Dienstag, 30. Oktober 2012

Paint it Black (1989)

Ende der 80er erschien dieser Hitchcock'sche Thriller als Premiere auf Video und hat leider bis heute keine deutsche DVD-Veröffentlichung erfahren. Regisseur Tim Hunter, der zuvor mit dem Jugenddrama "Das Messer am Ufer" (1986) aufgefallen war, inszenierte diese düstere Mär mit deutlichen Bezügen zum Meister des Thrillers.

Der Inhalt: Der mittellose Bildhauer Jonathan Dunbar (Rick Rossovich) kümmert sich nachts um den Verletzten Eric (Doug Savant), einen reichen, jungen Neurotiker, der mit seiner Mutter zusammenlebt und bald eine obsessive Fixierung auf Dunbar entwickelt, dessen Kunst er bewundert. Fortan folgt er ihm wie ein unheimlicher Schatten und beseitigt alle, die Dunbars Erfolg im Weg stehen oder ihn korrumpieren wollen - wie eine betrügerische Galeristin (Sally Kirkland), mit der Dunbar ein Verhältnis hat. Dabei gerät jedoch Dunbar selbst unter Mordverdacht...

Tim Hunter ist ein ausgewiesener Hitchcock-Experte, der Uni-Vorlesungen zum Thema gehalten hat. Und so finden sich in PAINT IT BLACK (Paint it Black) zahlreiche Anspielungen, wobei der Hauptplot um die schicksalhafte Begegnung zweier Männer - der eine sympathisch-dumm, der andere ein Psychopath -  direkt aus Hitchcocks Patricia Highsmith-Verfilmung "Der Fremde im Zug" (1951) entliehen ist. Die ist natürlich um Klassen besser, denn PAINT IT BLACK kommt schon wegen des schmalen Budgets nie über ein TV Movie hinaus. Man sollte also kein Thriller-Highlight erwarten. Trotzdem kann der Film spannend unterhalten, hat ein paar Dinge über die Ausbeutung von Künstlern und die Tragik, dass diejenigen die sich Kunst leisten können, oft die sind, die von Kunst gerade keine Ahnung haben, zu sagen, und er ist gut besetzt.
In der Hauptrolle bleibt Rick Rossovich zwar blass (was an seiner passiven Opfer-Rolle liegt, die ebenfalls mit dem "Fremden im Zug" korrespondiert, wo Farley Granger dem faszinierend bösen Robert Walker nichts entgegen zu setzen hatte), dafür steht ihm der Schweißbrenner gut, und er darf sich mehrfach aus dem Overall schälen und mit Erotik-Ikone Sally Kirkland in die Laken steigen. Doug Savant war Ensemblemitglied in der TV-Soap 'Melrose Place' (jüngere Zuschauer dürften ihn eher aus "Desperate Housewives' kennen), hat aber in "Masquerade" (1988) gezeigt, dass er den Bösewicht spielen kann und liefert auch hier als verklemmter Nerd mit mörderischem Trieb eine gute Darbietung.
Für den Love-Interest ist Julie Carmen zuständig, die Rossovich in bester Rosamunde-Pilcher-Manier kennen lernt, indem sie seinen Wagen 'zufällig' rammt und sich dann 'zufällig' als Tochter eines einflussreichen Galeristen entpuppt. Wie praktisch. Den Vater spielt der großartige Martin Landau.

Leider wird das interessanteste Thema des Films - die homoerotischen Implikationen der Geschichte um die besessene Liebe eines Muttersöhnchens zu dem kernigen Künstler - so unterspielt, dass man es nicht mal mehr subtil nennen kann. Schade, denn damit hätte PAINT IT BLACK sich aus dem Wust von Videopremieren abheben können. Was bleibt, sind ein paar hübsch makabere Mordszenen, die ihn über den Durchschnitt heben, und ein absurdes Finale, das an "Der unsichtbare Dritte" (1959) erinnern soll, das aber aufgrund grottenschlechter Tricks so gar nicht überzeugt.

Fazit: eine nette, kleine Hitchcock-Hommage für zwischendurch, die man weißgott nicht gesehen haben muss, an die ich mich aber noch gerne zurück erinnere - wahrscheinlich, weil ich Rick Rossovich in meiner Jugend extrem heiß fand, und weil ich Geschichten von abgründigen Männerbeziehungen mag. Sind ja auch selten genug im Mainstream. 

06/10

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