Freitag, 31. August 2012

Die Schlemmerorgie (1978)

Jemand tötet die Meisterköche Europas, indem er sie in Hummer-Aquarium ersäuft, in Backöfen grillt oder ihre Köpfe in die Entenpresse steckt. Unter Verdacht stehen der übergewichtige Kritiker und Herausgeber eines Gourmet-Magazins (Robert Morley), sowie Dessert-Köchin Natasha (Jacqueline Bisset), die mit ihrem Ex-Mann Robby (George Segal) den Mörder finden muss, bevor sie selbst das letzte Opfer des Täters wird...

DIE SCHLEMMERORGIE (Who's Killing the Great Chefs of Europe?) ist eine schwarze Komödie mit Starbesetzung, die in meiner Jugend sehr häufig im Fernsehen lief, wo ich sie mir stets mit Vergnügen ansah und über die deftigen Scherze schmunzelte. Kürzlich ist der Film hierzulande auf DVD erschienen, allerdings musste ich feststellen, dass die Zeit ganz schön an diesem Soufflé genagt hat und neben den Screwball-Wortgefechten und einigen (wenigen) makaberen Einfällen auch ziemlich viel Leerlauf herrscht.

Das Drehbuch zum Film stammt von Peter Stone (basierend auf einem Roman), der mit "Charade" (1963) eine der besten Krimikomödien aller Zeiten kreiert hat. Auch in der SCHLEMMERORGIE setzt Stone auf skurril-schräge Charaktere und eine brutale Mordserie als Rahmen für eine federleichte Romanze. Leider stehen ihm weder Audrey Hepburn noch Cary Grant oder ein Stanley Donen zur Verfügung, um die amüsante Geschichte umzusetzen, und es überrascht, dass bei so viel Talent vor und hinter der Kamera (Kamera John Alcott, Musik Henry Mancini) ein zwar unterhaltsamer, aber letztlich belangloser Spaß mit einigen bösen Seitenhieben auf die kulinarische Szene herausgekommen ist.

Hauptdarstellerin Jacqueline Bisset sieht natürlich wie immer zum Anbeißen aus, obwohl sie unentwegt unmögliche Klamotten tragen muss. Als deren Ex-Mann grimassiert und chargiert sich der sonst verlässliche George Segal so übertrieben 'heiter' durch seine komplett unsympathische Rolle (er spielt einen Magnaten der Lebensmittelindustrie - soll heißen, aus der Hölle - der stolz auf seine Legebatterien ist und die Welt mit Billig-Omelettes überschwemmen will! Und den soll man mögen?), dass man ihm bald selbst eins mit der Bratpfanne überziehen möchte. In Nebenrollen tummeln sich gleich mehrere hervorragende Mimen des französischen Kinos (Philippe Noiret, Jean-Pierre Cassel und Jean Rochefort), unglücklicherweise werden sie allesamt etwas verschenkt.

Der absolute Abräumer der SCHLEMMERORGIE ist Robert Morley in einer Paraderolle als übergewichtiger Feinschmecker. Morley und exquisite Morde im Feinschmecker-Milieu - da muss man doch unweigerlich an "Theater des Grauens" (1973) denken, wo Morley dank eines grausamen Racheplans von Vincent Price seine beiden Pudel in der Pastete verspeisen durfte/musste. Dermaßen böse und schräg wird die SCHLEMMERORGIE allerdings nie, und das liegt sowohl am Buch als auch an der Regie Ted Kotcheffs ("Rambo", 1982), der nie genug Sensibilität und Raffinesse für eine solch bittere Story zeigt und stattdessen grobschlächtig mit dem Holzhammer durch die Komödie rennt. Da gelingen manche Gags perfekt, andere dagegen versacken komplett, und auch visuell riecht hier alles mehr nach Fernsehen als nach Kino, trotz einiger hübscher Montagen. Spannung will auch nicht so recht aufkommen, dafür gibt es jede Menge alberner Klischees (wie der italienische Starkoch, der Bisset andauernd in den Hintern kneift).

Dem Drehbuch gelingt allerdings das Kunststück, in jeder Szene das Thema Essen rauf- und runterzuspielen (mir fällt keine einzige Szene des Films ein, in der es nicht direkt und indirekt ums Essen ginge) und nebenbei sämtliche Wortspiele einzubauen, die jemals über das Essen erfunden wurden, bis hin zum Pfarrer, der bei der finalen Hochzeit sagt: "Sie dürfen die Köchin jetzt küssen" ("You may kiss the cook"). Die Auflösung des Whodunits ist zwar recht überraschend und irgendwie rührend, ergibt aber herzlich wenig Sinn, wenn man auch nur einen Moment überlegt, wie diese Person die Morde eigentlich ausgeführt haben will.

Es bleibt das Gefühl, dass hier einige Möglichkeiten (und Darsteller) schlicht verschenkt wurden. Man behält die SCHLEMMERORGIE als besser in Erinnerung als sie tatsächlich ist. Das Rezept könnte noch verbessert werden. Zu viel Beigeschmack.

07/10

Donnerstag, 30. August 2012

T.A.G. - Das Killerspiel (1982)

Studieren ist langweilig. Deshalb vertreibt man sich die Zeit auf dem Campus mit 'T.A.G.', dem Killerspiel, einem Vorläufer von 'Gotcha!', nur dass man statt mit Farbkugeln mit Gummipfeilen aufeinander schießt. Wer getroffen wird, ist raus, und wer als Letzter stehen bleibt, gewinnt. Mit einem aber rechnen die herumalbernden Kommilitonen nicht - mit dem Psychopathen Gersh (Bruce Abbott), der unbedingt gewinnen will, aber von einem Loser 'abgeschossen' wird - weshalb er flugs echte Patronen in seine Waffe lädt und aus dem Spiel tödlichen Ernst macht...

T.A.G. - DAS KILLERSPIEL (TAG - The Assassination Game) ist ein verschollener Kultfilm aus den 80ern, eine fröhlich-spannende Mischung aus Slasherfilm und Teenie-Komödie mit skurrilen Figuren und einem wirklich orginellen Grundeinfall, der die ausgetretenen Pfade des Teenie-Horrors mit maskierten Schlitzern wohltuend verlässt. Das zeigt sich bereits in der ironischen Eingangssequenz, in der ein Student nachts von einem Unbekannten über den Campus gejagt wird. Was wie ein typischer Slasherbeginn wirkt, entuppt sich schnell als Scherz (das 'Opfer' bekommt einen Gummipfeil an die Stirn, der mit lautem 'Plopp'-Geräusch entfernt wird), und spätestens beim nachfolgenden Vorspann - eine Parodie der bekannten 'James Bond'-Titelsequenzen, zu Craig Safans jazzig-poppiger Musik - wird klar, dass der Film die Genre-Versatzstücke eher auf die Schippe nimmt, auch wenn er sie gleichzeitig im spannenden Finale - dem 'Duell' der beiden letzten Gegner - voll bedient.

Regisseur des Streifens ist Nick Castle, der Genre-Fans als Freund und Weggefährte von John Carpenter ein Begriff sein dürfte. Er spielte in "Halloween" (1978) den erwachsenen Michael Myers und war Namensgeber der von Tom Atkins gespielten Figur in "The Fog" (1980). Castle bedankt sich, indem er den Spielleiter des Killerspiels Carpenter nennt und gleich zu Anfang eine Hommage an "Das unsichtbare Auge" (1978) einbaut. Dazu streut er an mehreren Stellen Hitchcock- und Film Noir-Zitate ein. Hauptdarsteller sind Robert Carradine und Linda Hamilton, die kurz darauf mit James Camerons "Terminator" (1984) ihren Durchbruch feierte und zu den heißesten Schauspielerinnen der 80er gehörte. Den Psychopathen spielt (hervorragend) Bruce Abbott, bekannt aus "Re-Animator" (1986) und "Vision der Dunkelheit" (1988), der nach Ende der Dreharbeiten Linda Hamilton heiratete - was offensichtlich eine Angewohnheit von ihm war, denn genau so endeten die Dreharbeiten zu "Death Tower" (1989), in deren Anschluss er Hauptdarstellerin Kathleen Quinlan ehelichte.

Nick Castle sorgt für ordentlich Tempo und hat viel Freude daran, durchgeknallte Studenten im Bildhintergrund bei merkwürdigen Aktivitäten zu inszenieren, während im Vordergrund die Mördergeschichte abläuft. Eine Vorlesung oder Unterricht sehen wir im gesamten Film nicht, überhaupt hat keiner der Studenten ein gesteigertes Interesse am Studium. Das macht aber thematisch durchaus Sinn. Die Protagonisten sind wie Kinder, die sich die Zeit mit "Räuber und Gendarm" vertreiben und durch die Begegnung mit realem Mord vom Sandkasten in die Welt der Erwachsenen katapultiert werden. So kann die reizende Hamilton, für die Sex und Liebe anfangs ebenfalls nur Spiel und Spaß sind, am Ende auch zu ihren Gefühlen stehen und eine Partnerschaft eingehen.

Warum T.A.G. in der Versenkung verschwunden ist, weiß ich nicht, er ist aber bislang nicht auf DVD erschienen und weitgehend unbekannt. Vielleicht ist die Mixtur problematisch. Für einen Horrorfilm ist er letztlich zu harmlos und verspielt, und für eine Teenie-Komödie fehlen die pubertären Witze, zumal die Protagonisten allesamt aus dem Teenie-Alter raus sind. Als klares Produkt der 80er ist er natürlich heftig gealtert, kann aber immer noch gut unterhalten, mehr will er auch gar nicht. Das macht ihn so sympathisch. Die Geschichte schreit übrigens nach einem Remake, aber ich will den Teufel lieber nicht an die Wand malen.

7.5/10

Sonntag, 26. August 2012

Das schwarze Loch (1979)

Gerade noch konnte die Besatzung der 'USS Palamino' auf ihrer Forschunsgreise durchs All verhindern, in ein gigantisches schwarzes Loch gesaugt zu werden, schon entdeckt sie ein als verschollen geglaubtes Raumschiff, das von dem finsteren deutschen Kommandanten Dr. Hans Reinhardt (Maximilian Schell) gesteuert wird, dessen Crew scheinbar nur aus Robotern besteht. Reinhardt erweist sich zwar als guter Gastgeber, doch er plant, sein Schiff direkt in das schwarze Loch zu steuern, um unbekannte Dimensionen zu erkunden. Seine 'Roboter' stellen sich als ehemalige Besatzungsmitglieder heraus, die er dank teuflischer Experimente in Humanoiden verwandelt hat. Da können die Gäste nur noch die Flucht ergreifen...

Das Kinopublikum übrigens auch, das dem geplanten Mega-Erfolg DAS SCHWARZE LOCH (The Black Hole) in Scharen fernblieb, obwohl man doch so schön auf den "Star Wars"-Zug aufspringen wollte. DAS SCHWARZE LOCH ist ein Disney-Film, was bedeutet, dass er von vorne bis hinten auf Familien zugeschnitten und so konzipiert ist, dass die lieben Kleinen sich nicht fürchten müssen und Omi vor Aufregung nicht die dritten Zähne verschluckt. Gut und Böse sind ganz klar voneinander getrennt (kein Guter würde hier jemals etwas Böses tun und umgekehrt), und immer, wenn es spannend zu werden droht, kommt mit Sicherheit ein niedlicher Reaction Shot des knuddeligen Roboters 'Vincent', der wie eine schwebende Mülltonne mit Kulleraugen aussieht und klugscheißerische Kommentare abgibt.

Der Stoff hingegen hätte sehr düsteres Potential, immerhin geht es im SCHWARZEN LOCH grundsätzlich um das 'Danach' und jemanden (Schell), der von seiner Todessehnsucht besessen ist. Nicht umsonst sehen alle Roboter an Bord des finsteren Raumschiffes aus wie der Sensenmann persönlich. Das 'schwarze Loch' selbst steht in dieser Allegorie natürlich für das große Unbekannte, vor dem wir uns alle fürchten. Das Thema wird aber durch die ekelhafte Familienanbindung so verwässert, dass der Ansatz zum Kindergartenquatsch verkommt. Da sollte eigentlich der Jugendschutz einschreiten.

Technisch hat DAS SCHWARZE LOCH einiges zu bieten, vorrangig eine wundervolle Ausstattung und Unmengen von Spezialeffekten, die zwar nicht alle unbedingt überzeugend wirken, aber nett handgemacht sind und einen surrealen Charme besitzen, wie ihn solcher Trash dringend benötigt. Einige der Effekte sind grandios, wie etwa der überdimensionale Feuer-Meteorit, der im Finale durch einen der endlosen Korridore des Schiffes rollt und beinahe die Flüchtenden zermalmt - eine Szene, die sehr an die spätere Persiflage "Galaxy Quest" (1999) erinnert ("Das ist einfach eine ganz schlecht geschriebene Folge!"). Ein weiterer Pluspunkt ist John Barrys pompöse Musik, die er für das Bond-Spektakel "Moonraker" (1979) noch einmal recycelte - immerhin geht es da auch um einen blassen, bärtigen Europäer, der seine Allmachtsfantasien im Weltraum ausleben will. Wer es schafft, den Inhalt auszublenden und die visuellen und akustischen Schauwerte zu genießen, der kann sich vom SCHWARZEN LOCH zweifellos unterhalten lassen.

Wer aufgrund der Starbesetzung nach Schauspielkino sucht, wird hier keines finden, was aber auch daran liegt, dass keine der Figuren irgendwie charakterisiert wird und Regisseur Gary Nelson es als 'Inszenierung' missversteht, lediglich die Schauspieler steif aufzureihen, damit die ihre Texte aufsagen. Maximilian Schell schlafwandelt mit Rauschebart und Löwenmähne (in der Hoffnung, dass Freunde ihn darunter nicht erkennen) durch den Film, Anthony Perkins hingegen sieht man die Verwirrung über die eigene Rollenauswahl an, zumal er hier niemanden unter der Dusche abstechen darf. Robert Forster sieht hübsch aus, trägt allerdings zuviel Makeup und soll irgendwie auf jungen Helden machen, bekommt aber überhaupt keine Gelegenheit zu Heldentaten. Yvette Mimieux, die wir noch aus der "Zeitmaschine" (1960) in guter Erinnerung haben, spielt die einzig sympathische Figur in diesem Wachsfigurenkabinett, und der von Roddy McDowall gesprochene Roboter ist so zuckersüß, dass man auf der Stelle Diabetes bekommt. Wenn er mit seinem zerbeulten Zwillingsbruder gegen die bösen Roboter kämpft, ist man endgültig im Kinderfilm gelandet.

Am Ende bekommt bei Disney natürlich jeder, was er verdient, und Gary Nelson ist es nicht zu peinlich, eine verkrampfte "2001"-Hommage in Szene zu setzen, bei der die Guten in eine himmlische Galaxie samt Rauschgoldengeln entfliehen können und der alte Maximilian mit seinem Bodyguard-Roboter da 'unten' landet, wo es ganz, ganz heiß ist - trotz der Holzhammer-Symbolik die beste Einstellung des Films.

Obwohl DAS SCHWARZE LOCH ein Reinfall war, hat er viele Freunde und Bewunderer gefunden. Einige mögen ihn trotz seiner Schwächen, manche gerade deswegen. Er hat mehrere nachfolgende Science Fiction-Filme wie "Event Horizon" (1997) und "Mission to Mars" (2000) deutlich beeinflusst, die sich ganze Erzählstränge ausgeborgt haben. Das geht auch in Ordnung, denn DAS SCHWARZE LOCH ist selbst nicht sonderlich originell. Die beiden 'lustigen' Roboter stammen aus Douglas Trumbulls "Lautlos im Weltraum" (1972), und - machen wir uns nichts vor - die ganze Geschichte ist eine offensichtliche Adaption von Jules Vernes "20.000 Meilen unter dem Meer".


Besatzung mit Mülltonne - die (dezimierte) Crew der 'USS Palamino' auf der Flucht


06/10

Mittwoch, 22. August 2012

Der Sunset-Killer (1989)

Ein Psychopath (Judd Nelson) mordet sich durch L.A., indem er scheinbar wahllos Leute mit dem Namen Taylor aus dem Telefonbuch aussucht und diese dann in ihrer Wohnung überfällt. Am Tatort hinterlässt er die entsprechenden Seiten des Telefonbuchs mit provokanten Nachrichten an die Polizei. Kein leichter Fall für den aus New York versetzten Detective Dietz (Leo Rossi), der sich zudem mit seinem Partner (Robert Loggia), einem Cop der alten Schule, herumschlagen muss...

In den 80ern war Judd Nelson noch mit Filmen wie "The Breakfast Club" (1985) der Lederjacken-Rebell gegen das Establishment, Autoritätsfiguren und den Schulbetrieb. Hier nun ist aus dem Halbstarken endgültig ein ausgewachsener Irrer geworden, der es der Gesellschaft heimzahlt. Rückschlüsse über Erziehungsmethoden sollte man daraus aber nicht ziehen. Judd Nelson ist auch der Grund, warum man sich DER SUNSET-KILLER (Relentless) ansehen sollte, denn der zeigt hier sicher die beste Leistung seiner Karriere. Das Problem des Killers, um dessen Identität von Anfang an kein Geheimnis gemacht wird, liegt wieder mal in einer traumatischen Vergangenheit. Nelsons Papa war nämlich ein knallharter Cop, der seinen halbwüchsigen Sohn mit Schießübungen und Körperertüchtigung samt Prügelstrafe misshandelte. Heute versucht der Spross von einst, die Anerkennung seines (mittlerweile toten) Vaters zu erhalten, indem er ungestraft mordet und der Polizei Streiche spielt. Es sind gerade die grausamen Rückblenden in die verkorkste Kindheit, die den Film stellenweise beklemmend machen. Wenn der kleine Judd vom Vater eine Mega-Wumme in die Hand gedrückt bekommt und nach misslungenem Schussversuch auch noch Ohrfeigen kassiert, dann muss man unwillkürlich an jugendliche Amokläufer denken.

Ansonsten handelt es sich bei diesem Spät-Thriller der 80er um unterhaltsame, routinierte Kost. Regisseur William Lustig, der die Welt einst mit seinem Splatterfest "Maniac" (1980) schockte, hat sich nach dem schon harmloseren "Maniac Cop" (1988) hier voll und ganz dem Mainstream unterworfen und inszeniert straff und temporeich, aber ohne Handschrift. Zum Glück hat er gute Schauspieler an der Hand. Neben dem angsteinflößenden Nelson spielt Veteran Loggia gewohnt souverän den altersweisen Partner, Leo Rossi war nie sympathischer als hier (kurz zuvor hatte der eher auf Bösewichter abonnierte Rossi noch in "Angeklagt" die arme Jodie Foster auf dem Flipper vergewaltigt), und Meg Foster (die mit den komischen Augen ohne Pupillen) füllt ihre langweilige Rolle als Ehefrau von Rossi bewundernswert mit Leben. Ein junger, draufgängerischer Cop und ein älterer Kollege kurz vor der Pensionierung, die einen Serienkiller jagen, welcher schließlich ins Privatleben des Ermittlers eindringt und die Ehefrau mit dem Tod bedroht, das wurde später in David Finchers "Se7en" (1995) ungleich spektakulärer inszeniert.

Gerade in der ersten Hälfte aber läuft der SUNSET KILLER wie geschmiert, und die Szene, in der Judd Nelson nachts auf der Brüstung eines Hochhaus-Daches joggt, ist für alle Akrophobiker wie mich ein absoluter Alptraum. William Lustig zog sich kurz später als Regisseur aus dem Geschäft zurück und produzierte Dokus für das DVD-Label 'Anchor Bay', bevor er sein eigenes Label 'Blue Underground" gründete, mit dem er sich bis heute um die Veröffentlichung gesuchter Kultfilme, vorwiegend aus dem Horror-Bereich, kümmert. Gut gemacht!

07/10


Montag, 20. August 2012

Der weiße Hai (1975)

Der Hai ist los vor dem Strand von Amity. Mehrere Urlauber hat er bereits auf dem Gewissen, als der starrköpfige Bürgermeister (Murray Hamilton) endlich bereit ist, seinen Polizeichef (Roy Scheider) mit einem Haiforscher (Richard Dreyfuss) und einem erfahrenen Seebären (Robert Shaw) loszuschicken, um die Bestie zu fangen und zu töten. Doch das ist gar nicht so leicht...

Was soll man über Spielbergs DER WEISSE HAI (Jaws) noch sagen, außer, dass man ihn alle Jahre wieder genießen kann? Gerade ist er auf Blu-Ray veröffentlicht worden und sah nie besser aus, die Scheibe enthält sogar die alte Kinosynchronisation, die zwecks Tonoptimierung in früheren Veröffentlichungen einer grauenvollen Neusynchro weichen musste. fast 40 Jahre sind ins Land gegangen, in denen der Film praktisch nicht gealtert ist und haushoch über allen Nachahmern steht, die immer noch über die Leinwand und den DVD-Vertrieb schwimmen. Und jeder Trash wie "Dinoshark" (2010) lässt einen nur wehmütig an das Original denken.

DER WEISSE HAI ist für den Badeurlaub das, was Hitchcocks "Psycho" (1960) fürs Duschen war. Überhaupt steckt viel Hitchcock in Spielbergs Film. Neben den offensichtlichen Reminiszenzen (wie die berühmte Kombination aus Zoom und Kamerafahrt aus "Vertigo", 1958 an einer dramaturgisch wichtigen Stelle) gehören dazu auch der lakonische Humor ("Wir brauchen ein größeres Boot"), die inhaltliche Bedrohung einer Küstengemeinde durch das Tierreich ("Die Vögel", 1964, der das Genre des Tierhorrors erfunden hat) und das Trauma der männlichen Hauptfigur (Roy Scheider ist als Polizeichef einer Insel wasserscheu), der im Laufe der Story seine Ängste überwinden muss.
Der junge Spielberg ist ein Filmbegeisterter, der seine Vorbilder gut studiert hat und - ebenfalls im Hitchcockschen Sinne - das Publikum unentwegt gekonnt manipuliert. Wir schreien, wenn der augenlose Kopf aus dem Schiffswrack ploppt, wir trauern um den Hund, der beim Stückchenholen plötzlich verschwindet, und wir schämen uns, wenn die Witwe eines getöteten Jungen (dessen blutige, zerfetzte Luftmatratze am Strand völlig ausreicht, um seinen Tod zu erzählen) Roy Scheider vor allen Leuten ein paar runterhaut, weil er die Strände nicht gesperrt hat. Und wir wenden uns mit Entsetzen ab, wenn Robert Shaw bis zur Hälfte im Rachen des Hais steckt und Blut spuckt. Weil der Tod da etwas Banales und Entwürdigendes bekommt. Das ist furchteinflößend.

Dass DER WEISSE HAI aus den 70ern stammt, erkennt man unzweifelhaft an der Figur des Bürgermeisters, der ein paar Tote in Kauf nehmen würde, um sich nicht die Sommereinnahmen versauen zu lassen. Die Ablehnung des Establishments ist symptomatisch für das Kino der 70er, und mit dieser Figur hat Spielberg (bzw. Peter Benchley, Schöpfer der Romanvorlage) einen Prototyp geschaffen, der sich bis heute im Kino hält. - Dass er in der Fortsetzung die gleiche Schiene fährt und erneut jede Vernunft ausschaltet, nachdem er das Ganze im ersten Teil schon mal durchexerziert hat, ist übrigens komplett idiotisch.

Spielberg, dessen erster großer Film DER WEISSE HAI war, macht hier einfach alles richtig, wenn auch manchmal nicht ganz freiwillig. So verursachte der mechanische Hai bei den Dreharbeiten dermaßen viele Probleme, dass Spielberg ihn so lange wie möglich vor dem Zuschauer verbergen musste, was die alte Regel beweist, dass das Grauen vor dem Unbekannten sehr viel effektiver ist als der Schrecken des Sichtbaren. So bekommt das Publikum den Hai in der ersten Filmstunde praktisch nie zu Gesicht. Die mittlerweile berühmte Musik von John Williams wird extrem sparsam eingesetzt und sorgt für absolutes Unbehagen. Wenn man den Film einmal ganz gesehen hat, weiß man übrigens, dass der Hai immer nur anwesend ist, wenn auch Williams' Musik erklingt. In Szenen, in denen Spielberg nur suggeriert, der Hai sei da, bleibt der Soundtrack stumm. Konsequent einfach, einfach genial.

Daneben spielt der Film mit einer ganzen Reihe von Urängsten, von Kastrationsfantasien (das abgerissene Bein des Seglers) bis zur Angst vor dem, was unter der (Wasser-)Oberfläche lauert, er baut auch kaum verhüllte Vietnam-Allegorien ein (das Männerteam in feindlichen Gewässern, gegen einen übermächtigen Gegner). Die schaurigste Sequenz aber gehört nicht dem Hai, sondern Robert Shaw, dessen Erzählung über das Schicksal der 'USS Indianapolis', die die Bombe nach Hiroshima lieferte, zu den unvergesslichsten Monologen der Filmgeschichte gehört.

DER WEISSE HAI hat das Kino für immer verändert. Gemeinsam mit dem Erfolg von George Lucas' "Star Wars" (1977) entstand das 'Blockbuster'-Phänomen. Natürlich gab es zuvor schon erfolgreiche Kassenhits, aber Spielbergs Rekordeinnahmen wurden erstmals auch dokumentiert. Plötzlich erkannte man in der Filmindustrie, dass man mit Filmen reich werden konnte. Aus der Unterhaltungsmaschinerie wurde ein Millionengeschäft, das heute von Konzernen geführt und kontrolliert wird. Unabhängige Filmemacher, die Anfang der 70er Hollywood erneuerten und wie Heilsbringer gefeiert wurden, wurden plötzlich an den Rand gedrängt, um den Abräumern Platz zu machen. Formeln wurden entwickelt, die maximalen Gewinn versprachen. Inhaltliche Strukturen, die sich als erfolgreich erwiesen, wurden kopiert und wieder kopiert. Sequels, Prequels und Franchises entstanden. Natürlich erhielt auch Spielbergs Film die erwarteten Fortsetzungen, die dem Original aber nicht das Wasser reichen können, wobei der 2. Teil auch dank Roy Scheiders Mitwirkung noch ganz ordentlich geraten ist. Der Erfolg vom WEISSEN HAI war Segen und Fluch zugleich.

DER WEISSE HAI ist einer dieser Filme, an denen man (bzw. ich) einfach nichts aussetzen kann. Er ist grandios konzipiert und überzeugend umgesetzt, dazu ist er fantastisch gespielt (ist es nicht wohltuend, wie erwachsen die Charaktere sich verhalten, selbst wenn sie sich kindisch benehmen?) und macht umgehend Lust, ihn sich gleich nochmal anzusehen, wenn er vorbei ist. Der perfekte Sommer-Unterhaltungsfilm und noch viel mehr.

10/10


Sonntag, 19. August 2012

Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz (1955)

Als Kind musste Archibaldo (Ernesto Alonso) mitansehen, wie sein Kindermädchen erschossen wurde, während er gerade eine Spieldose bestaunte, die angeblich geheimnisvolle Kräfte besitzt. Fortan glaubt Archibaldo, er könne allein durch seinen Willen zum Mörder werden. Als er die Spieluhr im Erwachsenenalter wieder findet, packt ihn erneut der Drang, Frauen zu töten. Dummerweise aber kommt ihm das Schicksal immer wieder zuvor...

Luis Buñuel inszenierte die heitere Groteske DAS VERBRECHERISCHE LEBEN DES ARCHIBALDO DE LA CRUZ (Ensayo de un crimen) in Mexiko und schuf damit eines seiner einflussreichsten Werke. Sein Archibaldo ist ein Träumer, der erotisches Interesse stets mit Mordlust verbindet. Frauen, die ihn sexuell anziehen, will er umgehend beseitigen, doch bevor er zur Tat schreiten kann, stürzen die Damen selbst in Fahrstuhlschächte, werden von Rivalen ermordet oder zufällig durch Querschläger getötet. Der kontinuierliche "Coitus Interruptus" ist ein Leitmotiv der Filme Buñuels, man denke nur an die Gelüste nach Essen und Sex im späteren "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" (1971), die nie ausgelebt werden können, weil immer etwas dazwischen kommt. Offenbar kennt Buñuel diese Unterdrückung des eigenen Verlangens nur zu gut, wobei ihm als Künstler Wege offen stehen, diese filmisch aufzuarbeiten. Der bekennende Fuß- und Schuhfetischist Buñuel lässt auch hier seinem Begehren freien Lauf, wenn das erste Opfer mit hochgerutschtem Rock tot auf dem Fußboden liegt und der kleine Archibaldo in Muttis Pumps herumstöckelt. Für eine ausschweifendere Betrachtung des Schuh-Fetischs empfehle ich Buñuels "Tagebuch einer Kammerzofe" (1964), in welchem Jeanne Moreau kaum etwas anderes tut als Stiefel an- und wieder auszuziehen.

Dass die Lust auf Sex sofort Mordfantasien in Archibaldo freisetzt, das findet man später in Hitchcocks "Psycho" (1960) wieder, der zwar stets verleugnete, von anderen Regisseuren beeinflusst worden zu sein, die Ähnlichkeiten sind aber frappierend. Und auch anderswo findet man Elemente wieder, etwa im italienischen Giallo-Kino und den Werken Mario Bavas (ganz besonders in dessen Mannequin-Ode "Blutige Seide", 1966). Die Schaufensterpuppe, die Archibaldo im Ofen verbrennt, und deren Gesicht sich im Feuer langsam auflöst, ist ein Schreckensbild, das vielfach wieder aufgenommen wurde. Als Kind sah ich ARCHIBALDO DE LA CRUZ im Spätprogramm des Fernsehens und nahm ihn - wie Kinder das häufig tun - nicht als Komödie, sondern als Horrorfilm wahr. Wer Berührungsängste mit mexikanischen Filmen hat (ARCHIBALDO liegt hierzulande in einer sehr guten OmU-Fassung auf DVD vor), dem sei gesagt, dass Buñuels schwarzer Humor dem britischen gar nicht unähnlich ist und gelegentlich an Klassiker wie "Adel verpflichtet" (1949) erinnert, auch wenn seine Themen durchaus grimmiger und sexueller sind. Der spanische Regisseur Pedro Almodóvar zollt in seinem Thriller-Melodram "Live Flesh" (1997) dem großen Vorbild seinen Respekt.

Buñuel ist nicht nur ein fantasievoller Geschichtenerzähler, er liebt es auch, wenn in seinen Filmen Charaktere Geschichten erzählen und Träume erleben. So erzählt Archibaldo seine Geschichte einem Polizisten, der ihm am Ende versichert, nur wegen Mordgelüsten könne man ihn nicht einsperren. Das anschließende Happy-End ist so übertrieben unglaubwürdig, dass man es nur als Sarkasmus interpretieren kann.
ARCHIBLDO
DE LA CRUZ gehört zu Buñuels unterhaltsamsten und bösesten Filmen. Sein Spiel mit Tabus und Frivolitäten, sowie die Entlarvung des vornehmen Edelmannes, hinter dessen gepflegter Fassade düstere Sex- und Gewaltfantasien lauern, entschädigen für leichte Durchhänger im Mittelteil. Sehr sehenswert und ein Muss für Cineasten.

09/10

Frauenleichen pflastern seinen Weg - Die erste Tote in Archibaldos Leben


Samstag, 18. August 2012

Geheimagent Barrett greift ein (1965)

Aus einem streng geheimen Forschungslabor der Regierung wird ein ebenso streng geheimer Killervirus gestohlen, der bei Freisetzung die gesamte Erdbevölkerung auslöschen wird. Bald schon wird damit gedroht, ihn in L.A. einzusetzen. Der Geheimagent Lee Barrett (George Maharis) wird beauftragt, die Drahtzieher des Diebstahls zu finden. Gemeinsam mit der Generalstochter Ann (Anne Francis) macht sich Barrett an die Arbeit...

Der Agenten-Thriller GEHEIMAGENT BARRETT GREIFT EIN (The Satan Bug) entstand nach einer Romanvorlage von Alistair MacLean und war einer der ersten Versuche, auf der noch jungen Erfolgswelle der James Bond-Filme mitzuschwimmen. So erinnert Hauptdarsteller George Maharis dann auch weniger an den unvergleichlichen Sean Connery, sondern eher an Bond-Darsteller George Lazenby. Der Anzug sitzt, die Frisur ist scharf gescheitelt, aber ansonsten ist dieser Geheimagent ein absoluter Langweiler ohne Persönlichkeit.

Das trifft leider auch auf den gesamten Film zu. Zwar bemüht sich Regisseur John Sturges, der viele erfolgreiche Unterhaltungsfilme gemacht hat und es besser wissen müsste, um eine ernsthafte Erzählung, die von der comichaften Bond-Überhöhung bewusst abweicht, aber so richtig in Fahrt kommt der Thriller nie. Schon die stumme Anfangssequenz, in welcher der Killervirus aus dem Wüstenlabor gestohlen und dabei ein Security-Mann ermordet wird, sollte eigentlich eine Spielwiese für jeden Spannungsregisseur sein (was hätte wohl ein Hitchcock daraus gemacht? Naja, Mitte der 60er vermutlich auch nicht viel), stattdessen zieht sie sich in die Länge wie das berühmte Kaugummi. Anne Francis ist als Partnerin von Maharis mal nicht das sexy Dummchen, das man aus den frühen Bond-Abenteuern kennt, aber interessanter wird sie dadurch auch nicht. Sie ist mehr ein Anhängsel, das sich manchmal als nützlich erweist, meistens aber nur nebenherläuft. Schade.

Da nützt auch die wirklich großartige, beklemmende Musik Jerry Goldsmiths nichts, der sich für den Virus selbst ein Thema ausgedacht hat, das man lange noch im Kopf hat, wenn der Film, daraus längst entschwunden ist. Auch die wenigen Action-Höhepunkte des Abenteuers können nicht richtig überzeugen. In meiner Jugend sah ich GEHEIMAGENT BARRETT GREIFT EIN im Fernsehen und fand ihn einigermaßen aufregend, doch heute ruft er überwiegend Gähnen bei mir hervor.

Mehr gibt es auch schon nicht zu sagen - außer, dass die ständige Betonung, wie gefährlich der Virus sei, irgendwann nervt. Ja, alles klar, er wird alles Leben auslöschen, und nun? Neben der klasse Titelsequenz und dem bereits erwähnten Soundtrack gibt es nichts, weswegen man diesen müden Bond-Abklatsch empfehlen sollte. Das Plakatmotiv (s.o.) ist nicht schlecht. Ein Film der verschenkten Möglichkeiten.

03/10


Freitag, 17. August 2012

Stimme des Todes (1990)

Manche Frauen suchen so verzweifelt einen Mann, dass sie auch einen Serienkiller akzeptieren würden. Dieser hier (D.W. Moffett) sieht aber auch zu gut aus. Er hat perfekte Manieren und eine sanfte Stimme. Wenn dieser Stimme aber auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlässt, die ungefähr so klingt: "Ich bin in deiner Wohnung und werde dich töten", dann ist es meist vorbei mit der Romantik. Man nennt ihn den 'Candlelight-Killer', weil er stets Kerzen entzündet, bevor er mordet.
Die 14-jährige Lisa (Staci Keanan) hat da ganz andere Sorgen, die darf sich wegen der strengen Mama (Cheryl Ladd) nämlich nicht mit Jungs treffen und muss deswegen fremde Männer mit Telefonstreichen belästigen, wo sie sich als erwachsene Frau ausgibt. Dass sie dabei an den 'Candlelight-Killer' gerät, ist abzusehen. Natürlich weiß sie nicht, was der so in seiner Freizeit treibt. Als sie ihm auch noch persönlich begegnet, ist es fast um sie geschehen. Aber würde dieser Traummann jemals einen Teenager als Partnerin akzeptieren? Wäre es nicht viel besser, man würde ihn mit der Mama verkuppeln? Ohne es zu wissen, verschafft Lisa ihrer Mutter ein Blind Date mit dem Mörder...

Gary Sherman drehte diesen schlichten, leisen Psycho-Thriller, der eher wie ein TV Movie daherkommt. Der Regisseur hatte bereits Erfahrung im Horror-Genre, von ihm stammen der Zombiefilm "Tot & begraben" (1981) sowie der dritte Teil der "Poltergeist"-Saga (1988).
STIMME DES TODES (Lisa) reiht sich ein in die Reihe von Thrillern, in denen Psychopathen in das ruhige Leben friedlicher Mittelstands-Bürger eindringen und ihnen (und dem Publikum) zeigen, dass die Welt "da draußen", außerhalb von weiß gestrichenen Gartenzäunen und geschmackvollen Wohnzimmereinrichtungen, böse ist. Ein reaktionäres Genre also, das immer wieder auf die Bewahrung der Familienwerte setzt, um die es auch in STIMME DES TODES geht.

Die Grundidee stammt aus dem William Castle-Schocker "Es geschah um 8 Uhr 30" (1965), in dem ebenfalls zwei Teenager bei Telefonstreichen an einen Killer geraten. Die Ähnlichkeiten gehen soweit, dass die junge Hauptfigur in beiden Fällen zunächst ein erotisches Interesse an der Stimme des Mörders entwickelt, bis sie erkennt, wen sie sich da angelacht hat. Im Gegensatz zu dem eher albernen Castle-Thriller hat STIMME DES TODES aber ein solides Drehbuch und gute Schauspieler.
Tatsächlich ist die Mutter/Tochter-Beziehung interessanter geraten als der Thriller-Plot. Cheryl Ladd ist die attraktive, alleinerziehende Mama, die eher eine Freundin für ihre Tochter ist (die beiden tauschen Klamotten und Parfums), eine von der Art, wie sie sich Teenager wünschen würden (wer hätte nicht gern einen Ex-Engel von Charlie als Mutter?). Nur wurde diese selbst so früh schwanger, dass sie ihrer Tochter nicht gestattet, ein eigenes Privatleben zu führen, damit sie nicht die gleichen Fehler macht. Das ist ein nachvollziehbarer Konflikt, der glaubwürdig erzählt wird. Man versteht sowohl Lisas Wunsch nach Selbstbestimmung (weil wir den in diesem Alter alle hatten), als auch die Sorge der Mutter um das Wohlergehen ihres Kindes. Dass die Tochter irgendwann beschließt, die Mama ohne deren Wissen mit dem Killer zu verkuppeln, ist eine etwas bizarre Wendung, die aber durch das ohnehin bizarre Pubertäts-verhalten von Lisa entschuldigt ist und im Sinne des Thrillers natürlich wunderbar funktioniert, weil der Zuschauer stets mehr weiß als die Charaktere - Suspense im besten Hitchcock-Sinne also.

Am Ende muss natürlich wie in all diesen Thrillern die Konfrontation stehen, und selbstverständlich können Mutter und Tochter gemeinsam den Eindringling erledigen. Die Familienidylle ist wieder hergestellt - wobei man sich eher nicht ausmalen sollte, was danach zu Hause los ist. Wahrscheinlich darf die arme Lisa bis zu ihrem 18. Geburtstag die Wohnung überhaupt nicht mehr verlassen, geschweige denn telefonieren...

STIMME DES TODES ist für Zuschauer gedacht, die "Die Hand an der Wiege" (1992) gerade noch ertragen, sich aber niemals einen Schocker wie "Se7en" (1995) ansehen würden. Da er vornehmlich von weiblichen Befindlichkeiten erzählt, sind Frauen auch seine erklärte Zielgruppe. Dagegen ist nichts einzuwenden. Es gibt praktisch keine sichtbare Gewalt im gesamten Film, und die Konzentration auf die zwischenmenschlichen Konflikte entschädigt für ein paar spannungsmäßige Durchhänger.

7.5/10

Donnerstag, 16. August 2012

Der Tod kennt keine Wiederkehr (1973)

Der Fall ist abgeschlossen. Aber was ist mit der Katze?

Privatdetektiv Philip Marlowe (Elliott Gould) versucht gerade verzweifelt, seiner Katze Futter zu besorgen (die Mieze ist allerdings extrem wählerisch), als ein alter Freund vor der Tür steht und ihn bittet, ihn an die mexikanische Grenze zu fahren. Kurz darauf bekommt Marlowe von allen Seiten Ärger. Wie sich herausstellt, steht sein Freund unter Mordverdacht und hat sich mit dem gestohlenen Geld eines Gangsters (Mark Rydell) aus dem Staub gemacht. Als Marlowe von einer schönen Blondine (Nina van Pallandt) den Auftrag erhält, deren verschwundenen Ehemann (Sterling Hayden) zu suchen, ahnt Marlowe nicht, dass die Fälle zusammenhängen und er bald in der Schusslinie aller Beteiligten steht...

Robert Altman inszenierte die Raymond Chandler-Verfilmung DER TOD KENNT KEINE WIEDERKEHR (The Long Goodbye) als modernen Film Noir, mit Elliott Gould in der Rolle des berühmten Privatdetektivs Philip Marlowe. Die freizügigen Änderungen, die Altman und sein Drehbuchautor Leigh Brackett (Autor des klassischen Noir "Tote schlafen fest", 1946) an der Vorlage vornahmen, und die selbstreflexive Ironie, mit der er das Genre und seine Klischees betrachtet, führten dazu, dass sein Film bei Publikum und Kritik geradezu feindselig aufgenommen wurde und schnell aus den Kinos verschwand. Auch eine Wiederaufführung, in der man den Film nicht mehr als Krimi, sondern als Arthouse verkaufte, funktionierte nicht. Er ist bis heute nicht sonderlich beliebt. Dabei handelt es sich hier um einen der unterhaltsamsten Altmans und einen der besten Neo Noirs überhaupt.

Es sind vor allem die Bilder von Kameramann Vilmos Zsigmond und die Darstellung von Elliott Gould, die im Gedächtnis bleiben. Gould spielt den Marlowe als wandelnden Anachronismus. Sein klassisches Outfit ( er legt nie seine Krawatte ab) und das Kettenrauchen gehören eindeutig in die Filme der 40er, sein ständiges Gebrabbel mit sich selbst und der skurrile Humor dagegen würde man nicht bei Humphrey Bogart finden, der sich wahrscheinlich einen Dreck darum scheren würde, was seine Katze zu essen bekommt. Nach seiner Verhaftung sitzt er auf dem Polizeirevier und sagt: "Ist das die Stelle, an der ich frage, warum Sie mich das fragen, und Sie dann sagen: Schnauze, ich stelle hier die Fragen?". Das ist nur ein Beispiel, wie Altman die Konventionen des Genres ständig auf die Schippe nimmt, um ihnen dann trotzdem zu folgen. Dazu gehören auch die für Altman typisch improvisierten Dialoge und das Überlappen von Texten. In einer Nebenrolle spielt Sterling Hayden, Veteran vieler großer Noirs wie "The Killing" (1956), einen versoffenen Schriftsteller als Hemingway-Parodie, und Regisseur Mark Rydell gibt einen originellen Gangster ab, der eine Cola-Flasche im Gesicht seiner Geliebten zerschmettert, um Marlowe zu zeigen, dass mit ihm nicht zu Spaßen ist.

"The Long Goodbye" lautet nicht nur der Originaltitel, sondern auch der schmachtende Song, der für den Film komponiert wurde, und Altman hat eine diebische Freude daran, ihn an jeder passenden und unpassenden Stelle einzuspielen - aus dem Autoradio, als Fahrstuhlmusik oder im Supermarkt. Marlowe wird von dieser Melodie geradezu verfolgt. Der Plot selbst ist raffiniert konstruiert, doch Altman selbst sagte , dass er den Zuschauer dahin bekommen wolle, mehr über das Schicksal von Marlowes Katze nachzugrübeln als über die verbrecherischen Machenschaften seiner Charaktere. Kein Wunder, dass die Puristen da die Nase rümpfen. Wer aber offen genug ist, eine Dekonstruktion des Genres zu akzeptieren, wird viele der klassischen Stilmittel wiedererkennen.
Altmans radikaler Umgang mit den Konventionen ist so viel intelligenter (und komischer) als die bloße Rekreation der Noir-Posen, wie sie etwa in Filmen wie De Palmas "Black Dahlia" (2006) stattfindet, wo alle Figuren mit Zigarettenspitzen umherlaufen, doppeldeutige Bemerkungen machen und unentwegt Schatten durch Jalousien fallen. Das ist leider todlangweilig und bietet nichts anderes als einen "Ich hab's verstanden"-Effekt. Altman gelingt hingegen ein ebenso eigenständiges wie eigenwilliges Filmerlebnis mit persönlichem Stempel.

In der besten Sequenz rennt Marlowe nachts durch die Straßen Hollywoods, um seine Auftraggeberin einzuholen, die mit dem Wagen die Stadt verlassen will. Die Lösung des Falles liegt direkt vor seiner Nase, die Femme Fatale aber bleibt unerreichbar. Mehr Noir geht gar nicht.

09/10

Mittwoch, 15. August 2012

Party des Grauens (1976)

Es sollte ein entspanntes, romantisches Wochenende auf dem Lande werden, das der Zahnarzt Harry (Chuck Shamanta) mit seiner neuen Flamme, dem Model Diane (Brenda Vaccaro) verbringen will. Unterwegs zum Landhaus legen die beiden sich aber mit einer Gang verbrecherischer Hinterwäldler an, die kurz darauf in dem einsamen Haus auftauchen, die Einrichtung zerstören und das Paar demütigen. Das Psychospiel endet in roher Gewalt, und Diane muss alleine gegen die Eindringlinge um ihr Leben kämpfen...

Der kanadische Thriller PARTY DES GRAUENS (Death Weekend) gehört zum Genre des 'Rape 'n Revenge'-Movies, das gern an niedere Selbstjustiz-Instinkte des Publikums appelliert und durch John Boormans "Beim Sterben ist jeder der Erste" (1972) ins Leben gerufen wurde, der zahlreiche Nachahmer fand, die sich mit immer grimmigeren und nihilistischeren Einfällen gegenseitig übertrafen. Die 'Rape 'n Revenge'-Movies erzählen stets vom Kampf der Kulturen und Klassen. Meistens sind es wohlerzogene Großstädter, die von zahnlosen, grobschlächtigen Hinterwäldlern attackiert werden und am Ende zu ebenso grausamen Bestien werden müssen, um die Angreifer zur Hölle zu schicken. Das Genre entstand in einer Zeit, als man jedes Vertrauen in den Staat und dessen Ordnungshüter verloren hatte. Jeder für sich selbst, lautet die Botschaft dieser Filme, und natürlich das allseits beliebte "Ein Auge für ein Auge". Als Zuschauer wird man stets dahingehend manipuliert, die Selbstjustiz als einzig richtiges Mittel zu akzeptieren und nach dem blutigen Tod der 'Bösen' zu lechzen. Je besser die Filme funktionieren, umso schwerer fällt es, sich gegen diese Manipulation zur Wehr zu setzen, die bei genauer Betrachtung auf einem kindischen Prinzip beruht: Die haben aber angefangen!

PARTY DES GRAUENS sackt dabei nie in die Niederungen des Sleaze ab und versucht, eine einigermaßen spannende Geschichte zu erzählen, verzichtet auch auf allzu drastische Gewaltakte. Sogar die Vergewaltigung, die zum Genre gehört wie die Fledermaus zum Vampirfilm, findet nicht wirklich statt (möglicherweise aber doch, der Film bleibt an einer entscheidenden Stelle ambivalent). Das ist alles recht löblich, doch sorgt es auch dafür, dass PARTY DES GRAUENS ein unscheinbarer Vertreter des Subgenres bleibt und über einen gewissen Geheimtipp-Status nie hinausgekommen ist. Um mit so einer schon mehrfach dagewesenen Story noch für Aufsehen zu sorgen, muss man schon das Gewaltlevel hochschrauben oder insgesamt drastischer daherkommen, wie Meir Zarchis "Ich spucke auf dein Grab", 1976 oder Wes Cravens "The Last House on the Left", 1974), an dessen Erfolg sich PARTY DES GRAUENS anhängen wollte, indem man ihm den Alternativtitel "The House by the Lake" verpasste, was aber auch nicht half.

Das ist schade, weil PARTY DES GRAUENS Vorzüge hat, die Cravens und Zarchis Werke nicht vorweisen können, zum Beispiel gute Schauspieler. In der Hauptrolle zeigt Brenda Vaccaro eine wie immer fabelhafte Leistung. Nicht nur spielt sie die einzig sympathische und menschliche Figur im gesamten Film, sie weigert sich auch konsequent, Rollenklischees zu bedienen. Ihre Diane ist erwachsen, selbstsicher, intelligent, kann mit Autos und Maschinen umgehen, verlässt sich nie darauf, dass ein Mann sie rettet und protestiert erfolgreich gegen das schmierige Verhalten ihres Begleiters, der glaubt, eine Einladung zum Wochenende würde auf jeden Fall mit Sex belohnt werden. "Get Out of my Way!" sind ihre letzten Worte im Film, bevor sie den letzten der Übeltäter zur Strecke bringt. Dieser Frau sollte man lieber nicht in die Quere kommen, bzw. sie mit Respekt und Höflichkeit behandeln.

Interessant ist dabei, dass sie nicht - wie in ähnlichen Filmen - die Übergriffe der Gang durch allzu 'weibliches' Verhalten auslöst, wie es z.B. Camille Keaton in "Ich spucke auf dein Grab" tut, indem sie in einem durchsichtigen Rock vor den Hillbillies herumstolziert, was diese als Einladung missverstehen (das ist die schiefe Moral der Hinterwäldler-Figuren, nicht die des Films oder gar meine!), sondern durch eine - im verstaubten Sinne - 'männliche' Handlung, indem sie sich gleich zu Beginn mit der Gang ein Autorennen liefert, dieses auch noch gewinnt und die Widersacher samt Wagen in den Fluss befördert. Dass ihr Wagen auch noch teurer ist, ruft zusätzliche Minderwertigkeitsgefühle hervor.
Mit ihrem Verhalten stößt Diane aber nicht nur bei den Verbrechern auf Widerstand, sondern auch bei ihrem lächerlichen Zahnarzt, der seine Begleiterin heimlich in der Dusche fotografiert und protzig sein Motorboot vorführt - offensichtlich in der festen Überzeugung, dass Frauen sich bei der Aussicht auf ein bisschen Luxus umgehend an die Wäsche gehen lassen. Dass er Diane überhaupt nur unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Wochenende locken kann (sie dachte, es gäbe eine Party, während Harry nur Zweisamkeit im Sinn hatte), stellt ihm ein erbärmliches Zeugnis aus. Weitere Männerfiguren: ein Ordnungshüter, der mit Leichtigkeit von der Gang ins Krankenhaus befördert wird, und zwei versoffene, debile Tankstellenbesitzer. So sieht die Männerwelt in PARTY DES GRAUENS aus. Kein Wunder, dass die moderne Diane am Ende als einzige überlebt.

PARTY DES GRAUENS wurde von Ivan Reitman produziert, der auch für die Erstlingswerke David Cronenbergs verantwortlich war, und es gibt, was z.B. Kamera und Musik angeht, Ähnlichkeiten zu "Shivers" (1975) und "Rabid" (1977). Die Atmosphäre ist in diesen Filmen extrem freudlos und grau, das Ambiente trotz Luxusvilla trist, das Wetter mies (der Herbst ist hier nicht bunt, sondern kalt und schlammig). Nicht nur deswegen macht PARTY DES GRAUENS nie wirklich Spaß und hinterlässt einen bitteren, trüben Nachgeschmack.

07/10


Montag, 13. August 2012

Wenn der Klempner kommt (1979)

Einen guten Handwerker zu bekommen, kann schwierig sein. Was aber, wenn man ihn nicht mehr los wird?

Peter Weirs WENN DER KLEMPNER KOMMT (The Plumber) ist eine Mischung aus Horrorfilm und Satire und wurde fürs australische Fernsehen gedreht, kam aber nach dem internationalen Erfolg von Weirs "Picknick am Valentinstag" (1975) auch in die Kinos. Sein Film ist im Grunde ein Dreipersonenstück mit ebenso origineller wie unheimlicher Ausgangssituation: Unverhofft und unbestellt steht eines Tages der Klempner Max (Ivor Kants) vor der Tür des Ehepaares Jill (Judy Morris) und Brian (Robert Coleby). Angeblich gibt es in dem hypermodernen, gesichtslosen Apartmentkomplex Probleme mit den Rohren, auch wenn diese niemand bemerkt hat. Der Klempner macht sich gleich an die Arbeit. Dabei dringt er in das Privatleben der Bewohner ein und verwandelt das Badezimmer in eine Baustelle, die immer alptraumhaftere Züge annimmt. Brian ignoriert die Warnungen Jills, der Klempner sei verrückt und müsse endlich verschwinden, bevor er ihre gesamte Wohnung zerlegt oder ihr etwas antut. Zwischen Jill und dem Klempner entwickelt sich ein immer drastischeres Psychospiel...

Klingt gut, oder? Ist es auch. WENN DER KLEMPNER KOMMT gehört zu den 'Was wäre wenn?'-Filmen und spielt seine brillante Idee von vorne bis hinten intelligent durch. Der Horror entsteht dabei vor allem durch die Nachvollziehbarkeit der Grundsituation. Wahrscheinlich findet jeder von uns es unangenehm, einen Fremden im Haus zu haben, der sich ausgerechnet auch noch im Badezimmer, unserem privatesten Raum, aufhält und dort wer weiß was anstellt. Die Auswüchse der seltsamen Klempnerarbeit, in deren Verlauf das Badezimmer sich in ein Labyrinth aus Rohren und Schutt verwandelt, nehmen immer bizarrere Formen an und sorgen neben der klaustrophobischen Spannung auch für bösartigen Humor, etwa wenn eine wichtige Dinnerparty des Paares im Chaos endet, als einer ihrer Gäste kurz auf die Toilette muss und sich dabei fast den Hals bricht.
Die Motivation des Klempners bleibt dabei ein Geheimnis, was das beklemmende Gefühl des Films noch verstärkt. Je weniger wir über die Gründe absurden Verhaltens wissen, umso weniger können wir etwas dagegen unternehmen (ein Hauptgrund, warum aktuelle Remakes erfolgreicher Horrorfilme wie "Nightmare o Elm Street" so schwach sind, weil sie alles erklären müssen, was vorher im Dunkeln blieb). Auch die schüchterne Jill ist von der Situation hoffnungslos überfordert. Anfangs verhält sie sich nett und wehrt sich nicht gegen die übergiffige Art des grobschlächtigen Klempners, später hat sie Schuldgefühle, weil sie zu viel von sich preisgegeben hat.

Hier zeigt sich, dass Peter Weir mehr als nur einen Psychothriller als Kammerspiel erzählen will, denn sein Film ist auch eine Studie über Klassenunterschiede und den schmalen Grat zwischen der Zivilisation und dem Gesetz des Dschungels, ein Clash der Kulturen, wie er ihn auch in "Valentinstag" und "Die letzte Flut" (1977) geschildert hat. Jill ist Anthropologin und schreibt an einer Arbeit über afrikanische Stämme. Ihre Wohnung steckt voller afrikanischer Kunst als Dekoration, über die sich der Klempner lustig macht (ebenso wie über den Haarausfall ihres Mannes, den er durch das Inspizieren des Badezimmers erkannt hat). Jills Mann Brian ist Professor und erforscht (verblüffend aktuell!) die negativen Folgen industriell gefertigter Nahrung auf den Konsumenten. Der Klempner war (angeblich) im Gefängnis, hält sich selbst für einen Rebell der Arbeiterklasse und macht dumme Witze über Vergewaltigung. Als liberale Intellektuelle steckt Jill sofort nach Ankunft des Klempners in der Zwickmühle. Verhält sie sich freundlich, überschreitet er sofort alle Grenzen der Intimsphäre, verhält sie sich abweisend, wird ihr das als Überheblichkeit ausgelegt ("Sie halten sich wohl für was Besseres!"). Die Gesetze der modernen Welt sind aber die gleichen wie im Dschungel. Wenn Jill schließlich eine hinterhältige Intrige spinnt, um den Klempner loszuwerden, verwandelt sie sich von der mausgrauen Professorengattin in eine verführerische Amazone und wird auf der Tonspur von Buschtrommeln begleitet.

Mit seinen knapp 75 Minuten Spielzeit hat WENN DER KLEMPNER KOMMT keine Längen, ist hervorragend gespielt und gehört zweifellos zu Peter Weirs besten Filmen. Er beweist furios, was wir alle schon wussten, nämlich dass für einen von Anfang bis Ende fesselnden Film keine Schnittfeuerwerke, Special Effects oder visuelle Sensationen (oder gar albernes 3-D) nötig sind. Es genügt schon, eine gute Idee zu haben und diese konsequent und scharfsinnig umzusetzen. Natürlich ist das die weitaus schwierige Art, Filme zu machen. Zu schade, dass Weir nach Hollywood ging und sich dort dem Mainstream unterordnete.

09/10


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