrierefrau ist mittlerweile dermaßen überholt, dass der Film älter wirkt als er eigentlich ist. Von Keatons hysterischem Ausbruch gegenüber dem Klempner war hier schon viel die Rede, ich persönlich ziehe ihren zweiten Ausbruch in der Praxis des Tierarztes vor(gespielt von Sam Shepard, der sich glücklicherweise in den falschen Film verirrt hat - die Anwesenheit des Schauspielers und Autors in einem so flachen Mainstream-Film ist durchaus überraschend).
Das Drehbuch stammt übrigens von Nacy Meyers, die jüngst mit "Was das Herz begehrt" Keaton zu einem weiteren Riesenerfolg verholfen hat. Markenzeichen von Meyers sind die ausufernden Montagen, in denen die Zeit vergeht und schwierige Szenen einfach mal übersprungen werden - davon gibt es hier mindestens sechs. Für Drehbuchautoren eine wichtige Mainstream-Lektion - so kann man's auch machen.
"Baby Boom" ist ein Filmtipp für Fans von Keaton, Shepard oder Filmen der 80er.

06/10

Fegefeuer der Eitelkeiten (1990)

Selbst als Brian De Palma-Fan muss man sagen, dass "Fegefeuer" kein Meisterwerk ist, dafür hat er zu viele offensichtliche Schwächen, aber er ist auch nicht der Total-Ausfall, der ihm immer wieder gern unterstellt wird (er war der Film, der im Erscheinungsjahr am heftigsten verrissen und ignoriert wurde, gilt als einer der größten Flops aller Zeiten). Sogar De Palma selbst mag sich kaum noch an die Dreharbeiten erinnern, in der eine Katastrophenmeldung die nächste ablöste (Melanie Griffith war z.B. ein Last-Minute Ersatz). Und die Vorlage, der brillante Roman von Tom Wolfe, ist den Amerikanern zu heilig, um eine Verfilmung einfach so durchgehen zu lassen.

"Fegefeuer der Eitelkeiten" hat durchaus einen intelligenten, satirischen Humor, den De Palma seit Urzeiten beherrscht, auch wenn man den Regisseur eher mit Thrillern in Verbindung bringt (man sehe sich nur "Greetings" an), der hier aber aus Mainstream-Gründen nicht wirklich zum Tragen kommt. Hätte man De Palma allein gelassen, wäre der Film deutlich böser und anarchischer geworden und hätte dann auch der Vorlage besser Rechnung getragen - aber bei einem solch teuren Mammut-Projekt sind einfach viel zu viele Köche am Brei, die möglichst alles glattbügeln wollen - das ist der Tod für die Satire.

In dem hervorragenden Buch "The Devil's Candy" wird die Entstehung des Films begleitet und detailliert beschrieben, und dort findet sich auch die erschreckende Szene, als der fertige Film zum ersten Mal vorgeführt wird und nur an einer einzigen Stelle ein Lacher kommt (der Dackel!) und dann zwei Stunden keiner mehr. Urgh!

Die Kameraarbeit ist exzellent, De Palmas visueller Stil ist hier zurückhaltender als üblich, aber immer elegant und faszinierend (allein der lange, lange Tracking-Shot zu Beginn ist eine Augenweide). Die Schwächen sind die Besetzung und das Drehbuch. Fast alle Hauptdarsteller sind fehlbesetzt. Selbst Fans von Tom Hanks müssen einsehen, dass er der falsche Darsteller ist - der eitle, selbstgerechte Yuppie Sherman McCoy aus dem Roman wird durch Hanks zu einem jammernden, dümmlichen Sympathie-Loser, bei dem man sich immer fragt, wie er überhaupt so reich und erfolgreich werden konnte, und dessen Niedergang vollkommen kalt lässt. Bruce Willis spielt zwar angenehm entspannt, aber den intellektuellen Journalisten mit scharfer Zunge nimmt man ihm trotzdem keine Sekunde ab. Melanie Griffith ist darstellerisch nichts vorzuwerfen, aber ihre Charakter soll eine heiße, junge Südstaaten-Geliebte sein (das "Devil's Candy"), und dazu muss man nicht mehr sagen. Die Synchronisation verpasst ihrer Rolle übrigens den Todesstoß, in dem man sie LISPELN lässt. Das ist eine Frechheit sondergleichen und sollte gerichtlich geahndet werden - wie kann man eine Darstellerin dermaßen denunzieren?

Das Drehbuch hat keinen Sinn für Aufbau und Rhythmus, immer wieder hat man das Gefühl, der Film wäre gleich zu Ende, dabei geht er noch lange weiter, bis sich schließlich das Gefühl einstellt, er wäre drei Stunden lang. Dazu kommt noch, dass das Finale im Kitsch ertrinkt - was die Fans von Tom Wolfe endgültig auf die Barrikaden gebracht hat. Wenn Morgan Freeman seine "Capra"-Rede über Anstand hält, glaubt man nicht, was man sieht und hört, so schlecht ist sie geschrieben, gespielt und unpassend obendrein. Zweck der Satire ist es nicht, den Zuschauer zu belehren, da hat jemand etwas völlig missverstanden, leider. In einem Film, der mit bösartiger Freude die schlimmsten menschlichen Eigenschaften aufzeigt, ist für einen Moralapostel kein Platz.

Fazit: "Fegefeuer der Eitelkeiten" ist unterhaltsam, ein Fest Fürs Auge und stellenweise witzig und intelligent. Aber er ist bei Weitem nicht das, was er hätte sein können, nämlich ein modernes Meisterwerk der Satire, und das ist sehr schade.

06/10

The Fluffer (2001)

Und schon wieder Film für die schwule Zielgruppe, der seine Geschichte nur als dünne Entschuldigung für das Zuschaustellen knackiger Körper und feuchter Fantasien benutzt. Zu schade, denn auf dem Cover wird der Film als "hormonanregende Porno-Komödie" angekündigt. Wo genau sich die Komödie befinden soll, wird nicht klar, denn der Film ist praktisch humorfrei - von einigen lahmen Versuchen abgesehen. Dass es bis heute keine gelungene Komödie gibt, die hinter den Kulissen einer Pornoproduktion spielt, ist erstaunlich, sollte man doch meinen, dass allein das Setting genug Ideen liefert. "The Fluffer" ist weder lustig, noch spannend, noch interessant und in der Figurenzeichnung völlig banal. Die Story: Junger Naivling (der von sich selber in einer der ersten Szenen sagt, er wäre 22, dabei sieht er aus wie 35) verliebt sich in einen männlichen, bisexuellen Pornostar. Ende der Geschichte. Der "Pornostar" spielt so reiz - und witzlos und hat nicht mal einen Ansatz von Charakter, dass das große Verlangen des Hauptdarstellers, in seiner Nähe zu sein, nicht nachzuvollziehen ist und ihn oberflächlich und dumm erscheinen lässt. Keine gute Ausgangslage für eine Komödie.
Insgesamt ist "The Fluffer" schlicht langweilig und überflüssig, ein simpler Versuch, mit etwas nackter Haut (der Film ist darüber hinaus auch noch entsetzlich prüde) das Interesse des schwulen Zuschauers zu wecken.

Zur DVD: der Film ist englisch mit optionalen deutschen Untertiteln. Hier hat sich niemand die Mühe gemacht, ihn zu synchronisieren, was nicht weiter schlimm ist. Darüber hinaus bietet die DVD ein paar Extras, darunter einen schrägen Kurzfilm über einen Transvestiten ("Bambi"), der Poesie-reimend durch den Wald streift (wem's gefällt - ist fast besser als der Hauptfilm, fällt jedenfalls unter die Kategorie "so schlecht, schon wieder gut") und einen Audiokommentar des deutschen Pornodarstellers "Wolff", der im Dauer-Interview lustlos am Film vorbeiredet und so tiefsinnige Diskussionen liefert wie "Zählt in der Branche nur das Aussehen?" - "Och, nö, da kann man ja mit Make-Up auch viel machen - und mit Licht." Aha, soso. Faszinierend.

02/10
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