Freitag, 24. Februar 2012

Final Destination 5 (2011)

Kürzlich schrieb ich, dass es Filme wie "Der Teufel tanzt weiter" (1980) nicht mehr gibt, die lediglich eine Abfolge von Splatterszenen ohne inhaltlichen Zusammenhang, dargeboten von schlechten Laiendarstellern, herunterspulen. Das stimmt nicht so ganz, denn die FINAL DESTINATION-Reihe beweist, dass man auch ohne jeden Funken künstlerischen Talents oder eine originelle Idee einen erfolgreichen Genrefilm produzieren kann, der von einer geschmacksentwöhnten Fangemeinde jubelnd aufgenommen wird.

Natürlich haben sich die Zeiten geändert, weswegen man einem FINAL DESTINATION 5 (Final Destination 5) nicht mehr auf den ersten Blick ansieht, was für eine Bankrotterklärung er darstellt. Die Production Values stimmen, die Schnittfrequenz ist zeitgemäß hoch. Im Grunde ist die Reihe das Horror-Äquivalent für Pornos. Auch hier erwartet der Zuschauer weder schauspielerisches Können (weil lediglich hübsche Gesichter aus mittelmäßigen TV-Serien besetzt werden) noch einen stimmigen Plot (weil in jedem Teil der Reihe die immer gleiche Geschichte erzählt wird). Was alleine zählt, sind die Cumshots, hier Mordsequenzen genannt. Diese funktionieren auf ihre Weise zwar nach dem immer gleichen Prinzip, aber sie funktionieren. Die 3-D-Aufmachung sorgt für einige Lacher, könnte einem aber auch gestohlen bleiben, weil es nichts nützt, einen Haufen Mist mit Schleifchen aufzupeppen, es bleibt ein Haufen Mist. Den Inhalt muss ich an dieser Stelle nicht nacherzählen, er hat sich seit der ersten Folge nicht geändert - was die Frage aufwirft, ob es sich bei FINAL DESTINATION 5 eigentlich um ein Sequel handelt, denn im Grunde entspricht er eher den Regeln eines Remakes. Da Sequels aber überhaupt nur existieren, weil viele Zuschauer den einen Film, der ihnen gefallen hat, immer wieder sehen wollen (nur etwas anders), geht das irgendwie in Ordnung.

Die Variation, die sich Drehbuchautor Eric Heisserer hat einfallen lassen, besteht im 5. Teil darin, dass man dem nahenden Tod ein Schnippchen schlagen kann, indem man selbst ein Leben auslöscht - was die Charaktere dazu bringt, sich gegenseitig an die Kehle zu springen anstatt dies der bösen Macht zu überlassen, die erneut von Tony Todd in einer mittlerweile unfreiwillig komischen Gastrolle verkörpert wird. Darüber hinaus schert sich Regisseur Steven Quale, dessen unglaubliche Filmerfahrung in einem Kurzfilm, einem TV Movie und der Co-Regie bei James Camerons Doku "Aliens of the Abyss" besteht, um nichts, was über die Splatterszenen hinausgeht. Der Film schafft es nicht einmal, seine simple Exposition verständlich zu erzählen.
Die Darsteller erfüllen gerade mal die Mindestanforderungen von Daily Soaps. Hauptdarsteller Nicholas D'Agosto ist zweifellos ein Schnuckelchen, aber sein Gesicht bleibt unbewegt, egal ob seine Freunde sterben oder ein Irrer hinter ihm her ist. Die deutsche Synchronfassung macht alles nur noch schlimmer, weil die Sprecher sämtlich übermotiviert sind und die reglose Mimik der Darsteller beim besten Willen nicht zu den emotional aufgeladenen Sätzen passen mag, die sich die Sprecher gequält aus dem Leib drücken (diese Art Filmsynchronisation sollte verboten werden).

Da FINAL DESTINATION 5 nur noch in Sachen Gore punkten will (und kann), ist der Splattergehalt erwartungsgemäß hoch, aber die lächerlichen CGI-Tricks verderben selbst daran jeden Spaß. Lediglich die Szene, in der ein potentielles Todesopfer beim Augenarzt an einen außer Rand und Band geratenen Laser gerät, kann so etwas wie Unbehagen auslösen, weil sie als einzige mit einer realistisch nachvollziehbaren Situation spielt, mit der man sich identifizieren kann. Der Rest ist idiotisch (eine Turnerin bricht sich sämtliche Knochen beim Absturz von einem Sportgerät) oder tödlich langweilig (wie das komplette Finale).

Der erste "Final Destination" (2000) konnte zumindest mit seiner originellen Idee aufwarten und darunter noch ein paar Bemerkungen über die Unausweichlichkeit des Todes machen. "Final Destination 2" (2003), der vielleicht beste Teil der Reihe, war eine höchst unterhaltsame Achterbahnfahrt ohne Leerlauf. Seit dem 3. Teil aber wird das bereits Gesehene lediglich wiedergekäut, verdaut, ausgeschieden und noch einmal serviert. Es ist absolut erstaunlich, dass der x-te Aufguss einer ausgelutschten Idee noch immer Zuschauer (und Fans!) findet. Soll der Tod holen, wen er will. Im Grunde hätte ich mir den ganzen Text sparen und lediglich den einen Satz niederschreiben können, den ich nach dem Abspann von FINAL DESTINATION 5 im Kopf hatte: "Gott, war der schlecht."

02/10

Mittwoch, 22. Februar 2012

Der Teufel tanzt weiter (1980)

Solche Filme werden einfach nicht mehr gemacht!

Mit diesem Ausspruch meint man normalerweise klassisches Hollywood-Kino, das in jeder Beziehung wertvoll war und sowohl inhaltlich wie technisch begeistern konnte. Wo Kunst und Unterhaltung sich trafen. Das passt aber auch zu Trash-Perlen wie DER TEUFEL TANZT WEITER (NIght of the Demon), in dem sich weder Kunst noch Unterhaltung jemals begegnen.
Der Film kam mit einiger Verspätung Mitte der 80er in unsere heimischen Videotheken und wurde flugs aus selbigen mittels Beschlagnahmebeschluss wieder verbannt. Das Cover des Verleihvideos sollte - zusammen mit dem geschickt gewählten Titel - Assoziationen zu Sam Raimis "Tanz der Teufel" (1981) aufkommen lassen (den ebenfalls das Schicksal des Verbotes ereilte) doch jeder, der sich DER TEUFEL TANZT WEITER auslieh, musste sich auf eine herbe Überraschung gefasst machen.

Nicht nur treiben hier weder Dämonen noch Zombies ihr Unwesen, nein, ein Bigfoot (ein Zottelviech) geht um in den amerikanischen Wäldern. Nach diesem sucht nun eine Gruppe von Anthropologie-Studenten. Und während man sucht, werden immer wieder am Lagerfeuer Geschichten über die Untaten des Untiers erzählt, das Holzfäller, Biker und Angler auf dem Gewissen hat. Offenbar wollte sich das Kuschelmonster auch vermehren und besprang dazu eine Eingeborenenfrau, deren religiöser Vater aber dem Spuk ein Ende bereitete, was den jähzornigen Yeti zu ewiger Mordlust anstachelte...

Die lose Rahmenhandlung, die immer wieder zum Stillstand kommt, um eine Rückblende (oder eine Rückblende in der Rückblende) einzubauen, ist nichts weiter als ein simpler Vorwand, um eine blutrünstige Splatterszene nach der nächsten abzuliefern. Regisseur James C. Wasson kümmert sich weder um Logik noch Spannung und schafft es nicht, aus seinen untalentierten Laiendarstellern auch nur einen guten Moment herauszuholen. Dafür macht die Spezialeffekte-Abteilung Überstunden und präsentiert für ein geschätztes Budget von ca. 50 Dollar eine spektakuläre Goreszene nach der nächsten. Bereits der Filmauftakt hat es in sich, wenn einem harmlosen Angler durch das Plüschmonster ein kompletter Arm abgerissen wird und unter den Titeln das Kunstblut in einen Fußbadruck rinnt, welchen der Yeti im Schlamm hinterlassen hat. Danach darf man zusehen, wie Bigfoot einem Motorradfahrer, der sich am Straßenrand mal kurz erleichtern möchte, von einer haarigen Pranke der Penis abgerissen wird. Zwei Pfadfinder-Mädels werden vom Horror-Äffchen so lange malträtiert, bis sie - von oben bis unten mit Ketchup beschmiert - den Geist aufgeben, und die finale Begegnung der Studenten mit dem Monster ist eine in Zeitlupe gefilmte und mit schrecklicher Musik untermalte Splatterorgie, in der Innereien geschwungen, Studenten mit Heugabeln durchbohrt oder auf andere nette Weise dahingemetzelt werden.

DER TEUFEL TANZT WEITER fand schnell viele Fans und gilt mittlerweile als kleiner Kultfilm. Ohne die Beschlagnahmung wäre er wahrscheinlich sofort in der Versenkung verschwunden, wo er hingehört. Gewaltverherrlichend ist hier gar nichts, nur lächerlich. Als Genrebeitrag kann er lediglich eine gewisse Sensationsgier des Publikums befriedigen, als ernst zu nehmendem Spielfilm fehlt ihm jede grundlegende technische Qualität. Die billige Laien-Synchronisation, bei der man das Gefühl hat, es würden lediglich zwei Sprecher für sämtliche Rollen eingesetzt, gibt dem Streifen entweder den Rest oder verleiht ihm diesen gewissen Trash-Charme, je nach Standpunkt. Heute wäre ein solcher Mist undenkbar, da die Zeiten von Hinterhof-Filmen wie diesem vorbei sind und das Publikum selbst bei Schrott eine professionelle Machart gewohnt ist. Das kann man einerseits bedauern, weil genau diese Machart großartige Regisseur wie Raimi, Romero oder Hooper hervorgebracht hat, andererseits braucht die Welt aber auch keinen zweiten DER TEUFEL TANZT WEITER.

03/10

Montag, 20. Februar 2012

Das Haus der lebenden Leichen (1980)

Ende der 70er/Anfang der 80er erlebte der Horrorfilm seine bis dato kommerziell größte Erfolgswelle. Slasherfilme stapelten sich in den Kinos, und neben den großen Studios wurden auch zahllose unabhängige, billige Streifen eilig produziert, um auf den Zug aufzuspringen. DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN (Don't Go in the House) ist so ein preisgünstiger Schnellschuss, der sich offensichtlich "Psycho" (1960) zum Vorbild genommen hat. Diese schmuddelige Geschichte eines Serienkillers aber hat mehr zu bieten als viele zeitgleich entstandene Hochglanz-Schocker.

Im Zentrum des Films steht der junge Donny (Dan Grimaldi), der als Kind von seiner Mutti gefoltert wurde und nun in einer Verbrennungsanlage arbeitet - was sein Kindheitstrauma nur verstärkt, denn Mama hat ihren Spross früher über der offenen Gasflamme gequält, wenn er sich ungebührlich verhalten hat. Als Donny bei der Arbeit einen schweren Unfall mitansieht und zu Hause seine Mutter tot im Sessel findet, dreht er komplett durch. Er verwandelt ein Zimmer des Elternhauses in eine private Verbrennungsanlage, entführt junge Frauen und verbrennt sie bei lebendigem Leib. Die Leichen versammelt er im Obergeschoss und spricht mit ihnen. Als Donnys Arbeitskollegen seinen Greueltaten auf die Spur kommen, ist er bereits zu spät...

Die Vorbilder sind offenkundig bei dieser Schauermär, wobei Regisseur Joseph Ellison ganze Einstellungen aus "Psycho" kopiert. Da aber von Anfang an klar ist, wer die Morde begeht und er eher ein Psychogramm des Täters entwirft, steht DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN inhaltlich Filmen wie "Peeping Tom" (1960), oder auch Slasher-Beiträgen wie "Maniac" (1980) wesentlich näher. Hauptdarsteller Dan Grimaldi spielt diesen netten Psychopathen von nebenan sehr zurückhaltend als schüchternen jungen Mann, der so einfach an Frauen kommt, weil sie keine Angst vor ihm haben (obgleich sie es müssten). Sein Auftreten ist etwas merkwürdig, aber stets freundlich und höflich. Umso grausamer sind seine Taten. Der erste Mord an einer Blumenverkäuferin ist dann auch ein echter Schocker, weil man bis zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, worauf der Film hinauswill, bzw. was Donny mit seiner seltsamen Metallkammer eigentlich vorhat. Der Anblick einer verbrennenden, kreischenden Frau dürfte dann auch hartgesottenen Zuschauern eine Gänsehaut über den Rücken jagen. Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit trifft nur bedingt zu, da hier als Cutterin und Co-Autorin interesanterweise Frauen am Werk waren (Jane Kurson und Ellen Hammill).

Nach dem detaillierten ersten Mord verzichtet Joseph Ellison auf weitere Gewaltdarstellungen, weil diese Sequenz genügt, um die Erwartungen hoch zu halten, auch damit folgt er Hitchcocks Prinzip aus "Psycho". Er begnügt sich mit makaberen Einfällen, wie den verkohlten Leichen, die fröhlich beieinander sitzen - was schlimmer klingt als es aussieht, denn die Masken sind deutlich als solche erkennbar. Die im deutschen Titel angekündigten "lebenden Leichen" kommen erst gegen Ende, wenn der komplett durchgeknallte Donny sich im Wahn von den ermordeten Frauen verfolgt sieht. Auch hier sind die Parallelen zu "Maniac" erstaunlich.

Interessant ist der Schluss des Films. Nachdem die Haupthandlung abgeschlossen ist, sehen wir einen uns fremden kleinen Jungen, der von seiner Mutter verprügelt wird und im Anschluss die gleichen Stimmen in seinem Kopf hört wie Donny. Damit erzählt Joseph Ellison eine deutliche Gewaltspirale von Opfern, die durch Misshandlung zu Tätern werden, so wie es "Peeping Tom" oder David Cronenbergs "Die Brut" (1979) vorgemacht haben. Das gelingt ihm zwar mit zugegeben simplen Mitteln, doch ist diese psychologische Beobachtung schon mehr als man in vielen vergleichbaren Schockern findet. Während der Hollywood-Mainstream der 80er unter Führung von Regisseuren wie Steven Spielberg und unter dem politischen Auge eines Ronald Reagan die Familie als heiligen Ort der Zuflucht und des Schutzes gefeiert hat, schilderte der unabhängige Horrorfilm selbige oft genug als Hort des Bösen.

DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN ist ein schlichter Psycho-Schocker, der trotz seines Sleaze-Faktors gut gespielt und mit Tempo inszeniert ist. Er ist erstaunlich gut gealtert und kann heute noch das eine oder andere Frösteln erzeugen. In Großbritannien landete er seinerzeit schnell auf der DPP-Liste der 'Video Nasties'. Bei uns wurde er nicht aus dem Verkehr gezogen, erschien aber nur gekürzt auf Video. Mittlerweile ist er ungeschnitten auf DVD zu bewundern.

08/10

Samstag, 18. Februar 2012

Blutrausch - Eaten Alive (1977)

"My name is Buck, and I'm here to fuck!"

Unsterbliche Worte, mit denen Tobe Hooper seinen zweiten Spielfilm beginnt, und diese weisen auch den Weg in das Labyrinth dieses Schmuddel- und Horrorklassikers, der zwar nicht die Qualitäten seines Vorgängers "Blutgericht in Texas" (1974) aufweist, aber ein bizarres, unvergessliches Filmerlebnis bietet, wenn man in der richtigen Stimmung ist. Um ehrlich zu sein, war ich beim ersten Sehen des Films - irgendwann in den 80ern - nicht in der passenden Stimmung und fand ihn grauenhaft. Das hierzulande erteilte Verbot der Videokassette war der einzige Grund, mir diese Perle aus dem Untergrund überhaupt anzutun. Erst Jahre später wusste ich BLUTRAUSCH (Eaten Alive) zu würdigen, der so viel mehr zu bieten hat als man auf den ersten Blick erkennt.

Die Vorlage von BLUTRAUSCH (Eaten Alive) ist - wie so oft - Hitchcocks "Psycho" (1960). Ich weiß nicht mehr, wie oft ich diesen Satz schon geschrieben habe, er beweist immer wieder, wie unglaublich einflussreich dieser Klassiker war und bis heute ist.
Statt eines Motels an der Landstraße haben wir es hier mit einem heruntergekommenen Hotel in den Südstaaten zu tun, wo Regisseur Hooper die meisten seiner Schreckensfantasien ansiedelt. Der Hotelbetreiber Judd hat mindestens doppelt so viele Schrauben locker wie Norman Bates und wird von Neville Brand dermaßen over the top gespielt, dass man sofort glaubt, er wäre wirklich geisteskrank. Bei Hooper braucht es keinen Psychiater, der die Leidensgeschichte des armen Irren erklärt, da reichen ein paar Anspielungen auf Vietnam und ein so gemeingefährliches Gehabe, dass dem Zuschauer die Haare (und Ohren) zu Berge stehen.

Wenn Judd nicht gerade seine Gäste mit einer Sense ermordet, verfüttert er selbige an das Krokodil, das er sich als Touristenattraktion hält, und das auch schon mal einen Pudel verspeist. Süße Vierbeiner oder Kinder, niemand ist vor diesen beiden Mordmaschinen sicher. Tobe Hooper macht sich einen Spaß aus dem Vorbild und zitiert es ausgiebig. Anders als unbegabtere Regisseure, die Hitchcock lediglich imitieren, stellt Hooper die Bezüge aber immer wieder auf den Kopf, so dass BLUTRAUSCH eher wie eine "Psycho"-Travestie wirkt. Marilyn Burns, die Hauptdarstellerin aus "Blutgericht", die hier erneut eine zentrale Rolle spielt, wird von Judd in einen Duschvorhang gewickelt und ans Bett gefesselt, und der Film beginnt mit einer Prostituierten, die Zuflucht im Hotel sucht und noch ermordet wird, bevor sie das Zimmer erreicht. Dass sie eine offensichtliche Perücke trägt, die klar an Janet Leighs Frisur in Hitchcocks Film erinnern soll, gehört zum schrägen Spaß dazu.

Leider muss Marilyn Burns die meiste Filmzeit gefesselt und geknebelt verbringen, was die Möglichkeiten einer Darstellerin doch ziemlich einschränkt. Schade, weil Burns eine ungewöhnliche Leinwandpräsenz und Schönheit besitzt, die Hooper in "Blutgericht" kongenial nutzte. An ihrer Seite agiert Hollywood-Star Mel Ferrer, bei dem sich wahrscheinlich viele gefragt haben, warum er in diesem Film mitspielt (als er 1980 in "Großangriff der Zombies" auftauchte, wird sich das kaum noch jemand gefragt haben). Er muss auch den blutigsten Tod des Films erleiden, bei dem sich Hoopers ganze Kraft zeigt. Eben wie Hitchcock in "Der zerrissene Vorhang" (1966) will er zeigen, wie schwer es ist, jemanden umzubringen - weswegen die Sense, die der irre Judd benutzt, erst einmal in Ferrers Hals stecken bleibt und nicht mehr herauswill, während beide Männer darum rangeln. Wie einige seiner Regie-Kollegen der 70er geht es Hooper durchaus darum, Gewalt immer im Kontext zu zeigen (eine Herangehensweise, die heute kaum noch existiert). Bei Hooper sind die Tode grausam, schmutzig und unappetitlich. Aus diesem Grund wurde BLUTRAUSCH auch in vielen Ländern indiziert, aber es stellt sich schon die Frage, was moralisch einwandfreier ist - Mord als schnelle, schmerzlose Angelegenheit (à la James Bond) zu zeigen, oder als widerliche, abstoßende Schwerstarbeit, die jeden ästhetischen Reiz vermissen lässt. Eine uralte Frage, über die Zensoren offensichtlich nie nachgedacht haben, weil sie nicht müssen.

Das Hotel im Nirgendwo wurde komplett im Studio gebaut, und Tobe Hooper verlässt dieses Set nach dem kurzen Auftakt in einem Bordell nie wieder. Das und die grelle Ausleuchtung verstärken den künstlichen, theaterhaften Eindruck des Films. Eigentlich müsste sich zu Beginn ein Vorhang heben - stattdessen öffnet Robert 'Freddy Krueger' Englund als sexgeiler Cowboy seine Hose und spricht den oben zitierten Satz. Wie er haben sämtliche Charaktere in BLUTRAUSCH ordentlich einen an der Klatsche, was dazu führt, dass man sich als Zuschauer mit niemandem anfreunden kann. Überhaupt, ein Film, in dem William Finley ("Sisters", 1973) einen Familienvater spielt, kann nur durchgeknallt sein. So bleibt das Publikum immer außen vor und wird nie in das Geschehen einbezogen. Tobe Hooper macht es doppelt schwer, indem er einen experimentellen Score komponiert, der hart an der Grenze zur Körperverletzung vorbeischrammt, und das ständige Gebrüll der Figuren - besonders im letzten Teil - endet erst mit dem Abspann, den man sich nach dieser filmischen Tortur redlich verdient hat.

Tobe Hooper verließ übrigens vorzeitig den Dreh, nachdem er sich mit den Produzenten überwarf, die von ihm immer mehr Sex und Gewalt verlangten, was nicht Hoopers Intention für den Film war. BLUTRAUSCH wurde ohne ihn fertig gestellt und geschnitten, danach wurde er unter so vielen Titeln aufgeführt (u.a. "Death Trap", "Horror Hotel", "Starlight Slaughter" und viele andere), dass der Fan vollkommen die Übersicht verlor. Geld hat er trotzdem kaum eingespielt. Es war die erste von vielen Demütigungen und Enttäuschungen, die der gebeutelte Regisseur in seiner Karriere hinnehmen musste. Er hat sich nie mit dem Hollywood-System anfreunden können, wurde mehrfach gefeuert, verließ freiwillig Produktionen oder wurde in dem wohl berüchtigsten Fall ("Poltergeist", 1982) von seinem eigenen Produzenten Steven Spielberg demontiert, der die öffentliche Frage aufwarf, wer genau bei diesem Hit eigentlich Regie geführt hatte, wovon sich Hoopers Ruf lange nicht erholen konnte.

Trotz der Probleme ist BLUTRAUSCH aber ein 'echter' Hooper. Da mag das Krokodil noch so künstlich aussehen, es sind die vielen bizarren Einfälle, die den Film so einzigartig machen. Zumindest fällt mir kein einziger Film ein, der BLUTRAUSCH auch nur annähernd ähnlich wäre. Leider ist er wenig unterhaltsam und überhaupt nicht spannend. Als Trash-Kunstwerk, als "Psycho"-Parodie oder als "Blutgericht"-Nachfolger hat er aber seine eigenen Reize. Er war lange beschlagnahmt, ist aber mittlerweile wieder freigegeben und kann bei uns in einer sehr guten Special Edition auf DVD bewundert werden, für die der Film komplett neu synchronisiert wurde. Wer es abseitig mag, sollte ruhig mal für eine Nacht einchecken in diesem Hotel des Grauens.

07/10

"Immer diese Gäste mit ihren Sonderwünschen - jetzt wollen sie auch noch am Leben bleiben!"
Neville Brand als irrer Hotelbetreiber Judd in "Blutrausch"


Donnerstag, 16. Februar 2012

The Ward - Die Station (2010)

John Carpenter ist zurück, und wie es auf dem Plakatmotiv heißt, beweist er mit THE WARD (The Ward), dass er immer noch der 'Master of Shock' ist. Was Carpenter wirklich beweist, ist eher die Tatsache, dass seine Glanzzeiten ein für allemal vorbei sind.

Aber eins nach dem anderen. THE WARD erzählt von der schönen, jungen Kristen (Amber Heard), die im Jahr 1966 ein Farmhaus abfackelt und von der Polizei festgenommen wird. Ohne Anklage landet sie direkt in der geschlossenen Psychiatrie, wo sie für den Rest des Films auch bleiben wird. Dort trifft sie einige hübsche und mehr oder weniger irre Mitgefangene, und in der Nacht hört sie unheimliche Geräusche. Offenbar geht ein Geist in der Anstalt um, der die Patientinnen dezimiert. Oder verhält sich alles ganz anders?

Ja, tut es, aber man sollte nicht auf die überraschende Auflösung warten, auf die der Film beinahe schon verzweifelt zusteuert, denn die fällt extrem enttäuschend aus, weil sie aus einem anderen bekannten (und man muss sagen, besseren) Film, der schon ein paar Jahre zurückliegt, 1:1 übernommen wurde. Das ist zwar kein Verbrechen, aber man staunt schon, wie wenig Originalität bei einem Carpenter möglich ist, der in den 70ern neue Trends setzte und in den 80ern einige Meisterwerke des Horror- und Actionkinos inszenierte, die heute noch zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählen.
THE
WARD hätte jeder halbwegs begabte Regisseur drehen können, eine Handschrift ist so gut wie nie erkennbar. Das fängt bei dem lieblosen Psychiatrie-Set an, aus dem der Film nie herauskommt, und das mit zunehmender Laufzeit immer langweiliger wird. THE WARD hat visuell nichts zu bieten, was über ein paar 'Buh'-Momente hinausgeht, bei denen zwar das Timing stimmt (immerhin, es ist Carpenter), die aber in so schöner Regelmäßigkeit kommen, dass sie schnell vorhersehbar werden. Glücklicherweise verzichtet Carpenter auf Gore und konzentriert sich lieber auf halbwegs subtilen Grusel, doch der will nur selten funktionieren. Dass ihm wenig Geld zur Verfügung stand, was man an der kargen Ausstattung und den flachen Bildern sehen kann, ist keine Ausrede, denn seine Erstlinge waren ebenfalls Low-Budget-Werke, die trotzdem neue Wege gingen und für ganze Generationen unvergesslich blieben.

Mit Amber Heard steht Carpenter eine moderne Scream Queen zur Verfügung ("All the Boys Love Mandy Lane", 2006), deren Attraktivität nicht ganz im Verhältnis zu ihren schauspielerischen Fähigkeiten steht. Auf jeden Fall dürften sich die Jungs im Publikum an ihrem Anblick erfreuen, auch wenn die einzige Duschszene fast schon albern züchtig bleibt. Dass Heard keinen nennenswerten Charakter oder eine Backstory besitzt, erschließt sich nach der gelieferten Schlusspointe, aber wenn ein Film nur darauf aus ist, eine Überraschung am Ende zu servieren und dafür 80 Minuten einer im Grunde uninteressanten Figur folgt, dann stimmt mit dem Konzept etwas ganz und gar nicht.
Die übrigen Darsteller sind kaum der Rede wert. Es gibt den typisch verkopften Psychiater, der nie mehr erzählen darf als notwendig, um die Pointe nicht zu ruinieren, die böse Krankenschwester im 'Nurse Ratchett'-Gedenk-Modus, und den unsympathischen Pfleger, der sich gern an die Mädels heranmacht. Filme aus den 80ern wie "Nightmare 3" (1987) oder "Vision der Dunkelheit" (1988) haben eine ähnliche Grundsituation (Jugendpsychiatrie, Selbsthilfegruppen) deutlich besser genutzt. 'Kristen' war übrigens auch der Filmname von Patricia Arquette in "Nightmare 3", insofern kommt man um Assoziationen gar nicht herum. Die Musik hat Carpenter dieses Mal leider nicht selbst komponiert, sie ist ebenso konturlos wie der Film selbst.

Was soll man also mit THE WARD anfangen? Nicht viel. Man kann ihn zu den Akten auf dem Stapel "John Carpenter versucht ein Comeback" legen und vergessen. Es gibt auch nicht einen Moment im gesamten Film, der länger im Gedächtnis bliebe, selbst der Schluss-Schock ist nicht neu. Es scheint so, als seien alle Horror-Idole meiner Jugend am Ende. David Cronenberg gefällt sich inzwischen in gepflegter Langeweile, Dario Argento bewegt sich im Trash-Abgrund und dreht "Dracula 3-D" mit Rutger Hauer als Van Helsing (ohne Worte), Wes Craven bekommt kein grünes Licht mehr für Filme, in denen keine Teenies aufgeschlitzt werden, Tobe Hooper ist komplett in den Niederungen des Direct-t-Video-Marktes verschwunden, und Brian de Palma... nun, lassen wir das. Niemand kann über so viele Jahrzehnte brillante Filme abliefern (außer Hitchcock), aber für einige der Herren wäre womöglich der verdiente Ruhestand angesagt. So schön es ist, den Namen John Carpenter im Filmvorspann zu lesen - auf das, was danach kommt, kann man getrost verzichten. Immerhin, THE WARD ist besser als "Ghosts of Mars" (2001) - was auch immer das heißen mag...

02/10

Freitag, 10. Februar 2012

Das Böse 2 - Phantasm II (1988)

Mit "Das Böse" (1979) schuf Regisseur Don Coscarelli einen Überraschungshit, der schnell zum Kultfilm avancierte. 10 Jahre später inszenierte er die Fortsetzung DAS BÖSE II (Phantasm II), die eher ein Remake wurde, denn obwohl die Handlung direkt am Ende des ersten Teils anknüpft, wird doch im Grunde die gleiche Geschichte noch einmal erzählt, mit deutlich moderneren Mitteln und größerem Budget. Das war in den 80ern keine Seltenheit. Auch Sam Raimi verfuhr so mit seinem Sequel "Tanz der Teufel 2" (1989). Das Publikum dankte es Cocarelli und zeigte sich weitgehend zufrieden. Für viele Fans gilt der zweite als beste Teil der "Phantasm"-Reihe.

Zur Handlung: Sechs Jahre, nachdem der junge Mike (A. Michael Baldwin) und sein Freund Reggie (Reggie Bannister) dem "Tall Man" (Angus Scrimm) und seiner Legion von Zwergen aus dem Totenreich entkamen, wird Mike aus der Psychiatrie entlassen. Außerdem wird er nun von James LeGros gespielt, aber dazu später. Gemeinsam wollen Reggie und Mike den "Tall Man" zur Strecke bringen, der weiterhin die Friedhöfe des Landes plündert, Städte in Geisterstädte verwandelt und die Toten in einem Zwischenreich versklavt. Schwer bewaffnet folgen sie seiner Spur der Verwüstung und erhalten mit der telepathisch begabten Liz (Paula Irvine) Unterstützung, bevor es zum Showdown kommt...

Die mächtigen Universal-Studios gaben Coscarelli sehr viel mehr Geld für die Realisierung seines Sequels, als ihm für den ersten Teil zur Verfügung stand, sie stellten aber auch unangenehme Bedingungen. So musste der Regisseur die beiden Hauptdarsteller des Originals zum Casting einladen, durfte aber nur einen von ihnen verwenden. Coscarelli entschied sich für Bannister, und James LeGros ersetzte A. Michael Baldwin, der zwar im 3. Teil (1994) wieder mitspielte, über sein Fehlen im 2. Teil aber verbittert blieb. Nun ist der junge James LeGros eine gute Wahl für einen Action-Helden, und seine Besetzung hilft dem Film, während Reggie Bannister den sprücheklopfenden Sidekick spielen darf. Angeblich verlangten die Geldgeber auch das Streichen mehrerer Traumsequenzen, die nach ihrer Meinung den Film verwirrender machten. Da keiner der "Phantasm"-Filme sich sonderlich für Logik und klassische Erzählstrukturen interessiert, scheint das eine merkwürdige Entscheidung, aber so ist DAS BÖSE 2 ein straffer und actionlastiger Thriller geworden, der dem Publikum kaum Zeit zum Nachdenken lässt.

Ich mochte das Sequel sehr, als es Ende der 80er herauskam, aus heutiger Sicht aber überzeugt es mich nicht mehr unbedingt. Während das Original ein zeitloses Stück Schauerkino voller skurriler Einfälle ist, bleibt die Fortsetzung sehr in ihrer Zeit verhaftet. Die Bewaffnung des Action-Teams, das mit Kettensägen und Schrotflinten loszieht, das Böse zur Hölle zu schicken, erinnert überdeutlich an "This Time it's War!", die Werbezeile zu James Camerons Mega-Hit "Aliens - Die Rückkehr" (1986), und auch ein Schwarzenegger scheint bei all den Onelinern und Shootouts nicht weit zu sein. Die Production Values sind besser als im Vorgänger, können aber nicht die fantasievollen Einfälle ersetzen, die das Original so ausgezeichnet haben, und die hier nur wieder aufgewärmt werden.
Das Highlight sind natürlich die fliegenden Todeskugeln des "Tall Man", die in der Fortsetzung häufiger und blutiger zum Einsatz kommen. Tricktechnisch gibt es nichts auszusetzen an DAS BÖSE II, besonders der Schlussfight mit dem "Tall Man", der erneut beängstigend gut von Angus Scrimm verkörpert wird, überzeugt durch eine Vielzahl an surrealen Momenten und Splattereffekten. Und wir bekommen mehr Bilder aus der Zwischenwelt zu sehen, in die unser Held Mike fast hineingesaugt wird. Was fehlt ist die düstere, märchenhafte Atmosphäre des Originals, das zu den modernen Klassikern des Genres gezählt werden muss, während DAS BÖSE II eine gelungene, aber letztlich doch nur wiedergekäute und hier und da aufgemotzte Variante darstellt. Unterhaltsam auf jeden Fall, aber eben nicht mehr einzigartig. Im Vergleich zu den uninteressanten bis katastrophalen Fortsetzungen "Phantasm III: Lord of the Dead" und "Phantasm IV: Oblivion" (1998) ist DAS BÖSE II ein Meisterwerk.

07/10

Dienstag, 7. Februar 2012

Blutiger Sommer - Das Camp des Grauens (1983)

"Liebe Mama, lieber Paps, jetzt bin ich schon fast drei Wochen hier im Ferienlager. Ich hab' solche Angst. Holt mich bitte hier raus - schnell!!"

Wer hat da nicht gelacht, als er in den 80ern das Cover in der Videothek entdeckte, mit dem aufgespießten, blutigen Turnschuh und dem verzweifelten Brief an Mama und Paps (ja, richtig, 'Paps' - das waren die 80er!) nach Hause.
Nicht nur deswegen war BLUTIGER SOMMER - DAS CAMP DES GRAUENS (Sleepaway Camp) ein Renner auf Video, auch wenn die Enttäuschung bei den meisten Fans groß war, denn die Verleihfassung war deftig um sämtliche Splattereinlagen gekürzt worden. Statt blutiger Turnschuhe gab es nichts, was die Aufregung wert gewesen wäre. Das heißt, fast nichts, denn eines gelingt diesem Slasher-Trash hervorragend, und das ist die Schluss-Pointe, mit der niemand rechnet, und die niemand vergisst, der den Film gesehen hat. Versprochen. Diese groteske Wendung am Ende hat dem Film eine ordentliche Mundpropaganda beschert und ihm zu einem bescheidenen Erfolg verholfen, der immerhin mehrere Sequels nach sich zog.

BLUTIGER SOMMER erzählt von der schüchternen, jungen Angela (Felissa Rose), deren Vater und kleiner Bruder bei einem Bootsausflug tragisch ums Leben kamen, und die nun bei einer etwas derangierten Tante (Desiree Gould mit einer Over-The-Top-Darstellung, bei der die Zähne schmerzen) aufwächst. Gemeinsam mit ihrem Cousin wird sie ins Jugendcamp geschickt, wo sich gleich alle über die scheue und stumme Angela lustig machen. Doch jeder, der Angela verspottet, wird blutig ins Jenseits befördert, mit Hornissennestern in Toilettenkabinen oder auf andere makabere Art und Weise. Steckt Angela selbst dahinter, oder hat sie womöglich einen geheimnisvollen Beschützer?

Hm, Teenager im Ferienlager am See werden von einem irren Killer dezimiert, hatten wir das nicht schon einmal? Ja, hatten wir, und ein Ausflug in das Camp des Grauens beweist erst, wie gut "Freitag der 13." (1980) wirklich war, von dem dieser Abklatsch so ziemlich alles, inklusive Setting, klaut. Atmosphäre oder Spannung sucht man hier vergebens, dafür schraubt Regisseur Robert Hiltzik das Geschmacksniveau kräftig herunter. So darf man gleich bei der Ankunft Angelas im Jugendcamp einen notgeilen, fetten Koch bestaunen, der die minderjährigen Mädchen lüstern anglotzt und erklärt, es gäbe bei Sex kein "zu jung". Da möchte man doch gleich über den Couchtisch kotzen. Später öffnet dieser sympathische Zeitgenosse auch gleich noch den Gürtel, als er mit Angela alleine in der Vorratskammer ist, und bekommt etwas später dafür einen Topf kochenden Wassers über den Schädel, was nette Brandblasen verursacht. Der Slasher-Film war selten sleazier.

Die übrigen Mordszenen sind durchaus kreativ, wobei besonders der unangenehme Tod der Camp-Oberzicke erwähnt werden muss, die außerhalb des Bildes mit ihrem eigenen Lockenstab malträtiert wird. Und wir wissen nicht, wie genau. Wir möchten uns das auch wirklich nicht vorstellen, was man mit einem Lockenstab alles anfangen kann...
Zwischen den Splatterszenen herrscht allerdings ermüdender Leerlauf mit einem immer gleichen Ablauf. Angela wird gequält, beleidigt oder ausgelacht, prompt schleicht der Mörder ums Camp. Die Schauspieler sind allesamt aus der untersten Schublade, visuell gibt der Film gleich gar nichts her, und es fällt auf, dass sämtliche Kerle in bauchnabelfreien Tops herumlaufen (Ach, die 80er), ständig mit den Bizeps spielen, die abgerissenen Jeanshosen runterlassen und sich nackig in den See stürzen, während die weiblichen Campaufseherinnen zumeist zickig und züchtig bleiben.

Bleibt zu sagen, dass die überraschende Auflösung natürlich bei Hitchcock abgeschaut ist, oder - um ganz genau zu sein - bei William Castle, der sowieso alles bei Hitchcock abgeschaut hat, und für alle, denen das zu subtil ist, gibt es noch einen Duschmord obendrauf. Ansonsten hat BLUTIGER SOMMER aber so viel mit Hitchcock gemein wie Daniela Katzenberger mit Marilyn Monroe. BLUTIGER SOMMER ist vom ersten Bild an billiger Schund. Das war das Schöne am Kino, bevor in den 90ern die technischen Standards so erhöht wurden, dass man Schund nicht mehr auf den ersten Blick erkennen konnte (was sich bis heute nicht geändert hat. Auch der übelste Direct-to-Video-Schrott kann zumeist anständige Production Values vorweisen).
Hier weiß man gleich, was man hat. Einen "Freitag der 13." für Arme, der nur durch seine unvergessliche Pointe für Furore gesorgt hat.

04/10

Sonntag, 5. Februar 2012

The Boogeyman 2 (1983)

Nach dem unerwarteten Erfolg von "The Boogeyman" (1981) wurde der Ruf nach einer Fortsetzung zwangsläufig laut. Ulli Lommel, der sich selbst immer mehr als Arthouse-Regisseur betrachtete, hatte absolut keine Lust auf ein Sequel und weigerte sich, kommerziellen Ausverkauf seiner künstlerischen Integrität zu betreiben (von der - wenn wir ehrlich sind - im ersten Teil auch nicht viel zu merken ist). Er gab schließlich dem Druck der Geldgeber nach, unter der Bedingung, dass er die vollständige Kontrolle über THE BOOGEYMAN 2 (The Boogeyman 2) haben durfte. Die bekam er auch und nutzte sie für ein gnadenloses Anti-Sequel, das die (wenigen) Zuschauer und Kritiker sprachlos machte und die Geldgeber in Wut versetzte.

Die Handlung von THE BOOGEYMAN 2 ist schnell erzählt. Lacey (wieder Suzanna Love), die Überlebende aus Teil 1, ist inzwischen bei einer Freundin in Hollywood untergekommen, deren Ehemann (Lommel selbst) als Regisseur arbeitet. Beim Abendessen erzählt Lacey noch einmal die Ereignisse aus "The Boogeyman", was dazu führt, dass 60% der Lauflänge von THE BOOGEYMAN 2 in Rückblenden aus dem Original bestehen. Gut für die, die den ersten Teil nicht gesehen haben, sie bekommen alle Highlights so noch einmal serviert. Wer den Vorgänger kennt, traut seinen Augen nicht und kann nur noch vorspulen. Der Rest des Sequels spielt während einer Party, die zu Laceys Ehren gegeben wird, und auf der sich alle möglichen Irren aus der Filmindustrie herumtreiben, die vom neu auferstandenen Boogeyman um die Ecke gebracht werden - auf originelle Weise. Zumindest ist THE BOOGEYMAN 2 der einzige Horrorfilm, den ich kenne, in dem Charaktere mit elektrischen Zahnbürsten und Korkenziehern ins Jenseits befördert werden.

So macht sich Ulli Lommel dann gnadenlos lustig über den kommerziellen Filmbetrieb, indem er lediglich zum vorhandenen Material des Vorgängers ein paar neue Szenen inszeniert (bzw. inszenieren lässt, denn als Regisseur wird Bruce Starr, Regieassistent früherer Lommel-Werke, genannt) und sich selbst in einer Hauptrolle den Habitus eines missverstandenen Kunstregisseurs verpasst, der stets zu mehr Sex und Gewalt in seinem aktuellen Film genötigt wird, während seine Poolgäste "Hollywood Babylon" lesen oder über Brian de Palmas Flop "Blow Out" (1981) herziehen. 'Abgerundet' wird das absurde Spektakel in der deutschen Fassung noch von einer grauenerregenden 80er-Synchro, die offenbar von Laien in einer Garage aufgenommen wurde, oder vom Boogeyman selbst ("Echt voll ätzend, ey!").

Spannung kommt so natürlich nicht auf und soll auch nicht. In der Internet Movie Database kommt THE BOOGEYMAN 2 auf einen sensationellen Rating-Wert von 1.8/10. Eine positive Kritik findet man auch nach langem Suchen nicht. Lommels Werk erlitt hierzulande (und in Großbritannien) ohnehin ein eher trauriges Schicksal. Die bloße Aneinanderreihung von Mordsequenzen ohne Handlung rief nämlich schnell die Zensurbehörden auf den Plan, die THE BOOGEYMAN 2 gleich nach Erscheinen (auf Video, ins Kino kam der Film gar nicht erst) beschlagnahmten. Ohne diesen Beschluss wäre Lommels Genrebeitrag wahrscheinlich vollends in der Versenkung verschwunden. So erlangte er wenigstens noch ein bisschen Aufmerksamkeit.

Doch damit ist die Geschichte noch nicht beendet. Zehn Jahre nach Erscheinen des Films entschloss sich Lommel, eine 'Redux'-Version von THE BOOGEYMAN 2 zu veröffentlichen. In dieser Fassung sieht man nun zu ca. 90% Szenen des Original-"Boogeyman", dazu die Morde aus Teil 2 im Schnelldurchlauf, sowie neu gedrehte Szenen mit dem Regisseur himself, der wegen der Morde des Boogeymans verhaftet wurde und dem Zuschauer erzählt, warum er kein Sequel drehen wollte. Hier spielt Lommel einmal mehr den gepeinigten Arthouse-Menschen, der doch nur in Ruhe gelassen werden will. Man muss es ihm lassen, Chuzpe hat er. Lommel ist seit den 80ern gut im Geschäft (zumindest im Direct-to-Video-Geschäft), auch wenn sein Name stets in einem Atemzug mit Regisseuren wie Ed Wood jr. und Uwe Boll genannt wird. Damit kann er wahrscheinlich leben. Lommel dreht, was er will und wie er will, das muss ihm erst mal einer nachmachen.

Als Horrorfilm ist THE BOOGEYMAN 2 eine Frechheit. Als Beispiel für subversives Anti-Kino ist er zwar bei weitem nicht intelligent genug, aber immerhin einen Blick wert, wenn man gerade zu viel Zeit hat. Selten wurde das Sequel eines kassenträchtigen Films so uncharmant auf die Leinwand gerotzt. Seine Botschaft ist klar: wer "The Boogeyman" toll fand, soll ihn sich gefälligst noch einmal ansehen. Wer unbedingt eine Fortsetzung will, soll zur Hölle fahren. Hat was.

02/10

Freitag, 3. Februar 2012

The Boogeyman (1981)

In der Geschichte des Horrorfilms gab es etliche gute Beiträge, die leider zur falschen Zeit ins Kino kamen oder schlichtweg vom Publikum übersehen wurden. Für jedes dieser unentdeckten Juwele gibt es aber einen THE BOOGEYMAN (The Boogeyman), der offensichtlich das Glück hatte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ulli Lommels Mischung aus Slasherfilm und Okkult-Horror war ein Überraschungserfolg an den Kinokassen, der in keinem Verhältnis zu seinen tatsächlichen Qualitäten steht. Nun gönne ich Ulli Lommel, dem langjährigen Mitglied der Fassbinder-Gruppe, der mit "Die Zärtlichkeit der Wölfe" (1973) eine hervorragende Regie-Arbeit vorlegte, jeden Erfolg, egal ob gerechtfertigt oder nicht.

THE BOOGEYMAN erzählt von den Geschwistern Willy (Nicholas Love) und Lacey (Suzanna Love, Lommels Ehefrau), die als Kinder ihre Mutter bei unzüchtigen Sexspielen beobachtet haben und sich einer brutalen Bestrafung nur entziehen konnten, indem Lacey den Liebhaber der Mama erstach. Heute lebt Lacey mit ihrem kleinen Sohn bei Onkel und Tante auf einer Farm. Der neurotische Bruder, der seit der damaligen Schreckenstat kein Wort gesprochen hat, wohnt ebenfalls in der ländlichen Idylle. Als Lacey auf Anraten ihres Psychiaters das alte Haus besucht, in welchem sie zur Mörderin wurde, zerstört sie in Panik einen Spiegel, der offenbar seit jener verhängnisvollen Nacht verhext ist. Die Splitter des kaputten Spiegels entwickeln ein mörderisches Eigenleben und sorgen dafür, dass jeder, der in ihre Nähe kommt oder von einer Reflexion getroffen wird, ein grauenvolles Ende findet...

Das hätte eine gute Geschichte werden können, in der sich viele Elemente erfolgreicher Horrorfilme verbergen - was hübscher klingt als "zusammengeklautes Gebräu verschiedenster Genre-Zutaten". Letztendlich ist es aber genau das, denn die einzelnen Teile werden nie zu einem befriedigenden Ganzen. Dazu ist THE BOOGEYMAN zu billig, zu schundig und zu schlecht gespielt und inszeniert. Man fragt sich, was das damalige Publikum so sehr erregt haben mag. Der deutsche Verleih überschlug sich geradezu mit großmäuligen Berichten über angebliche Schlangen begeisterter Zuschauern, die sich um US-Kinos herum gebildet hatten.

Heute kann THE BOOGEYMAN nur noch mit ein paar blutigen Einfällen überzeugen, die in schöner Regelmäßigkeit über den Film verteilt sind - so wie die "Omen"-Reihe es vorgab, die zweifellos Pate stand. Einige der Mordsequenzen sind leidlich sehenswert (für das heterosexuelle Pubertäts-Publikum gibt es zum Kunstblut noch pralle, nackte Brüste zu bestaunen), andere hingegen so lächerlich, dass man nicht mehr weiß, ob man den Film auslachen oder abschalten soll. Das 'Highlight' ist ein Mord per Schaschlik-Spieß, der dem Begriff "Todeskuss" eine ganz neue Bedeutung verleiht.

Mit "Die Zärtlichkeit der Wölfe" hat Lommel das düstere, faszinierende Porträt eines wahnsinnigen Serienmörders gezeichnet, das gleichzeitig als intensive Zeit - und Gesellschaftsstudie funktionierte. THE BOOGEYMAN ist nichts anderes als plumpes Trash-Kino - ein Versuch, auf den davonbrausenden Slasher-Zug aufzuspringen und ein paar Kröten zu verdienen mit Ideen, die zuvor schon andere hatten. Wie gesagt, es sei Lommel von Herzen gegönnt, der sich eine kleine Freude machte und Horror-Ikone John Carradine in einer kleinen (und leider nichtssagenden) Rolle besetzte. Der Erfolg des Films führte unausweichlich zu einer Fortsetzung, und die hat es in der Tat in sich. Aber dazu später.

04/10
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