Sonntag, 30. Januar 2011

Alien - Die Widergeburt (1997)

Wie schon bei "Alien 3" (1992) gingen die Meinungen über die Fortsetzung ALIEN - DIE WIEDERGEBURT (Alien Resurrection) extrem auseinander, obwohl der Film - im Gegensatz zu seinem Vorgänger - finanziell sehr erfolgreich war. Als Fan von Jean-Pierre Jeunet war ich gespannt, was er mit der Saga anstellen würde, aber die Verbindung von europäischem Autorenkino mit amerikanischer Blockbuster-Mentalität funktioniert für mich nach wie vor überhaupt nicht.

Zurück zu den Wurzeln, hieß es, aber Sigourney Weavers Ripley war am Ende von Teil 3 so tot, toter ging es nicht. ALIEN - DIE WIEDERGEBURT spielt also einige hundert Jahre später, und durch bizarre Klonexperimente wird Ripley neu hergestellt, ist aber im Grunde eine völlig anderer Charakter. Nicht nur fehlt ihr jetzt die Menschlichkeit, sie ist jetzt 'endlich' auch die unerbittliche Kampfmaschine, die man eigentlich nie sehen wollte, denn ihre Verwundbarkeit war das, was sie ausmachte, jedenfalls ging es mir so. Zudem hält sich ihr Hass auf die Aliens stark in Grenzen, weil sie sich den außerirdischen Lebewesen verwandt und verbunden fühlt. Das ist doch ganz herzerwärmend, aber irgendwie nicht der Sinn der Sache.

Zu Weaver gesellen sich noch die leider fehlbesetzte Winona Ryder als zarter Roboter, eine Gruppe skurriler Weltraum-Piraten, plus ein wie immer durchgeknallter Brad Dourif als verrückter Wissenschaftler, der Jerry Lewis neidisch machen würde, sowie ein paar neu überarbeitete Aliens, die zwar tricktechnisch perfekt in Szene gesetzt werden, aber so oft zu sehen sind, dass man sich als Zuschauer schnell mit ihnen anfreundet und sie keine wirkliche Gefahr mehr darstellen, vor der man Angst haben müsste.

Gelungen ist erneut der Look des Films, auch wenn die bewusst schräge Inszenierung des französischen Filmkünstlers so gar nicht zu der Horror-Action-Geisterbahnfahrt passen will, die "Alien" einmal war. Es gibt eine Menge Ideen in ALIEN - DIE WIDERGEBURT, und er ist sicher origineller als so manches Hollywood-Sequel, aber jeder Einfallsreichtum ist umsonst, wenn die Grundpfeiler nicht stimmen, und das sind Charaktere, Spannung und Plot. Die Unterwasser-Sequenz, in der die Überlebenden vor tauchenden Aliens fliehen müssen, ist zweifellos brillant inszeniert und erzeugt als einzige Szene so etwas wie Thriller-Spannung.

Die übrigen Departments lassen hingegen zu wünschen übrig. Der Schnitt ist oft konfus, die Musik von John Frizzell spielt ein paar Ligen unter Goldsmith, Horner und Goldenthal, die Nebendarsteller übertreffen sich im Overacting (unter ihnen der stets nervende Ron Perlman), und das Drehbuch entwickelt keinen Spannungsbogen. Drehbuchautor Joss Whedon distanzierte sich übrigens vom fertigen Film, nachdem sein Buch mehrfach umgearbeitet wurde und nannte ihn "unwatchable".

ALIEN - DIE WIEDERGEBURT ist nicht so schlecht, dass man sich über ihn ärgern müsste (das besorgen die grauenvollen "Alien vs. Predator"-Filme), er ist nur trotz vieler Ideen komplett überflüssig, belanglos und verquast. Für mich eine Riesen-Enttäuschung, man muss aber dazu sagen, dass viele ihn gerade wegen der Skurrilität mögen.

03/10

Samstag, 29. Januar 2011

Alien 3 (1992)

Nach den Vorgängern "Alien" (1979) und "Aliens - Die Rückkehr" (1986) konnte ein dritter Teil eigentlich nur qualitativ abfallen, und so war es dann auch. Mittlerweile besitzt Regisseur David Fincher einen so guten Ruf, dass viele Fans seinen ALIEN 3 (Alien 3) heute besser beurteilen als seinerzeit, aber die Wahrheit ist, dass der Film kaum jemandem gefiel, als er herauskam, und er ist auch in den Jahren nicht besser geworden.

Über die teilweise katastrophalen Produktionsbedingungen, die wesentlich zum Misslingen des Films beitrugen, kann man sich auf dem Bonusmaterial der verschiedenen DVD-Fassungen informieren, und auch Fincher selbst äußerste sich lange - wenn überhaupt - nur negativ über seine Erfahrungen. Dass ALIEN 3 kein Totalausfall ist, liegt an einem starken Production Design und Sigourney Weaver, die - obwohl sie ursprünglich gar nicht vorgesehen war - erneut die Hauptrolle der Ellen Ripley übernahm und gewohnt souverän durch den Film geht.

Der Plot: Die Überlebenden aus Teil 2 - Ripley, die kleine Newt und Corporal Hicks - befinden sich während des Vorspanns von ALIEN 3 auf dem Weg zur Erde, doch durch einen an Bord befindlichen 'Facehugger' und die daraus resultierende Notlandung auf einem fremden Planeten werden Newt und Hicks getötet. An dieser Stelle muss ich kurz einhaken, denn wenn ich etwas hasse, dann die frühe "Ermordung" von Überlebenden aus dem vorangegangenen Teil, um Platz für neue Charaktere zu machen. Haben wir nicht alle mitgelitten und um das Leben von Newt und Hicks gebangt, über zwei Stunden lang? Und bumms, ätsch, sind leider tot. So geht man leider zu oft mit Filmfiguren in Sequels um, und es kotzt mich jedesmal an.
Aber weiter im Text. Der Planet, auf dem sich Ripley nun wiederfindet, erweist sich als Strafkolonie, in der verurteilte Gewaltverbrecher in einer quasi-religiösen Gemeinschaft zusammen leben und aller Gewalt abgeschworen haben. Der mitgereiste 'Facehugger' hat unterdessen einen Rottweiler als Wirtskörper gefunden, aus dem ein neues Alien geboren wird. Ohne Waffen müssen sich Ripley und die Strafgefangenen nun gegen das außerirdische Monster zur Wehr setzen, das Ripley seltsamerweise verschont...

Die Idee, nach der Armee von Aliens in "Aliens - Die Rückkehr" wieder zu einem einzigen Monster zurückzukehren, gegen das eine Gruppe von Außenseitern kämpfen muss, ist durchaus begrüßenswert, allerdings konnte ich mit dem Einfall des 'Mönchsordens' nie wirklich etwas anfangen. Dieser führt lediglich zu endlosen Monologen und Ansprachen mehr oder weniger uninteressanter Charaktere, die das Tempo des Films verschleppen.
Sigourney Weavers Glatze (allen Bewohnern der Kolonie wird wegen Läusegefahr der Kopf geschoren) ist da noch die beste Idee und verleiht dem Film einen Wiedererkennungseffekt. Dass Weavers Ripley diesmal selbst infiziert ist und ein Alien in sich trägt, scheint auf den ersten Blick ein interessanter Ansatz, führt aber lediglich zu einer (unausweichlichen) Selbstopferung am Ende, die leider stark an "Terminator 2" (1991) erinnert und kaum originell wirkt. So sehr man Sigourney Weaver einen guten Abgang aus der Filmreihe, die sie berühmt gemacht hat, wünscht - ich hätte sie lieber nicht als Märtyrerin, sondern als siegreiche Kämpferin gesehen.

Das Alien selbst ist diesmal deutlich schneller und wendiger, ebenso sind die Actionszenen höllisch schnell montiert. Das ist ok, solange es nur um die Dezimierung der Gefangenen geht, aber im Finale, wenn ein relativ unverständlicher Plan ausgeführt wird, das Alien im Tunnel-Labyrinth des Planeten in die Enge zu treiben, verliert ALIEN 3 unter Finchers Regie völlig den Sinn für Übersicht und Topografie, so dass man zwar lauter Action, Geschrei und sich schließende Tore zu sehen bekommt, aber nie begreift, wer sich eigentlich wo befindet, und warum. Das ist leider alles andere als spannend, und hier zeigt sich, was für ein guter Action-Regisseur James Cameron ist, der in "Aliens - Die Rückkehr" den Zuschauer immer miteinbezogen und ihm größtmögliche Orientierung im Geschehen gegeben hat.

Die weitere Konfusion von Drehbuch und Produktion merkt man u.a. an der angedeuteten Liebesbeziehung von Weaver und Charles Dance, die im Nirgendwo versandet, sowie an der Tatsache, dass Darsteller Paul McGann zwar weit vorne im Vorspann genannt wird, im fertigen Film (zumindest in der Kinofassung) aber kaum auftaucht, weil seine Szenen auf dem Boden des Schneideraums endeten. Es gibt Filme, denen man das Chaos hinter den Kulissen nicht anmerkt, hier merkt man es an allen Ecken und Enden.

Positiv zu vermerken ist die Musik von Elliot Goldenthal, wenngleich sie nicht ganz mit Jerry Goldsmith und James Horner in den Vorgängern mithalten kann. Der düster-gelackte Look des Film ist sicher der Hauptpluspunkt, und die Schauspieler geben ihr bestes. Sehr schön gelungen ist die Schluss-Montage der verschlossenen Türen, die dem (naiven) Publikum weismachen sollen, dass hier ein Ende erreicht ist, und nicht zuletzt ist das überraschende Wiedersehen mit Lance Henriksen ein sehr guter Einfall.
Nichtsdestotrotz fängt ALIEN 3 nie wirklich Feuer, man bleibt distanziert und schaut dem Treiben zu, ohne involviert zu sein. Der Film nimmt sich zu ernst und versucht aus einem ursprünglich bösen Gruselspaß etwas scheinbar anspruchsvolleres machen zu wollen, es wird aber nie klar, was das sein soll.

Mein Fazit: zu viele uninteressante Charaktere und zu viel pseudo-philosophisches Geschwafel statt ehrlicher Spannung, Grusel oder Action. Trotzdem hat ALIEN 3 seine Momente und ist zehnmal besser als der verkorkste "Alien Resurrection" (1997).

06/10

Freitag, 28. Januar 2011

Aliens - Die Rückkehr (1986)

"This Time, It's War!"

ALIENS - DIE RÜCKKEHR (Aliens) ist die Ausnahme von der Regel, nach der ein Sequel nie so gut sein kann wie das Original. James Camerons packende Sci-Fi-Horror-Achterbahn geht bewusst andere Wege als Ridley Scotts Vorgänger, knüpft aber stilistisch und inhaltlich in bewundernswerter Weise an. War "Alien" (1979) eine Lehrstunde in klaustrophobischer Gruselspannung, ist die Fortsetzung ALIENS ein lautes, nervenzerrendes, actionbetontes Kampfspektakel. Und so sind beide Filme eng miteinander verbunden und doch eigenständige Meilensteine des Sci-Fi-Kinos.

Die Überlebende aus Teil 1, Ellen Ripley (Sigourney Weaver) liegt zu Beginn von ALIENS noch immer mit ihrer geretteten Katze 'Jones' im gläsernen Hyperschlaf-Sarg, aus dem sie von einem Bergungstrupp befreit und zur sicheren Raumstation zurückgebracht wird. Dort erfährt sie, dass inzwischen nicht nur 57 Jahre vergangen sind, sondern dass sich auf dem ominösen Planeten, auf dem ihre dezimierte Crew damals das Grauen vorfand, mittlerweile Siedler befinden, zu denen aber die Raumstation den Kontakt verloren hat. Ripley soll nun eine Einheit der Marines begleiten, die dort nach dem rechten sehen soll. Die von Alpträumen geplagte Ripley entscheidet sich nach anfänglichem Zögern, mitzureisen. Auf dem Planeten angekommen, findet der Suchtrupp neben einem überlebenden Mädchen namens Newt (Carrie Henn) nur noch Leichen vor - und eine Überzahl von Aliens, die umgehend Jagd auf die Soldaten und Ripley machen...

ALIENS beginnt ruhig und nimmt sich Zeit für die Etablierung der Situation und der Charaktere, wobei Sigourney Weavers Ripley im Zentrum der Erzählung steht. Sie ist Herz, Seele und Muskeln dieses Weltraum-Schockers, und das Drehbuch schenkt ihr gleich mehrere Momente, in denen sie Verwundbarkeit wie Stärke zeigen kann. Weaver, die zunächst in der Fortsetzung nicht mitmachen wollte, ließ sich schließlich doch überzeugen und zeigt eine so starke Leistung, dass sie als eine der beeindruckendsten Frauenfiguren der 80er in die Filmgeschichte eingegangen ist und eine Oscar-Nominierung erhalten hat, was für einen Film diese Genres geradezu sensationell ist.

Weavers Ellen Ripley ist eine sensible, aber zähe Kämpferin, die mit dem quasi-Adoptivkind Newt und dem sympathischen Corporal Hicks (Michel Biehn), der ihr die Bedienung der Handfeuerwaffen erklärt, eine moderne Patchwork-Familie bildet, für die sie bereit ist, ihr Leben zu opfern und die böse Alien-Mutter zum ultimativen Kampf der Übermütter herauszufordern. "Get away from her, you bitch!" Selten hat man eine Darstellerin im testosteron-geschwängerten Action-Genre so übermächtig agieren sehen, und doch bleibt sie immer ein Mensch mit Ecken, Kanten und Schwächen. Ihr die Menschlichkeit zu nehmen ist nur einer der vielen Fehler des grauenvollen "Alien Resurrection" (1997).

Die übrigen Figuren verblassen fast angesichts so viel harter Weiblichkeit, aber eben nur fast. Die Marines sind größtenteils Klischees, werden aber so überzeugend gespielt, dass ihr Schicksal nicht kalt lässt, darunter Camerons Stammschauspieler Jenette Goldstein ("Near Dark", 1987) als Power-Lesbe, Bill Paxton ("True Lies", 1994) als großmäuliger Schwächling und der schweigsam-attraktive Michael Biehn ("Abyss", 1989).
Erwähnenswert sind natürlich noch Paul Reisers korrupter Konzernmitarbeiter Burke, der die Aliens zur Erde schmuggeln möchte und für die wohl beste Sequenz sorgt, in der Weaver und Henn sich - eingeschlossen und von den Kameraden isoliert - gegen einen 'Facehugger' zur Wehr setzen müssen, und nicht zuletzt Lance Henriksen als höflicher Android 'Bishop', der sich selbst opfert, damit die ihm anvertrauten Menschen überleben können.

Diese bunt zusammengewürfelte Truppe ist viel mehr als das Kanonenfutter in vergleichbaren Filmen, und unter James Camerons gnadenlosen Regie wird ihr Überlebenskampf körperlich spürbar. Ähnlich einer Rummeplatz-Attraktion nimmt ALIENS mit zunehmender Laufzeit immer mehr an Fahrt auf und reißt den Zuschauer mit, bis er dann - wenn scheinbar alles vorbei ist - noch einmal zum letzten Schlag ausholt und ein weiteres, noch bombastischeres Finale dranhängt. Im Gegensatz zu Ridley Scotts "Alien" baut Cameron auch eine gute Dosis Humor ein, so dass die haarsträubenden Ereignisse immer wieder ironisch kommentiert werden und für kurze Durchatmer sorgen. James Horner hat mit seinem wuchtigen Soundtrack seine beste Arbeit abgeliefert, die heute noch gern in Trailern verwendet wird.

Was ALIENS so hervorragend macht, ist die Tatsache, dass die Darsteller und die Handlung nie von den Effekten erschlagen werden und diese immer im Dienst der Geschichte stehen. Zudem vollbringt keiner der Charaktere eine Leistung, die über ein nachvollziehbares Maß hinausgeht oder die Gesetze der Schwerkraft sprengt, wie es in moderneren Vertretern des Genres mittlerweile Standard ist. Hier fliegt niemand minutenlang durch die Luft oder vollführt schwerelose Kunststücke. Die Überlebenden kämpfen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und Kräften, sie bluten, heulen und schwitzen.

Mit ALIENS war der Höhepunkt des Actionkinos erreicht. Der Wert, der hier noch auf Identifikation trotz Bombast gelegt wurde, war schnell beendet, als nachfolgende Action-Kracher sich mit teuren Materialschlachten und Effektfeuerwerken selbst übertrafen, dem Genre aber den Boden unter den Füßen wegzogen. James Cameron stand dabei selbst an vorderster Front und setzte mit "Abyss" (1989), "Terminator 2"(1991) und "True Lies" (1994) immer neue Maßstäbe in Sachen Tricktechnik und Aufwand.
ALIENS aber ist viel mehr als ein tricktechnisch perfektes Spektakel. Deswegen kann man ihn 25 Jahre später immer noch zum x-ten Mal sehen, und deswegen ist und bleibt er für mich auch James Camerons bester Film.

10/10


"Get away from her, you bitch!" -
Ellen Ripley (Sigourney Weaver) im Duell 'Mutter vs. Mutter'.

Dienstag, 25. Januar 2011

Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979)

Ridley Scotts ALIEN (Alien) ist nicht nur einer meiner Alltime-Favourites, sondern auch die spannendste, unheimlichste und unterhaltsamste Geisterbahnfahrt aller Zeiten.
Während die Welt noch über "Star Wars" (1977) staunte, kam mit diesem Sci-Fi-Horror das böse Stiefkind von George Lucas' Weltraumsaga in die Kinos und wurde umgehend zum Kassenhit und zu einem Phänomen, das nicht nur zahllose (schlechte wie wenig gute) Nachahmer fand, sondern heute noch in Filmen unterschiedlichster Genres gewürdigt wird. In diesem Sinne ist ALIEN ein moderner Klassiker und hat seinen festen Platz in der Filmgeschichte eingenommen.
Ebenso wie William Friedkins "Der Exorzist" (1973) konfrontierte Scott das Mainstream-Publikum mit drastischen Effekten, die in dieser Form zuvor nur dem eingefleischten Horror-Publikum vorbehalten waren.

Die Story ist ebenso simpel wie effektiv: Die Crew des Raumfrachters "Nostromo" befindet sich auf dem Weg durchs All zurück zur Erde, als sie ein Notsignal von einem fremden Planeten empfängt. Dort entdecken die Astronauten zwar kein Leben, aber ein außerirdisches Raumschiff und tausende merkwürdiger Eier. Aus einem springt eine Kreatur (der sogenannte 'Facehugger') wie ein Springteufel heraus und klammert sich am Gesicht eines der Besatzungsmitglieder fest. Schnell verlässt man den unheimlichen Ort, doch das Grauen ist bereits zu Gast auf der "Nostromo", denn die Kreatur aus dem Ei hat eine tödliche Saat im Körper des Astronauten abgelegt, die in einem der schreckenerregendsten Momente des Horrorkinos daraus hervorbricht. Nun muss die Crew sich auf die Jagd nach dem Monster machen, das sich in den Labyrinthen des Raumschiffes versteckt, dabei rasend schnell wächst und die Besatzung unaufhaltsam aus dem Hinterhalt dezimiert...

Keine Frage, selten war ein Horrorfilm so nervenzerrend und innovativ wie ALIEN, und das mit einer Geschichte, die durchaus nicht neu und den klassischen Haunted House-Stories wie "The Cat and the Canary" entliehen war. Dafür ist die Umsetzung umso bahnbrechender geraten. Vergessen sind die klinisch sauberen, bunten Weltraumszenarien von "Star Wars", in denen Gewalt nur comichaft und Sex überhaupt nicht existiert. ALIEN ist dreckig, düster, humorlos, nebelverhangen, und die Design-Kreationen des Künstlers H.R.Giger stecken voller sexueller Methaphern - so sieht der Eingang des außerirdischen Raumschiffes aus wie eine gigantische Vagina, während das Monster mit seinem ständig Schleim absondernden Maul einem bedrohlichen Phallus ähnelt. Befruchtungsvorgang und 'Geburt' des Alien - mit dem Mensch als Wirtskörper - stellen folgerichtig eine perverse Abwandlung des menschlichen Fortpflanzungsprozesses dar.

Kein Wunder, dass eine Frau ist, die letztendlich den Riesenpenis ins Weltall katapultieren muss, wo es durch den Antriebsstrahl der Rettungskapsel zu Tode gegrillt wird. Das Final Girl ist die kämpferische Sigourney Weaver, die mit ALIEN ihren verdienten Durchbruch feierte, und deren Rolle ursprünglich von den Autoren O'Bannon und Shusett für einen Mann geschrieben wurde, bis Ridley Scott auf die Idee kam, die Rolle mit einer Frau zu besetzen, aber bewusst keine weiteren Änderungen an den Dialogen vorzunehmen, weswegen Weavers 'Ripley' eine faszinierende Mischung aus beiden Geschlechtern bleibt. Ihre Entscheidung, im Angesicht des Todes noch die Bordkatze zu retten und damit das eigene Überleben zu riskieren, darf man wohl als weiblich-empathisch bezeichnen, während ihr Umgang mit den Kollegen eher robust und kumpelhaft wirkt, insbesondere ihre Weigerung, den infizierten John Hurt nach seinem fatalen Trip auf den Planeten des Grauens wieder an Bord zu lassen.
So verabschiedete sich ALIEN vom Abzieh-Rollenbild der Frau in Science Fiction-Filmen, die zumeist nur schöne Wissenschafts-Assistentin oder kreischendes Opfer von Monstern sein durfte, das sich hilfesuchend an die Brust des männlichen Helden wirft.

Ridley Scott merkt man in ALIEN den gelernten Grafikdesigner in jeder Einstellung an. Die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz sind derart fließend, dass sie praktisch nicht mehr existieren. ALIEN ist ein visueller Genuss ohne Ende, von der ersten Einstellung, in der die Kamera durch das Raumschiff streift, bevor die Crew aus ihrem Hyperschlaf geweckt wird, bis zum Ende, wenn die beiden weiblichen Sieger (Ripley und Katze) sich wieder in ihren gläsernen Sarg zurückziehen (aus dem sie in der Fortsetzung "Aliens", 1986, gerettet werden).
Unter den Crewmitgliedern gibt es keine Helden, es sind lediglich hart arbeitende Menschen, die dem Grauen mehr oder weniger hilflos gegenüberstehen, und die sich mit alltäglichen Problemen (wie ihrer Bezahlung) herumärgern. Der Verzicht auf Stars (wenngleich einige bekannte Gesichter dabei sind sind) sorgt für extreme Glaubwürdigkeit, und der allwissende, aber nichts preisgebende Computer mit der kalten Frauenstimme passt - ebenso wie der intrigante Android - perfekt ins 70er-Zeitalter mit seinen Verschwörungstheorien und dem Unbehagen gegenüber Autoritäten und Technik.

So bietet ALIEN ein faszinierendes Konzept, das in jeder Beziehung brillant umgesetzt wurde. Die Verbindung aus alten Gruselmär-Motiven mit fortschrittlichen Ideen in der Geschlechterbesetzung und dem atemberaubend futuristischen Design machen ihn zu einem perfekten Thriller, der ebenso reißerisch wie subtil vorgeht, und der bis ins letzte Detail mitsamt seiner Stroboskop-Effekte und Herztöne im unteren Hörbereich den Zuschauer zu packen weiß wie kaum ein anderer. Selten waren Terror, Angst und Klaustrophobie so greifbar wie in ALIEN. Ein Meisterwerk und mit Abstand Ridley Scotts bester Film.
Die Tatsache, dass momentan diskutiert wird, ob es ein Prequel geben soll, macht klar, dass das Thema ALIEN noch lange nicht erledigt ist.

10/10


Schneewittchen im gläsernen Sarg - Sigourney Weaver in "Alien"

Spasmo (1974)

Wer an den italienischen Giallo denkt, denkt automatisch an Sex, Gewalt, schwarze Handschuhe, ausgeklügelte Kamerafahrten und avantgardistische Musik. In Umberto Lenzis Beitrag SPASMO (Spasmo) bekommen wir allerdings fast nichts davon, und somit ist er selbst für eingefleischte Giallo-Fans eine ziemlich zermürbende Tortur.

Zum Inhalt: der Industriellensohn Robert Hoffmann findet am Strand die bewusstlose Suzy Kendall und verliebt sich umgehend, weswegen er seine aktuelle Freundin in die Wüste schickt. Auf einer Party trifft er Kendall wieder, und die beiden landen in einem Motel. Dort wird Hoffmann von einem Unbekannten überfallen, den er in Notwehr tötet. Doch die Leiche ist kurz darauf verschwunden. Hoffmann und Kendall fahren in das Landhaus von Kendalls Freundin, wo sich die Kette seltsamer Ereignisse fortsetzt. Und warum liegen oder hängen überall Schaufensterpuppen herum? Bis zur überraschenden Auflösung vergeht noch einige Filmzeit...

Die Prämisse von SPASMO ist interessant, aber leider beweist Umberto Lenzi wieder einmal, dass er als Regisseur nur wenig Talent für Spannungsaufbau oder Atmosphäre besitzt, zwei Grundvoraussetzungen des Giallos. Der Name Lenzi ist für immer mit den berüchtigten Kannibalenfilmen verbunden, die er in den späten 70ern/frühen 80ern inszenierte, und auch diese glänzen nicht gerade durch inszenatorisches Geschick. Mit "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1972), dem letzten Film der auslaufenden Edgar Wallace-Reihe, hat er einen soliden Beitrag zum Giallo abgeliefert, aber auch der hätte sehr viel besser werden können, wenn ein Bava, Argento oder Sergio Martino Regie geführt hätte. Ursprünglich war für SPASMO übrigens Lucio Fulci als Regisseur vorgesehen.

So verschleppt Lenzi das Tempo, bis auch der letzte Zuschauerf sanft entschlummert ist - schade, denn die Auflösung von SPASMO ist sehr bizarr und hätte einen besseren Film verdient. Das bisschen Stimmung, das gelegentlich aufkommt, entsteht durch die Aufnahmen der Schaufensterpuppen, die sich seit Mario Bavas "Blutige Seide" (1963) immer gut in Horrorfilmen machen. Ansonsten bleibt der Thriller erstaunlich blutleer in jedem Sinne. Brillante Dialoge erwartet man ohnehin nicht in diesem Genre, das eher auf oberflächliche Schauwerte setzt, doch ist hier die gesamte Story zu konfus und langatmig geraten.

Die Schauspieler können ebenfalls nichts reißen. Robert Hoffmann, bekannt aus dem Wallace-Krimi "Neues vom Hexer" (1965), geht mit wenig Ausdruck durch den Film, und Partnerin Suzy Kendall kann zwar auf einige Rollen in Klassikern des Genres zurückblicken ("Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", 1970), bleibt aber ebenso nichtssagend.
Der einzige, der ein erhöhtes Maß an Kreativität an den Tag legt, ist Ennio Morricone, dessen Score sich fantastisch anhört und für die wenigen guten Momente sorgt. Seinen Soundtrack kann man auch ohne den dazu gehörigen Film genießen.

So bleibt am Ende nur ein enttäuschendes Fazit. SPASMO wird niemanden davon überzeugen, dass es im Giallo-Genre echte Meisterwerke zu entdecken gibt. Schade.

03/10

Sonntag, 23. Januar 2011

Kinder des Todes (1980)

"Thank God they're somebody else's!" lautet der Werbespruch, und seien wir ehrlich - das kann man eigentlich über alle Kinder sagen. Auf die KINDER DES TODES (The Children) trifft das aber besonders zu.

Ein vollbesetzter Schulbus fährt in eine äußerst ungesunde gelbe Wolke, die aufgrund eines Lecks in der nahen Chemiefabrik entstanden ist. Plötzlich sind alle Kinder spurlos verschwunden, tauchen dann aber auf dem örtlichen Friedhof wieder auf und sind irgendwie nicht mehr dieselben. Nicht nur haben sie schwarze Fingernägel, sondern wenn sie Erwachsene umarmen, verbrennen diese innerlich wie äußerlich und geben sehr unansehnliche Leichen mit verkohlten Gesichtern ab. Die Eltern und Gesetzeshüter sind ratlos und halten sich gegenseitig davon ab, den Kindern zu nahe zu kommen. Dann kommt endlich jemand auf die geniale Idee, den Kindern die Hände abzuschlagen - was das einzige Mittel gegen sie zu sein scheint...

Lieber Arm dran als Arm ab, wie wir in den 80ern sagten. Was soll man viel über KINDER DES TODES erzählen? Der Film ist der reinste Horror-Trash aus der untersten Schublade. Passenderweise wurde er in den USA vom C-Film-Anbieter Troma veröffentlicht. Der Wille zum Tabubruch ist da, und gruslige Horror-Kinder gab es ja schon einige in der bewegten Geschichte des Genres, man denke nur an die weißhaarigen Kleinen im "Dorf der Verdammten" (1960), die unheimlichen Waisen im "Schloss des Schreckens" (1961) oder die Gnome in Schneeanzügen aus Cronenbergs "Die Brut" (1979).
KINDER DES TODES aber ist leider in jeder Beziehung schlecht - was nicht heißt, dass er nicht auf eine schundige Art unterhält. Die Maskeneffekte der verbrannten Elternleichen sind hübsch scheußlich, die Darsteller überbieten sich im Overacting, und die deutsche Synchronisation strotzt nur so vor "schnoddrigen" Redewendungen, die hier so gar nichts zu suchen haben. Inhaltlich wird an allen Ecken und Enden geklaut, bei Jack Arnold, George A. Romero und anderen, deutlich besseren Vorbildern. Trotzdem besitzt der Film einen gewissen Charme. Ein solcher Schund wäre heute kaum noch denkbar.

Interessant ist lediglich die Tatsache, dass Komponist Harry Manfredini hier bereits sehr viele Sounds ausprobiert, die in "Freitag der 13." (1980) Verwendung finden sollten. Deswegen den Film zu empfehlen wäre aber so, als würde man eine Wurzelhandlung beim Zahnarzt empfehlen, weil der Stuhl dort ganz bequem ist.

Das beste an KINDER DES TODES ist der dicke Mann mit Schnauzbart, der auf der deutschen Videocassette vor dem Hauptfilm die FSK-Einstufung erklärt ("Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren"). Der ist allen Kids der 80er noch gut in Erinnerung, und wer eines der mittlerweile seltenen Exemplare der CBS/FOX-VHS besitzt, sollte sie hüten wie einen Schatz, denn so etwas kommt garantiert nicht wieder. - Überflüssig zu erwähnen, dass die deutsche Fassung zwar indiziert (mittlerweile freigegeben), aber an allen drastischen Stellen übel geschnitten wurde, so dass man sich fragt, warum dieser Quatsch mit Soße eigentlich ab 18 Jahren freigegeben ist. Und ohne die wenigen Effekte ist KINDER DES TODES schon gleich gar nichts mehr wert.

03/10

Freitag, 21. Januar 2011

Shining (1980)

"Heeeere's Johnny!"

Sprach Jack Nicholson - in einer der unvergesslichsten Darbietungen seiner Karriere - und rammte die Axt in die Badezimmertür, um seiner Filmfrau Shelley Duvall und Söhnchen Danny Lloyd die Köpfe einzuschlagen - oder schlimmeres. Wenn dieser Punkt erreicht ist, explodiert die aufgestaute Spannung von SHINING (The Shining), die Regisseur Stanley Kubrick in seiner typischen Detailversessenheit aufgebaut hat, und zwar von Beginn an, wenn die Kamera den Wagen der Familie Torrance durch die Bergwelt verfolgt, in der die Menschen klein und unbedeutend, und die Natur und ihre Geheimnisse gewaltig sind.

Drei Personen, ein abgelegenes Berghotel, ein harter Winter und die Geister der Vergangenheit, sowohl im übertragenen wie im wörtlichen Sinn, das sind die Zutaten von Kubricks SHINING. Hier soll Jack Nicholson als Hausmeister das Hotel über den Winter bringen, aber Vorsicht: der letzte Hausmeister hat vor Jahren einen Koller bekommen und seine Familie mit der Axt zerstückelt. Als die drei allein und isoliert sind, beginnt der Psychokrieg. Nicholsons unterdrückte Alkoholsucht und Versagensangst manifestiert sich in Aggression gegenüber Frau und Sohn, und die blutige Vergangenheit des Hotels sorgt für vermeintliche Geistererscheinungen, die ihn endgültig in den Wahnsinn abgleiten lassen...

1980 zog Stanley Kubrick aus, den "erschreckendsten Film aller Zeiten" zu inszenieren. Als SHINING herauskam, wurde er sowohl von Stephen King, dem Autor der erfolgreichen Romanvorlage, als auch dessen Fans mit Ablehnung bedacht. Zu sehr hatte sich Kubrick vom Buch entfernt. Dazu muss man sagen, dass King in seinem (besten) Roman einen klassischen Spannungsablauf schildert, das langsame Abgleiten eines Normalbürgers - mit Abgründen hinter der heilen Fassade - in den Wahnsinn. Eine derart schnurgerade Dramaturgie konnte und durfte man von einem Kubrick nicht erwarten, und warum auch? Stephen King sind schon wesentlich schlimmere Dinge in Verfilmungen seiner Vorlagen angetan worden.
Gerüchte über einen finanziellen Misserfolg des Films machten ebenfalls die Runde, erwiesen sich aber als unwahr, tatsächlich ist SHINING mit seiner stetig wachsenden Popularität, die auch jüngere Generationen erreicht, eine der erfolgreichsten Adaptionen Kings, und auch wenn es immer noch Menschen gibt, die den Film ablehnen (aus Gründen, die ich noch nie nachvollziehen konnte), darf ich an dieser Stelle verkünden, dass SHINING schon immer einer meiner liebsten Horrorfilme war, dass er fantastisch altert (nämlich gar nicht), und dass sich Kubricks Entscheidungen alle zum Vorteil des Films auswirken - was man übrigens sehr schön an der später entstandenen TV-Fassung "The Shining" (1997) sieht, für die Stephen King das Drehbuch schrieb, und die nichts weiter als ein gut gespielter, aber durchschnittlicher Thriller mit schlechten Effekten ist.

Kubrick verzichtet fast vollständig auf Horror-Versatzstücke und lässt mit Hilfe seines Kameramannes John Alcott Bilder und Kamerafahrten von unglaublicher Kraft entstehen. Wenn der (fabelhafte) Danny Lloyd durch die Flure des Overlook-Hotels radelt und die Steadycam ihm folgt, wird der Zuschauer förmlich in den Film hineingezogen, man möchte wissen, was sich hinter der Tür von Zimmer 237 verbirgt, aber Kubrick lässt uns zappeln, immer wieder. Entscheidende Szenen (Dannys Misshandlung in 237) werden nicht gezeigt, scheinbar unwichtige Momente dagegen ausführlich ausgespielt.
Kubricks Sinn für Inszenierung lässt uns immer hautnah dabei sein, man riecht förmlich den Muff der Flure und Teppiche, man spürt die Kälte des Winters. Als äußerst hilfreich erweist sich der wie immer bei Kubrick perfekte Soundtrack-Mix aus klassischen Komponisten und den sphärischen Klängen von Wendy Carlos (früher Walter Carlos, bis zu seiner Geschlechtsumwandlung, aber das nur am Rande) und Rachel Elkind.

Dass Jack Nicholson von der ersten Minute an psychopathisch wirkt, wurde vielfach kritisiert, ist aber nachvollziehbar, weil Kubrick die Spannung ganz woanders sucht, nämlich in der Frage, wann Frau und Kind das erkennen. Der Zuschauer ist den Charakteren weit voraus und kann nur zusehen, wie sie in ihr Unglück laufen. Bei King werden Die Figuren selbst Zeugen des drohenden Unheils (was ebenso wirkungsvoll ist), bei Kubrick sind sie lange Zeit ahnungslos oder üben sich in Verdrängung. Die Familiendynamik interessiert Kubrick mehr als die Schauergeschichte.

Ich kann hier beim besten Willen (und ich will gar nicht) irgend etwas kritisieren. Natürlich kann der Film auf jemanden langatmig wirken, der noch nie etwas von Kubrick gehört hat, oder der einen hohen Body Count braucht. Brauche ich auch manchmal, aber deswegen kann ich ein Kunstwerk wie SHINING trotzdem genießen. Welcher Horrorfilm der letzten Jahrzehnte bietet so viele Momente, die sich für immer ins Gedächtnis brennen - das Heckenlabyrinth, die Zwillinge im Flur, die alte Frau in der Badewanne, 'Redrum', die zertrümmerte Tür, das Blut im Fahrstuhl, die Schneewehe vor dem Fenster, und nicht zuletzt der eine Satz, den Nicholson immer und immer wieder tippt. Für mich war, ist und wird SHINING immer ein Meisterwerk des Schreckens sein. In jungen Jahren habe ich mich einfach nur gegruselt, jetzt im Erwachsenenalter kann ich auch die formale Virtuosität des Films genießen.

"Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen". Also schnell nochmal anschauen, immerhin schneit es draußen gerade wieder, und welches Wetter wäre besser geeignet?

Letzte Anmerkung: Stanley Kubrick hat für Europa eine zweistündige Fassung des in den USA 143 Minuten langen Films erstellt. Die längere Version beinhaltet mehr Erklärungen, wie eine sehr lange Sequenz zu Beginn, in der Sohn Danny von einer Ärztin untersucht und die Vorgeschichte von Nicholsons Gewaltausbrüchen angesprochen wird. Kubrick war überzeugt, die Europäer würden den Film "schneller verstehen" als die Amerikaner. Insofern sind beide Versionen autorisiert, und ich könnte keine bevorzugen.

10/10

Redrum - die Tür zum Wahnsinn in "Shining"

Mittwoch, 19. Januar 2011

Macabro - Die Küsse der Jane Baxter (1980)

MACABRO (Macabre/Frozen Terror) ist das Regiedebüt von Lamberto Bava, Sohn des großen Horror-Meisters Mario Bava, und gleichzeitig sein bester Film, eine bedrückende Psycho-Studie, die ihren Titel wirklich verdient hat.

Erzählte Papa Mario in seinem letzten Film "Shock" (1977) von einer Frau, die langsam dem Wahnsinn verfällt, haben wir hier mit Bernice Stegers als Jane Baxter schon gleich zu Beginn eine voll ausgebildete, lupenreine Psychopathin, denn die Ereignisse, die bei ihr sämtliche Schrauben gelockert haben, liegen bereits zurück. Ein Jahr zuvor verlor sie nicht nur ihren kleinen Sohn, der aus Eifersucht von seiner Schwester ertränkt wurde, sondern auch den Liebhaber, der bei einem bizarren Autounfall, an dem Jane durchaus mitschuldig war, enthauptet wurde. Nach 12 Monaten in der Nervenheilanstalt kehrt sie nun in ihr altes Haus in New Orleans zurück, aber dem blinden Vermieter (Stanko Molnar), der ebenfalls im Haus wohnt, ist Jane nicht ganz geheuer. Nacht für Nacht dringt erotisches Stöhnen aus ihrer Wohnung. Könnte es sein, dass Jane den abgetrennten Kopf ihres Lovers im Kühlschrank aufbewahrt und mit ihm sündige Nächte verbringt? Das wäre doch zu entsetzlich, oder...?

Das war lediglich ein kleiner Spoiler, denn die Wahrheit über die heißen Nächte mit tiefgefrorenem Kopf wird schnell von Lamberto Bava enthüllt.
Das grundsätzliche Problem von MACABRO ist die Tatsache, dass die Geschichte nicht wirklich die Spielfilmlänge füllt, sondern eher eine makabere Kurzgeschichte ist, und so gibt es hier und da auch einige Längen, in denen einfach nicht klar wird, wohin der Film will. Es fehlt eine dramatische Entwicklung, wie sie etwa Polanski in "Ekel" (1965) beschrieben hat. Da das Abgleiten in den Wahnsinn hier bereits abgeschlossen ist, wenn der Vorspann läuft, gibt es keine Steigerungsmöglichkeit mehr für Frau Jane Baxter, es besteht lediglich die Spannung, wann ihr Geheimnis gelüftet wird.

Das soll aber nicht heißen, dass MACABRO kein guter Film ist, im Gegenteil. Lamberto Bava hat zwar noch deutlich erfolgreichere Horrorfilme gedreht, aber nie einen atmosphärischeren. Die New Orleans-Locations mit Raddampfern, Friedhöfen und alten Häusern sind stimmungsvoll eingefangen, die Musik passt, und Bernice Stegers, die zuvor mit Fellini drehte, ist absolut überzeugend als geisteskranke Jane Baxter, die über das erlittene Unglück nicht hinwegkommt. Trotz seines reißerischen und sicherlich geschmacklosen Inhalts bleibt MACABRO erstaunlich dezent und zurückhaltend. Erst im Finale, wenn sich die Ereignisse überschlagen und die Charaktere der Wahrheit ins Gesicht blicken, schlägt der Horror richtig zu, und der Schluss-Schocker ist so gut inszeniert, dass er mich jedes Mal erwischt.
Der wird übrigens dummerweise sowohl im Trailer als auch auf dem DVD-Cover verraten. Wer sich also das Vergnügen nicht verderben lassen will, sollte weder den Covertext lesen noch die Bilder anschauen, noch die DVD-Extras vor dem Hauptfilm begutachten, also am besten beim Kauf und Einlegen der Scheibe die Augen geschlossen halten...

Mit Nekrophilie, Tod und Verwesung hat Lamberto Bava die Lieblingsthemen seines Vaters aufgegriffen und gezeigt, was er von ihm gelernt hat. Amerikanische Vorbilder sind hier kaum erkennbar, am ehesten noch der britische Klassiker "Peeping Tom" (1960) mit der Figur des blinden Nachbarn, der die Wahrheit ahnt. Ansonsten ist MACABRO ist ein sehr eigenständiger und persönlicher Film. Ich kann ihn allen Fans italienischer Horrorfilme wärmstens ans Herz legen.

08/10

Dienstag, 18. Januar 2011

Shock (1977)

Der letzte Spielfilm des großen Mario Bava beweist, dass es in italienischen Horrorfilmen der 70er nicht nur um Zombies oder Serienkiller mit schwarzen Handschuhen ging. In SHOCK (Shock) erzählt Bava eine Haunted House-Story inklusive Seelenwanderung, mit einem Schuss Psycho-Thriller à la "Die Teuflischen" (1955). Obwohl hier Elemente aus diversen Vorbildern entnommen sind, ist Bavas Werk wiederum so innovativ, dass sich viele spätere US-Horrorfilme (wie "Amityville Horror", 1979) bei SHOCK bedienten.

Der Inhalt: der kleine Marco (David Colin, jr.) zieht mit seiner Mutter Dora (Daria Nicolodi, Ex-Gattin von Dario Argento) und deren zweitem Mann (John Steiner) in ihr altes Haus. Vor mehreren Jahren hat sich der erste Ehemann und Vater von Marco das Leben genommen, angeblich unter Drogeneinfluss. Zunächst herrscht eitel Sonnenschein, doch dann beginnen die Irritationen. Marco scheint vom Geist seines toten Papas besessen zu sein und einen unsichtbaren Begleiter zu haben. Hände aus dem Jenseits greifen nach Dora, und ihr Sohn entwickelt inzestuöse Tendenzen. Die Vergangenheit kommt bruchstückhaft zurück in die Gegenwart und enthüllt ein schreckliches Geheimnis. Haben Dora und ihr Geliebter den Ehemann ermordet, um ein neues Leben anzufangen? Und was ist im Keller hinter einer neuen Ziegelwand verborgen? ...

Marios Sohn Lamberto Bava schrieb am Drehbuch mit und übernahm auch teilweise die Regie, weil sein Vater bereits erkrankt war (er starb 1980). Vorbei sind in SHOCK die alten Zeiten der barocken Ausstattung und ausgefeilten Licht- und Farbenspiele. Zwar bietet Bava noch einige wundervolle Kamerafahrten - etwa zu Beginn, wenn die Kamera durch den Garten des Hauses in den Keller wandert, um sofort ein Element des Unbehagens zu setzen - , aber ansonsten ist SHOCK in einem naturalistischen Ton gehalten, mit viel Sonnenlicht und realistischer Atmosphäre.

Die Momente des Schreckens sind aufgrund des geringen Budgets einfallsreich umgesetzt.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Szene, in der Marco durch einen langen Flur auf Daria Nicolodi zuläuft, die im Bildvordergrund steht, dabei durch die erhöhte Kameraperspektive kurz aus dem Bild verschwindet und plötzlich direkt vor Nicolodi als toter Ehemann wieder auftaucht - ein echter Schocker, der völlig ohne Spezialeffekte auskommt. Wo heute gemorpht würde, was die Rechner hergeben, reichen Bava zwei Schauspieler und die Kamera.
Die irritierende Einstellung, in der Daria Nicolodi einen erotischen Traum hat und sich ihre Haare wie von Geisterhand bewegen, ist ebenfalls sehr simpel entstanden, indem Bava einfach Nicolodi ans Bett geschnallt und dieses um 180 Grad gekippt hat, so dass der Eindruck entsteht, ihr ganzer Körper sei in Bewegung, während sie scheinbar ruhig auf dem Bett liegt. Klasse!

Zugegebenermaßen hat SHOCK zu Beginn einige Längen und wirkt insgesamt weniger dicht als Bavas beste Werke, doch wer dranbleibt, wird mit einem spannenden zweiten Akt und einem atemberaubenden Finale belohnt. Selbst wenn man das Geheimnis ahnt, welches das Haus und seine Bewohner umgibt, wird man nicht enttäuscht. Das Inzest-Motiv, das sich durch den Film zieht und für reichlich Unbehagen sorgt, stellt in Verbindung mit Tod und Verwesung das zentrale Leitmotiv des Films dar, das Bava bereits in einem seiner schönsten Filme, "Lisa und der Teufel" (1974), verarbeitet hat.

Nicht zuletzt muss man die Darsteller loben. Daria Nicolodi zeigt eine fantastische Leistung und sorgt dafür, dass SHOCK auch als Psychodrama funktioniert. Ihre Dora verfällt nicht nur wegen der unheimlichen Vorgänge dem Wahnsinn, sondern wegen der Schuld, die sie auf sich geladen hat. Während sie unter der Regie ihres Mannes Argento oft zum Overacten neigt, spielt sie unter Bava extrem kontrolliert und mit feinen Nuancen, sie wirkt extrem zerbrechlich. Als Zuschauer hat man Mitleid mit ihr, bleibt aber auf Distanz, und man wird unwillkürlich an Catherine Deneuves Spiel in "Ekel" (1965) erinnert, der einen ähnlichen Aufbau hat. Ein weiteres Vorbild ist Mimsy Farmer in dem großartigen, kaum bekannten "The Perfume of the Lady in Black" (1974).
Der junge David Colin jr. ist nicht ganz so bösartig, wie der Film ihn gern hätte, funktioniert aber in der Tradition "böser Horror-Kinder", und John Steiner agiert gewohnt solide, er gehörte zum Standard-Ensemble italienischer Horrorfilme der 70er/80er.

So ist Mario Bavas Abschied vom Horrorfilm ein nicht vollständig gelungenes Werk, das heute etwas angestaubt wirkt (anders als seine großen Filme wie "Die Stunde, wenn Dracula kommt", 1960, die ewig jung bleiben). Trotzdem ist ein Bava immer sehenswert, und der Ideenreichtum des Films überwiegt die Schwächen. Mit Bava hat der Horrorfilm einen seiner größten Künstler verloren. Sein Sohn Lamberto ging fortan eigene Wege und inszeniert mit seinem Debüt "Macabro - Die Küsse der Jane Baxter" (1980) einen klasse Schocker, konnte aber letztlich nie aus dem Schatten des Vaters heraustreten.

07/10

Montag, 17. Januar 2011

Dämonen (1986)

Oder auch:
DEMONI Reloaded.

Auf die Umdrehung der Titelreihenfolge bin ich in der Rezension von "Dämonen 2" (1985) bereits eingegangen. Mit DÄMONEN (DEMONI 2) haben wir nun die Fortsetzung von Lamberto Bavas Horror-Kracher aus den schönen 80ern. Man könnte das Sequel auch Remake nennen, denn die Handlung (soweit man diese so nennen kann) wurde vom Original fast 1:1 übernommen, lediglich der Schauplatz wurde geändert. Statt im schönen Berlin spielt DEMONI 2 in Hamburg, und so gibt es auch hier - wie im Vorgänger - ein paar atmosphärische Originalschauplätze wie den Rathausmarkt zu sehen. Die Produktion und Teile des Drehbuchs übernahm wieder Dario Argento.

Die titelgebenden Dämonen, oder besser: Zombies, steigen dieses Mal nicht von einer Kinoleinwand, sondern aus dem Fernseher, und die bedauernswerten Opfer befinden sich anstelle eines Kinosaals in einem modernen Hochhaus. Erstes Opfer der Zombies wird die junge Sally (Coralina Cataldi-Tassoni, bekannt aus Argentos "Opera", 1987, und "Phantom der Oper", 1998), die eigentlich eine Geburtstagsparty feiern will, sich stattdessen aber in einen mordlustigen Zombie mit Reißzähnen verwandelt. Unter den weiteren Bewohnern des Hauses befinden sich noch ein junger Physiker mit seiner schwangeren Frau, eine Gruppe Bodybuilder, eine Prostituierte auf Hausbesuch und ein kleiner Junge. Erneut abgeschnitten von der Außenwelt, müssen sie um ihr Überleben kämpfen.

Der Gore-Gehalt wird in DEMONI 2 ein wenig heruntergeschraubt, weswegen der Film im Gegensatz zu seinem Vorgänger auch hierzulande nicht beschlagnahmt wurde - was den Video-Verleiher aber nicht davon abhielt, einfach mal das komplette Finale aus dem Film herauszuschneiden. Nachdem das überlebende Pärchen sich vom Dach des Hochhauses abseilen konnte, endet bei uns der Film abrupt, während die beiden in der Originalfassung noch ein TV-Studio aufsuchen, in dem die Heldin ihr Baby zur Welt bringt und sich zeigt, dass die Zombies nicht besiegt sind.

Die Beleuchtung in DEMONI 2 ist weniger knallbunt als im Original, ansonsten bleibt alles beim alten. Sogar einige Darsteller, die in Teil 1 ihr Leben lassen mussten, sind wieder mit von der Partie. Insgesamt ist DEMONI 2 ein schwächerer Beitrag, weil schlicht die originellen Ideen fehlen, bzw. alles schon einmal genau so da gewesen ist. Ich mag ihn trotzdem, weil ich a) Filme liebe, die in Hochhäusern spielen (Cronenbergs "Shivers" gehört zu meinen Lieblingen), und weil man b) selten eine Sequenz zu sehen bekommt, in der eine hochschwangere Frau in ihrem Apartment mit Bratpfanne gegen ein rasendes Teufelchen kämpfen muss.
Übrigens, für den muskulösen Urbano Barberini im Vorgänger springt hier David Knight ein, der zwar einen Physikstudenten spielt, aber so aussieht, als würde er zehn Stunden täglich im Fitnessraum verbringen. Ja, so dicht hält sich die Fortsetzung ans Original.

Neben den Elementen aus Teil 1 finden sich in DEMONI 2 übrigens noch Details aus "Dressed to Kill" (1980), dem bereits angesprochenen "Shivers" (1975), und die ganze "Monster aus dem TV"-Nummer ist natürlich aus "Videodrome" (1983) geborgt, dessen inhaltliche Tiefe natürlich nicht ansatzweise mit übernommen wird.
So wurde DEMONI 2 fast schon mit Gewalt auf Erfolg getrimmt, war aber letztlich nicht so populär wie sein Vorgänger. Das Publikum merkt schon den Unterschied zwischen frischer Ware und einem zweiten Aufguss - wenn auch nicht immer.

07/10

Dämonen 2 (1985)

Kurz zur merkwürdigen deutschen Titelgebung: Bei DÄMONEN 2 handelt es sich - Fans wissen das - um den ersten Teil der "Dämonen"- Reihe. Während der Nachfolger "Demoni 2" (1986) bei uns im Kino als "Dämonen" lief, erschien das Original lediglich später auf Video (zumindest kurz, bevor es beschlagnahmt wurde) und musste daher DÄMONEN 2 genannt werden, was zu ständigen Verwechslungen führte.

DEMONI war 1985 ein weltweiter Horror-Überraschungshit. Dank seiner furiosen Mischung aus Hardcore-Splatter-Effekten, irrwitzigem Tempo und knalligem Soundtrack kann man ihn trotz (und wegen) vieler Ungereimtheiten, schlechter Darstellerleistungen und alberner Dialoge heute immer noch gut sehen. Produziert wurde DEMONI von Dario Argento, der seinem langjährigen Regie-Assistenten Lamberto Bava (Sohn des großen Meisters Mario) die Regie überließ.

Der (dünne) Inhalt: Im Berliner Kinopalast 'Metropol' findet die Sneak-Preview eines Horrorfilms statt, für die eine bizarre Gestalt mit Gesichtsmaske (gespielt von Regisseur Michele Soavi) Einladungen in der Stadt verteilt. Zwei Studentinnen beschließen, die Vorlesung zu schmeißen und sich lieber im Kino zu amüsieren. Diese Entscheidung bereuen sie aber bald, denn dort erleben sie das absolute Grauen. Eine Zuschauerin verletzt sich im Foyer an einer Stahlmaske, und wie der Teufel es will, infiziert sich die Wunde und verwandelt die Dame in einen rasenden Zombie, der während der Vorstellung durch die Leinwand fällt und mit grünem Schaum vorm Mund Jagd auf das kreischende Publikum macht. Da bleibt kaum ein Körper unversehrt, und jedes der Opfer verwandelt sich wiederum selbst in einen Zombie im Blutrausch. Da die Ungeheuer alle Ausgänge verbarrikadiert haben, gibt es bald nur noch eine kleine Gruppe Überlebender, die aus dem Kino verzweifelt einen Ausweg suchen...

Viel mehr Handlung gibt es nicht. Sobald das Gemetzel losgeht, erzählt DEMONI in einer losen Reihenfolge die Fluchtversuche der Eingeschlossenen, die durch Lüftungsschächte klettern, erfolglos um Hilfe rufen und sich schließlich mit Samurai-Schwert bewaffnet (das praktischerweise im Foyer ausgestellt wird) gegen die übermächtige Zombie-Armee zur Wehr setzen. Als Zuchauer verliert man dabei völlig den Überblick über die Topografie des Gebäudes, das ist auch beabsichtigt. Das 'Metropol' ist nur noch ein Labyrinth aus grell beleuchteten Räumen, in denen hinter jeder Ecke der Tod (oder etwas schlimmeres) lauert.

'Raison d'être' des Films sind die Splatter-Effekte, und die sind heftig, deftig und fantastisch umgesetzt (in der schönen alten Maskentechnik, die ich so vermisse). Da werden Augen aus dem Gesicht gepult, Menschen im Vorbeilaufen skalpiert, und eine der mittlerweile infizierten Studentinnen (die besser den Unterricht nicht geschwänzt hätte) gebärt ein Teufelsmonster aus ihrem Rücken. Die drastischen F/X begründeten den Erfolg des Films, sorgten aber auch für die bundesdeutsche Beschlagnahmung. Spielverderber!

Während die Eingeschlossenen um ihr Leben kämpfen, befinden sich übrigens noch ein paar Punks auf dem Weg ins Kino, die sich ganz schlimm benehmen (sie koksen, saufen und spielen mit Rasierklingen an nackten Brüsten herum) und stets von hämmerndem Pop (Go West, Billy Idol) begleitet werden (den Rest des klasse Scores besorgen "Goblin"). In dieser Parallelhandlung gibt es nicht nur ganz schlechtes Schauspiel, sondern auch viele Originalaufnahmen aus dem nächtlichen Berlin zu bewundern, das damals - wir erinnern uns - noch geteilt war. So bietet DEMONI nicht nur die volle Horror-, sondern auch die volle 80er-Dröhnung. Wer in diesem Jahrzehnt groß geworden ist, wird sich schon nach wenigen Minuten seufzend zurücklehnen und Kostüme, Musik, Ausstattung und Schauplätze genießen.

Regisseur Lamberto Bava ist sicherlich kein zweiter Mario und auch kein Argento, aber er inszeniert DEMONI mit packendem Drive, schert sich einen Dreck um Logik und führt das Spektakel zu einem bombastischen Finale, in dem Macho-Held Urbano Barberini (der im Laufe des Films größere Teile seines Kostüms "verliert" und den gestählten Körper präsentiert, dafür gibt es einen Sonderapplaus) mit dem Motorrad durch das Lichtspielhaus brettert, dabei links und rechts Zombies niedermetzelt, bevor dann ein Hubschrauber durchs Dach des Kinos kracht und den Weg in eine vermeintliche Freiheit eröffnet. Die Schluss-Pointe ist dann eher sinnfrei, bringt die Schlachtplatte aber zu einem hübschen Abschluss.
Dazu taucht Bava das Geschehen in knallig-bunte Bilder, die stark an seinen Mentor erinnern, und auch die teilweise naiv-komischen Charaktere und Dialoge stehen ganz in der Tradition des Vorbilds Argento, der - wen wundert es? - am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Inhaltliche Ansprüche sollte man nicht stellen, und jeden Gedanken an George A. Romero sollte man ebenfalls vorübergehend verbannen. DEMONI ist eine blutgetränkte Comic-Zombie-Achterbahnfahrt, nicht mehr und nicht weniger, aber so rasant, dass man am Ende gleich nochmal einsteigen möchte. Für mich einer der Horror-Höhepunkte der 80er.

Und jetzt nochmal zum  Mitschreiben:
Dämonen 2 = Demoni 1 (der im Kino)
Dämonen = Demoni 2 (der im Hochhaus)

09/10

Noch jemand ohne Fahrschein? - Ein Zombie-Dämon in "Dämonen 2"

Sonntag, 16. Januar 2011

Im Augenblick der Angst (1987)

Der wenig bekannte spanische Horrorbeitrag IM AUGENBLICK DER ANGST (Anguish) erschien Ende der 80er hierzulande nur auf Video. Weit entfernt vom strickmusterhaften aktuellen Horrorkinofilm erzählt Regisseur Bigas Luna, der in seinem Heimatland vor allem für künstlerisch-erotische Spielfilme im Stile Almodovars bekannt wurde, eine Film-im-Film-Geschichte, die sowohl den Horrorfilm an sich als auch den Zuschauer dieses Genres auf intelligente und sehr eigenständige Weise reflektiert.

IM AUGENBLICK DER ANGST beginnt mit den Untaten eines Augenarztes (Michael Lerner), der sich unter dem Einfluss seiner irren Mutter (gespielt von "Poltergeist"-Medium Zelda Rubinstein), welche den Sohnemann regelmäßig hypnotisiert (und mit ihm das Publikum), als Serienkiller und Augensammler herumtreibt.
Doch es ist nicht alles so, wie es aussieht, denn nach ca. 20 Minuten sehen wir, dass es sich bei der grausigen Geschichte lediglich um einen Film (namens "The Mommy") handelt, den sich zwei junge Mädels gerade im Kino ansehen. Während die eine Horrorfilme liebt, bekommt die andere es mit der Angst zu tun und flüchtet sich auf die Toilette. Dort muss sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass sich ein realer Killer im Kino befindet, der "The Mommy" wohl einmal zu oft gesehen hat und selbst aus kranker Mutterliebe zum Mörder wird. Als dann auch noch der Film-Mörder in "The Mommy" ins Kino geht und sich dort an den Zuschauern vergreift, haben wir es plötzlich mit drei Realitätsebenen zu tun...

Der Augenblick, in dem die Kamera durch eine Rückwärtsfahrt von der Leinwand in den Kinosaal erstmals den doppelten Boden der Handlung offenbart, gehört fraglos zu den großen Momenten des modernen Horrorfilms, und so ist es auch ein wenig schade, dass man IM AUGENBLICK DER ANGST nur auf Video bestaunen durfte, denn im Kino wird er ungleich besser wirken.
Der deutsche Video-Verleih hat mit seiner Titelgebung das Leitmotiv des Films hübsch auf den Punkt gebracht. Es geht um die Augen und das Sehen in vielerlei Hinsicht. Der Film-Arzt quält seine Patientin mit einer schmerzenden Kontaktlinse, bevor er ihr die Augen herausschneidet. Die ängstliche Heldin hält sich im Kino die Augen zu, um das fiktive Grauen nicht mitansehen zu müssen. "Das ist ja entsetzlich", stöhnt sie, und ihre Begleiterin antwortet begeistert: "Deswegen sind wir hier!"

Das Spiel mit den Handlungsebenen erreicht im Finale eine irrwitzige Qualität, wenn Real- und Fiktivhandlung parallel ablaufen und der Killer im Kino unsere Protagonistin als Geisel vor der Leinwand hält, während hinter ihm der Film-Killer das gleiche tut und sich Horrorfilm und Wirklichkeit endgültig vermischen.
Als Zuschauer hat man allerdings keine Mühe, die Ebenen zu unterscheiden. Während der Film-im-Film extrem düster inszeniert ist und ein paar drastische Gore-Einlagen bietet (Angriffe auf das menschliche Auge mit spitzen Gegenständen sind immer schön für Szenen, in denen man kaum hinsehen mag), funktioniert die Realhandlung eher als Psycho-Thriller, und der Film, den sich der fiktive Killer in "The Mommy" im Kino ansieht, ist - zur besseren Trennung - ein Schwarzweiß-Monsterfilm.

Einige Schwächen gibt es aber doch zu beklagen. Mit der Wahrscheinlichkeit nimmt es der Film nicht allzu genau. So braucht unsere Heldin eine Ewigkeit, um jemanden davon zu überzeugen, dass sich ein Mörder im Kino befindet, anstatt einfach auf die Straße zu laufen und die Polizei zu rufen. - Die Hypnose-Szenen, die mehrfach den Handlungsfluss unterbrechen sind albern, ganz besonders, weil Bigas Luna sich mit seiner gesprochenen Warnung an die Zuschauer auf dem Niveau eines William Castle-Gimmicks befindet, für den sein Film sowohl zu intelligent als auch zu ernst gemeint ist.
Und letztlich muss man kritisieren, dass Bigas Luna mit seinem gestörten Killer im Kino allen Zensoren der Welt recht zu geben scheint, denn dessen Ausrasten wird klar durch das Medium motiviert - was bedeutet, dass Horrorfilme für labile Menschen also doch gefährlich sind. Eine zweifelhafte Message, die vielleicht so nicht beabsichtigt war.

IM AUGENBLICK DER ANGST war trotz seines Geheimtipp-Status' immerhin so einflussreich, dass sich viele Elemente in US-Horrorfilmen wiederfinden, am deutlichsten in Wes Cravens "Scream"-Reihe. Wenn in "Scream 2" zu Beginn ein Pärchen im Kino ermordet wird, ist das eine beinahe 1:1-Hommage an Lunas' Werk. Und auch Woody Allens Finale von "Manhattan MurderMystery" (1993) benutzt einen sehr ähnlichen Effekt. Ganz neu war der Dreh aber auch bei Luna nicht. 1980 begann der US-Slasher "Panische Angst" (He Knows You're Alone) ebenfalls mit einem Film-im-Film und anschließendem Mord im Kino. So befruchten sich Horrorfilme gegenseitig.

07/10

Samstag, 15. Januar 2011

Communion - Messe des Grauens (1976)

Und noch so ein unentdeckter Schatz in der Low-Budget-Horrorware der 70er, Alfred Soles' COMMUNION (auch bekannt als "Holy Terror" oder "Alice, Sweet Alice"), eine Mischung aus frühem Slasherfilm und Psycho-Thriller.

Worum geht es? Zwei Schwestern, Karen und Alice (Paula Sheppard und Brooke Shields) stehen kurz vor ihrer Erstkommunion, als Karen plötzlich in der Kirche von einer bizarren kleinen Gestalt im gelben Regenmantel erwürgt wird. Da Alice stets mit einem Regenmantel herumläuft und immer neidisch auf die hübschere Schwester war, fällt der Verdacht umgehend auf sie. Ihre alleinerziehende Mutter steht ohnehin kurz vor einem Nervenzusammenbruch, seit sie von ihrem Mann verlassen wurde. Alices Tante Annie (Jane Lowry), die ihre Nichte für geistig krank hält, wird das nächste Opfer des Killers.
Während Alice unter die Aufsicht von Polizei und Psychologen gestellt wird, geschehen weitere Morde. Doch wer hat einen solchen Hass auf die Familie? Der übergewichtige Nachbar und Katzenliebhaber, der Karen nicht ausstehen kann? Oder der gutmütige Pfarrer, der sich ebenfalls ein wenig zu liebevoll um Karen und ihre Mutter kümmert?

Die Auflösung dieses Whodunits wird von Regisseur Sole relativ früh präsentiert, was den Reiz des Films deutlich erhöht, denn es handelt sich um die Person, die man kaum verdächtigt hätte. So entstehen starke Spannungsmomente, in denen der Zuschauer den Täter kennt, die Charaktere aber im Dunkeln tappen, während er die ganze Zeit in ihrer Nähe ist.

Alfred Sole hat nach COMMUNION als Regisseur nicht nennenswertes mehr inszeniert, was verwundert, weil er hier in seinem ersten Spielfilm eine beeindruckende Leistung zeigt. Nicht nur sieht man dem Film das geringe Budget nicht an (er wirkt wesentlich teurer und ist hervorragend ausgestattet, die Handlung spielt in den frühen 60ern), er baut auch selbstbewusst mehrere Anspielungen auf Hitchcock ein. So muss einer der Hauptdarsteller völlig überraschend und in einer frühen Phase das Zeitliche segnen, was zu starker Verunsicherung beim Publikum führt. Die Mordsequenzen sind in ihrer Schlichtheit und mit einer Portion Sadismus ebenso schockierend wie wirkungsvoll (Tante Annie wird auf einer Treppe vom Killer angegriffen, der ihr das Messer in die Beine und Füße stößt, da kann man als Zuschauer beim besten Willen nicht still sitzen bleiben), und das blutige Ende vergisst man nicht so schnell.

Das ist aber noch nicht alles. Die Probleme der geschiedenen, neurotischen Mutter der von der Scheidung traumatisierten Alice (herrlich ambivalent von Paula Sheppard gespielt) werden erstaunlich ernst genommen, und der Film nimmt eine distanzierte Haltung zum Katholizismus ein und thematisiert diese auch.
Die Kamera sorgt stets für interessante Einstellungen, und der Verzicht auf Stars erhöht die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Die 12-jährige Brooke Shields, die hier noch im wahrsten Sinne in Kinderschuhen steckt, wird bereits in den ersten zehn Minuten des Films ermordet - was den deutschen Video-Verleiher nicht davon abhielt, sie auf dem VHS-Cover als Star des Films anzupreisen.

Damit keine Missverständnisse entstehen - COMMUNION ist kein Meilenstein des Horrorfilms oder ein Must-See, aber ein schöner, kleiner Thriller mit deftigen Horror-Momenten und skurrilen Charakteren. In einschlägiger Literatur taucht er höchstens als Fußnote auf, genießt aber in Fankreisen einen guten Ruf. Ich kann ihn sehr empfehlen.

7.5/10

Die Maske des Killers - "Alice, Sweet Alice"

Donnerstag, 13. Januar 2011

Tourist Trap - Die Touristenfalle (1979)

In seinem lesenswerten Sachbuch "Danse Macabre" hat Stephen King TOURIST TRAP - DIE TOURISTENFALLE (Tourist Trap) sinngemäß als Juwel bezeichnet, das man entdeckt, wenn man sich durch unzähligen Horror-Schrott durchgearbeitet hat. TOURIST TRAP ist einer seiner Lieblings-B-Filme, und tatsächlich sollte jeder Horror-Fan, der ihn noch nicht gesehen hat, dies schnell nachholen und einen Blick riskieren. Es könnte sich lohnen.

Die Handlung: eine Gruppe Jugendlicher (was sonst?) strandet bei einem Campingausflug aufgrund einer Reifenpanne in der ländlichen Einöde. Der knackige Blonde aus der Gruppe macht sich auf die Suche nach einer Tankstelle, kehrt aber nicht zurück. Stattdessen begegnet er merkwürdigen Schaufensterpuppen mit telepathischen Fähigkeiten und wird von einem herumfliegenden Eisenstab aufgespießt. Die anderen lernen unterdessen den Einsiedler Chuck Connors kennen, der sie in sein bizarres Haus einlädt, wo er Puppen aus Wachs modelliert. So findet sich auch seine tote Ehefrau als Wachsfigur dort wieder. Ehe sich die Teenies versehen, taucht der angsteinflößende Bruder von Connors auf, dessen Gesicht hinter einer Puppen-Maske versteckt ist, und macht Jagd auf die Protagonisten, die sich schon bald in einem Alptraum wiederfinden...

Eine wirkliche Handlung kann man das nicht nennen, zumal alles sehr deutlich an Tobe Hoopers "Blutgericht in Texas" (1974) angelehnt ist. Nach der Begegnung mit dem durchgeknallten Connors besteht der Film eigentlich nur aus einer Reihe von Fluchtversuchen der Teenager, die immer wieder eingefangen und dann zu Wachspuppen verarbeitet werden.
Trotz des minimalen Erzählaufwandes und des geringen Budgets ist David Schmoeller (der u.a. den herrlich trashigen "Killerhaus", 1986, und "Puppet Master", 1989, inszenierte) dennoch ein feiner, kleiner, grusliger Schocker gelungen, der mit einer dichten Atmosphäre aufwartet. Schräge Kameraeinstellungen sorgen für beunruhigende Momente, ganz besonders, wenn die Schaufensterpuppen (oder Teile von ihnen) lebendig werden. Hier kommt es zu einigen durchaus surrealen Momenten, und extrem spannend wird es, wenn sich kurz vor dem Finale zwei unserer jungen Helden zwischen den Puppen verstecken müssen, damit der irre Connors sie nicht entdeckt. Am Ende bietet TOURIST TRAP dann auch noch eine nette Pointe, und Komponist Pino Donaggio hat einen klasse Score für den Film komponiert. Mit Brutalitäten hält sich TOURIST TRAP ebenfalls sehr zurück.

Außer Ex-Westernheld Chuck Connors erkennt man von den Darstellern nur noch Tanya Roberts, die einer von "Charlies Engeln", "Sheena, Königin des Dschungels" und eines der schlimmsten Bond-Girls aller Zeiten ("Im Angesicht des Todes", 1984) war, bevor sie aufgrund mangelnden Talents wieder in der Versenkung verschwand.

An der Kinokasse war TOURIST TRAP nicht sonderlich erfolgreich und ist über einen geringen Kennerstatus nie hinausgekommen. Ich kann mich Stephen Kings Urteil nur anschließen. TOURIST TRAP ist ein kleiner Geheimtipp und funktioniert übrigens am besten an heißen Sommertagen.

08/10

Date Night (2010)

Bevor wir über DATE NIGHT (Date Night) sprechen, möchte ich ein paar Filme aufzählen, die Regisseur Shawn Levy zuvor gemacht hat. Und bitte:

Voll verheiratet (2003)
Witzlose Flitterwochen-Komödie mit Ashton Kutcher.

Im Dutzend billiger (2003)
Witzloses, verkitschtes Remake für die ganze Familie mit einem dauergrinsenden Steve Martin.

Der rosarote Panther (2006)
Witzloses, das Original beleidigendes Remake für die ganze Familie mit einem dauergrinsenden Steve Martin.

Nachts im Museum 1 & 2 (2006/2009)
Witzloses Abenteuer für die ganze Familie mit einem unlustigen Ben Stiller.

Wie hoch stehen nun die Chancen, dass es sich bei DATE NIGHT um eine witzige, unterhaltsame Komödie handelt? Eben. Dabei hätte die Prämisse das Zeug dazu gehabt. Filme über Menschen, die durch Zufall oder widrige Umstände in Extremsituationen geraten und eine Nacht voller Katastrophen erleben, aus der sie verändert wieder hervorkommen, gab es bereits zuvor. Martin Scorsese hat mit "After Hours" (1984) die beste davon gemacht, aber sogar ein harmloser Beitrag wie "Die Nacht der Abenteuer" (1987) war zumindest für ein paar Lacher gut.

Bei DATE NIGHT hingegen beginnen die Probleme schon im Vorspann, wenn wir (begleitet vom wohl unpassendsten Rocksong der Filmgeschichte) eine zehnminütige Exposition serviert bekommen, die das Leben von Ehepaar Steve Carell und Tina Fey als langweilige Routine beschreibt. Da merkt man, dass der Film sich sehr witzig findet, nur... er ist es nicht. Die Kinder der beiden sollen liebenswert-nervig sein, sind aber nur nervig, und ganz ehrlich - wie oft haben wir Filme gesehen, die den Alltag einer Familie beschreiben und mit dem "morgendlichen Aufstehen" beginnen? Ich kann es nicht mehr zählen, ich weiß nur, es hängt mir zum Hals raus. Während damals Billy Wilder "Es geht immer noch besser" sagte, lautet heute die Devise: "Das hat hundertmal funktioniert, das wird auch noch weitere 100 mal funktionieren!"

Nun gut. Unser "normales" Ehepaar hat zwar wie üblich keine Geldsorgen, aber mit dem Sex ist es irgendwie vorbei. Dass erwachsene Menschen nach Hochzeit und Nachwuchsproduktion möglicherweise noch andere Interessen haben, spielt in den Gedankengängen Hollywoods keine Rolle (und findet dort wahrscheinlich auch nicht statt), dieses Ehepaar soll frustriert sein und ist es auch. Schade nur, dass kein einziger Gag zündet.

Der weitere Handlungsverlauf im Schnelldurchlauf: unser Ehepaar verpasst eine Restaurant-Reservierung und schnappt sich den freien Tisch eines anderen Paares, welches nicht erschienen ist (Hitchcocks "North by Northwest" lässt herzlich grüßen). Prompt tauchen ein paar Gangster auf, die einen Speicherstick verlangen (früher wären es das Videoband oder die CD gewesen), was zu absurden Situationen, Verfolgungsjagden und einem groß angelegten SWAT-Einsatz im Finale führt, bevor unser Paar - leicht derangiert, aber endlich wieder in Leidenschaft vereint - nach Hause ins langweilige Alltagsleben entlassen wird.

Klingt gar nicht so übel, aber es fehlt an jeder Ecke der Witz. Wie ein Film überhaupt ein solches Talent wie das von Tina Fey verschwenden kann, ist mir ein Rätsel. Jede Episode von Feys TV-Comedy "30 Rock" ist hundertmal witziger als DATE NIGHT. Zwar nutzt der Film ihre Fähigkeit zu absurder Improvisation, diese passt aber leider nicht zum Charakter der "normalen, berufstätigen Frau". Allein wegen Tina Fey habe ich mir diesen Quark überhaupt angesehen. Steve Carell fand ich hingegen noch nie komisch (er spult nur seine bekannte "ausdrucksloses Gesicht"-Nummer ab), und auch DATE NIGHT hat daran nichts geändert.

Der "Höhepunkt" von DATE NIGHT ist eine überlange Autoverfolgungsjagd mit verkeilten Wagen, kreativer wird es nicht. Die Szene, in der Fey und Carell einen "erotischen" Tanz an der Stripperstange absolvieren müssen, erinnert vage an die "Blues"-Sequenz aus der "Nacht der Abenteuer" und sorgt ebenfalls nur für müdes Lächeln. Den einzig amüsanten Auftritt bekommt James Franco als dümmlicher Möchtegern-Gangster. Mark Wahlberg hingegen kann zwar ein erfolgreiches Workout vorweisen und absolviert den Film komplett ohne Hemd, schauspielerisch zeigt er aber nichts, komödiantisch schon gar nichts. Ein Gesichtsausdruck reicht.

DATE NIGHT ist insgesamt ein überproduziertes und schlicht langweiliges Spektakel für die ganze Familie, dessen Witz schon vor dem Dreh verloren gegangen ist. Solange talentfreie und bisslose Leute wie Shawn Levy Hollywood-Komödien inszenieren dürfen, wird sich an deren schrecklicher Qualität auch nichts ändern.

02/10
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