Sonntag, 30. Juni 2013

Final Destination 2 (2003)

Bei vielen Fans gilt FINAL DESTINATION 2 (Final Destination 2) als bester Teil der Reihe, was vermutlich daran liegt, dass Regisseur David R. Ellis ("Final Call", 2004) und seine Drehbuchautoren schlicht und einfach das Beste aus dem Original herauspicken, alles Überflüssige weglassen und kräftig auf die Splatter- und Tempotube drücken. Dabei kommt ein über weite Strecken packender, humorvoller und nie langweiliger Action-Kracher heraus, dessen Laufzeit wie im Flug - oder in diesem Fall, wie auf der Überholspur - vorbeirast. Das ist Fast Food-Kino im buchstäblichen Sinn.

Der Inhalt ist - wie bei allen Sequels der Reihe - deckungsgleich mit dem Vorgänger. Zu Beginn erfolgt eine Katastrophe, hier eine Massenkarambolage auf dem Highway, die sich aber als Vision unserer Protagonistin (A.J. Cook) herausstellt. Nachdem sie udn ein paar andere Menschen von dem kurz darauf tatsächlich stattfindenden Unfall verschont bleiben, schlägt der Tod erbarmungslos zu und holt sich einen nach dem anderen der Überlebenden...

Ja, tut mir Leid, ich würde hier auch gern mal was Originelleres schreiben, aber die Plots sind eben immer gleich. Ist auch egal, denn FINAL DESTINATION 2 legt ohne viel Vorrede gleich heftig los. Der Autocrash, der die Geschichte ins Rollen bringt, ist dermaßen brillant in Szene gesetzt, dass er locker mit jedem Action-Blockbuster mithalten kann - was nicht verwundert, wenn man weiß, dass Regisseur Ellis lange Jahre als Stuntman und Stuntkoordinator tätig war. Die Sequenz ist aber nicht nur in technischer Hinsicht ein Knaller, sondern spielt auch geschickt mit unseren alltäglichen Ängsten. So entdecken wir auf dem Highway genau die Autofahrer, die wir alle hassen (die Drängler, Raser, Fahrer am Handy, etc.).
Diese Ängste finden sich auch im weiteren Verlauf, wenn Zahnarztbesuche, Fahrstuhlfahrten und Barbecues blutig enden oder Airbags zum genau falschen Zeitpunkt aufgehen. Den Vogel schießt aber der glückliche Lottogewinner ab, der zu Hause schnell ein paar Nudeln in der Mikrowelle warm machen will, um dann am Ende einer bizarren Kettenreaktion von einer Feuerleiter zermalmt zu werden. Da wird die Spannung so lange gedehnt, bis das Publikum nur noch kichern kann - um dann völlig unvorbereitet eins über die Rübe zu bekommen.

Das Drehbuch schafft es sogar, im letzten Akt noch ein paar raffinierte Schlenker einzubauen, die den bekannten Ablauf nicht ganz so vorhersehbar machen. Die Variation zum ersten Teil besteht auch darin, dass die Protagonistin nun verschlüsselte Botschaften erhält, die jedes Mal den nahenden Tod ankündigen, aber erst richtig gedeutet werden müssen. Ernst nimmt sich FINAL DESTINATION 2 dabei zu keinem Zeitpunkt, er will vor allem Spaß machen. Um inhaltlich an den Vorgänger anzuknüpfen, wiederholt Ali Larter, die einzige Überlebende aus Teil 1, ihre Rolle. Auch Tony Todd als Leichenbeschauer und Verkörperung des Bösen ist erneut mit von der Partie.

Die Schauspieler agieren ordentlich und machen das Beste aus ihren eindimensionalen Rollen. Der Film bemüht sich, die meisten von ihnen sympathisch zu zeichnen, und neben den üblichen Teenies finden sich sogar ein paar Erwachsene und Halbwüchsige als Opfer wieder. Die Todesszenen sind aber allesamt so over the top, dass ihr Ableben niemandem wirklich weh tut. Man darf sich aber wirklich wundern, dass FINAL DESTINATION 2, in dem immerhin Minderjährige von fallenden Glasplatten zermatscht werden, mit einer FSK 16-Freigabe davongekommen ist. Die folgenden Teile hatten nicht so viel Glück.

Auch wenn man dem Original zugestehen muss, dass die originelle Grundidee dort erst entwickelt wurde, darf man doch sagen, dass FINAL DESTINATION 2 die Steilvorlage hervorragend nutzt und dem gewillten Horror-Fan ein tolles Spektakel um die Ohren klatscht, bei dem eigentlich keine Wünsche offen bleiben - wenn man akzeptieren kann, dass die durchaus vorhandenen ernsthafteren Auseinandersetzungen mit der Unaufhaltsamkeit des Todes aus Teil 1 hier Platz machen für pures, fluffiges Entertainment, bei dem man das Gehirn gern im Handschuhfach vergessen darf.

8.5/10

Final Destination 3 (2006)

Spätestens mit FINAL DESTINATION 3 (Final Destination 3) ist die Reihe zum Äquivalent der "Nightmare on Elm Street"-Saga für das 2000er-Jahrzehnt geworden. Der dritte Teil ist bunter und poppiger als seine Vorgänger, der Splatterfaktor wird deutlich nach oben korrigiert, und die Todesarten der Teenager sollen vor allem für Lacher sorgen, während die Charaktere fast ausschließlich nur noch Cartoons sind und durch nervige Angewohnheiten (oder schlechtes Spiel) zu reinem Kanonenfutter verkommen. Ebenso wie Freddy Krueger die Elmstreet-Kids gern anhand ihrer speziellen Eigenschaften um die Ecke gebracht hat, werden auch hier die Figuren nicht durch Charakterzeichnung, sondern über Requisiten und Macken definiert, die ihnen schließlich zum Verhängnis werden. Die positiven und negativen Aspekte des Films halten sich dabei ungefähr die Waage.

FINAL DESTINATION 3 beginnt gewohnt spektakulär mit dem obligatorischen Katastrophen-Szenario, diesmal in Form einer Achterbahnfahrt, die außer Kontrolle gerät und mehrere High School-Absolventen ins Jenseits befördert. Wie gehabt stellt sich das Ganze aber nur als Vision unserer weiblichen Protagonistin Wendy (Mary Elizabeth Winstead) heraus, die in Panik das Gefährt des Todes noch vor dem Start mit einigen Schulfreunden verlässt. Nachdem die Achterbahn tatsächlich entgleist, holt der Tod sich nun nacheinander die Überlebenden. Alles bekannt, nichts variiert, Dienst nach Vorschrift.  Wen kümmert schon der Plot?

Die Ähnlichkeiten mit der "Omen"-Trilogie, die bereits in den Vorgängern offensichtlich waren, werden in diesem dritten Teil noch einmal verstärkt. So knipst unsere Wendy in bester David Warner-Manier zu Beginn des Films Fotos der potentiellen Opfer, auf denen sie später deren Todesarten erkennen kann, und im weiteren Verlauf wird ein Mädel auf so ziemlich exakt die gleiche Weise von einem Speer gepfählt wie weiland der düstere "Omen"-Pfarrer, nachdem er Gregory Peck warnen wollte, dass er den Sohn des Satans großzieht. Aber wie sagte schon Billy Wilder, wenn schon, dann soll man bei den Besten kopieren.
Schauspielerisch ist das alles Durchschnitt und darunter, besonders der punkige Baumarkt-Teenager, der einen absurden Gefühlsausbruch während einer Beerdigung hinlegt, geht einem mit seiner miesen Leistung mächtig auf die Nerven. Hauptdarsteller Ryan Merriman ist vor allem niedlich, und Mary Elizabeth Dingsbums (die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Jill Schoelen, Scream-Queen der 80er, hat), versucht mit viel aufgerissenen Augen und Schmollmund zu überspielen, dass ihre Rolle null Substanz hat. Zwar wird alle fünf Minuten über sie gesagt, dass sie ein Kontroll-Freak sei, leider aber sieht man das nie, es bleibt nur behauptet. Kontroll-Freak!

Die anfängliche Achterbahn-Katastrophe ist mit ordentlich Schmackes in Szene gesetzt, auch wenn einige CGI-Effekte von der Marke 'billig' sind. Aber jeder, der schon einmal in einer Achterbahn saß und das Gefühl hatte, dass der Sicherheitsbügel vielleicht nicht ganz so fest sitzt wie er sitzen sollte, kann den Horror dieses Alptraums nachvollziehen.
Nach dem Auftakt folgt die zu erwartende Dezimierung der Überlebenden, die Füllszenen zwischen den Horror-Momenten fallen diesmal allerdings besonders schwach aus. Das Drehbuch bemüht sich zwar anfangs um etwas Konfliktstoff, verliert dann aber alle eingeführten Stränge aus den Augen und baut lediglich ein bisschen Geseier und kullernde Tränchen ein, kümmert sich ansonsten aber lieber um die Ausarbeitung der Splatterszenen. Und seien wir ehrlich, wegen denen gehen die Kids auch ins Kino. KontrollFreak!

So darf man stattdessen herzlich mitlachen, wenn zwei nach Paris Hilton modellierte Luxus-Tussen im Sonnenstudio gegrillt werden (eine Szene, die überhaupt keinen Sinn ergibt, dafür aber mit einem herrlich bösen Gag endet, wenn die qualmenden Sonnenbänke sich per Überblendung in Särge verwandeln), der Kopf eines aufdringlichen Kamera-Nerds von einem Automotor zerschreddert und eine großmäulige Sportskanoner von einem Fitnessgerät zermatscht wird. Das Blut spritzt, als gäbe es kein Morgen, und weil die letzte Szene in "Final Destination 2" (2003) mit dem fliegenden Arm so ein Brüller war, segeln hier ständig Körperteile durch die Luft.
Das ist auf seine uncharmante, rotzige und bewusst makabere Art durchaus unterhaltsam und im klassischen Sinne Grand Guignol, aber die Ermüdungserscheinungen des Formats sind bereits unübersehbar. Hier zeigen sich übrigens die Vorteile von DVD und Blu-Ray, bei denen man die Spielszenen so praktisch überspringen kann. Was wäre das früher bei VHS für ein Akt gewesen, ständig vorspulen zu müssen...

Kontroll-Freak! 

6.5/10


Samstag, 29. Juni 2013

Final Destination (2000)

Keine Frage, der Tod holt uns alle - früher oder später.
FINAL DESTINATION (Final Destination), der Teenie-Horror-Hit von James Wong, nutzt eine bekannte urbane Legende, nach der die Überlebenden von Flugzeugabstürzen eine geringere Lebenserwartung haben als andere, für einen höchst unterhaltsamen Abzählreim des Schreckens, in dem die ausgetüftelten Mordszenen die Hauptattraktion darstellen.

Die Story: Alex (Devon Sawa) soll mit seiner Schulklasse nach Paris reisen, hat aber noch vor dem Start eine Vision vom Absturz des Flugzeugs. Gemeinsam mit anderen Mitschülern verlässt er die Maschine, die kurz darauf tatsächlich explodiert. Kurz darauf werden die Überlebenden der Reihe nach durch bizarre Haushaltsunfälle dahingerafft, und Alex muss erkennen, dass er durch seine Vision dem Tod selbst einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, die dieser nun korrigieren muss. Aber wie hält man den Tod auf?

FINAL DESTINATION nutzt seine wirklich originelle Grundidee für ein spannendes Szenario und hat sogar eine durchaus tiefere Bedeutungsebene, in der die Unausweichlichkeit des Todes und unsere Angst vor dem Unvermeidlichen geschickt bespielt werden - umso mehr, weil der Tod hier Teenager trifft, die sich naturgemäß nicht sonderlich mit ihrem eigenen Ableben beschäftigen, durch die makaberen Ereignisse aber dazu gezwungen werden, sich der eigenen Sterblichkeit bewusst zu werden. Dass der Tod in FINAL DESTINATION stets einen geradezu mathematischen Zeitplan verfolgt, den man trickreich umgehen kann (oder auch nicht, wie sich am Ende herausstellt), sollte man nicht weiter hinterfragen, das gehört zum Spaß des Films, der nicht nur tempo- und einfallsreich inszeniert ist, sondern auch nach den unzähligen (und teilweise stinklangweiligen)  "Scream"-Ablegern Ende der 90er eine echte Bereicherung des halbtoten Teenie-Horror-Genres darstellte.

Das junge und attraktive Ensemble ist gut aufgelegt, und das Drehbuch versteht es geschickt, die Charaktere in lebens efährliche Situationen zu bringen, die wir alle aus dem Alltag kennen (wie Wasser auf elektrischen Geräten, Ausrutschen im Bad und das Hantieren mit Gas, Küchenmessern und anderen spitzen Gegenständen), und die gerade wegen ihrer Nachvollziehbarkeit so gut funktionieren - wobei der Film besonders für Toilettenszenen auffällig viel übrig hat, warum auch immer.
Der Tod tritt hier stets durch raffiniert eingefädelte Kettenreaktion ein, die der klassischen 'Suspense'-Theorie Hitchcocks folgen - das Publikum weiß immer ein wenig mehr als die Figuren und sieht das Unheil früher kommen, ohne aber zu wissen, wann und wie genau der Tod schließlich zuschlägt. Diese Technik wendet Regisseur James Wong so gut an, dass die folgenden Sequels sich überhaupt nur noch auf die ausgefallenen Todesarten konzentrieren und die Figuren weitgehend außer acht lassen. Insofern folgt die FINAL DESTINATION-Reihe Klassikern des modernen Horror-Kinos wie "Das Omen" (1976), in denen ebenfalls die spektakulär erdachten Morde für den Nervenkitzel sorgen. FINAL DESTINATION legt aber zusätzlich Wert auf sympathische Charaktere, denen man erst einmal nicht den Tod an den Hals wünscht, insofern unterscheidet er sich deutlich von den Nachfolgern.

FINAL DESTINATION war zu Recht erfolgreich, hat bislang vier Fortsetzungen erfahren, und ein Ende ist nicht in Sicht. Das Erfolgsrezept ist - im Gegensatz zu den Protagonisten der Filme - offenbar nicht tot zu kriegen.

08/10


Dienstag, 25. Juni 2013

Doppelmord (1999)

DOPPELMORD (Double Jeopardy) von Bruce Beresford war in den USA der Überraschungshit im Sommer 1999 und führte dort wochenlang die Kinocharts an. Viele fragten sich, warum, denn so wahnsinnig spektakulär ist er weißgott nicht, aber es war wohl der richtige Film zur richtigen Zeit, der immerhin beweisen konnte, dass Filme mit weiblichen Action-Heldinnen nicht zwangsläufig Kassengift sein müssen.

Wer DOPPELMORD noch nicht kennt, sollte sich sowohl die folgende Inhaltsangabe als auch den Trailer verkneifen, denn man kann die Handlung gar nicht wiedergeben ohne die Hälfte des Films zu verraten. Das liegt daran, dass DOPPELMORD eine ewig lange Exposition benötigt, um zur eigentlichen Geschichte zu kommen.
(SPOILER Anfang) In Kürze geht es darum: Ashley Judd fährt mit ihrem Mann Bruce Greenwood mit einem Boot aufs Meer hinaus, der Mann verschwindet spurlos, die Polizei findet Blutspuren, und die arme Ashley wird des Mordes angeklagt und für mehrere Jahre eingebuchtet. Ihr Kind landet bei der besten Freundin, und Ashley schmort im Gefängnis, wo sie zufällig mitbekommt, dass ihr Mann noch lebt und sich mit Kind und Freundin aus dem Staub gemacht hat. Nun plant sie ihre Rache, treibt ordentlich Sport, um in Form zu bleiben, und als sie wegen guter Führung entlassen wird und bei Bewährungshelfer Tommy Lee Jones unterkommt, entwischt sie in einem günstigen Moment dem Aufpasser. Der muss sie nun schleunigst wieder einfangen, bevor sie ihren Mann tatsächlich ermordet... (SPOILER Ende)

Hier erst beginnt die eigentliche Handlung des Films, der eine weibliche Variante von "Auf der Flucht" darstellt, zumal Tommy Lee Jones als desillusionierter Gesetzeshüter seine Rolle aus besagtem Vorbild praktisch wiederholt - außer, dass er zu Judd ein doch väterlich-emotionales Verhältnis entwickelt und sie vor sich selbst beschützen möchte (anders als bei Harrison Ford, wo es ihm - wie wir alle wissen - "scheißegal" war, ob Ford schuldig oder unschuldig ist). Die ganze Vorgeschichte ist natürlich nötig, um schließlich zur Action-Hetzjagd anzusetzen, doch braucht der Film die halbe Spielzeit, damit es endlich mal losgeht.

Wenn DOPPELMORD dann auf Touren kommt, beginnt ein sehr unterhaltsamer Action-Krimi ('Thriller' würde ich ihn jetzt nicht nennen), bei dem Ashley Judd zeigen kann, was sie alles draufhat. Immerhin sieht sie nach sechs Jahren Gefängnisaufenthalt zehn Jahre jünger aus als vorher, aber sie hat im Knast ja auch mit Hanteln trainiert und an den Bauchmuskeln gearbeitet. In der spektakulärsten Sequenz rast sie mit einem Wagen von einer Autofähre ins Meer, wobei sei noch mit Handschellen an die Autotür gefesselt ist. Außerdem verursacht sie mehrere Auto-Crashs, bricht in einen Kindergarten ein, flüchtet vor Tommy Lee Jones durch eine Mardi Gras Parade in New Orleans und hat trotzdem noch genug Zeit, sich ein sündhaft teures Kleid zu kaufen, um aufgedonnert bei einer Junggesellenversteigerung als Bieterin für den hundsgemeinen Ehegatten aufzutauchen.
Nach Logik sollte man eher nicht suchen, ganz besonders nicht, wenn Bruce Greenwood Ashley Judd auf einen Friedhof lockt, sie dort niederknüppelt und in einer Gruft einsperrt, ohne zu merken, dass sie eine Pistole in der Hose hat, mit der sie locker entkommt (die Gruft hat praktischerweise auch ein Fenster).

DOPPELMORD ist extrem familientauglich und komplett gewaltfrei, aber Bruce Beresford hat als Regisseur ein gewohnt gutes Auge für Südstaaten-Locations und kann im letzten Drittel mit vielen Szenen an Originalschauplätzen für hervorragende Atmosphäre sorgen. Wenn nur die erste Hälfte nicht so kitschig wäre, aber immerhin spielt ja Judd hier eine Übermutter, die ihr Leben hergeben würde, um ihr Kind zu retten und wieder an den mütterlichen Busen zu drücken. Gut und Böse bleiben stets sauber getrennt (die beste Freundin ist natürlich eine miese Schlampe, der Ehemann ein aalglattes Miststück), damit auch niemand im Publikum verunsichert wird. Insofern ist DOPPELMORD eher altmodische Unterhaltung. Den Namen Hitchcock möchte man hier nicht wirklich in den Mund nehmen, aber der Film hat - neben einer Jagd durch Menschenmassen mit Regenschirmen - schon was vom alten Meister, wenn er Ashley Judd in Cary Grant-Manier kreuz und quer durchs ganze Land jagt. Dass Judd eine tolle Schauspielerin ist, hat sie oft beweisen, hier darf sie eher ihre physischen Vorzüge herausstellen und den Kerlen zeigen, wo der Hammer hängt. Für Hollywood-Mainstream ist das schon militanter Feminismus, und das erklärt vielleicht den großen Kassenerfolg.

Bei uns konnte DOPPELMORD nicht so recht in den Kinos punkten. Ein Doppelmord findet übrigens nirgends im Film statt. Der Originaltitel "Double Jeopardy" bezieht sich auf die bekannte juristische Regel, nach der niemand zweimal für das gleiche Verbrechen angeklagt werden kann. Das erfährt Ashley Judd im Knast von einer Mitgefangenen (Roma Maffia), die ihr rät, sie solle doch den fiesen Gatten abknallen, und niemand könne sie dafür belangen, weil sie für dessen (vermeintlichen) Mord ja schon einsitzt. Ob das juristisch so haltbar ist, wie der Film behauptet, halte ich doch für sehr fragwürdig. Ich würde sogar bezweifeln, dass eine Frau für einen Mord ins Gefängnis muss, bei dem es weder eine Leiche noch ein Motiv gibt. Aber schon Hitchcock hat sich nicht um derlei Wahrscheinlichkeitskrämerei geschert.

07/10

Montag, 24. Juni 2013

DVD-Veröffentlichung: Landhaus der toten Seelen (1976)

Was passt besser zu den sommerlichen Temperaturen als der wunderbare Spukhaus-Klassiker LANDHAUS DER TOTEN SEELEN (Burnt Offerings), der mir bereits in der Kindheit wochenlang Alpträume beschert hat, nachdem ich ihn heimlich im TV-Nachtprogramm sah.

"Das Haus versorgt sich selbst", sagt Eileen Heckart, als Oliver Reed und Karen Black samt Kind und Tantchen Bette Davis für den Sommer in besagtes Landhaus ziehen. In der Tat versorgt es sich nicht nur selbst, sondern raubt den Bewohnern auch die Lebensenergie, bringt vertrocknete Pflanzen zum Blühen, macht aus dem Pool ein Wellenbad und aus der rüstigen Bette Davis eine keuchende Greisin. Das Beste aber ist der Leichenwagen-Chauffeur, der Oliver Reed in dessen Träumen heimsucht. Wer sich da vor Angst nicht in die Strümpfe strullert, hat selbst schuld.

Obwohl der Film von der FSK ab 16 Jahren freigegeben ist, hat ihn das Label NSM Records nun in Österreich mit dem Zusatz "Kein Verkauf an Kinder und Jugendliche" herausgebracht, und zwar in einer schönen Großbox mit vier verschiedenen Covermotiven und limitiert auf 250 Stück. Eine Veröffentlichung für Fans, ohne Zweifel. Nicht ganz billig (um die 30 Euro), dafür gibt's aber - wie auf der US-DVD von MGM - den sehr unterhaltsamen Audiokommentar von Karen Black und Regisseur Dan Curtis neben dem Trailer als Extra. Der Film selbst liegt im Kinoformat 1,85 vor (anamorph codiert), Ton ist deutsch & englisch. Die Bildqualität ist mir ein bisschen zu unscharf, zumal der Film ohnehin schon mit reichlich Weichzeichner fotografiert wurde. Die US-DVD sieht da etwas besser aus. Macht aber nichts, das ist trotzdem eine willkommene Ausgabe eines meiner liebsten Gruselklassiker.

Die vollständige Rezension gibt's hier.


Sonntag, 23. Juni 2013

Best Laid Plans (1999)

Nick (Alessandro Nivola) und Lissa (Reese Witherspoon) haben sich gerade erst in einem Kleinstadt-Kaff kennengelernt, da stecken sie auch schon tief in der Klemme. Nick schuldet dem örtlichen Drogengangster Geld, das er in kürzester Zeit auftreiben muss, andernfalls blüht ihm ein übles Schicksal. Das junge Paar entwickelt einen simplen Plan, an eine wertvolle Banknote im Haus von Nicks Schulfreund Bryce (Josh Brolin) zu kommen. Der Plan allerdings läuft völlig aus dem Ruder...

BEST LAID PLANS (Best Laid Plans) von Mike Barker (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen britischen Drama von 2012) ist lupenreiner Neo-Noir und einer meiner Geheimtipps der späten 90er. Die Kritiker konnten dem durchgestylten Thriller nicht viel abgewinnen, und eine größere Anzahl Zuschauer konnte er auch nicht gerade verbuchen. Wer aber Filme wie John Dahls "Die letzte Verführung" (1994) oder "Kill me Again" (1989) mag, der dürfte hier seine Freude haben.

BEST LAID PLANS orientiert sich ganz an den klassischen Noir-Vorbildern und legt deutlich mehr Wert auf die Konstruktion seines verschachtelten Plots als eine glaubwürdige Figurenentwicklung. Die Handlung wird als ausgedehnte Rückblende geschildert und schlägt mehrere unerwartete Haken. Immer wenn man meint, man habe die finsteren Pläne der Charaktere durchschaut, lässt eine weitere Wendung alles plötzlich ganz anders aussehen. Dazu ist der Thriller hervorragend bebildert und raffiniert ausgeleuchtet. Auch das Kostümbild ist exquisit. Die Kleinstadt irgendwo am Arsch der Welt, bzw. Amerikas, in der eine Recycling-Anlage den größten Wirtschaftsfaktor darstellt, liefert ein originelles Setting für die verzwickte Geschichte.

Die Darsteller leisten erstklassige Arbeit. Nivola und Witherspoon sind ein sympathisches und attraktives Loser-Paar, das von einer besseren Zukunft träumt, aber laut Gesetz des Noir werden kleinkriminelle Pläne immer doppelt und dreifach bestraft. Deshalb geraten auch sie von einer aussichtslosen Lage in die nächste und machen durch ihre verzweifelten Versuche, der jeweiligen Situation zu entkommen, alles nur noch schlimmer. Figuren mit weißer Weste existieren in diesem düsteren Universum überhaupt nicht, alle haben Dreck am Stecken und bekommen (mehr), als sie verdienen. Wenn gegen Ende unser Liebespaar völlig ramponiert, verprügelt und misshandelt durch die leeren Straßen zieht, spürt man, dass BEST LAID PLANS auch eine schwarze Komödie sein könnte.

Geschmälert wird das Vergnügen lediglich durch ein paar unnötige Zugeständnisse ans junge Publikum - wie die Verwendung von Popsongs, die hier eigentlich nichts zu suchen haben und den exzellenten Score von Craig Armstrong sabotieren. Da wird man das Gefühl nicht los, dass Regisseur Barker nicht ganz freie Hand hatte und seinen Thriller auf Kassenerfolg hinbiegen musste (der sich nicht einstellte). Dafür sprechen auch die zahlreichen Deleted Scenes und das alternative Ende, die auf der DVD zu begutachten sind.

Bei mir hat BEST LAID PLANS mehrere Steine im Brett, schon weil ich immer eine Schwäche für Alessandro Nivola hatte, der irgendwie nie in die erste Garde aufgestiegen ist, wo er eigentlich hingehört (wem Nivola ebenfalls gefällt, sollte sich "Laurel Canyon" von 2002 ansehen). Reese Witherspoon stand hier noch vor ihrem großen Durchbruch und besitzt eine erfrischende Natürlichkeit (die ihr mittlerweile abhanden gekommen ist), und auch Josh Brolin musste noch einige Jährchen warten, bis er als Schauspieler statt als Pin-Up anerkannt wurde.
BEST LAID PLANS ist kein Meilenstein des Neo-Noir, aber ein raffiniert erdachter und spannend inszenierter kleiner Thriller für zwischendurch. Ich sehe ihn immer wieder gern.

7.5/10


Samstag, 15. Juni 2013

The Cell (2000)

Was geht tief in uns vor?
Im Jahr 1966 inszenierte Richard Fleischer mit seinem Sci-Fi-Klassiker "Die phantastische Reise" eine ebenso spektakuläre wie unheimliche Fahrt einiger Wissenschaftler durch den menschlichen Körper. Über 30 Jahre später bearbeitete  Regisseur Tarsem Singh mit THE CELL (The Cell) einen ganz ähnlichen Stoff - nur dass dieses Mal die Reise direkt ins Unterbewusstsein führen sollte. Als aktuellsten Beitrag dieser Reihe könnte man Christopher Nolans "Inception" (2010) bezeichnen. Stets geht es um die Durchquerung fantastischer innerer Welten, um an spezielle Informationen zu gelangen, die darin verborgen sind.

An THE CELL scheiden sich die Geister. Für die einen ist er lediglich ein in die Länge gezogenes, überproduziertes Musikvideo, für die anderen ein faszinierend surreales Abenteuer. Der verstorbene US-Kritiker Roger Ebert, den man nicht wirklich als Horror-Fan bezeichnen konnte, gab THE CELL mal die volle Punktzahl und nannte ihn einen der zehn besten Filme des Jahres. Ich weiß nicht so recht, Roger...

Jennifer Lopez spielt in THE CELL die Kinderpsychologin und Sozialarbeiterin Catherine, die mittels einer neuartigen Technik in das Unterbewusstsein von komatösen Menschen eindringen und sie darin therapieren kann. Als ein psychisch gestörter Frauenmörder (Vincent D'Onofrio) ins Koma fällt, nachdem er gerade sein letztes Opfer entführt und eingekerkert hat, bittet ein FBI-Agent (Vince Vaughn) sie um Hilfe. Catherine soll den Aufenthaltsort der Entführten ausfindig machen, indem sie in die Seele des Killers eintaucht und die Information dort entdeckt. Das ist natürlich nicht ungefährlich...

Wer jetzt meint, "so etwas gibt es doch gar nicht, wie soll denn das bitte funktionieren?", dem sei gesagt, dass es dem Film darauf nicht ankommt, immerhin strotze auch "Die phantastische Reise" nur so vor Unlogik. Eine fantastische Prämisse muss man eben schlucken oder nicht. Wer allerdings meint, "ist das alles nicht 'Das Schweigen der Lämmer', nur mit Traumsequenzen?", dem kann man absolut zustimmen.
Kurz gesagt: hätte Tarsem Singh auf den ganzen Serienkiller-Quatsch verzichtet und sich mehr um die Horror/Fantasy-Elemente gekümmert, wäre aus THE CELL vielleicht wirklich ein Meisterwerk geworden. Die Krimi-Handlung bietet als Rahmen nichts, was man nicht schon in den 10 Jahren zuvor gesehen hätte - ein derangierter Mörder mit traumatischer Kindheit, der Frauen in Tiefgaragen kidnappt und sie in ein großes Aquarium steckt, das sich langsam mit Wasser füllt, so dass die Opfer ihrem qualvollen Tod langsam entgegensehen. Neu ist daran nur, dass der Täter einen weißen Schäferhund dabei hat, und dass er sich gern selbst quält, indem er sich an Haken auf dem Rücken an der Zimmerdecke aufhängt (falls gerade keine Opfer gequält werden müssen, kann man die Haken auch für Gästehandtücher benutzen).

Was THE CELL aber weit aus der Masse heraushebt, sind die vier (mehr sind es nicht) Unterbewusstseins-Sequenzen, die von einer surrealen Qualität sind, wie man sie nicht oft im amerikanischen Kino findet. In denen wird man mit vielen abgefahrenen ästhetischen Einfällen und Tricks, sowie ausgefallensten Masken und Kostümen beglückt. Wie stellt man nun das Unterbewusstsein eines Killers dar? THE CELL entscheidet sich für eine Mischung aus düsterem Tunnel-Labyrinth (à la "Hellbound", 1988), türkischem Basar (zu dem Komponist Howard Shore eine bizarre, orientalisch geprägte Musik beisteuert), S&M-Puppenstube, Körperwelten-Austellung und italienischer Oper, mit einem guten Schuss H.R. Giger.

Tarsem Singh stellt in diesen Sequenzen mehrere bekannte und unbekannte Gemälde nach, baut Musikvideo- und Filmreferenzen ("Coma", 1978) ein, schmeißt Kitsch, Kunst, Religion, Sex und Gore munter durcheinander, und die pure Ansammlung der Absurditäten ist schon beeindruckend. Da muss sich Vincent D'Onofrio als Teufelchen mit Hörnern verkleiden und darf La Lopez übers Gesicht schlecken, bevor er mit Vince Vaughns Eingeweiden musiziert. Die Diva Lopez wird in extravaganteste Fummel gesteckt, in Glaskästen gequetscht und als Sex-Sklavin an der Leine gehalten, bevor sie als heilsbringende Madonna (!) das innere Kind des Mörders therapiert, um dann als schwarzgewandete Kriegsbraut mit Armbrust das Böse zwischen pinkfarbenen Bäumen zur Strecke bringt. Das ist Grand Guignol vom Feinsten und sieht man garantiert nicht jeden Tag. Man darf (und muss) es neidlos anerkennen, wenn ein Film heute noch dem Zuschauer bislang nie gesehene Bilder zeigen kann.

Ich persönlich bin mittlerweile nach 30 Jahren Horrorfilm-Konsum nicht mehr leicht zu schocken, aber wenn diese seltsame Bodybuilderin bei Lopez' erstem Ausflug ins Gehirn des Killers auftaucht, bekomme ich auch nach mehrfachem Ansehen immer noch eine Gänsehaut, keine Ahnung, warum - vielleicht müsste man mal eine Therapeutin in mein Gehirn schicken, um die verschütteten Erinnerungen freizulegen. Wenn man einen Horrorfilm daran misst, wie viel Angst er erzeugen kann, dann erreicht THE CELL bei mir eine ganz ordentliche Punktzahl. Einige Bilder und Szenarien - wie das von Glaswänden zerteilte Pferd - bleiben unvergesslich. Nebenbei schafft es der Film übrigens tatsächlich, einen kleinen Einblick in die Psyche eines misshandelten Kindes zu gewähren, das sich als Erwachsener nicht anders ausdrücken kann als mit Gewalt. Die finale Tötung des Killers durch Lopez ist insofern mehr als ein übliches Versatzstück, weil man die Tragik nachempfinden kann, die in dieser Exekution verborgen ist. Dieser Junge hatte nie eine Chance.

Der Rest ist leider Standard-Kino, und die Schauspieler so lala. Wenn es das Wort 'uncharismatisch' noch nicht gäbe, müsste man es für Vince Vaugh neu erfinden, und Jennifer Lopez' Darstellung ist - wie so oft - Geschmackssache. Sie spielt ihre Kinderpsychologin mit konstant weinerlicher, gehauchter Stimmlage und posiert albern, selbst wenn sie alleine zu Hause ist und nur den Kühlschrank öffnet (im String natürlich, weil Psychologinnen auch daheim immer darauf achten, sexy zu sein!). Andererseits sah sie selten besser aus und wurde nie ikonenhafter fotografiert (und trug nie unglaublichere Kostüme). Vincent D'Onofrio greift auf viele 'irrer Killer'-Klischees in seinem Spiel zurück, aber auch er wird von Tarsem Singh in den Fantasy-Sequenzen absolut furchteinflößend als Übermonster in Szene gesetzt. In einer Nebenrolle muss der arme Dylan Baker als Wissenschaftler ständig die technischen und medizinischen Vorgänge erklären, und das gelingt ihm angesichts der Tatsache, dass diese natürlich hanebüchener Humbug sind, sehr gut.

THE CELL erinnert aufgrund seiner Effekte sehr an Ken Russells "Der Höllentrip" (1980), der im Vergleich allerdings künstlerisch geschlossener war und fast gänzlich auf ein Handlungsgerüst verzichtete. Könnte sich das amerikanische Kino nur vom Zwang zum Plot befreien, wie es das europäische Kino von Bunuel, Resnais, Bava, Fulci und Argento vorgemacht hat, dann hätte THE CELL ein sicher kontroverser, aber radikaler Alptraum werden können. So ist er eben 'nur' "Das Schweigen der Lämmer" mit Traumsequenzen. Das ist nicht wenig, aber zu wenig, um vollends zu begeistern. Da bei THE CELL die Meinungen extrem auseinandergehen, soll das bitte jeder auf eigene Gefahr überprüfen.

07/10 (insgesamt)
10/10 (für die Fantasy-Sequenzen)



Ein Designer-(Alp)Traum - Jennifer Lopez in "The Cell"


Mittwoch, 12. Juni 2013

High Lane (2009)

"The Descent" meets "Wrong Turn"

Der moderne französische Horrorfilm hat sich trotz einiger gelungener Beiträge immer noch nicht emanzipiert und kopiert zu sehr das amerikanische Genre-Kino, so auch HIGH LANE - SCHAU NICHT NACH UNTEN (Vertige), der zwar professionell gemacht und hervorragend fotografiert, inhaltlich aber so weit von Originalität entfernt ist wie seine Protagonisten von der Zivilisation.

Worum geht es? Fünf junge Leute machen eine Klettertour in den kroatischen Bergen. Obwohl die Strecke offiziell gesperrt ist, wagen sie den Aufstieg und müssen bald mit Höhenangst und technischem Versagen fertig werden. Als ihnen der Rückweg verperrt bleibt, geraten sie in der Einsamkeit der Berge ausgerechnet an einen irren Killer, der in einer verlassenen Hütte lebt und Jagd auf sie macht...

Man sieht schon an der knappen Inhaltsangabe, alles schon mal da gewesen. HIGH LANE zerfällt dabei in zwei Teile, von denen mir die erste Hälfte, in der die Klettertour der Protagonisten geschildert wird, trotz aller Klischees besser gefällt als die zweite. Hier funktionieren Spannung und Suspense recht gut, und Kameramann Nicolas Massart findet sowohl für das grandiose Bergpanorama als auch für die Action-Sequenzen packende Bilder. An die Intensität eines "The Descent" (2005) aber kommt der Film nie heran, zumal die fünf Charaktere so eindimensional gezeichnet sind, dass sie einem fremd bleiben und ihr Schicksal kalt lässt. Wir erfahren lediglich die Berufe der Protagonisten, eine hat ein Trauma, und zwei der Männer sind Rivalen, das war's auch schon. Ein bisschen wenig, um wirklich mitzufiebern.
Die attraktiven Jungdarsteller leisten Dienst nach Vorschrift, von ihnen wird ohnehin mehr körperliche Fitness als schauspielerisches Talent verlangt. Lediglich der Kletterer mit der Höhenangst rutscht gelegentlich ins Overacting ab, und man fragt sich, was der eigentlich genau bei dem Ausflug zu suchen hat. Die Antwort liegt natürlich auf der Hand - ohne ihn gäbe es in der ersten Hälfte so gut wie keine Spannung, weil er durch seine Angst und Schwäche die Gruppe ständig in Gefahr bringt. Praktisch, so jemanden dabei zu haben.

Nachdem die Gruppe durch eine abgestürzte Brücke endgültig von der Außenwelt abgeschnitten ist, verlässt HIGH LANE den Thriller und wendet sich dem Backwoods-Slasher zu, und der folgt leider den bereits völlig ausgelatschten Fußstapfen zahlloser Vorbilder wie "Wrong Turn" (2003), "Wolf Creek" (2005) und so ziemlich jedem Teenie-Horror der letzten Jahre, in denen sich profillose Schreihälse jenseits der Zivilisation im Wald, im Outback oder sonstwo verlaufen und an degenerierte Psychopathen geraten, die zufällig immer dort hausen, wo ihnen - wenn's hoch kommt - nur einmal im Jahr ein Opfer vor das Jagdmesser rennt.
Also wird auch in HIGH LANE viel gerannt, gekreischt und gefoltert, man baumelt gefesselt von Höhlendecken oder bekommt abgeschossene Pfeile durch den Kopf. Alles weder besonders aufregend, noch besonders blutrünstig, lediglich routiniert und ohne Handschrift in Szene gesetzt. Wer nach einer zweiten Ebene oder Subtexten sucht, wird hier ebenfalls nicht fündig. Am Ende gibt es dann noch eine schnell nachgereichte Statistik über spurlos in den Bergen verschwundene Menschen, die offensichtlich frei erfunden ist. Und warum nun selbst in einem französischen Film Osteuropa als Hort des archaischen Bösen herhalten muss (à la "Hostel"), weiß auch niemand. Vermutlich gibt es auf dem Mont Blanc keine zotteligen Eingeborenen, die Ausflügler aufschlitzen. Schwein gehabt.

HIGH LANE ist einer dieser Filme, die man sehen kann, aber weißgott nicht gesehen haben muss. Und ich persönlich habe wirklich genug von diesen immer gleichen Szenarien, in denen dämliches Jungvolk sich erst selbst in Gefahr bringt und dann in die Klauen eines verlausten Hinterwäldlers gerät, der dringend ein Bad, einen Zahnarzt und einen Therapeuten, der die Herausforderung schätzt, benötigt. Diese Filme sind aufgrund des begrenzten Schauplatzes und der überschaubaren Darstellerzahl schnell und kostengünstig herzustellen, aber ganz ehrlich, haben wir nicht wirklich, wirklich genug davon gesehen?

06/10

Sonntag, 9. Juni 2013

House (1986)

HOUSE (House) war seinerzeit ein Überraschungserfolg in den Kinos und gehört zu den besseren Vertretern der Horror-Komödien, die in den 80ern an der Tagesordnung waren. Der Gruselspaß von Steve Miner ist zwar nicht unbedingt gut gealtert, aber ich erinnere mich noch wohlig an meinen damaligen Kinobesuch, bei dem ein voller Saal ordentlich gelacht, gekreischt und sich bestens amüsiert hat. Es war der richtige Film zur richtigen Zeit.

Worum geht es? Der Schriftsteller Roger Cobb (William Katt) erbt das Haus seiner verstorbenen Tante, die Zeit ihres Lebens dem Okkultismus zugewandt war - oder wie der übergewichtige Nachbar (George Wendt) erklärt: "Die Alte hatte nicht mehr alle Tassen im Schrank". Roger will in der Abgeschiedenheit des Hauses ein neues Buch schreiben, in dem er von seinen Vietnam-Erfahrungen berichtet. Außerdem versucht er, über den Verlust des Sohnes hinwegzukommen, der vor einiger Zeit spurlos verschwand. Bald schon hört er mysteriöse Geräusche im alten Haus, entdeckt ein Monster im Wandschrank, und die Gartenwerkzeuge machen Jagd auf den Autor. Wie sich herausstellt, liegt der Schlüssel zu Rogers unerledigten Traumata im Haus verborgen...

HOUSE ist durch und durch Mainstream-Horror und deswegen auch vollkommen harmlos. Tatsächlich werden die Lachmuskeln deutlich mehr strapaziert als die Nerven, was besonders am Spiel von Hauptdarsteller Katt liegt, der auf sämtliche Vorgänge im Haus eigenwillig bis merkwürdig reagiert. Weder wundert er sich sonderlich, dass sich hinter Badezimmerspiegeln Tore zu anderen Dimensionen befinden, noch macht es ihm viel aus, als er seine Ex-Frau, die zufällig vorbeikommt und sich in ein dickes Muppet-Monster mit Abendkleid verwandelt, über den Haufen schießt. Er ist mehr damit beschäftigt, deren Überreste zu beseitigen und die sexy Nachbarin nicht merken zu lassen, dass eine abgetrennte, aber höchst lebendige Hand den Rücken ihres Kindes hinaufkrabbelt.

Neben den Schmunzlern sorgt Regisseur Steve Miner aber auch für ein paar herzhafte Erschrecker ('Schocker' würde ich sie jetzt nicht nennen), und er baut in bester John Landis-Manier an mehreren Stellen Popsongs als ironische Kommentare ein (z.B. "This is Dedicated to the One I Love", während Roger seine mutierte Ex-Frau mit der Axt zerstückelt). Der Einfluss von Sam Raimis "Evil Dead" (1981) ist praktisch überall erkennbar (auch in dem toten Fisch an der Wand, der plötzlich zum Leben erwacht), ohne dass HOUSE aber jemals dessen Intensität (oder Goregehalt) erreicht.

Man sieht schon, es ist allerhand los in diesem Spukhaus, und langweilig wird es irgendwie nie, richtig spannend aber auch nicht, weil sämtliche Ereignisse ohne Logik oder inneren Zusammenhang über Roger hineinbrechen. Da es keine Regeln gibt, nach denen die geisterhaften Geschehnisse sich richten, kann man als Zuschauer auch nicht wirklich mitfiebern, es kann ständig alles Mögliche passieren. Hinter dem ganzen Hokuspokus steckt dann tatsächlich die unbearbeitete Vietnam-Vergangenheit, und da muss man anerkennen, dass der Film sich zumindest Mühe gibt, einen ernsten Subtext für seine Spukhaus-Geschichte anzubieten. Nachdem das Thema Vietnam lange Zeit von Hollywood totgeschwiegen wurde, hatte Oliver Stone es mit "Platoon" (1986) gerade ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Dass sich ein alberner Spaß wie HOUSE dieses Themas annimmt, zeigt, wie aufnahmebereit das Publikum dafür war. Da ist es auch nur halb so schlimm, wenn das Happy-End ein paar Nummern zu zuckersüß ausfällt.

Vor und hinter den Kulissen von HOUSE tummeln sich mehrere Bekannte. Produzent Sean S. Cunningham hat den Original "Freitag der 13." (1980) inszeniert, und HOUSE-Regisseur Steve Miner war für die Fortsetzung "Freitag der 13. Teil 2" (1981) zuständig. Von Cunningham hat er sich Komponist Harry Manfredini ausgeborgt, der einen hübschen Score (Elektronik und Cello) beisteuert. Kameramann Mac Ahlberg ("Re-Animator", 1985) ist eine feste Größe im Horror-Genre, und Hauptdarsteller William Katt hat einst als blonder Jüngling den berüchtigten Eimer mit Schweineblut auf den Schädel bekommen, der das arme Mädel "Carrie" (1976) auf deren misslungenem Abschlussball etwas...äh, überreagieren ließ. Der lustige Nachbar George Wendt saß hingegen jahrelang am Tresen von "Cheers".

Eine einigermaßen originelle Story, gute Masken und Spezialeffekte, sowie ein guter Schuss trockener Humor ("Ups" sagt der Makler, als er versehentlich eine Harpune abfeuert, die William Katt nur um Haaresbreite verfehlt) sorgen dafür, dass man diesem Spukhaus der 80er getrost mal einen Besuch abstatten kann, wenn man nichts Sensationelles erwartet. Für mich hat er eher nostalgischen Wert, weil ich ihn damals in einer Doppelvorstellung mit dem wesentlich besseren "Fright Night" (1985) sah. Das war ein toller Abend. Um die Fortsetzungen von HOUSE - ganz besonders den sentimentalen Quatsch "House II" (1987) - sollte man aber lieber einen großen Bogen machen.

07/10

Freitag, 7. Juni 2013

American Monster (1982)

Ein geflügeltes Untier namens 'Quetzalcoatl' (genannt 'Q') macht New York unsicher und verspeist über den Dächern der Großstadt Fensterputzer, Bauarbeiter und Sonnenanbeter. Der Kleinkriminelle Jimmy (Michael Moriarty) entdeckt nach einem geplatzten Juwelenraub auf seiner Flucht hoch oben im Chrysler Gebäude das Nest des Monsters, inklusive überdimensionalem Ei. Nun wittert er die Chance aufs große Geld und verlangt für die Enthüllung des Verstecks von der Stadt eine ansehnliche Summe...

AMERICAN MONSTER (Q - The Winged Serpent) ist vielleicht der beste Monster-Film der 80er, ein ebenso ruppiger wie  humorvoller Low Budget-Film von Larry Cohen, dessen Werke nicht immer gleich gut, aber nie langweilig sind. Cohen wurde mit seinem Killer-Baby-Film "Die Wiege des Bösen" (1974) berühmt und verpackte oft gesellschaftlich relevante Themen in fantastische Horror-Geschichten.

AMERICAN MONSTER ist aber eher eine Hommage an die Monsterfilme seiner Jugend. Das schmale Budget sieht man an allen Ecken und Enden, dafür wird das Flügelmonster aber mit hübsch altmodischer Stop-Motion-Technik zum Leben erweckt, die jedem Nostalgiker ein Lächeln ins Gesicht zaubert, während junge Zuschauer wahrscheinlich nur den Kopf über die naiven Tricks schütteln können. Das Wort 'Charme' ist hier das Zauberwort, denn so durchschaubar die Effekte auch sind, sie sind liebevoll handgemacht, und sie hauchen dem Monster trotz (und wegen) ihrer Begrenztheit Leben und Charakter ein.

Obwohl Anfang der 80er inszeniert, verbreitet AMERICAN MONSTER durchweg ein typisches 70er-Feeling, allein schon wegen der vielen Außenaufnahmen an Originalschauplätzen im sommerlichen New York, insbesondere wegen der vielen Kleindarsteller und Komparsen, die sich in den Straßen tummeln, wenn das Monster zuschlägt und Köpfe, Beine und Atme auf sie hinabregnen. Die Panik der Massen gehört zum Monsterfilm seit eh und je dazu, und sie ist auch eine Spezialität von Cohen, der in einem seiner besten Filme, dem Okkult-Thriller "God Told Me To" (1976), zuerst einen Sniper durch die Großstadt schickte und danach eine ganze St. Patricks Day-Parade außer Kontrolle geraten ließ.

Wie üblich belässt es Cohen nicht bei einem simplen Plot, sondern verzweigt die Handlung in mehrere Nebenstränge. Deshalb muss David Carradine als ermittelnder Detective noch eine Serie von Ritualmorden aufklären, die indirekt mit dem blutrünstigen Ungetüm zu tun haben, und das Hauptaugenmerk des Films liegt eindeutig bei Michael Moriartys fabelhafter Darstellung eines dümmlichen, schmierigen Losers, der durch die Entdeckung des Monster-Verstecks die Chance sieht, sein Leben zu verändern.
Mit Moriarty hat Cohen einen Schauspieler (und Method Actor) gefunden, der perfekt zum skurrilen Ton seiner Filme passt. Jede von Moriartys schrägen Darbietungen in Cohen-Filmen ("Die Wiege des Schreckens", 1987, "The Stuff", 1985) ist sehenswert, aber die in AMERICAN MONSTER ist fraglos seine beste. Allein der katastrophale Juwelenraub, bei dem Moriarty - nachdem er mit den erbeuteten Diamanten eilig den Laden verlässt - zuerst die Autoschlüssel für den Fluchtwagen vergisst, dann vor Panik in ein Taxi rennt und dabei die Tasche mit den Juwelen im hohen Bogen durch die Straße segelt, wonach er humpelnd das nächste Versteck sucht und direkt in die Monsterbehausung gerät, ist ein echter Brüller und könnte direkt aus Slapstick-Komödien wie "Is' was, Doc?" (1972) stammen - wenn sie nicht so tragisch wäre.

Es gehört zu Moriartys Kunst, einen komplett unsympathischen, großmäuligen und intelligenzbefreiten Antihelden, den man in dieser Form niemals im Hollywood-Mainstream sehen würde, ungemein liebens- und bemitleidenswert zu gestalten, so dass man als Zuschauer stets hin- und hergerissen ist, ob man ihn in den Arm nehmen oder übers Knie legen möchte, ob man mit ihm oder über ihn lachen soll. Besonders gelungen sind seine (offensichtlich improvisierten) Szenen mit David Carradine, in denen sich beide konsequent ins Wort fallen und beleidigen. Da haben Schauspieler mal so richtig Spaß an ihrer Arbeit.

AMERICAN MONSTER ist als One-Man-Show von Moriarty bereits eine  Klasse für sich, aber er funktioniert dank einiger bizarr-blutiger Einfälle und seiner Unvorhersehbarkeit (und einer herrlich kindischen Schluss-Pointe) auch wunderbar als klassisches Monster-Spektakel. Hochspannend ist er nicht, aber unterhaltsam und abwechslungsreich. Da fallen ein paar kleinere Längen und die bei Cohen üblichen Holperer, die zumeist aufgrund der Ideenfülle entstehen (Cohen neigt dazu, viele unterschiedliche Einfälle in seine Filme einzubringen, die sich manchmal gegenseitig im Weg stehen, aber wer will schon ein Zuviel an Kreativität kritisieren?), gar nicht ins Gewicht.

AMERICAN MONSTER ist sicher nicht jedermanns Sache, aber wer die kleinen, unabhängigen und unpolierten Filme Cohens mag, die so abseits vom üblichen Hollywood-Schema liegen, wird hier bestens bedient.

09/10


Hallo, da oben! 
Das Monster mit dem unaussprechlichen Namen, oder schlicht: "Q", in "American Monster"

Donnerstag, 6. Juni 2013

Camp des Grauens 3 (1989)

Den Unterschied zwischen Trash und Müll kann man gut am Beispiel der beiden "Sleepaway Camp"-Sequels erklären. "Camp des Grauens 2" (1988) ist billiger Schund, der sich an einen bekannten Titel dranhängt und durch seinen absurden Humor beinahe als Slasher-Parodie durchgeht. Als solche ist er zumindest ansehbar.

CAMP DES GRAUENS 3 (Sleepaway Camp 3: Teenage Wasteland), der mit ähnlich begrenzten Mitteln schnell hinterher geschossen wurde, kann hingegen nicht einmal die rudimentärsten Bedürfnisse des Publikums befriedigen. Er ist weder witzig noch blutig noch sonst irgendwas. Er ist auch nicht so schlecht, dass er schon wieder Spaß machen würde. Er ist schlicht und ergreifend zeitvergeudender Müll.

Pamela Springsteen schlüpft hier wieder in die Rolle der Serienkillerin Angela, die ihre Freizeit am liebsten in Sommercamps verbringt, wo sie Teenager beseitigt, die sich nicht an die Spielregeln halten, beziehungsweise sich nicht Angelas verklemmten Moralvorstellungen unterordnen. Um die Sache wenigstens ein bisschen interessanter zu machen, findet im aktuellen Camp gerade ein 'soziales Experiment' statt, in dem reiche und arme Teenager unter gleichen Bedingungen den Sommer verbringen. Angela aber kennt keine sozialen Unterschiede - für sie sind alle gleich gutes Kanonenfutter...

Angela schleicht sich übrigens ins Camp ein, indem sie gleich zu Beginn eine Teilnehmerin mit dem Müllwagen (in dem sich vermutlich die Rollen dieses Films befinden und dort auch hingehören) über den Haufen fährt. Und weil sie ein helles Mädel ist, trägt sie die gleiche Perücke wie ihr Opfer, so dass im Camp (natürlich) niemand bemerkt, dass sich eine Massenmörderin unter den Anwesenden befindet. Kaum angekommen, stapeln sich auch schon die Leichen, wobei der Gore-Gehalt hier überraschend gering ausfällt. Wahrscheinlich war kein Geld für Spezialeffekte da. Überhaupt macht der Film durchweg den Eindruck, keiner der Beteiligten vor und hinter der Kamera hätte auch nur einen Dollar bekommen - was angesichts der erbärmlichen Leistungen auch gerechtfertigt wäre.

Unter den Laiendarstellern darf ein bekanntes Gesicht selbstverständlich nicht fehlen. War es im Vorgänger der bedauernswerte Walter Gotell, der sich zum Affen machen musste, darf nun Michael J. Pollard sein Knautschgesicht in die Kamera halten. Zur Erinnerung: Pollard spielte mal in "Bonnie & Clyde" (1967) mit! Was für ein Abstieg. Dafür darf er eine minderjährige Camperin im Zelt zum Beischlaf nötigen. Soll witzig sein. Ist aber peinlich.

Über Pamela Springsteen habe ich in Teil 2 nichts gesagt, aber da sie hier mit ihrem wiederholten Auftritt als Slasherbraut in die Fußstapfen von Robert Englund und Kollegen treten möchte, sollte doch erwähnt werden, was für eine schwache Darbietung sie zeigt. Sie besitzt weder Präsenz noch Talent, außerdem scheint sie nicht einmal besonderen Spaß an der Rolle zu haben. Sie dachte wohl, sie könne das Geld einstreichen, einen simplen Job erledigen, und den Film würde ohnehin niemand sehen. Falsch gedacht, Pam, wir haben es alle gesehen. Hoffentlich war das Geld gut angelegt, denn mit der Schauspielkarriere sollte es nix werden (nach einer weiteren Rolle war diese beendet).

Dass man weder Springsteen noch ihre Rolle und schon gar nicht den gesamten Film ernst nehmen soll, ist so klar wie Kloßbrühe, trotzdem würde ich gern kurz auf die Figur Angela eingehen, die ja mal dem anderen Geschlecht angehörte und sich nun als Hüterin einer durch und durch reaktionären Moral aufspielt. Das ist genau so sinnlos wie fragwürdig. Man fragt sich, warum es eigentlich keinen Slasherflm gibt, der mal den Spieß umdreht (im übertragenen Sinn, nicht in den Eingeweiden der Teenager) und einen Killer auf brave, anständige und pflichtbewusste Charaktere loslässt, während die Kiffer, Fummler und Scherzkekse verschont bleiben. Nur ein Vorschlag.
Die Macher von CAMP DES GRAUENS 3 würden vielleicht erwidern, dass ihr Film gerade durch die bodenlose Übertreibung jener Moralvorstellungen diese ins Lächerliche zieht und damit ins Gegenteil verkehrt, aber ich fürchte, so viel Subversivität wäre eine grundlose Unterstellung meinerseits, wenn man bedenkt, was für eine künstlerische Bankrotterklärung dieser Film ist.

Trash kann gut und schlecht sein. Müll bleibt Müll. 

01/10

Montag, 3. Juni 2013

Camp des Grauens 2 (1988)

Ende der 80er war das Horror-Genre bereits so am Boden, dass man - anstatt auf neue, originelle Ideen zu setzen - sich einfach umschaute, welcher ältere Titel einen zumindest gewissen Bekanntheitsgrad besaß, um dann mit billigen Mitteln schnell eine 'Fortsetzung' herunterzukurbeln und diese gleich auf Video zu veröffentlichen (daran hat sich übrigens bis heute nicht viel geändert, wenn man sich den immer noch grassierenden Remake-Wahn ansieht).
Umso besser, wenn das Original handlungsmäßig im Wald angesiedelt war, da kann man sich als Produzent das Geld für Sets sparen. Gute Darsteller braucht man ebenfalls nicht, sondern castet stattdessen einen mehr oder weniger prominenten Namen (in diesem Fall Pamela Springsteen, die Schwester von "The Boss" Bruce), und das Zielpublikum wird ohnehin für so anspruchslos gehalten, dass man mit ein paar nackten Brüsten und Kunstblut schon über die Runden kommt.

"Blutiger Sommer im Camp des Grauens" (1983) war ein kleiner, schmuddeliger Slasher-Film mit wenig Spannung, aber einer haarsträubenden Auflösung, die dem Film zu Kultstatus verholfen hat. Voilà: CAMP DES GRAUENS 2 (Sleepaway Camp 2: Unhappy Campers).

(Achtung, SPOILER) Wir erinnern uns: Angela war das Mädel, das eigentlich ein Junge war und ihre Mitschüler im Sommercamp blutig dahingemetzelt hat. Heute, mehrere Geschlechtsanpassungen und Therapien später, ist sie erwachsen geworden und arbeitet als Aufsichtsperson in einem - na was wohl? - Sommercamp. Dort sorgt sie auch schnell für Ordnung, denn wie wir alle wissen, mag Angela es gar nicht gerne, wenn die Teenager-Wandervögel lieber vögeln als wandern, und auch bei Drogen zieht Angela einen klaren Schnitt - meistens durch die Hälse der Kiffer. Offiziell werden die unangepassten Kids von ihr nach Hause geschickt, inoffiziell landen sie abgemurkst in einerWaldhütte, wo sie wohlig vor sich hin verwesen...

CAMP DES GRAUENS 2 ist ein Film vom Bodensatz des Genres. Hier gibt es weit und breit nicht einen Funken Qualität zu sehen. Eine Regie ist praktisch nicht vorhanden (Regisseur Michael 'nie gehört' Simpson war wahrscheinlich schon froh, dass man das Mikro nicht in jeder Szene sieht), die Darsteller sind nicht nur viel zu alt für ihre Rollen (kennt man ja schon), sondern spielen auch unterirdisch, die Spezialeffekte sind billig, und so etwas wie Spannung will zu keiner Zeit aufkommen.
Natürlich soll man das alles nicht ernst nehmen, und wenn CAMP DES GRAUENS 2 überhaupt etwas irgendwie richtig macht, dann sind das die schwarzhumorigen Sprüche von Springsteen, wenn sie die Kids um die Ecke bringt, aber - seien wir ehrlich - gut sind die auch nicht. Hier biedert sich der Film lediglich bei den 'Elm Street'-Filmen an, in denen Kindermeuchler Freddy Krueger zu jedem Tod einen Oneliner auf Lager hatte ("Welcome to Prime Time, Bitch" ist mein Favorit). Diese waren aber schon nach Teil 3 nicht mehr lustig und werden hier nur wiedergekaut. Lediglich die Szene, in der Springsteen von zwei Kids in Freddy- und Jason-Masken überfallen wird und dann selbst in der Leatherface-Maske zurückschlägt, kann für etwas Kichern beim Fan sorgen.

Für die pubertierenden Jungs, die vor dem Fernseher noch eine Hand frei haben, gibt es stattdessen wippende Busen, verklemmten Sex und jede Menge Tote. Ein Geschwisterpaar wird von Angela auf dem Barbecue-Grill bei lebendigem Leib abgefackelt, andere Camper stranguliert sie mit Gitarrensaiten oder schlitzt sie mit dem guten alten Jagdmesser auf, und ein besonders freches Gör wird von Angela im Plumpsklo entsorgt. Am Ende landet das (öde) Final Girl Renée Estevez in besagter Hütte zwischen den Leichen ihrer Freunde und muss um ihr Leben fürchten, aber wer jetzt Parallelen zu Tobe Hoopers Klassiker sucht, wird sie hier nicht finden.

CAMP DES GRAUENS 2 ist reiner Trash und besitzt als solcher einen gewissen Unterhaltungswert, weil er immer nahe an der Parodie vorbeischrammt, aber man sollte auf gar keinen Fall mehr erwarten als das. 
Und was macht eigentlich Walter Gotell, der immerhin in mehreren James Bond-Filmen den russischen Geheimdienstchef spielte, in diesem Unfug? Da wären sogar Werbespots für Gebisshaftcreme oder Erwachsenenwindeln würdevoller gewesen.

03/10

Samstag, 1. Juni 2013

Predator (1987)

"Dann wollen wir den Ballermann mal aus dem Sack holen!"

Irgendwo im Dschungel Zentralamerikas geht ein außerirdisches Wesen um, nachdem dessen Raumschiff dort gestrandet ist. Es jagt, tötet und sammelt Trophäen. Gut, dass Major Dutch (Arnold Schwarzenegger) gerade mit einer Söldner-Eliteeinheit unterwegs ist, um einen angeblich entführten Minister aus den Händen von Guerillas zu befreien. Als seine Gruppe nach und nach von dem Alien dezimiert wird, muss er einsehen, dass er zum ersten Mal einen vielleicht übermächtigen Gegner gefunden hat...

PREDATOR (Predator) gehört zweifelsohne zu den besten (und bis heute beliebtesten) Filmen, die Arnold Schwarzenegger in seiner Karriere gemacht hat. Die Mischung aus Action- und Horrorfilm war ein Mega-Hit an den Kinokassen und wurde von konservativen Kritikern natürlich unisono verrissen. Dabei entging den meisten, dass sich hinter der eindimensionalen Oberfläche des Splatter-Abzählreims eine gar nicht so dumme Vietnam-Parabel verbirgt. Deswegen landet der kampferprobte Schwarzenegger auch unter falschen Voraussetzungen (sein Auftrag stellt sich als Finte heraus) im Dschungel, wo er auf einen Feind trifft, der sich besser auskennt, der 'unsichtbar' für das menschliche Auge ist, und in dessen Territorium er selbst zum Gejagten wird, ohne Hoffnung auf Hilfe von außen. Hat Schwarzenegger in vorigen Rollen noch das gute Gewissen Amerikas verkörpert, das im Auftrag von CIA, Polizei oder Militär agiert, steht er hier ganz alleine da, ist von seinen Bossen (und Freunden) verraten worden und dem Killer aus dem All hilflos ausgeliefert. Unverständlich, warum erst Jahre ins Land ziehen mussten, bevor dieser schlichte, aber effektive Subtext erkannt und anerkannt wurde.

Selbstverständlich ist PREDATOR nicht in allen Belangen innovativ. Überreste voriger Schwarzenegger-Vehikel finden sich noch in den Macho-Sprüchen ("Ich habe keine Zeit zum Bluten!"), den Onelinern ("Stick Around!") und den Großaufnahmen geschwollener Muckis. Über die erste Viertelstunde des Films muss man großzügig hinwegsehen (besonders über Shane Black, der einen Söldner spielt, der unentwegt schlechte Witze über zu groß geratene weibliche Geschlechtsteile reißt). 
Schwarzenegger war nie ein überzeugender Schauspieler, aber er besitzt eine Präsenz und war immerhin so klug, konsequent an seinem Image zu arbeiten und es an die Zeit anzupassen. So muss er nach viel Geballer in der Anfangspassage feststellen, dass seine Kanonen  nutzlos im Kampf gegen den Außerirdischen sind. Den kann er erst besiegen, wenn er sich im Schlamm wälzt, wie ein Neandertaler grunzt und (à la 'MacGyver') aus einfachsten Mitteln altertümliche Fallen baut. Mit Pfeil, Bogen und Speer bewaffnet tritt er zum finalen Duell an und darf vorher sogar echte Panik zeigen, wenn das Monster hinter ihm aus dem Wasser auftaucht. Das alles wäre in einem "Phantom Kommando" (1985) nicht möglich gewesen. Die Kampfmaschine findet zu einer Menschlichkeit zurück, die es ihm sogar erlaubt, am Ende den 'Predator' sich selbst zu überlassen, anstatt ihm den Rest zu geben.

Verantwortlich dafür ist neben den Autoren auch Regisseur John McTiernan, der bald darauf mit Bruce Willis in "Stirb langsam" (1988) einen neuen Typus des Action-Helden entwerfen sollte - einen immer noch kampfeslustigen, aber ungleich verletzlicheren und selbstironischeren. So darf sich Schwarzenegger auch hier bereits vom Monster ordentlich vermöbeln lassen. McTiernan verlässt sich dabei nicht auf Explosionen und Stunts (von denen es trotzdem reichlich gibt), sondern sorgt für allerhand Suspense und Nervenkitzel. Die letzten zwanzig Minuten des Films finden (fast) ohne Dialog statt, das sieht man durchaus nicht jeden Tag im Action-Kino. Trotz des begrenzten Schauplatzes findet McTiernan immer neue Ideen, um den Film spannend und abwechslungsreich zu halten.
Die Entscheidung, das Monster erst sehr spät zu zeigen, geht bis zu Spielbergs "Der weiße Hai" (1974) zurück. Ist das Wesen dann vollständig in Sicht, darf man feststellen, dass Effektemeister Stan Winston ganze Arbeit geleistet hat. Der 'Predator' ist irgendwas zwischen Mensch und Echse, mit Netzhemd, Stahlhelm und Dreadlocks, inklusive Selbstzerstörungsknopf. Eine originelle und durchaus furchteinflößende Erscheinung, die so prägnant ist, dass sie sogar im aktuellen Kino ("Predators", 2010) noch funktioniert. Einen großen Anteil am Erfolg des Films hat auch Komponist Alan Silvestri, der hier seinen ersten großen Actionfilm orchestrierte, und dessen bombastischer Score sich heute noch gut verkauft.

PREDATOR bedient sich bei zahlreichen Erfolgsfilmen (hauptsächlich "Aliens", 1986), wirkt aber dennoch nicht beliebig zusammengeklaut und macht einen geschlossenen Eindruck. Und er kennt seine Wurzeln. Neben dem zeitgenössischen Kino bezieht er sich mit seiner klassischen Einer-nach-dem-anderen-Story auf Agatha Christies "Ten Little Indians", und natürlich - Cineasten mögen kurz die Augen schließen - steckt eine ganze Menge "Graf Zaroff - Genie des Bösen" (1932) im Film, wenn die Protagonisten durch den Dschungel gejagt und die Jäger selbst zur Beute werden. Nicht umsonst jagt der 'Predator' keine Wildschweine, sondern Menschen. 'The Most Dangerous Game', eben.

Diese Bezüge - zusammen mit dem Vietnam-Text - machen PREDATOR zu einer mehr als nur unterhaltsamen Action-und Splatter-Achterbahn. Der mit einem Budget von 35 Millionen seinerzeit sehr teure Film hat sich erstaunlich gut gehalten (anders als die Fortsetzung "Predator 2", 1990) und sieht heute noch so gut aus wie damals.

8.5/10
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