Dienstag, 30. Oktober 2012

Halloween-Special 2012: Fünfzehn unvergessliche Film-Psychopathen

 
Es muss ja nicht immer "Halloween" (1978) zu Halloween sein, um sich auf der Couch bei Popcorn und Kürbissuppe (für die ich ein wunderbares Rezept habe - wer es haben will, bitte melden) ordentlich zu gruseln. Die folgenden Damen und Herren sind durchaus in der Lage, einem die eine oder andere Gänsehaut zu bereiten, und das aus ganz unterschiedlichen Gründen…


1. NORMAN BATES (Psycho, 1960)
Die Mutter aller Film-Psychopathen ist selbst ein sanftes Muttersöhnchen, das Frauen beim Ausziehen ihrer schwarzen BHs beobachtet und sich dann in Mütterleins Fummel schmeißt, um das neue Küchenmesser auszuprobieren. Alles unter Hitchcocks Anleitung. Dabei kann der Norman eigentlich keiner Fliege etwas zuleide tun... Ausführliche Rezension hier.







2. MARK LEWIS (Peeping Tom, 1960)
Der britische (bzw. österreichische) Bruder von Norman Bates hat eher Probleme mit dem Vater, der grausame Experimente über die Angst mit ihm anstellte. Seitdem muss Mark Frauen töten und sie nicht nur dabei filmen, sondern sie dabei filmen, während sie ihren eigenen Tod mitansehen. Michael Powell ruinierte seine und die Karriere seines Hauptdarstellers Karlheinz Böhm mit diesem Meisterwerk des Schreckens, das seiner Zeit weit voraus war. Ausführliche Rezension hier.





3. HENRY (Henry - Portrait of a Serial Killer, 1986)
Der Henry von nebenan ist deshalb so abgründig, weil er an der Oberfläche so harmlos und bemitleidenswert wirkt. Er kann ein guter Kumpel und Saufkumpan sein, er kann auch zuhören, aber wenn es ihn packt, bleibt kein Kopf lange auf dem Hals. Schuld ist wieder mal die Mama, aber der quasi-dokumentarische Blick John McNaughtons auf seinen Antihelden ist weniger unterhaltsam als schwer auszuhalten - und genau deswegen so gut.






4. DR. ROBERT ELLIOTT (Dressed to Kill, 1980)
Sie sind verbunden mit der Praxis von Dr. Elliott, Sprechzeiten sind Mo-Fr 09:00 bis ca. Mitternacht, bei heftigem Gewitter auch länger. Der Herr Doktor ist gerade nicht im Büro, sondern jagt Frauen mittleren Alters durch Museen, U-Bahnen und Apartmenthäuser, bevor er sie im Fahrstuhl abschlachtet. Hinterlassen Sie eine Nachricht, aber bitte kein Rasiermesser. Und machen Sie ihm keine offensichtlichen Avancen, sonst bekommt er gleich Schaum vorm Mund und setzt die blonde Perücke auf.
Ausführliche Rezension hier.


 

5. JACK TORRANCE (Shining, 1980)
Er war schon immer der Hausmeister im Overlook Hotel, auch wenn er gerade erst neu angekommen ist. Der von Jack Nichsolson gespielte Jack Torrance ist eine Erfindung Stephen Kings, hat aber mit der Romanfigur nicht mehr viel zu tun. Stattdessen wird er von Kubrick meisterhaft in den Wahnsinn geführt, mit Whisky, Axt und Eierlikör. Was du heute kannst besorgen...
Ausführliche Rezension hier.


 


6. TRAVIS BICKLE (Taxi Driver, 1976)
Gottes einsamster Mann ist auch Gottes unglücklichster Mann. Die reizende Blondine im weißen Kleid will nicht ins Porno-Kino mitgehen, und die junge Dirne vom Babystrich will sich nicht bekehren lassen. Ob die Welt einen armen Teufel mehr anerkennt, wenn man ein Blutbad anrichtet, aus guten Gründen natürlich? Da muss man schon unter Realitätsverlust leiden. Einen Versuch ist es aber wert.  Rezension hier.






7. ROBERT RUSK (Frenzy, 1972)
Essen, Sex und Tod waren Hitchcocks Lieblingsthemen, und zu allem gibt es sein kulinarisches Spätwerk, in dem Inspektoren von ihren Ehefrauen mit Nouvelle Quisine gefoltert und Frauen vom Gemüsefachverkäufer Robert Rusk nach erfolgter Vergewaltigung auf dem Bürostuhl mit der Krawatte erdrosselt werden. Die Themse ist seitdem etwas verunreinigt, und auch aus dem Kartoffelsack ploppt mal ein nackter Fuß. Aber such' bloß schnell das Weite, wenn du a) sein Kumpel oder b) "sein Typ" bist...
Ausführliche Rezension hier.




8. BABY JANE HUDSON (Was geschah wirklich mit Baby Jane, 1961)
Der alternde Kinderstar Baby Jane arbeitet hart an einem Comeback, das außer ihr niemand braucht. In ihrer Freizeit serviert sie der Schwester tote Kanarienvögel und Ratten, wenn sie gerade nicht das Hausmädchen mit dem Hammer erschlägt. Die besten Darstellungen sind immer nahe an der Parodie. Bette Davis hat die Größe, die Parodie gleich mitzuliefern, in Robert Aldrichs groteskem Meisterstück.
Ausführliche Rezension hier.






9. FRANK BOOTH (Blue Velvet, 1986)
Der sympathische Frank Booth gebraucht die Gossensprache, als würde sie morgen verboten werden, säbelt dem Mann von Isabella Rossellini ein Ohr ab und geilt sich gern mit Sauerstoffmasken auf, bevor er um sich ballert. Auch Lippenstifte sind kein Fremdwort für ihn. Um den sollte man lieber einen Bogen machen, sonst endet man im gelben Anzug, und das Gehirn tropft einem aus dem Kopfloch. Kein schöner Anblick. The Candy-Coloured Clown They Call the Sandman...
Ausführliche Rezension hier. 





10. DR. HANNIBAL LECTER (Das Schweigen der Lämmer, 1991)
Ein Psychiater, der seine Patienten von innen und außen kennt, ein Gourmet mit Vorliebe für Fava-Bohnen und Chianti, ein Lebemann, der Handcremes durch Panzerglas erschnuppern kann, ein Bonvivant, der wegen einer dringenden Essensverabrdeung auch mal ein Rendezvous mit Jodie Foster sausen lässt. Das alles und noch viel mehr ist Dr. Hannibal Lecter, der hier noch mit einem 'E' geschrieben wird. In den Fortsetzungen wurde ein 'O' daraus, die Filme wurden aber nie besser als dieser.
Ausführliche Rezension hier.




11. JERRY BLAKE (The Stepfather, 1987)
Wer von der heilen amerikanischen Familie träumt, der muss ja verrückt sein. Für den war Reagan mit seinen Familienwerten auch der beste Präsident aller Zeiten. Da kann man nur herzlich zum Sockenschuss gratulieren, und ab mit ihm in die Klapsmühle. Terry O'Quinn spielt diesen Psycho in einem der sträflich vernachlässigsten Horror-Thriller aller Zeiten. Seine beste Zeile: "Wer war ich nochmal hier?"
Ausführliche Rezension hier.





12. ANNIE WILKES (Misery, 1990)
Die Frau mit der Sau im Haus hat im wahrsten Sinne einen Hammer. Den benutzt sie vorwiegend, um erfolgreiche Bestseller-Autoren zu verkrüppeln, die es wagen, ihr ein Happy End vorzuenthalten. Das hat man davon, wenn man Schundromane schreibt und glaubt, die Fans wären harmlose Doofis. Das sind Psychopathen, Frau Pilcher! Also hübsch aufgepasst beim nächsten Winter-Ausflug...  Ausführliche Rezension hier.





13. RUPERT PUPKIN (The King of Comedy, 1982)
Lieber ein König für eine Nacht als ein Bettler sein Leben lang. Das findet zumindest der Mann mit dem unaussprechlichen Kürbisnamen, der wieder von Robert De Niro gespielt wird. Zuschauer und Kritiker meinten, der Film wäre eine Komödie. Falsch gedacht. Das hier ist Horror-Kino vom Feinsten, und unser Rupert einer der furchteinflößendsten Irren aller Zeiten. Muss man ja sein, wenn die einzige Freundin Sandra Bernhard heißt...
Ausführliche Rezension hier.





14. MRS. VORHEES (Freitag der 13., 1980)
Im Camp Crystal Lake, Teil 1 ist es eben nicht der psychopathische Sohn Jason mit der Hockeymaske, sondern dessen Übermutter selbst, die da mit Pfeil, Bogen, Machete und Jagdmesser auf die Teenager losgeht. Allein der Pullover ist schon zum Fürchten, und wer hätte das von der liebenswerten Betsy Palmer gedacht, dass die so böse sein kann? Rezension hier.






15. CAROL (Ekel, 1962)
Die junge Französin ohne Nachnamen lebt in London, arbeitet in einem Kosmetiksalon für nervige Matronen und ist sexuell etwas verklemmt. Rasiermesser mag sie gar nicht im Badezimmer haben, dafür steckt sie sich gehäutete Kaninchen in die Handtasche und sieht die Wände näher rücken. Als Vermieter sollte man nie persönlich erscheinen, um die Miete zu kassieren, sondern lieber einen ausgewählten Erzfeind hinschicken, den man auf diese Art und Weise schnell los wird.
Ausführliche Rezension hier.






Und eine spezielle Erwähnung erhält:


JOAN CRAWFORD (Meine liebe Rabenmutter, 1980)
Zu den typischen Pflichten eines Hollywoodstars gehört das Schreiben von Autogrammen, Sport, frühes Aufstehen und gelegentlich ein guter Schluck. Wenn dann noch Zeit bleibt, kann man sein Heim verschönern, in dem man die Rosenbeete mit der Heckenschere verwüstet, das Haus mit Scheuerpulver zuschüttet und die Adoptivkinder mit Drahtbügeln verdrischt.Wenn die Bälger dann noch aufmucken, werden sie einfach enterbt. Gespielt wird die Diva von Faye-"Ich kann noch drei Schippen drauflegen"- Dunaway.
Jubel-Rezension hier.





Paint it Black (1989)

Ende der 80er erschien dieser Hitchcock'sche Thriller als Premiere auf Video und hat leider bis heute keine deutsche DVD-Veröffentlichung erfahren. Regisseur Tim Hunter, der zuvor mit dem Jugenddrama "Das Messer am Ufer" (1986) aufgefallen war, inszenierte diese düstere Mär mit deutlichen Bezügen zum Meister des Thrillers.

Der Inhalt: Der mittellose Bildhauer Jonathan Dunbar (Rick Rossovich) kümmert sich nachts um den Verletzten Eric (Doug Savant), einen reichen, jungen Neurotiker, der mit seiner Mutter zusammenlebt und bald eine obsessive Fixierung auf Dunbar entwickelt, dessen Kunst er bewundert. Fortan folgt er ihm wie ein unheimlicher Schatten und beseitigt alle, die Dunbars Erfolg im Weg stehen oder ihn korrumpieren wollen - wie eine betrügerische Galeristin (Sally Kirkland), mit der Dunbar ein Verhältnis hat. Dabei gerät jedoch Dunbar selbst unter Mordverdacht...

Tim Hunter ist ein ausgewiesener Hitchcock-Experte, der Uni-Vorlesungen zum Thema gehalten hat. Und so finden sich in PAINT IT BLACK (Paint it Black) zahlreiche Anspielungen, wobei der Hauptplot um die schicksalhafte Begegnung zweier Männer - der eine sympathisch-dumm, der andere ein Psychopath -  direkt aus Hitchcocks Patricia Highsmith-Verfilmung "Der Fremde im Zug" (1951) entliehen ist. Die ist natürlich um Klassen besser, denn PAINT IT BLACK kommt schon wegen des schmalen Budgets nie über ein TV Movie hinaus. Man sollte also kein Thriller-Highlight erwarten. Trotzdem kann der Film spannend unterhalten, hat ein paar Dinge über die Ausbeutung von Künstlern und die Tragik, dass diejenigen die sich Kunst leisten können, oft die sind, die von Kunst gerade keine Ahnung haben, zu sagen, und er ist gut besetzt.
In der Hauptrolle bleibt Rick Rossovich zwar blass (was an seiner passiven Opfer-Rolle liegt, die ebenfalls mit dem "Fremden im Zug" korrespondiert, wo Farley Granger dem faszinierend bösen Robert Walker nichts entgegen zu setzen hatte), dafür steht ihm der Schweißbrenner gut, und er darf sich mehrfach aus dem Overall schälen und mit Erotik-Ikone Sally Kirkland in die Laken steigen. Doug Savant war Ensemblemitglied in der TV-Soap 'Melrose Place' (jüngere Zuschauer dürften ihn eher aus "Desperate Housewives' kennen), hat aber in "Masquerade" (1988) gezeigt, dass er den Bösewicht spielen kann und liefert auch hier als verklemmter Nerd mit mörderischem Trieb eine gute Darbietung.
Für den Love-Interest ist Julie Carmen zuständig, die Rossovich in bester Rosamunde-Pilcher-Manier kennen lernt, indem sie seinen Wagen 'zufällig' rammt und sich dann 'zufällig' als Tochter eines einflussreichen Galeristen entpuppt. Wie praktisch. Den Vater spielt der großartige Martin Landau.

Leider wird das interessanteste Thema des Films - die homoerotischen Implikationen der Geschichte um die besessene Liebe eines Muttersöhnchens zu dem kernigen Künstler - so unterspielt, dass man es nicht mal mehr subtil nennen kann. Schade, denn damit hätte PAINT IT BLACK sich aus dem Wust von Videopremieren abheben können. Was bleibt, sind ein paar hübsch makabere Mordszenen, die ihn über den Durchschnitt heben, und ein absurdes Finale, das an "Der unsichtbare Dritte" (1959) erinnern soll, das aber aufgrund grottenschlechter Tricks so gar nicht überzeugt.

Fazit: eine nette, kleine Hitchcock-Hommage für zwischendurch, die man weißgott nicht gesehen haben muss, an die ich mich aber noch gerne zurück erinnere - wahrscheinlich, weil ich Rick Rossovich in meiner Jugend extrem heiß fand, und weil ich Geschichten von abgründigen Männerbeziehungen mag. Sind ja auch selten genug im Mainstream. 

06/10

Samstag, 27. Oktober 2012

Das Geheimnis der weißen Nonne (1966)

Für den 27. Edgar Wallace-Film gründete die Rialto eine Londoner Tochtergesellschaft, weswegen DAS GEHEIMNIS DER WEISSEN NONNE als deutsch-britische Co-Produktion (wie zuvor schon "Das Verrätertor" von 1964) etwas aus der Reihe herausfällt. So muss man auf den gewohnten "Hallo, hier spricht Edgar Wallace"-Vorspann verzichten und bekommt dafür ein höchst lahmes Titeldesign vorgesetzt, was nur durch Peter Thomas' Musik aufgepeppt wird. Dafür gibt es viele Originalschauplätze und international renommierte Darsteller zu bewundern.

Worum geht es? In London findet ein groß angelegter Bankraub statt, bei dem Goldbarren aus einem Panzerschrank erbeutet werden sollen. Die Drahtzieher finden sich in einer hochwohlgeborenen Familie, die ihren Landsitz an einen Nonnenorden vermietet haben. Gleichzeitig ermordet ein maskierter Killer abtrünnige Mitwisser und herumschnüffelnde Scotland Yard-Beamte. Die werden dann in der Badewanne oder im Taufbecken ertränkt. Inspektor Cooper-Smith (Stewart Granger) übernimmt den Fall und kriegt fortan jede Menge Mobiliar über den Schädel...

Das Gute zuerst: DAS GEHEIMNIS DER WEISSEN NONNE ist eine teure Produktion, und das sieht man auch. Regisseur Cyril Frankel inszeniert diesen Krimi in bester "Avengers" ("Mit Schirm, Charme und Melone")-Tradition, was sich sowohl an den ausgefallenen Sets, der schrägen Farbgebung und den ausgefallenen Kameraperspektiven zeigt. Die gab es auch zuvor unter Vohrer und Reinl, aber hier wirken sie eine Klasse besser und weniger aufdringlich. Da der Film komplett in England hergestellt wurde, braucht es diesmal keine getürkten Wohnzimmer mit Wildgeweihen an der Wand oder unheimliche Butler, die aus dem Uhrschrank springen, während Big Ben Mitternacht schlägt, um eine authentische Atmosphäre zu erzeugen. Überhaupt hält sich der Film mit Humor sehr zurück, was einerseits eine hübsche Abwechslung ist, andererseits wünscht man sich gelegentlich schon eine Auflockerung, die über harmloses Geplänkel des Inspektors mit der hübschen Rezeptionistin (Sophie Hardy) hinausgeht.

Dabei steht doch Eddi Arent wie so oft zur Verfügung. Zum letzten Mal übrigens, und nachdem er zuvor schon einen mordenden Mönch und einen Bordellbesitzer spielen durfte, wird er hier als abgebrühter Safeknacker-Spezialist eingeflogen, um den Tresor zu sprengen und dann formvollendet von den fiesen Nonnen abserviert zu werden. Arent spielt seinen Part sehr ernst und überzeugend, aber irgendwie möchte man ihn doch lieber blödeln sehen. Die spezielle Superwaffe, mit der er den Safe beschießt, erinnert eher an die Ausstattung des Raumschiffs Orion, und Arent trägt zum Schutz einen knallgelben Metall-Anzug, in dem er wie Klaatus Roboter Gort aus "Der Tag, an dem die Erde stillstand" (1951) aussieht. Wenn der Humor nicht freiwillig kommt, dann eben unfreiwillig.

Der Bankraub selbst ist aber spannend und intelligent in Szene gesetzt. Er findet weitgehend ohne Dialog statt und bietet ausgedehnten Suspense. Ein weiteres Highlight ist der überraschend brutale Zweikampf, den sich Stewart Granger mit einem vierschrötigen Handlanger gegen Ende liefert, und der mit Handkamera gefilmt ist, was im Rahmen der Reihe absolut ungewöhnlich ist.

Von den Darstellern zeigt Brigitte Horney als böse Obernonne die beste Darstellung. Stewart Granger langweilt sich ein wenig in seiner uninteressanten Ermittler-Rolle, in der er außer besagtem Faustkampf lediglich seinen Hut in der Hand herumdrehen und öde Fragen stellen muss. Schön ist das Wiedersehen mit Cathleen Nesbitt ("Familiengrab", 1976) und Robert Morley, die allerdings beide etwas verschenkt werden. Fürs Overacting ist diesmal Sophie Hardy als notgeile Hotelangestellte zuständig, die ihren Sexappeal stets für den dritten und vierten Rang mitspielt. Sogar, wenn sie sich allein in ihrem Zimmer entkleidet, benimmt sie sich, als würde sie vor einem johlenden Herrenpublikum im Stripclub agieren. Warum sie aber im Schlüpfer in die Badewanne steigt, das bleibt ihr süßes Geheimnis - oder das der Zensoren. Wenn sie später vom Killer verfolgt wird, steckt sie vor Panik die Hand in den Mund - eine sehr kluge Schauspielerentscheidung.
Als Sir John vom Yard ist erneut Siegfried Schürenberg zu sehen, dessen Szenen für die britische Version mit dem populären Schauspieler James Robertson Justice nachgedreht wurden - das ist der herrlich bärbeißige Griesgram, der sich in "16 Uhr 50 ab Paddington" (1961) in Miss Marple verknallt.

DAS GEHEIMNIS DER WEISSEN NONNE ist ein unterhaltsamer, solider Beitrag der Reihe, der mit einigen Glanzpunkten aufwarten kann, aber letztlich zwischen allen Stühlen sitzt. Für ein Caper-Movie konzentriert er sich nicht genug auf den Raub, für einen Psycho-Thriller ist der maskierte Mörder trotz "Psycho"-Auflösung viel zu nebensächlich, und für einen 'echten' Wallace (obwohl er einer ist) fehlen einfach die Trash-Elemente und die gewohnten Gesichter. Dafür gibt es den ersten nackten Busen der Reihe. Naja...

07/10

Freitag, 26. Oktober 2012

Der unheimliche Mönch (1965)

Auf Schloss Blackwood, in dem ein Mädchenpensionat beherbergt wird, geht ein - Sie ahnen es - unheimlicher Mönch um, der sowohl junge Damen als auch Herren mittleren Alters mit der Peitsche ermordet. Gleichzeitig soll die Millionenerbin Gwendolin (Karin Dor) von ihrer feinen Verwandtschaft - darunter Ilse Steppat, Siegfried Lowitz und Dieter Eppler - um ihre Erbschaft gebracht werden, während die jungen Schulinsassinnen der Reihe nach entführt werden, um sie nach Südamerika zu verschiffen. Hängen diese Handlungsstränge etwa zusammen?

Natürlich tun sie das, denn sonst wäre DER UNHEIMLICHE MÖNCH kein 'echter' Wallace. Dieser 24. Film der Reihe stellt in verschiedener Hinsicht einen Wendepunkt dar. Er war der letzte Beitrag, der in Schwarzweiß gedreht wurde (und kann schon mit einem wunderbar knalligen Farb-Vorspann begeistern), und er sollte der letzte Film sein, in dem die bekannten Wallace-Gesichter Lowitz, Eppler und Dor zu sehen sein würden. Karin Dors Ehemann Harald Reinl übernahm hier die Regie, und auch für ihn war es der Abschiedsfilm der Wallace-Reihe. Eddi Arent darf in DER UNHEIMLICHE MÖNCH nur noch sehr zurückhaltend blödeln, weil seine Figur eine unerwartete Wendung erhält, die es so zuvor nicht in der Geschichte der Wallace-Produktionen gab. Seinen Slapstick-Part sollten ab sofort andere Kollegen wie Uwe Friedrichsen oder Stefan Behrens übernehmen, die ihm nicht das Wasser reichen konnten.

So gibt DER UNHEIMLICHE MÖNCH noch einmal alles, was die Schwarzweiß-Phase so unverwechselbar gemacht hat: nebelverhangene Wälder, unheimliche Gemäuer, einen Mörder im Kapuzenkostüm, blutjunge Mädels in Unterwäsche, sowie den coolen Ermittler (heute mal Harald Leipnitz) mit einem Handy der ersten Generation von der Größe eines Kleinwagens und angeschlossenem Trottel-Chef, welcher wie so oft von Siegfried Schürenberg verkörpert wird. Karin Dor gehörte stets zu den schönsten und sanftmütigsten Wallace-Heldinnen, und so schade es auch ist, dass sie sich auch im UNHEIMLICHEN MÖNCH stets von Männern retten lassen muss und nie selbst agieren darf, ist sie doch eine Augenweide und eine tolle Schauspielerin. Ihre böse Seite durfte sie kurz darauf mit rot gefärbten Haaren im James Bond-Spektakel "Man lebt nur zweimal" (1967) rauslassen, wo sie vom Erzschurken Blofeld zu Piranha-Futter verarbeitet wird. Mit Ilse Steppat als Schlossherrin befinden sich hier gleich zwei zukünftige Bond-Girls ('Girls' im weitesten Sinne) im Film. Mit interessanten Frauenrollen hat es die Wallace-Reihe ohnehin nicht so. Die weiblichen Charaktere interessieren sich allesamt nur für Lippenstifte, Kleider und ihren Friseur. Würde der Film heute gemacht, kämen sicher noch Schuhe dazu.

Harald Reinl setzt bei seiner Inszenierung auf Tempo und kann die Spannung über die meiste Zeit halten. Die Auftritte des Mönchs sind ein bisschen zu kurz geraten, um richtige Gruselstimmung aufkommen zu lassen, und man stellt wieder fest, dass es in den Wallace-Filmen nur selten bis gar keine Stille gibt, die für eine solche Schauer-Atrmosphäre nötig wäre. Es wird immer geredet, gekreischt oder geballert. Den Preis fürs heftigste Overacting sackt Hartmut Reck als irrer Sohn von Mylady Steppat ein, der beim Anblick von Karin Dor umgehend Schaum vorm Mund bekommt und sie am liebsten gleich vergewaltigen möchte... "wie damals". Die gestörte Mutter/Sohn-Beziehung von Steppat und Reck stammt aus dem "indischen Tuch" (1963) und natürlich von Hitchcock. Aus dessen Oeuvre wurden auch die Szenen um eine geheimnisvolle Windmühle, in der die Gangster ihr Unwesen treiben, übernommen, und natürlich die (naive) psychologische Schlusserklärung für den Wahnsinn des unheimlichen Kutten-Killers.

Auch die absurden Einfälle dürfen nicht fehlen. Dazu gehören ein Polizeihubschrauber, der eine Brieftaube verfolgt (!) und eine Wasserpistole, die mit Schwefelsäure (!!) geladen ist. Was für ein tolles Weihnachtsgeschenk für Kinder! Warum am Ende Leipnitz und Dor heiraten, die gerade mal drei Sätze im Film miteinander gewechselt haben, das weiß man auch nicht so recht, macht sich aber immer gut. Und ja, unter den Kleindarstellerinnen des Pensionats befinden sich unsere Uschi Glas (mit fremder Stimme), die bald größere Rollen bei Wallace spielen sollte, sowie Dunja Rajter, die Schlagersängerin mit der tiefen Jammerstimme, die Älteren von uns noch in Erinnerung sein dürfte. Beide werden beim Shopping in London entführt, um sie in die weiße Sklaverei zu verscherbeln, was von Inspektor Leipnitz verhindert wird - leider, möchte man fast sagen.

Zu einem 'Best of' der Reihe fehlt eigentlich nur Joachim Fuchsberger, aber auch so gehört DER UNHEIMLICHE MÖNCH zu den unterhaltsamsten und spannendsten Beiträgen der Reihe. Die folgenden Farbfilme orientierten sich übrigens stark an diesem letztem Film der frühen Ära und sollten schamlos sämtliche Plot-Elemente bis zum Erbrechen wiederkäuen.

08/10

Sonntag, 14. Oktober 2012

From Beyond (1986)

Mit so ziemlich demselben Team und den Darstellern seines Überraschungshits "Re-Animator" (1985) inszenierte Stuart Gordon gleich im Anschluss FROM BEYOND - ALIENS DES GRAUENS (From Beyond), der erneut auf einer Kurzgeschichte H. P. Lovcecrafts basiert. Zwar konnte der Nachfolger nicht an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen, dennoch ist Gordon ein weiterer eigenwilliger, höchst unterhaltsamer Beitrag zum Thema Body Horror gelungen.

Aliens sind unentwegt unter uns. Das sollte eigentlich niemanden überraschen. Wer wie ich in Berlin lebt, sieht die schon, wenn er das Haus verlässt. In FROM BEYOND aber entwickelt der Wissenschaftler Dr. Pretorius (Ted Sorel) mit seinem Assistenten Tillinghast (Jeffrey Combs) den sogenannten 'Resonator' (nicht zu verwechseln mit dem 'Flux-Kompensator', das war ein anderer Film), der die Zirbeldrüse anregen soll, mit dem er aber in der Lage ist, die fremden Kreaturen wahrzunehmen, die uns täglich umgeben. Leider versuchen diese Geschöpfe, die Wissenschaftler in ihre Welt zu ziehen, was ihnen bei Dr. Pretorius auch gelingt. Er kehrt zurück als scheußlich-schleimiges Monster. Die neugierige Ärztin Dr. Katharine McMichaels (Barbara Crampton), die sich um Tillinghast kümmert, will das teuflische Experiment unterdessen wiederholen...

Weird Science lautet der Titel einer John Hughes-Komödie aus den 80ern, aber der würde auch gut zu FROM BEYOND passen. Stuart Gordon entwickelt sich hier endgültig zum Lovecraft-Spezialisten. Lovecrafts Werke sind schwierig für die Leinwand zu adaptieren, wofür es genügend gescheiterte Beweise gibt, doch Gordon gelingt es zum zweiten Mal nach "Re-Animator", den Geist der Vorlage wiederzugeben, auch wenn er sie lediglich als Absprung für ein alptraumhaftes Monster- und Kreaturen-Spektakel verwendet. Als Filmemacher bleibt er dabei immer eigenständig, trotz einiger Anspielungen auf Klassiker wie "Frankensteins Braut" (1935), von dem er sich den Namen Pretorius für seinen eigenen Mad Scientist borgt. Der Frankenstein-Mythos, den Gordon schon in "Re-Animator" beschwor, lebt auch in FROM BEYOND weiter.

Horror-Fans dürfen sich vor allem an den teils unglaublichen Effekten und an der Besetzung erfreuen. Jeffrey Combs, der ein unvergesslicher Re-Animator war, darf hier das Opfer der bizarren Experimente spielen und macht das auf seine ganz spezielle Art des Overactings. Dazu gibt es ein Wiedersehen mit Ken Foree, den wir alle noch aus "Dawn of the Dead" (1978) in wohliger Erinnerung haben ("When there's no more room in hell...") . Stuart Gordons Ehefrau Carolyn Purdy-Gordon gibt erneut ein Musterexemplar der Gattung 'bösartiges Miststück', das sie in mehreren Filmen des Ehemannes perfektionierte, aber den wohl nachdrücklichsten Auftritt hat Barbara Crampton, die schon zuvor nackt von abgetrennten Köpfen belästigt wurde und hier als zugeknöpfte Ärztin dank des 'Resonators' ganz neue Lustgefühle entdeckt, die spießigen Klamotten ablegt und sich in eine scharfe S/M-Domina in Lack und Leder verwandelt. Dafür erhielt sie prompt eine Nominierung als beste Darstellerin für den Saturn Award, ebenso wie der Film selbst und sein Makeup-Team. Crampton hat ohne Zweifel Starpotential. Man fragt sich, warum sie nie bekannter wurde. Wer eher auf männliche Erotik steht, kriegt Ken Foree in der klatschnassen Unterhose, während ein Alien an ihm herumknabbert. Ist aber kein Vergleich.

Interessant ist ein Vergleich der Filme Gordons mit denen des frühen David Cronenberg. Beide beschäftigen sich mit irregeleiteten Wissenschaftlern und den katastrophalen Folgen ihrer Experimente, die oft zu körperlichen Transformationen führen. Beide schrecken nicht vor Sex, Blut und Ekel zurück. FROM BEYOND ist dem ungefähr zeitgleich entstandenen "Die Fliege" (1986) sogar überraschend ähnlich. Der Ton der Regisseure ist allerdings ein komplett anderer. Wo Cronenbergs Filme unter die Haut gehen und eine philosophische Richtung einschlagen, bleiben Gordons Werke stets knallige Cartoons. Das macht sie sehr unterhaltsam, aber auch kurzlebiger und oberflächlicher.

Was in FROM BEYOND zusätzlich über weite Strecken fehlt, ist erstaunlicherweise der Humor, der "Re-Animator" so vergnüglich machte. FROM BEYOND nimmt sich trotz aller Absurditäten, Verwandlungen und Geisterbahnfahrten durchs Latex-Arsenal überraschend ernst, was es dem Publikum schwerer macht, den Film als Popcorn-Kino zu genießen. Im Vergleich mit dem Vorgänger bietet er auch kaum Identifikationsfiguren oder Sympathieträger mehr an. Aus diesen Gründen war FROM BEYOND vermutlich auch weniger erfolgreich. Unter Fans genießt er zwar einen guten Ruf, ist aber dennoch ein Geheimtipp geblieben. 2007 ist in den USA ein um einige Minuten längerer Director's Cut des Films erschienen.

08/10

Freitag, 12. Oktober 2012

Re-Animator (1985)

Und da sind wir auch schon wieder im schönen Splatterbereich, bei einem der kultigsten und besten Horrorfilme der 80er, Stuart Gordons RE-ANIMATOR (Re-Animator). Der Film basiert auf H.P. Lovecrafts "Herbert West, Re-Animator" und schildert die Erlebnisse des skurrilen Medizinstudenten Herbert West (Jeffrey Combs), der ein leuchtend grünes Serum entwickelt hat, mit dem man kürzlich Verstorbene wieder zum Leben erwecken kann. Das Dumme ist nur, dass die Toten nicht so recht kontrollierbar sind und zu blutrünstigen Zombies mutieren. Und dann ist da auch noch Wests Widersacher Dr. Hill (David Gale), der zu gern das Serum an sich bringen möchte, um den wissenschaftlichen Ruhm abzusahnen...

Herzlich Willkommen zu einer der absurdesten Splatterkomödien der Filmgeschichte! Im Stil von Sam Raimis "Tanz der Teufel" (1981) brennt Stuart Gordon mit seinem Kino-Erstling ein Feuerwerk an schwarzhumorigen Gags, absurden Einfällen und literweise Kunstblut ab, dass es die reine Freude ist. Da werden Augen ausgedrückt, Finger abgebissen, Menschen mit Gedärmen stranguliert, re-animierte Höllenkatzen mit dem Baseballschläger erlegt, und auf dem Höhepunkt wird die nackte Barbara Crampton auf einen Obduktionstisch geschnallt und vom Körper des re-animierten Dr. Hill belästigt, der ihr seinen abgetrennten, aber quicklebendigen und lüsternen Kopf zwischen die Beine drückt - was dem Begriff 'Giving Head' eine ganz neue Bedeutung verleiht!

Man sieht schon, geschmackvoll ist das alles nicht, und das ist auch gut so. Stuart Gordon ist ein junger Wilder, der sich wenig um Befindlichkeiten schert und seinen Weg geht, ebenso wie sein Held Herbert West, der genial von Jeffrey Combs interpretiert wird. West ist ein moderner Frankenstein, der nicht nur ein Monster, sondern gleich Dutzende erschafft und Mühe hat, diese wieder loszuwerden, denn was einmal re-animiert wurde, will so schnell nicht wieder zurück ins Totenreich.
Dass der schräge Mix nicht zur reinen Parodie verkommt, liegt vor allem am Ensemble, das den Stoff trotz ständiger Over the Top-Momente immer ernst nimmt und spielt, als ginge es um Shakespeare. Jeffrey Combs spielt gar so intensiv, dass man seinen Mad Scientist in jeder Minute glaubt, selbst wenn er den abgeschlagenen Kopf von Dr. Hill auf einen Quittungsspieß steckt, damit er nicht ständig umkippt und er sich besser mit ihm unterhalten kann (was medizinisch nicht so ganz akkurat ist). Das Drehbuch liefert dazu jede Menge guter One-Liner ("Seien Sie nicht albern. Wer glaubt schon einem sprechenden Kopf?"), und eine Liebesgeschichte zwischen Wests Studienkollegen (Bruce Abbott) und der reizenden Tochter des Dekans (Barbara Crampton) gibt es obendrein.

RE-ANIMATOR ist eine Low Budget-Produktion, der man den Mangel an Geld kaum anmerkt, weil er durch den puren Ideenreichtum wett gemacht wird. Unklar bleibt lediglich, warum Filmkomponist Richard Band Bernard Herrmanns "Psycho"-Score so dreist kopiert, dass man nicht mehr sagen kann, ob die Musik Hommage, Parodie oder Plagiat sein soll, denn inhaltlich gibt es keinerlei Referenzen zu Hitchcocks Werk. Wie vieles im Film ist aber auch das eine amüsante Irritation, die zum Spaß beiträgt.

Den vielleicht schönsten Einfall gibt es übrigens ganz zum Schluss, wenn Bruce Abbott seine verstorbene Geliebte re-animiert und Stuart Gordon es dabei belässt, das leuchtende Serum zu zeigen, das sich langsam aus der Spritze entleert, während die gesamte Umgebung im Schwarz versinkt. Es folgt nur noch ein markerschütternder Schrei der 'Erweckten'. Da hätte Mary Lambert, Regisseurin von "Friedhof der Kuscheltiere" (1987) mal genau hinschauen sollen, wie man trotz reichlich Gore im Film den größten Schrecken am Ende doch der Fantasie des Zuschauers überlassen kann.

RE-ANIMATOR war ein Überraschungshit, erhielt auch von 'seriösen' Filmjournalisten unerwartet gute Kritiken und entwickelte sich schnell zum Kult für Fans. Die mit Spannung erwartete Fortsetzung "Bride of Re-Animator" (1990), die von Effektespezialist Brian Yuzna inszeniert wurde und das Ende des Originals ignorierte, konnte leider trotz hohem Splatterfaktor und Jeffrey Combs nicht überzeugen, ebenso wenig wie der 2003 entstandene "Beyond Re-Animator". Stuart Gordon nahm sich nach RE-ANIMATOR einer weiteren Lovecraft-Geschichte an ("From Beyond", 1986), konnte danach aber weder inhaltlich noch finanziell je wieder an seinen Erstlingserfolg anknüpfen.

09/10

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Drei von ganzem Herzen (1993)

Zur Abwechslung mal was ganz Harmloses. Die romantische Komödie DREI VON GANZEM HERZEN (Three of Hearts) gehört seit den frühen 90ern zu meinen Guilty Pleasures - soll heißen, ich würde nicht auf die Straße gehen, um für eine DVD-Veröffentlichung zu demonstrieren, aber er landet regelmäßig in meinem Wohnzimmer und macht mir gute Laune, obwohl er zu einem Genre gehört, das mittlerweile komplett an mir vorbeigeht.
Der Film stammt aus der Zeit, als Hollywood versuchte, sich den veränderten gesellschaftlichen Realitäten anzupassen und Alternativen zur klassischen Hetero-Konstellation im Mainstream anzubieten. Das Publikum konnte sich aber weder mit diesem Beispiel noch mit ähnlichen ("Einsam, zweisam, dreisam", 1994) wirklich anfreunden. Für das schwullesbische Arthouse-Publikum hingegen waren die Werke ohnehin zu zahm und zahnlos, so dass sie zwischen allen Stühlen verhungerten. Dennoch gehört DREI VON GANZEM HERZEN zu den besseren Vertretern dieser Welle, weil er trotz mancher Klischees und Feigheiten verhältnismäßig bescheiden und sympathisch daherkommt.

Die Story ist so einfach wie irreal: um ihre bisexuelle Freundin Ellen (Sherilyn Fenn) zurückzugewinnen, die ihr gerade den Laufpass gegeben hat, heuert die lesbische Krankenschwester Connie (Kelly Lynch) einen männlichen Callboy (William Baldwin) an. Der soll der Ex ordentlich den Kopf verdrehen und sie dann fallen lassen - in der Hoffnung, dass Ellen nach solcher Enttäuschung umgehend zu Connie zurückkehrt...

Okay, haben wir nicht alle schon mal eine Prostituierte - männlich oder weiblich - engagiert, um einen Ex zurückzuerobern? Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft mir das passiert ist. DREI VON GANZEM HERZEN hat zwar keinen Glaubwürdigkeitsanspruch, was den Plot anbelangt (das trifft - mit Verlaub - auf fast alle Vertreter des Genres zu), aber seine Charaktere sind liebenswert und überzeugend. Die drei Hauptdarsteller waren zur Zeit der Entstehung gerade 'heiß', wie man so schön sagt, aber ihre Karrieren als A-Stars waren kurz danach vorbei. Heute sind alle erfolgreich im Fernsehen tätig. Sherilyn Fenn ("Twin Peaks") ist immer hübsch anzuschauen und spielt ihre hin- und hergerissene, zerbrechliche Heldin im besten Audrey Hepburn-Modus, William Baldwin ist mit Samtstimme, Dackelblick und einem Körper, für den 'Men's Health'-Leser töten würden, ausreichend sexy und zeigt komödiantisches Talent, doch es ist die oft unterschätzte Kelly Lynch, die den Film stiehlt. Lynch wurde in neun von zehn Fällen immer als sexy Vamp besetzt, aber ihre Stärken liegen ganz woanders. Sie ist skurril, witzig, bekommt die besten Szenen und ist die sympathischste Figur im Ensemble. In einer Nebenrolle glänzt Joe Pantoliano als schmieriger Zuhälter von Baldwin.

DREI VON GANZEM HERZEN schreckt als Mainstream-Produkt (natürlich) vor lesbischem Sex komplett zurück (die beendete Beziehung von Lynch und Fenn wird romantisch verklärt und bleibt körperlos), dafür bekommt William Baldwin ausreichend Gelegenheit für erotische Stelldicheins. Regisseur Yurek Bogayevicz sexualisiert seine weiblichen Stars nie und steckt die attraktive Sherilyn Fenn in konservative Klamotten, während Baldwin entweder edle Versace-Teile oder gar nichts trägt. Er übernimmt hier den Part, den Frauen so oft spielen mussten, die aufreizende Hure mit dem goldenen Herzen. Der Film musste sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er ein altes Klischee bedient, nach welchem Lesben nur einen 'richtigen' Mann brauchen, doch die von Fenn gespielte Figur wird hier eindeutig als bisexuell erzählt, als solche mit ihren Problemen auch ernst genommen, und das politisch dünne Eis wird durch die extrem liebenswerte Darstellung von Lynch, die kein einziges Klischee bedient, ohnehin wett gemacht.

Dazu bemüht sich DREI VON GANZEM HERZEN um ein halbwegs realistisches Setting, lässt seine Charaktere nicht in übergroßen, teuren Apartments wohnen, lässt sie unglamouröse Berufe haben und verzichtet bis zum Ende auf allzu melodramatische Gesten. Als Komödie verzichtet er vollständig auf Slapstick, Verwechslungen oder andere Boulevard-Mittel und setzt stattdessen auf schnippische Dialoge und die Chemie seiner Darsteller. Die stimmt übrigens bei Baldwin und Lynch mehr als bei Baldwin und Fenn, deren Romanze zu sehr dem Lehrbuch der Vorhersehbarkeit folgt. Deswegen - SPOILER-WARNUNG -  funktioniert auch das europäische Ende des Films besser. Da bekommt Baldwin sein Mädchen nicht, hat aber in Lynch eine echte Freundin gefunden und geht gut gelaunt mit ihr aus dem Bild.
Der später entstandene Julia Roberts-Hit "Die Hochzeit meines besten Freundes" (1997) endete übrigens sehr ähnlich, was beweist, dass auch das Massenpublikum nichts dagegen hat, wenn Filme auf stereotype Happy-Ends verzichten, solange es für die Charaktere stimmt. Diese banale Weisheit wird allzu oft vergessen, bzw. ignoriert. So wurde denn auch für das amerikanische Publikum von DREI VON GANZEM HERZEN ein 'klassischer' Schluss gedreht, der die Liebenden vereint und die lesbische Connie leer ausgehen lässt. Na, Bravo.

DREI VON GANZEM HERZEN kam an den Kinokassen nicht gut an, hat sich aber auf Video einen kleinen Fankreis erarbeitet. Hierzulande ist er nicht auf DVD erhältlich, dafür gibt es in den USA eine sehr schöne Edition mit beiden Enden.

7.5/10

Samstag, 6. Oktober 2012

Der Bucklige von Soho (1966)

Die armen Buckligen haben es aber auch nicht leicht. Sie durften in der Filmgeschichte entweder die Glocken von Notre Dame läuten oder in billigen Trash-Filmen die irren Killer und Handlanger der Oberverbrecher spielen, weil physische Abnormitäten in der Welt des Films zwangsläufig auch psychische Unzurechnungsfähigkeit bedeuten. Ich finde, es wird endlich Zeit, die Buckligen zu Helden zu machen!

Der 26. Film der Edgar Wallace-Reihe namens DER BUCKLIGE VON SOHO war der erste vollständige Farb-Wallace (zuvor waren lediglich einige Vorspänne der Schwarzweiß-Filme in Farbe) und als solcher natürlich ein Ereignis. Um dem Publikum den Übergang ins neue Farb-Zeitalter so schmackhaft wie möglich zu machen, wurde auch an anderer Stelle ordentlich geklotzt. Mit den Wallace-Romanen hat das alles zwar nicht mal dem Titel nach noch etwas zu tun, aber die üblichen Klischees und Verdächtigen der Reihe werden hier sämtlich aufgefahren und unterhaltsam überdreht.

Zum Inhalt: Eine amerikanische Millionenerbin (Monika Peitsch) wird kurz nach ihrer Ankunft in London gekidnappt und in einem Erziehungsheim für Mädchen gefangen gehalten, während eine Betrügerin ihren Platz einnimmt, um das Erbe im Auftrag eines unbekannten Drahtziehers an sich zu bringen. Gleichzeitig mordet ein unheimlicher Würger junge Frauen, die von der Erziehungsanstalt genug haben. Inspektor Hopkins (Günther Stoll) und sein Chef Sir John (Siegfried Schürenberg) ermitteln auf Schloss Castlewood (den Namen muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen), in dem sich möglicherweise der Oberverbrecher versteckt...

DER BUCKLIGE VON SOHO ist zweifellos einer der besten Beiträge der Wallace-Farbfilme. Regisseur Alfred Vohrer hält das Tempo hoch, wechselt ständig die Schauplätze und sorgt dafür, dass man als Zuschauer kaum die Auflösung erraten kann. Dazu bietet er ein Ensemble, bei dem man als Fan nur mit der Zunge schnalzen kann. Leider stand Joachim Fuchsberger nicht zur Verfügung, weswegen Günther Stoll die Inspektoren-Rolle souverän übernimmt, wobei sein Part eher nebensächlich ausfällt. Die Show stehlen die grandiosen Nebendarsteller, die sich gegenseitig im Overacting überbieten, sei es die wunderbare Agnes Windeck als seltsame Gräfin, Hubert 'Hupsi' von Meyerinck als vertrottelter General, der regelmäßig irgendwelche Wüstenschlachten mit Spielzeugpanzern im Keller nachstellt (eine Idee, die - wie viele andere - sehr an die britische Kultserie "Mit Schirm, Charme und Melone" erinnert) oder der Herr Schürenberg, der im Erziehungsheim ganz schön ins Schwitzen gerät ("Ich mache mir nichts aus Mädchen - wenn sie tot sind") und von Meyerinck treffend als 'Playboy-Spätlese' bezeichnet wird.
Die größte Überraschung dürfte allerdings Eddi Arent sein, der hier auf der falschen Seite des Gesetzes steht und hinter der Verkleidung eines Pfarrers eine Spielhölle mit integriertem Bordell leitet. Nach all den Jahren fröhlicher Albernheiten sei ihm dieser Rollenwechsel gegönnt, obwohl man ihm anmerkt, dass er sich anstrengen muss, böse zu wirken. Der Sympathieträger fällt ihm deutlich leichter.

Die beste Darstellung liefert (natürlich) Gisela Uhlen als eiskalte Bordell-Chefin, die für Geld 'ihre Seligkeit' verkauft, und das ohne mit der Wimper zu zucken. Herrlich! Daneben gibt Ilse Pagé ihren Einstand bei Wallace als frühes Opfer des buckligen Würgers. Bereits im nächsten Film sollte sie dann ihre feste Rolle als Sekretärin Miss Finley bekommen, in der sie uns und der Minirock-Industrie so viel Freude bereitet hat.

Das Drehbuch von Herbert Reinecker kann mit zahlreichen überraschenden Wendungen aufwarten, hält ein paar echte (und beabsichtigte!) Brüller parat, und es gibt nur wenige wirklich peinliche Momente. Vielleicht hätte er auf die (was sonst?) lesbische, übergewichtige Anstaltsaufseherin mit der Reitgerte im Ausschnitt verzichten können, die nur zu gern ihre Mädels peitscht. Und der dämlichste Moment folgt auf dem Fuß, wenn die zur Arbeit in der Wäscherei und zur Prostitution gezwungenen Damen unter der Gemeinschaftsdusche stehen und nicht etwa Ausbruchspläne schmieden oder die ermordeten Mitgefangenen betrauern, sondern - bitte festhalten! - fröhlich kichern und herumalbern. Warum? Weil junge Frauen, die zusammen duschen, das immer so machen! Ja, ist so! 

Und eine letzte Frage: wieso wird in einem britischen (!) Erziehungsheim "Wem Gott will rechte Gunst erweisen" gesungen??


7.5/10

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Der Mönch mit der Peitsche (1967)

Auf den erfolgreichen Wallace-Krimi "Die blaue Hand" (1967) folgte schnell der nächste Farbfilm der Reihe, die Ideen wurden allerdings merklich dünner, weswegen für dieses 29. Abenteuer der noch nicht lange zurückliegende Schwarzweiß-Hit "Der unheimliche Mönch" (1965) noch einmal aufgewärmt wurde und ein Trash-Update bekam.

Zum 'Inhalt': In einem Mädcheninternat geht ein Killer in der knallroten Mönchskutte um, der Lehrer und Schülerinnen mit einer Peitsche tötet. Inspektor Blacky Fuchsberger ermittelt gemeinsam mit seinem vertrottelten Vorgesetzten Sir John (Siegfried Schürenberg) zwischen leicht bekleideten Damen und kommt einem (nicht sonderlich) raffinierten Plan auf die Spur, der die Millionenerbin Ann Portland (Uschi Glas) um ihr zu erwartendes Vermögen bringen soll...

Wozu große Erbschaften führen, das hat die Wallace-Reihe bereits bis zum Erbrechen vorgeführt, aber man macht trotzdem munter weiter. Das Publikum hat es trotzdem genossen. Anders als der atmosphärische Grusler "Der unheimliche Mönch", an dessen Inhalt sich DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE entlang hangelt, setzt Regisseur Alfred Vohrer hier auf knallige Farben, schrille Kostüme, wilde Musik und kurze Röcke. Die Schülerinnen des Mädcheninternats sind natürlich alle besonders knackig und laufen ständig in aufreizenden Negligés herum, allen voran unser 'Schätzchen' Uschi Glas, die damals wirklich noch ein niedliches Ding war und durchaus spielen konnte. Da kommt der Rentner Herr Schürenberg ganz schön ins Schwitzen beim Verhör. Sein Sir John ist nun endgültig grenzdebil und hat die Psychologie als Steckenpferd für sich entdeckt, was seinen Inspektor zur Verzweiflung treibt.
Joachim Fuchsberger sorgt für das nötige Wallace-Feeling, obwohl er den obercoolen, kaugummikauenden  Regenmantel-Ermittler schamlos überzeichnet. Daneben gibt es ein Wiedersehen mit der jungen Grit Bötttcher, die aber frühzeitig vom Mönch erlegt wird. Eine wirklich große schauspielerische Leistung erwartet man in diesem Kabinett der Albernheiten gar nicht, dennoch fehlt im Ensemble deutlich eine charismatische Leinwandgröße vom Schlage Kinskis.

Alfred Vohrer orientiert sich erneut an den satten Farbspielen Mario Bavas, ohne jemals dessen künstlerische Klasse zu erreichen, aber hübsch anzuschauen ist DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE zweifellos. Zwischendurch wird es auch mal spannend, und am Ende gibt es sogar einen mordenden Gärtner! Also, wenn das kein Brüller ist, dann weiß ich es auch nicht. Sehenswert ist auch das Versteck des Oberverbrechers, der im Dunkeln zwischen leuchtenden Aquarien sitzt. Da hat wohl einer zu viele James Bond-Filme gesehen. Warum der mordende Mönch ein dermaßen auffälliges Outfit für seine Taten benutzt, (mit dem er übrigens weniger wie ein Mönch als vielmehr wie ein zu bunt geratenes Mitglied des Ku-Klux-Klans aussieht), warum ein tödliches Giftgas aussieht wie Spinnweben aus der Sprühflasche, warum ein Gefängnisausbruch so einfach wie ein Kinderspiel gerät, und warum die enthüllte Identität des Mönchs nicht zu dessen vorigen Auftritten passt (aus anatomischen Gründen), das sind so Fragen, die man sich stellen kann oder auch nicht.
Ob Alfred Vohrer hier schon bewusst parodistische Elemente einsetzt oder die Komik lediglich unfreiwillig passiert, das darf auch jeder für sich entscheiden. Aus heutiger Sicht haben die meisten Wallace-Filme sehr viel Staub angesetzt und altern rapide, ganz besonders, wenn sie auf der Höhe der Zeit sein wollten.

07/10

Dienstag, 2. Oktober 2012

Die blaue Hand (1967)

Der 28. Edgar Wallace-Film DIE BLAUE HAND stellt gleich in doppelter Hinsicht eine Premiere dar. Klaus Kinski darf hier erstmals in einem Wallace nicht nur eine Haupt-, sondern gleich eine Doppelrolle spielen, und Ilse Pagé gibt ihr Debüt als sexy Sekretärin Miss Mabel Finley, die ihrem Chef Sir John (Siegfried Schürenberg) mit Hüftschwung und kessen Sprüchen den senilen Kopf verdreht. Ansonsten handelt es sich bei dieser Mörderhatz mit Kapuzenschreck um einen typischen Farb-Wallace voller Absurditäten, mit reichlich freiwilliger sowie unfreiwilliger Komik, maskierten Killern, kreischenden Jungfrauen und finsteren Irrenanstalten, die von noch finstereren Irrenärzten geleitet werden.

Der Plot ist zu konfus, um in der Nacherzählung viel Sinn zu ergeben, daher nur in Kürze: Kinski spielt einen unschuldig wegen Mordes verurteilten Adelsspross, der als geistig unzurechnungsfähig erklärt wird und in die Psychiatrie des skrupellosen Dr. Emerson (Carl Lange, dem stets das Monokel aus dem Gesicht fällt, wenn er sich wundert) eingeliefert wird, aus dem er aber fliehen kann. Er erreicht das Familienschloss und gibt sich als sein Zwillingsbruder Richard (ebenfalls Kinski) aus, der gleichzeitig spurlos verschwindet. Während Scotland Yard ermittelt, tötet ein Unbekannter mit der blauen Krallenhand einer Ritterrüstung der Reihe nach die Geschwister von Dave und Richard...

Natürlich geht es - wie so oft bei Wallace - um die Millionenerbschaft, die jemand ganz für sich allein haben möchte und deswegen alle weiteren Erbberechtigten ausschaltet. Alfred Vohrer inszeniert das wirre, gelegentlich spannende, aber immer temporeiche Geschehen in bekannten Abläufen, wobei sein gewohnter Kameramann Karl Löb hier nicht zur Verfügung stand. Das merkt man aber nicht. Tatsächlich sind die frühen Szenen, in denen Kinski nächtens aus der Irrenanstalt entfleucht und - von Bluthunden verfolgt - durch den Nebelwald rennt, reinster Expressionismus, bei dem sich zeigt, wie nah die Farbfilme der Wallace-Reihe dem italienischen Giallo waren (auch die Tatwaffe des Killers erinnert stark an Bavas Vorbild "Blutige Seide", 1963). Natürlich nur äußerlich, versteht sich. Inhaltlich sind sie Lichtjahre entfernt von den psycho-sexuell gestörten Mördern und modernen Settings des Giallo-Kinos. Bei Wallace lebt das gute alte Kintopp fröhlich weiter, mit allen Klischees, bundesdeutscher Spießigkeit und dem gepflegten Altherrenwitz. Die Irrenärzte sind natürlich alle selber irre, Vorgesetzte grundsätzlich vertrottelt, englische Schlösser stets spinnwebenverhangene Rumpelkammern, und Frauen dürfen entweder durchtriebene Luder oder hilflos kreischende Opfer sein (mit Ausnahme von Miss Finley).

Mit Logik oder Realismus hat das alles nichts zu tun und will es auch gar nicht. Da dürfen die Yard-Inspektoren einfach mal ohne Grund oder Einladung im Schloss und in sämtlichen Privatangelegenheiten der Bewohner herumschnüffeln, während vergreiste Butler lauschend im Geschirrschrank sitzen ("Oh, Verzeihung, Mylady!"). Man wartet jederzeit darauf, dass die seltsame Gräfin zur Tür hereinspaziert. Bei Wallace soll man seinen Kopf ausschalten, die Füße hochlegen und sich amüsieren. Das funktioniert hier über weite Strecken, dazwischen auch mal nicht, wenn es gänzlich albern wird.

Das Ensemble kann sich dabei absolut sehen lassen. Für Kinski-Fans ist DIE BLAUE HAND selbstverständlich ein Fest, denn der darf gleich in zwei Rollen auf seine unnachahmliche Art und Weise chargieren. Das macht ihm so schnell keiner nach. Harald Leipnitz ist ein solider Ermittler, als Yard-Chef gibt Herr Schürenberg wieder eine Glanzvorstellung, Ilse Pagé ist mit spitzen BHs und flottem Mundwerk eine echte Bereicherung für die Reihe, und Ilse Steppat, die dank ihrer Präsenz bald zur zweiten Hand von Bond-Bösewicht Blofeld im besten 007-Abenteuer aller Zeiten ("Im Geheimdienst ihrer Majestät", 1969) aufsteigen durfte, bringt ein bisschen Diven-Klasse in den Film, wie es vor ihr nur die Flickenschildt konnte. Komponist Martin Böttcher hat einen seiner besten Wallace-Scores für DIE BLAUE HAND komponiert.

Insgesamt für Fans ein Muss, für Nostalgiker ebenfalls. Wer nach guten Geschichten, interessanten Charakteren, britischer Atmosphäre oder subtilem Witz sucht, ist hier so falsch wie der unheimliche Mönch im Luxusbordell. 

07/10
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