Mittwoch, 31. Juli 2013

Dark Society (1989)

Horrorfilme mit scharfzüngiger Gesellschaftskritik findet man nicht allzu häufig, wenn man von den Werken George A. Romeros absieht.
Brian Yuznas Regiedebüt DARK SOCIETY (Society) aus dem Jahr 1989 ist da eine rühmliche Ausnahme. Hier verbinden sich Teenager-Ängste und sarkastische Gegenwartsbetrachtung, mit (seinerzeit) bahnbrechenden Spezialeffekten zu einem äußerst interessanten und - was das Finale anbelangt - spektakulären Horrorbeitrag der 80er.

Worum geht es? Der junge Bill ('Baywatch'-Schnuckel Billy Warlock) lebt als Spross stinkreicher Eltern in Beverly Hills. Langsam kommt ihm aber der Verdacht, dass seine komplette Familie und deren nobler Freundeskreis auf Kosten der Armen existiert und heimlich ausschweifende Orgien feiert. Die Wahrheit aber sieht noch viel schlimmer aus, denn die, die er bislang für seine Verwandten hielt, sind gar keine Menschen...

DARK SOCEITY wurde nach seiner Fertigstellung  in den USA drei Jahre unter Verschluss gehalten - vermutlich, weil man nicht genau wusste, wie die Zuschauer dieses bizarre Werk annehmen würden. In Deutschland erschien DARK SOCIETY ohne Kinostart gleich auf VHS und entwickelte sich schnell zum Geheimtipp und Kultfilm, insbesondere wegen der letzten Viertelstunde, in der wir die (nicht näher benannte) Rasse von Ausbeutern bei einer Schlemmerorgie bestaunen dürfen, die David Cronenberg in jungen Jahren zum Jubeln gebracht hätte - immerhin wird sein in "Videodrome" (1983) ausgegebener Schlachtruf "Long Live the New Flesh" hier wirkungsvoll in Szene gesetzt (so wie Cronenberg es in "Videodrome" selbst vor hatte, aber nicht realisieren konnte/durfte).
Da verschmelzen Körper miteinander oder setzen sich ganz neu zusammen (es gibt sogar ein buchstäbliches 'Arschgesicht' unter den Teilnehmern), ein zuvor verschwundener (und mittelloser) Schulfreund Billys wird von den Anwesenden auf groteske Weise verschlungen, daneben gibt es Inzest, Sex in allen möglichen Varianten, sowie jede Menge schleimiger Latexeffekte aus der Hand von Screaming Mad George, der für seine grotesken Ekelszenarien (die weitgehend ohne Blut auskommen) bekannt ist und mit DARK SOCIETY vielleicht sein Meisterstück abliefert. Hier bekommt der Gore-Hound alles, was das Herz begehrt - und mehr.

Regisseur Brian Yuzna steuert zielgenau auf dieses Finale zu, indem er seinen Film zunächst wie einen typischen Paranoia-Thriller beginnen lässt, in welchem der junge Held einer vermeintlichen Verschwörung auf die Spur kommt und sich immer mehr isoliert, weil er niemandem mehr trauen kann. Um dem Zuschauer das Warten auf die makabere Auflösung schmackhaft zu machen, baut er surreale Visionen und Irritationen ein. Die Allegorie auf die ausbeutende Herrscherklasse, die in ihrer Glitzerwelt aus Villen, Yachten und endlosen Partys lebt, während die Unterschicht lediglich als Futter dient, wartet mit hübsch sarkastischen Spitzen auf und nimmt sich selbst nie zu ernst. Tatsächlich macht DARK SOCIETY einen eher trashigen Eindruck, aus heutiger Sicht sogar mehr als seinerzeit. Statt hoch erhobenem Zeigefinger bietet er lieber von innen nach außen gekrempelte Körper, nackte Haut und schwarzen Humor.

Schauspielerisch gibt es nichts Außergewöhnliches zu sehen, aber immerhin ist Billy Warlock ein ganz sympathischer Held. Auch wenn die Spannung nicht durchweg gehalten wird und die Handlung ab und zu auf der Stelle tritt, wird man gegen Ende mehr als entschädigt. In einem Jahrzehnt, das von Slasherfilmen sowie 'Nightmare on Elm Street'-Klonen geprägt war, darf man DARK SOCIETY aufgrund der fantastischen Ausgangsidee als durchaus herausragenden Genrebeitrag bezeichnen.

DARK SOCEITY stand seit seinem Erscheinen bei uns auf dem Index, ist aber kürzlich (Juli 2013) von der Liste gestrichen und mit einer FSK 16-Freigabe versehen worden. Wer hätte damit gerechnet?

7.5/10

Freitag, 26. Juli 2013

Echoes - Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)

Der Mystery-Thriller ECHOES (Stir of Echoes) ging leider im Hype um M. Night Shyamalans "The Sixth Sense" (1999) komplett unter, dabei handelt es sich bei dieser Geistergeschichte nicht nur um den weitaus besseren Film (meiner bescheidenen Meinung nach), sondern auch um einen der besten Horrorfilme der 90er Jahre.

David Koepp, der den meisten als Drehbuchator von Blockbustern wie "Jurassic Park" oder "Mission: Impossible" (sowie anderen De Palma-Werken) bekannt sein dürfte, inszenierte mit ECHOES seinen zweiten Spielfilm nach "The Trigger Effect" (1996) und adaptierte hierfür einen Roman des genialen (und jüngst verstorbenen) Sci-Fi-Autors Richard Matheson.
Kevin Bacon spielt in ECHOES einen jungen Familienvater, der sich bei einer Party aus der Alkohollaune heraus von seiner Schwägerin (Illeana Douglas) hypnotisieren lässt und danach mysteriöse Botschaften aus dem Jenseits empfängt. Eine spurlos verschwundene Teenagerin nimmt Kontakt zu ihm auf, und Kevin kommt auf die Spur eines schockierenden Gewaltverbrechens, das ausgerechnet in seinem eigenen Haus stattfand...

In ECHOES zeigt David Koepp, was er bei Spielberg und De Palma gelernt hat. Sein Film ist hochspannend, bietet einige herzhafte Schock-Momente, verzichtet aber weitgehend auf Gore (bis auf eine schwarzhumorige Szene, in der Bacon sich selbst vor dem Badezimmerspiegel einen Zahn zieht, was sogar hartgesottenste Zuschauer zum Kreischen bringen dürfte) und setzt seine Spezialeffekte sparsam und stets im Dienst der Geschichte ein.

Die Story ist natürlich nicht neu - der Geist, der nach Vergeltung sucht und am Ort seines Ablebens herumspukt, geht bis zu Horror-Klassikern wie "Der unheimliche Gast" (1944) zurück. Doch Koepp reichert seine Schauergeschichte mit reichlich Subtexten an. ECHOES ist angenehmerweise unter "einfachen Leuten" in einer Arbeiterwohngegend angesiedelt, in der nicht irgendwelche Teenager in Designer-Lofts hausen (wie sonst üblich im Genre). Kevin Bacon spielt einen Jedermann, der mit seinem ereignislosen Leben und seinem Knochenjob unzufrieden ist und durch den Kontakt mit der Geisterwelt eine neue Aufgabe erhält, die seiner Existenz einen Sinn verleiht, und in die er sich nach anfänglichem Zögern regelrecht verbissen hineinsteigert. Auf der Suche nach der Wahrheit muss er buchstäblich seinen kompletten Besitz auf den Kopf stellen und Grund und Boden von innen nach außen krempeln. Er muss außerdem erkennen, dass seine besten Freunde Dreck am Stecken haben und sich im wahrsten Sinne von allem, was ihm bislang lieb und teuer war, freimachen.

Bacon, den man nie auf ein bestimmtes Image festlegen konnte, zeigt hier eine fantastische Leistung und beweist Mut in einer Rolle, die wohl kaum ein A-Star angenommen hätte, weil es sich - machen wir uns nichts vor - im Grunde um einen femininen Part handelt, der üblicherweise im Genre von Frauen besetzt wird. Bei der Hypnose etwa pflanzt ihm Illeana Douglas den Befehl ein, sich 'zu öffnen'. Kurz später hat er keine Lust mehr am Sex, obwohl seine Partnerin danach verlangt, und seine neue Sensibilität macht ihn zum Empfänger für irrationale Botschaften. Bald schon isoliert er sich immer mehr von seiner Umwelt und wird von Frau und Bekannten für verrückt gehalten. Das machen normalerweise Frauen wie Julie Harris ("Bis das Blut gefriert"), Michelle Pfeiffer ("Schatten der Wahrheit") oder Deborah Kerr ("Schloss des Schreckens") durch. Bacon spielt das nicht nur mit Intensität, sondern auch mit feinem Humor (etwa, wenn er versucht, die Geisterscheinung bewusst herbeizuführen oder sich besagte Zähne zieht), und er ist durchweg absolut glaubwürdig - das wichtigste Element für eine Geistergeschichte. So lange man den Charakteren abnimnmt, dass sie Geister sehen, kann man auch selbst an die Geister glauben.

Im Vergleich mit "The Sixth Sense" schneidet ECHOES besser für mich ab, weil er seine Wirkung nicht ausschließlich aus einer überraschenden Auflösung bezieht, sondern eine von vorne bis hinten stimmige Story mit authentischen Charakteren erzählt, die auch bei mehrfachem Sehen funktioniert und dem Publikum nicht einfach wichtige Informationen verschweigt, damit es am Ende aus dem Sitz springt.
In diesem Sinne ist ECHOES ein angenehm altmodischer Gruselfilm, der zwar stark an den Nerven zerrt, aber weder über Gebühr blutrünstig noch zynisch ist.

09/10

Mittwoch, 24. Juli 2013

Deep Blue Sea (1999)

"Wir sind kurz davor, tote Gehirnzellen wieder zum Leben zu erwecken!" verspricht die fesche Alzheimerforscherin Dr. Susan McAllister (Saffron Burrows) ihren Geldgebern in Renny Harlins Hai-Horror-Action-Kracher DEEP BLUE SEA (Deep Blue Sea). Der Film selbst dürfte allerdings keine einzige tote Gehirnzelle beim Publikum wieder zum Leben erwecken.

Im Prinzip haben wir es hier mit einer Mischung aus "Jaws" (1975), "Poseidon Inferno" (1972) und "The Abyss" (1989) zu tun, plus ein paar Anleihen bei ähnlich gelagerten Filmen. Eine Handlung kann DEEP BLUE SEA nicht wirklich vorweisen, stattdessen besteht der Plot aus einer langen Exposition und einer anschließenden, ausgedehnten Verfolgungsjagd Hai gegen Mensch. Der Film spielt auf einer abgelegenen Forschungsstation mitten im Ozean, in welcher zum Zweck der Demenzbekämpfung superintelligente Haie gezüchtet werden. Als diese aber böse werden, müssen die Wissenschaftler und Angestellten - abgeschnitten von der Außenwelt - um ihr Leben rennen, klettern, tauchen und paddeln.

DEEP BLUE SEA ist ein klassischer B-Film mit zwar unglaubwürdigen, aber auf trashige Art sympathischen Charakteren, die einen Klischee-Dialog nach dem anderen vom Stapel lassen. Saffron Burrows - eine Art 'Ocean's Next Top Model' - steht als knallhart-seriöse Forscherin, die schon mal die Brille aufsetzt, wenn es ernst wird, in der Tradition attraktiver B-Film-Schönheiten wie Julie Adams ("Creature from the Black Lagoon" (1952) und Mara Corday ("Tarantula", 1955).
Daneben gibt es solch altbekannte Figuren wie den schweigsam-harten Kerl mit weichem Kern (sexy in der Badehose: Thomas Jane) oder den lustigen Pummel (Michael Rapaport), der zu jeder Situation einen coolen Spruch auf Lager hat.
Dann braucht man noch einen europäischen Schauspieler, der ein bisschen Klasse in den Film bringt (Stellan Skarsgård), der aber als Erster dran glauben muss, weil schließlich die Amerikaner gewinnen müssen. Ein Kultschauspieler wie Samuel L. Jackson kann auch nicht schaden. Mit dem erlaubt sich DEEP BLUE SEA dann auch die größte Überraschung, wenn er als prominentestes Mitglied des Ensembles plötzlich und ohne Vorwarnung vom Hai verspeist wird, nachdem er just eine aufbauende, pathetische Rede an die Überlebenden geschwungen hat, welche direkt aus "Poseidon Inferno" stammen könnte - ebenso wie die beste Szene des Films, eine Klettertour durch einen senkrechten Schacht, in dem oben Feuer und unten Wasser und Haie lauern.

Die schwächste Rolle hat LL Cool J, der hier exakt seinen Part aus "Halloween H20" (1998) wiederholt und als lustiger schwarzer Koch (bitte jetzt mit den Augen rollen!) getrennt von der Gruppe ums Überleben kämpfen muss, während er einen bedauernswerten Nymphensittich vollquatscht, der auf seiner Schulter wohnt. 
Vorsicht, Spoiler: LL Cool J war dem Testpublikum übrigens so sympathisch, dass seine Figur den Film lebendig verlassen durfte, obwohl zunächst sein Tod im letzten Akt vorgesehen und gedreht worden war. Mit Saffron Burrows sprang selbiges Publikum weniger sanft um. Weil ihr Charakter letztendlich verantwortlich für den ganzen Hai-Schlamassel ist, wollten die Zuschauer sie als Fischfutter enden sehen. Pech für Miss Burrows, die nun kurz vorm Abspann von Haizähnen in Einzelteile zerlegt wird, anstatt mit Thomas Jane in den Sonnenuntergang zu segeln.

Apropos Einzelteile: ein Großteil der Action übernimmt der CGI-Rechner, und der gibt leider in DEEP BLUE SEA nicht viel her. Viele der Tricks sehen heute ziemlich mies aus, einige waren schon seinerzeit im Kino nicht so doll anzuschauen. Die Größe der Haie wechselt im Laufe des Films mehrfach, je nach Bedarf. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass die Darsteller auch 'echte' Action abliefern müssen und ordentlich nass gemacht werden. Überhaupt ist DEEP BLUE SEA eine ziemlich spannende Achterbahnfahrt, die ein bisschen braucht, um in die Gänge zu kommen, dann aber von einem Set Piece zum nächsten spurtet und dem Zuschauer kaum Zeit zum Luftholen und Nachdenken lässt.

Renny Harlins Karriere war nach den Mega-Flops "The Long Kiss Goodnight" (1996) und "Die Piratenbraut" (1995) fast am Ende, insofern war der beachtliche (wenngleich nicht sensationelle) Kassenerfolg des Hai-Spektakels eine gute Nachricht für den finnischen Filmemacher. Kritiker und Publikum waren gespalten. Für die einen ist DEEP BLUE SEA ein netter Zeitvertreib, die anderen bemängeln (zu Recht), dass er sich ausgiebig links und rechts bedient, ohne etwas Neues zu erzählen. Immerhin klaut er von den Besten. Spielbergs Vorbild kann er natürlich nicht das (reichlich vorhandene) Wasser reichen.

07/10

Samstag, 20. Juli 2013

Bizarre Morde (1968)

Ein Serienkiller (Rod Steiger), der in verschiedenen Masken auftritt, ermordet alleinstehende Frauen mittleren Alters, weil er von einem unbearbeiteten Mutterhass zerfressen wird. Der ermittelnde Cop (George Segal), der selbst unter einer dominierenden Mama leidet, baut eine Beziehung zu dem Täter auf, der ihn stets nach seinen Morden anruft und ein psychologisches Katz- und Mausspiel mit dem Detektiv spielt...

Jack Smight verfilmte mit BIZARRE MORDE (No Way to Treat a Lady) die Romanvorlage des vielgerühmten Drehbuchautors und Schriftstellers William Goldman. Der Roman basiert wiederum auf dem wahren Fall des 'Boston Stranglers' und geht der Frage nach, was wäre, wenn es zwei Würger in Boston gegeben hätte. Da der Film eben jene Idee komplett ignoriert und mit Rod Steiger einen Alleinunterhalter auf die Reise schickt, hat Goldman übrigens auch bis heute keine netten Worte für den Film übrig.

Der Film ist - dem deutschen Titel entsprechend - eine bizarre Mischung aus Thriller, Satire und schwarzer Komödie. Die Hauptattraktion ist Rod Steiger, der als vielschichtiger Killer eine One-Man-Show abzieht, in der er wechselnd als irischer Pfarrer, deutscher Handwerker oder Drag Queen auftritt, mit verschiedenen Akzenten spricht und immer 800 Prozent gibt. Das ist manchmal beeindruckend, manchmal belustigend und manchmal nervend (ganz besonders, wenn er als schwuler Friseur auftritt und kein Tuntenklischee auslässt). Der Film aber steht und fällt mit seiner Darstellung.

Als ermittelnder Cop macht George Segal wie immer eine überzeugende Figur und ist auf Anhieb sympathisch, er spielt aber die zweite Geige. Die Szenen zwischen Segal und seiner Filmmutter Heckart sind dabei ebenso durchwachsen wie die von Rod Steiger, weil Heckart ebenfalls ein paar Schippen zuviel drauflegt und nahe an der Parodie spielt. Überraschend liebenswert (und sexy) agiert die sonst eher kühle Lee Remick als quirlige Augenzeugin, die sich in Segal verliebt und (natürlich) zur Zielscheibe des Killers wird, obwohl sie eigentlich nicht dessen Beuteschema entspricht. Da muss sie leider dem typischen Frauenbild folgen und die Opferrolle einnehmen.

BIZARRE MORDE erhält einen makaberen Touch durch die Todesopfer (die Morde bleiben überwiegend im Off), die mit verrenkten Gliedern stranguliert auf der Toilette sitzen, mit einem knallroten Kussmund, den ihnen der Killer mit Lippenstift auf die Stirn gemalt hat. In diesen Momenten erinnert der Film an Hitchcocks "Frenzy" (1972), ohne aber dessen Klasse und Bösartigkeit zu erreichen (zugegeben, BIZARRE MORDE entstand früher). Das Tempo ist gelegentlich etwas schwerfällig, einige Dialogszenen sind zu lang, und er ist auch nicht unbedingt gut gealtert. Als ich BIZARRE MORDE als Kind im Fernsehen sah, hat er mich sehr gefesselt (und auch verstört), heute habe ich doch das eine oder andere Mal zwischendurch auf die Uhr geschaut. Unterhaltsam ist diese Mörderjagd aber wegen der schauspielerischen Leistungen allemal.

Fazit: ein durchschnittlicher Serienkiller-Krimi mit grotesk-komödiantischen Spitzen, der aber von Hitchcock besser inszeniert und von William Goldman (vermutlich) spannender geschrieben worden wäre. 

07/10

Donnerstag, 18. Juli 2013

Das Spiegelbild (1992)

Und noch so ein vergessener TV-Thriller aus der Zeit, als jeder erfolgreiche US-Kinofilm schnell und günstig im Fernsehen kopiert wurde.
Mit DAS SPIEGELBILD (Body Language) inszenierte Arthur Allan Seidelman eine Mischung aus "Die Waffen der Frauen" (1988) und "Weiblich, ledig, jung sucht..." (1991). In der Hauptrolle spielt Heather Locklear eine weibliche Spitzenmanagerin, die für den Beruf ihre Beziehung zu dem schnuckeligen Restaurantbesitzer James Echeson vernachlässigt. Ihre Assistentin Linda Purl geht ihr nicht nur eifrig zur Hand, sondern hat ganz eigene Ziele. Nach und nach schleicht sie sich in das Leben der Chefin ein, kopiert deren Frisur, schnappt sich deren Lover und bringt jeden um die Ecke, der ihr auf die Schliche kommen...

Der Kampf einer erfolgreichen Frau, die sich gegen eine aufstrebende, aber skrupellose Rivalin zur Wehr setzen muss, geht zurück bis zum Klassiker "Alles über Eva" (1950), und DAS SPIEGELBILD verlegt die Handlung ins Top-Management der frühen 90er, wo die Schulterpolster noch zackig, die Frisuren aus Beton, die Ohrringe gigantisch und die Schuhe potthässlich waren. An denen findet Regisseur Seidelman übrigens besonderen Gefallen und verweilt mit der Kamera stets länger als nötig auf den High Heels der Business-Damen, gelegentlich beginnt er sogar Szenen mit Großaufnahmen der schicken Treter. Das könnte man als Hommage an Hitchcocks "Der Fremde im Zug" (1952) verstehen, der ebenfalls mit den Schuhen der beiden (männlichen) Gegenspieler begann, aber wir wollen mal nicht zu hoch greifen. Allerdings heißt die psychopathische Sekretärin ausgerechnet Norma! Das dürfte nun wieder kein Zufall sein. 

Apropos Namen: Heather Locklears Filmname lautet 'Betsy Frieze', gesprochen 'Freeze', damit auch jeder mitbekommt, dass sie etwas unterkühlt ist. DAS SPIEGELBILD ist - wenn schon nicht so hochklassig wie seine Vorbilder - zumindest sehr unterhaltsam (und zwar mehr als der aufwändigere "Die Aushilfe", 1993). Linda Purl spielt die irre Sekretärin, die immer mehr zur Kopie ihrer Vorgesetzten wird, hervorragend und ist besonders creepy, wenn sie die Chefin Locklear stumm nachäfft. Heather Locklear, die wir alle als Sammy Jo im "Denver-Clan" geliebt und in "Melrose Place" gehassliebt haben, sieht vor allem gut aus, fällt aber weder positiv noch negativ auf (sie bekommt aber einen netten Insider-Gag, wenn sie als Managerin eine Fluglinie kaufen soll, die 'von Dallas nach Denver' fliegt). In Filmen wie diesem haben immer die Durchgeknallten die besseren Rollen. Schade, dass Locklear am Ende für den schmollenden Lover den Job aufgibt, da rutscht der Film locker ein paar Jahrzehnte in der Frauenbewegung zurück.

Der Regie gelingen ein paar hübsche Parallelmontagen - etwa wenn Locklear eine Leiche im Aktenschrank findet (hassen Sie es nicht auch, wenn das passiert?), während ihre Sekretärin gleichzeitig heißen Sex mit Locklears Freund hat - und das Drehbuch schreitet zügig voran, wobei es manchmal etwas einfallslos bleibt. So gehen Locklear ungefähr fünfmal irgendwelche Büro-Utensilien aus, die sie dann jedesmal im Schreibtisch ihrer Assistentin suchen muss, um dort auf mysteriöse Dinge zu stoßen. Man hat den Bogen schnell raus -  wenn Locklear eine Büroklammer braucht, schnellt gleich wieder eine Mumie aus der Ablage.

Leider sind die Mordsequenzen äußerst holprig (mit schlechten Zeitlupen) inszeniert und überzeugen so gar nicht, außerdem fehlen insgesamt die Überraschungen, so dass am Ende ein Film herauskommt, der ganz ok ist, den man aber weißgott nicht gesehen haben muss. Auf DVD ist DAS SPIEGELBILD leider nicht erhältlich.
Das Thema Zickenkrieg in der Geschäftswelt wird aber nicht alt, wie man an aktuelleren Beiträgen wie "Love Crime" (2010) sehen kann. Da stellt sich die Frage, sind das nur männliche Vorurteile, oder können Frauen auf der Vorstandsebene (oder auf irgendeiner Ebene) einfach nicht friedlich miteinander auskommen?

6.5/10

Dienstag, 16. Juli 2013

Alien - Die Saat des Grauens kehrt zurück (1980)

Tja, soll man das nun bewundern oder den Kopf schütteln? Ein bisschen nostalgisch wird man ja schon, wenn einem ein solches Schundprodukt vor die Augen kommt, das sich an einen Mega-Hit wie Ridley Scotts "Alien" (1978) schamlos dranhängt und einfach mal dessen Titel in leichter Variation benutzt.
Dass ein Film wie ALIEN - DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK (Alien 2 - Sulla Terra) überhaupt mal in den Kinos lief, das ist schon irgendwie toll. Was waren das für Zeiten, als Leute (wie ich) tatsächlich Geld (nochmal: G-E-L-D) bezahlten, um sich so einen Schrott anzusehen, der dermaßen stinklangweilig, billig, dümmlich und amateurhaft daherkommt? Der dann noch Jahre später wegen eines ganz nett zermatschten Kopfes auf dem Videocover zu einem gesuchten Sammlerobjekt wird? Und machen wir uns nichts vor, der abgetrennte Kopf ist dann auch schon der einzige Moment im kompletten Film, der irgendwie sehenswert ist.

Selbstverständlich kommt ALIEN - DER FILM DES GRAUENS aus Italien, wo man Anfang der 80er alles kopierte, was die Kassen klingeln ließ. Da kam ein "Alien" gerade recht. Wie aber soll man als kleiner italienischer Produzent ohne Kohle einen so teuren Edel-Schocker wie Scotts Film kopieren? Ganz einfach. Zuerst fliegt mal das Weltraum-Setting raus. Science-Fiction muss ja nicht zwangsläufig im All stattfinden, zumindest steht das nirgendwo geschrieben. Stattdessen spielt dieser Aufguss in einer unterirdischen Wüstenhöhle, wo sich das Monster aus dem All, welches von einer Weltraum-Mission irrtümlich mitgebracht wurde, versteckt hält und eine Gruppe Forscher dezimiert, die in Bergarbeiter-Montur das Höhlenlabyrinth durchsucht. Die Overalls und Kostüme der Darsteller sorgen dafür, dass man auch ja keinen auseinander halten kann, man weiß nicht einmal, wie viele es eigentlich sind. Da niemand der Anwesenden spielen kann, ist das auch nicht so wichtig. Man erkennt allerdings das markante Gesicht Michele Soavis, den Regie-Assistenten Dario Argentos, der später selbst ein paar (gute) Horrorfilme inszenieren sollte.

Da schon an Ausstattung und Darstellern kräftig gespart wurde, war als nächstes die Musik dran. Statt atmosphärischer Klänge aus der Feder Jerry Goldsmiths gibt es also nun die Tralala-80er-Mukke der 'Oliver Onions' - ein paar von uns erinnern sich noch an diese sympathischen Italo-Brüder, die zahllose Spencer/Hill-Filme vertonten und den Ohrwurm 'Santa Maria' schrieben, der in der deutschen Version von Roland Kaiser geträllert wurde und auch heute noch auf keiner Betriebsfeier fehlen darf, bevor am Ende des Abends die Chefsekretärin nackt auf dem Kopierer sitzt.

Für die letzten Piepen, die der Produktion noch zur Verfügung standen, wurden dann die 'Spezialeffekte' kreiert, die durchweg das Niveau einer Kasperle-Theater-Aufführung besitzen. Und bis auf den bereits erwähnten Matschkopf mit Sturzhelm gibt es hier weit und breit nichts zu sehen, weswegen man aus seinem Tiefschlaf schrecken müsste. Der Film braucht allein eine halbe Stunde, bevor die eigentliche Handlung mal losgeht. Bis dahin muss man aus diversen Archiven zusammengeklaubtes Material von Raketenstarts sowie unzählige Interviews von Raumfahrern in schmucklosen TV-Studios über sich ergehen lassen - weil Romeros "Dawn of the Dead" (1978) auch noch nicht allzu lange her war und ähnlich viel Kohle eingespielt hat wie "Alien". Und wenn man schon die eine Leiche fleddert, kann man doch die zweite gleich noch mitnehmen.

Leider gehört ALIEN - DIE SAAT DES SCHWACHSINNS nicht zu der "so schlecht, dass er schon wieder gut ist"-Fraktion. Vielleicht kann man diesem Werk mehr abgewinnen, wenn man es seinerzeit im örtlichen Bahnhofskino gesehen hat, zwischen TamTam-Filmwochen und Schulmädchen-Report. Ihn heute zu betrachten, löst lediglich Gehirnblutungen oder Narkolepsie aus.

01/10

Montag, 15. Juli 2013

Der Bohrmaschinenkiller (1978)

Oje, was habe ich diesen Film in den 80ern gesucht, weil doch das Videocover in der örtlichen Videothek einen hübschen Splatterfilm mit kreativen Morden versprach. Leider war die einzige Kopie aber immer verliehen (mit anderen Worten, jemand hatte sie einfach nicht wieder abgegeben und dreist behalten), weswegen ich als jugendlicher Horror-Freak immer mehr ins Sabbern kam und diesen Streifen unbedingt sehen musste.
Es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis ich endlich eine schundige Version erwischte (ich glaube, es war eine niederländische Kopie mit griechischen Untertiteln oder sowas ähnliches). Heute ist der Film natürlich auf DVD in bester Qualität frei erhältlich, und DER BOHRMASCHINENKILLER (The Toolbox Murders) besitzt so etwas wie Kultstatus, aber er hat weder den noch mein jahrelanges Lechzen verdient, denn er ist einfach nur von vorne bis hinten schrecklicher Trash.

Die 'Handlung' ist schnell erzählt. Eigentlich würde es auch reichen, den Titel noch einmal zu nennen. Ein Irrer (Cameron Mitchell) mit Mutterkomplex und brandneuem Werkzeugkasten ermordet in einem Apartmenthaus junge Frauen. That's All, Folks.

DER BOHRMASCHINENKILLER rückt die recht blutigen, aber nicht sensationell splattrigen Morde gleich zu Beginn schön nacheinander ins Bild, wobei er es auch noch schafft, diverse nackte Brüste einzufangen, um auch die Sleaze-Abfahrt nicht zu verpassen. Die Spezialeffekte sind irgendwie ok und nicht besonders drastisch (Tom Savini war noch nicht verfügbar), die wohlgeformten Opfer stehen gern kreischend vor dem Wandteppich oder liegen in der Badewanne und warten darauf, dass der Killer sie zu Tode dübelt. Die Wahl der Waffen ist dabei das einzig kreative Element des Films, aber schließlich gibt so ein Werkzeugkasten ja auch allerhand her. Streng genommen ist DER BOHRMASCHINENKILLER also ein Slasherfilm, bevor es Slasherfilme überhaupt gab. Innovativ kann man ihn aber weißgott nicht nennen.

Ansonsten herrscht geballte Inkompetenz. Weder ist der Thriller spannend, noch gibt es eine einzige interessante Figur. Nach den anfänglichen Morden herrscht gähnende Langeweile, während die Polizei 'ermittelt' (was hier bedeutet, dass sie irgendwelchen Leuten irgendwelche Fragen stellt), und bis das Finale eingeläutet wird, ist man entweder bereits eingeschlafen oder hat genervt abgeschaltet. Ein Film für die Schnellvorlauftaste.
Die Schauspieler sind nicht der Rede wert, einzig Cameron Mitchell in der Rolle des Mörders mit Omas Strickmütze ist zu bedauern. Immerhin hat er mal in Klassikern wie "Wie angelt man sich einen Millionär?" (1954) an der Seite von Monroe und Bacall gespielt - sowie in Bavas "Blutige Seide" (1968). Hier aber chargiert er, bis der Arzt kommt und hat einige wirklich peinliche Momente, für die das Wort "fremdschämen" nicht ausreicht, um sie zu beschreiben, darunter die Gesangseinlage eines Kinderliedes über Muttis Liebling und einen Lutscher. Und dafür habe ich sämtliche Videotheken der näheren Umgebung abgeklappert? Ich muss verrückt gewesen sein.

2004 hat übrigens Kult-Regisseur Tobe Hooper, der seit den frühen 80ern seine Form sucht, ein Remake dieses miesen Mülls angefertigt, das aber nicht mal auf der Trash-Ebene funktioniert. 

02/10

Sonntag, 14. Juli 2013

Wild Things (1998)

Was könnte besser zum Sommerwetter passen als dieser kleine, heiss-feuchte Erotik-Thriller, der ein ziemlicher Überraschungs-Hit der späten 90er war?
WILD THINGS (Wild Things) wurde von Kritikern eher belächelt, hat aber sein Publikum sowie zwei Fortsetzungen gefunden und ist intelligenter als man glauben würde, wenn man sich die Namen der Beteiligten anschaut. Das gilt natürlich nicht für Regisseur John McNaughton, dem mit "Henry - Portrait of a Serial Killer" (1986) ein Geniestreich gelang, und der dieser Geschichte um Sex, Gier und Mord ein paar schwarzhumorige Kanten verleiht.

WILD THINGS erzählt von einem attraktiven Sportlehrer (Matt Dillon), der von einer Schülerin aus reichem Hause (Denise Richards) der Vergewaltigung bezichtigt wird. Mit Hilfe eines schmierigen Anwalts (Bill Murray) kann er seinen Namen vor Gericht reinwaschen, doch dann mehren sich plötzlich Zweifel an seiner Unschuld. War das Ganze vielleicht ein abgekartetes Spiel, um an eine große Geldsumme zu kommen? Und wer war alles an dieser Intrige beteiligt? Der ermittlende Cop (Kevin Bacon) versucht verzweifelt, Licht ins Dunkel zu bringen. Oder steckt er selbst tiefer drin als man denken würden?

WILD THINGS beginnt mit einem rasanten Kameraflug über die malerischen Sümpfe Floridas, und ein Krokodil blinzelt listig unter dem Filmtitel aus dem Wasser heraus - der perfekte Kommentar zum folgenden Thriller, in dem nichts ist, wie es zu sein scheint, und wo dunkelste Abgründe hinter schönen Fassaden lauern. John McNaughton und sein Kameramann Jeffrey Kimball folgen einschlägigen Vorbildern à la "Body Heat" (1981) und sorgen für eine überzeugend schwüle Sommer-Atmosphäre, die man förmlich spüren kann. Der Schauplatz der Handlung ist dabei ebenso doppelbödig wie seine Charaktere - auf der einen Seite die Yachten und Designer-Häuser der High Society, und gleich nebenan am Rand der Stadt der Trailer-Park, heruntergekommene Spelunken und zahnlose Opas, die Touristen altersschwache Alligatoren präsentieren.
Heruntergekommen sind auch die Figuren, die allesamt Dreck am Stecken haben. Das Drehbuch schlägt so viele Haken, dass man als Zuschauer stets im Unklaren über die Motive der Charaktere bleibt, und immer wenn man meint, das Geschehen durchschaut zu haben, wird man wieder übers Ohr gehauen. Man denkt unwillkürlich an Thriller wie "Masquerade" (1992), und wer den mochte, wird auch hier seine Freude haben.

Die Darsteller haben ebenfalls sichtlich Spaß und sind interessant gegen den Typ besetzt. Die sonst so brave Neve Campbell darf hier überraschend böse agieren (auch wenn man ihr den Trailerpark-Abschaum nicht wirklich abnimmt), Matt Dillon wird als harmloses Opfer einer gemeinen weiblichen Intrige eingeführt, offenbart dann aber immer finstere Seiten. Die beste schauspielerische Leistung zeigt (wie so oft) Kevin Bacon, dessen Figur gleich mehrfach um 180 Grad gedreht wird, und die absolute Abräumer-Rolle bekommt Bill Murray, der mit nur wenigen Szenen den Film schamlos an sich reißt und alle Partner an die Wand spielt (ganz besonders Matt Dillon).
Denise Richards ist hier zur Abwechslung perfekt besetzt als verzogenes Kunstpüppchen aus besseren Verhältnissen, der man schon deshalb nicht über den Weg trauen sollte, weil ihre Mutter von Theresa Russell gespielt wird, die als "schwarze Witwe" (1987) diverse Kerle um die Ecke brachte. Richards sorgt dann auch für die nötige Erotik, die allerdings immer im züchtigen Rahmen bleibt, um das anvisierte Teenager-Publikum nicht zu verschrecken. Da ist ein Zungenkuss zwischen Richards und Campbell schon das höchste der Gefühle.

Erwähnt werden muss noch der originelle Abspann, in dem wir zwischen den Titeln genau die Schlüsselszenen zu Gesicht bekommen, die der Film zuvor weglassen musste, damit die überraschenden Wendungen funktionieren. Alle noch offenen Fragen werden hier beantwortet. Ein netter Gimmick, den es in der Form noch nicht gab.

Natürlich ist WILD THINGS letztlich nichts weiter als ein harmloser Spaß, der ohne Substanz bleibt, und in dem sich die Figuren immer der Konstruktion unterordnen müssen. Für spannende, abwechslungsreiche Unterhaltung mit Augenzwinkern ist aber gesorgt. Und dazu gibt es noch eine feucht-fröhliche Autowasch-Sequenz, in der Denise Richards und Kollegin in klatschnassen T-Shirts und Shorts Matt Dillons Stoßstange aufpolieren. Hat was.

7.5/10

Freitag, 12. Juli 2013

Die Stewardessen Academy (1986)

Und hier noch ein kleiner Schundklassiker aus der untersten Humor-Schublade der 80er, wo dank des Erfolgs von "Police Academy" (1984) mehr Vollidioten in Ausbildungsberufen auf der Leinwand zu sehen waren als der durchschnittliche Kinogänger ertragen konnte. Und wenn man schon über vertrottelte Polizistenanwärter ablachen kann, wie komisch ist dann erst eine Komödie über saudumme Saftschubsen hoch über den Wolken, zumal man gleich noch das typische Katastrophenszenario à la "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" (1980) nachspielen kann?
Richtige Antwort: gar nicht! Es sei denn, man ist stark alkoholisiert, verrückt, oder man hat den Film 1988 auf abgenudelter VHS in der Videothek gesehen, in der ich gearbeitet habe, denn da hat er mal so richtig Spaß gemacht, wenn er zum Feierabend eingelegt wurde.

Der 'Plot' von DIE STEWARDESSEN ACADEMY (Stewardess School): mehrere Außenseiter - darunter ein kurzsichtiger Pilot, sein notgeiler Kumpel, eine athletische Domina (Sandahl Bergman), eine verzogene Göre aus reichem Haus, ein affektierter Schwuler, eine übergewichtige Ulknudel, ein sexhungriges Biest (Judy Landers, Schwester von Audrey, die in den 80ern so etwas wie eine Karriere hatte, auch wenn man es kaum glauben mag) und eine ungeschickte Schönheit (Mary Cadorette) melden sich bei der Stewardessen-Schule an und taumeln von einer Katastrophe in die nächste. Nach bestandener Ausbildung absolvieren sie ihren ersten Flug für die 'Stromboli'-Airlines, bei dem auch gleich ein Irrer mit Bombe an Bord ist...

Hui, sind die Witzchen schlecht in diesem Trash, der eindeutig zu der 'so schlecht, dass er schon wieder gut ist'-Kategorie gehört. Die deutsche Synchronfassung setzt allem noch die Krone auf, aber wirklich kaputtmachen kann die auch nichts mehr. Man fragt sich eher, ob diese Ansammlung stereotyper Charaktere eigentlich politisch total unkorrekt oder schon wieder liberal ist. Immerhin raufen sich ja hier sämtliche Minderheiten zusammen, helfen sich gegenseitig gegen sadistische Ausbilder und 'Normalos' und triumphieren am Ende als geschlossene Gemeinschaft gegen den Rest der Welt. Das hat doch was.

So ganz mag man den Film aber nicht wegen seiner Intelligenz bejubeln, wenn nach einer Bombenexplosion die übergewichtige Auszubildende mit ihrem Hintern in das entstandene Loch in der Bordwand gesaugt wird, wo sie wie ein Pfropfen stecken bleibt, bis die Maschine sicher gelandet ist. Oder wenn der halbblinde Pilot mal wieder seine Kontaktlinsen verliert und sich in die Mädchendusche verirrt, wo der Film schnell ein paar nackte Brüste ins Bild rückt, damit die pubertierenden Jungs was zu glotzen haben. Ein paar der Brüste gehören Sandahl Bergman, die schon in Bob Fosses Meisterwerk "All That Jazz - Hinter dem Rampenlicht" (1979) beim Tanz-Striptease begeistern konnte - wobei diese beiden Filme eigentlich nicht im selben Satz erwähnt werden sollten, ohne dass der Verfasser vom Blitz erschlagen wird.

Neben blanker Busen gibt es noch Sex-Witze im Überfluss, die zumeist auf das Konto der nymphomanischen Judy Landers gehen. Sehr witzig ist der panische Passagier, der bei Turbulenzen nur durch Oralverkehr von Judy ruhig gestellt werden kann, während die zickige Ausbilderin Notizen macht (Zitat der Crew: "Blasen schreibt man ohne H!"). Zum Glück sagt der später bei einer Gerichtsverhandlung für die Stewardessen aus und betont, dieser Flug sei der beste seines Lebens gewesen. Desweiteren bietet der Film eine Ladung blinder Passagiere (und zwar im buchstäblichen Sinn), ein Flugzeug, das ein Hochhaus streift (das waren noch Zeiten, als man in den USA darüber lachen konnte) und meinen absolut persönlichen Lieblingsmoment: um die Bombe zu entschärfen, bittet der schwule Flugbegleiter seine Kollegen um eine Haarnadel - mit der er seine Haare festklemmt ("Viel besser!"), bevor er weitermacht. Ein Brüller! Sorry, ich bin auch nur ein Mensch.

Ich will's mal so sagen. Ließ ich "Jenseits von Afrika" in der Videothek über die Monitore laufen, konnte ich mir in aller Ruhe den gesamten Film während der Arbeit ansehen. Wenn DIE STEWARDESSEN ACADEMY lief, waren sämtliche Exemplare des Films nach 15 Minuten ausgeliehen.Wer "Klimbim" mochte (und ich habe "Klimbim" geliiiiebt), wird auch hier unweigerlich seine Freude haben. Und das Beste: man braucht kein bisschen Verstand, um DIE STEWARDESSEN ACADEMY lustig zu finden. Vermutlich würde der sogar stören.


02/10 (objektive Wertung)
08/10 (80er Nostalgie-und Sentimentalitäts-Wertung plus Jugenderinnerungs-Bonus)



Sie sind jung, schön und toupiert! 
Die Mitglieder der "Stewardessen Academy"


Donnerstag, 11. Juli 2013

Ladies' Club (1987)

In den amerikanischen Komödien der 80er waren vor allem Yuppies die Helden. Wer erfolgreich im Job war, auf der Karriereleiter nach oben purzelte und graue Maßanzüge mit Schulterpolstern und Aktenköfferchen trug, hatte es geschafft. Viel Geld zu verdienen, dabei aber sein Herz zu behalten (keine Pflicht), das war das Mantra der Dekade. So erklärt sich auch ein Film wie LADIES' CLUB (The Women's Club), in dem sich die Hauptfigur für Geld sogar prostituiert. Wie gut, dass es sich dabei um einen Mann handelt, denn die gleiche Geschichte mit einer weiblichen Protagonistin wäre wohl kaum so gleichgültig behandelt worden wie diese schlüpfrige Frauenfantasie, die kaum mehr als Achselzucken verursachte.

Michael Paré spielt den erfolglosen Hollywood-Drehbuchautor Patrick, dessen Bücher sich nicht verkaufen, und dessen Beziehung zu der (todlangweiligen) Freundin in die Brüche geht, und zwar beides aus demselben Grund: Patrick versteht nichts von Frauen. Das ändert sich, als er die erfolgreiche Business-Lady Maud Adams trifft, die ihn flink vernascht und gleich an ihre High Society-BFFs weiterreicht. Schon bald wird Patrick zum gefragtesten Callboy der Stadt. Als die Damen aber dahinterkommen, dass er die Treffen heimlich auf Band aufnimmt (um sie für seine Bücher zu verwenden), geraten die Ladies in Aufruhr...

Regisseurin Sandra Weintraub hat diese Sexkomödie mit vertauschten Geschlechterrollen leider ohne viel Esprit und Witz in Szene gesetzt, dabei ist die Idee gar nicht so übel, einen Mann von Frauen ausbeuten zu lassen. Das Amüsanteste sind noch die erotischen Begegnungen Patricks mit seiner Kundschaft, bei denen er wahlweise als Sklave ans Bett gefesselt oder in Whirlpools bestiegen wird. Für alle Freunde des 'Sploshings' gibt es ein romantisches Candlelight-Dinner, bei dem Patricks Klientin lüstern über eine reich gedeckte Tafel kriecht und sich dabei mit Wackelpudding und Sahnetorte einschmiert, während er an einem Hühnchenbein knabbert. Da hat wohl jemand zu oft "9 1/2 Wochen" (1986) gesehen.
Der Rest ist mehr oder weniger vorhersehbar, und am Ende muss der Callboy eine schmalzige Ansprache vor versammelter Damenmannschaft halten und verkünden, dass sie alle doch ziemlich viel Spaß hatten, dann ist ihm auch keiner mehr böse. Die öde Freundin kriegt er noch obendrauf, und über Frauen weiß er nun Bescheid. Klappe zu, Affe tot. Naja.

Die Besetzung ist gar nicht mal so schlecht. Michael Paré war nach "Straßen in Flammen" (1984) und "Das Philadelphia Experiment" (1984) ein vielversprechender Newcomer und sieht hier durchweg sexy aus, aber der große Durchbruch sollte für ihn nie kommen. Hauptdarstellerin Maud Adams war immerhin zweimal Bond-Girl ("Octopussy" und "Der Mann mit dem goldenen Colt") und kann als coole Managerin des Auftragslovers, die heimlich in ihr 'Geschöpf' verliebt ist, durchaus überzeugen. Schade nur, dass der Film lediglich die Klischees bedient anstatt satirisch mit ihnen umzugehen. Witzig wird er höchstens mal, wenn Parés bester Freund auftaucht, ein strunzdummer, aber sympathischer Latino, der sich als Kleindarsteller durchschlägt und im späteren Verlauf für Paré als Deckhengst einspringen muss.

Ansonsten ist LADIES CLUB zwar ganz unterhaltsam anzuschauen, aber zu Recht vergessen. Für eine Sexkomödie ist er insgesamt viel zu brav, aber was will man von einem amerikansichen Film zum Thema auch verlangen? Von LADIES CLUB gibt es übrigens auch eine Teenager-Variante namens "Loverboy" (1989), in der Patrick Dempsey einen Schüler spielt, der sich nebenbei als Pizzalieferant und Callboy (für u.a. Kirstie Alley und Carrie Fisher) verdingt. Der funktioniert im direkten Vergleich besser als die erwachsene Version. 

05/10

Mittwoch, 10. Juli 2013

Flanell No. 5 (1993)

Satin Chow (Morgan Fairchild) hat es nicht leicht. Ihr Ehemann geht fremd, sie wird von einem anonymen Telefonstalker belästigt, ihr Duschgel macht viel zu viel Schaum, und nun verliert sie bei der Vorstellung ihres neuen Parfums 'Puppy' auch noch ihren Geruchssinn - der Anfang einer tödlichen Krankheit, die nur durch die Transplantation eines olfaktorischen Nervs geheilt werden kann, für den sich ein Spender aus der Familie finden muss.
Doch wie sich zu Satins Überraschung herausstellt, wurde sie als Baby adoptiert (ihre Eltern sind Asiaten, was Satin zuvor nie aufgefallen ist), und von ihren leiblichen Schwestern Velour (Ricki Lake) und Schurwolle (Victoria Jackson) existiert nur ein Foto.
Satin macht sich auf die zermürbende Suche nach ihnen. Dabei helfen ihr ein Chauffeur namens Crack (Michael St. Gerard), dessen Name immer wieder für Verwirrung sorgt ("Crack?" - "Nein danke, jetzt nicht."), und der so schön ist, dass sich alle Menschen bei der ersten Begegnung in ihn verlieben, sowie der abgehalfterte Privatdetektiv Caprawolski (Dan Hedaya), dessen Name sich kein Schwein merken kann (er wird u.a. als Petrocelli, Cannelloni und Kowalski betitelt). Auch ihre beste Freundin Varda (Dyan Cannon) steht ihr zur Seite. Varda hat mehrere gescheiterte Ehen sowie eine Geschlechtsanpassung hinter sich, und ihr Sohn ist der gesuchte Oben-ohne-Tänzerinnen-Serienmörder, obwohl das niemand ahnt, selbst wenn er mit Strick in der Hand am Tatort aus dem Gebüsch taumelt...

Aus der Rubrik "Filme, die keiner kennt" stammt dieser TV-Film aus den frühen 90ern, der als FLANELL NO. 5 oder auch "Tödlicher Duft" auf VHS und in TV-Ausstrahlungen zu sehen war. Der Originaltitel "Based on an Untrue Story" macht schon deutlich, dass es sich hier um eine Parodie auf ähnlich gelagerte 'Movies of the Week' handelt, in denen meist Frauen um die 40 von Sucht und Krankheit heimgesucht werden, um nach langer Leidenszeit am Ende über ihr Schicksal zu triumphieren. Der Film selbst will so etwas wie "Die nackte Kanone" für Melodramen sein, aber an diesem schwierigen Grad aus Irrsinn und Satire sind schon ganz andere Werke grandios gescheitert.

FLANELL NO. 5 schlägt sich ganz gut, wenn man überhaupt nichts erwartet. Viele Gags sind komplett dämlich, eine Regie ist nicht erkennbar, aber die Darsteller sind in allerbester Blödel-Laune. Mit Michael St. Gerard und Ricki Lake hat FLANELL NO. 5 gleich zwei Schauspieler aus der John Waters-Liga dabei, und die Besetzung mit Morgan Fairchild und Dyan Cannon ist insofern passend, als beide Damen gern in den ernsthaften Vertretern des Schmonzetten-Genres mitwirkten und sich hier über ihr eigenes Image lustig machen können.

Neben ein paar echten Brüllern gibt es auch einige Beobachtungen über die typischen Klischees des Genres - so trägt Fairchild in jeder Szene ein neues, extravagantes Kostüm passend zur jeweiligen Situation, und selbst wenn ihre Figur am Boden zerstört ist, sitzt die Frisur perfekt. Sämtliche Schwierigkeiten sind absurd einfach zu überwinden (um ihre wegen Mordes verurteilte Schwester aus der Todeszelle zu bekommen, studiert Satin über Nacht Jura und kann in einer aufrüttelnden Gerichtsverhandlung das Todesurteil aufheben), und zum Finale gibt es ein schmalziges Happy End im Krankenhaus, bei dem sämtliche Haupt- und Nebendarsteller noch einmal zur Tür hereinkommen, um der Hauptdarstellerin viel Glück für die Zukunft zu wünschen. Vor dem Abspann tritt Morgan Fairchild dann noch einmal als sie selbst auf und weist auf eine Hotline hin, bei der sich interessierte Zuschauer über die Hintergründe der 'schrecklichen Krankheit' informieren können, die der Film gerade so realistisch geschildert hat.

Sehr gelungen ist auch der Werbespot für das ominöse Parfum 'Puppy' im Stil der Calvin Klein-Spots, und das vielleicht Beste am Film ist eine bizarre Nebenhandlung um ein Kleinkind (namens 'Nivea'), das in einen Recycling-Container in Beverly Hills gefallen ist, aus dem es in einer 'Großaktion' befreit werden muss, die mehrere Tage dauert, während Schaulustige herumstehen und die Medien alle fünf Minuten live von dieser 'erschütternden Tragödie' berichten, die 'Amerika in Atem hält'.

Ich habe FLANELL NO. 5 vor über fünfzehn Jahren mal zufällig im TV erwischt, als es mir gerade nicht besonders gut ging, und er hat mich trotz - und wegen - seiner oft blöden Gags zum Lachen gebracht. Seitdem hat der Film - obwohl er weißgott nicht gut ist - einen Sonderbonus bei mir. Wer mal reinschauen möchte, kann sich das Werk momentan noch auf Youtube komplett ansehen (unter dem Originaltitel und in sehr bescheidener Qualität). Auf DVD ist es bislang nirgendwo erschienen, und ich vermute, das wird es auch nie.

05/10 (objektive Wertung)
09/10 (sentimentale Wertung)

Freitag, 5. Juli 2013

Hard Rain (1998)

Über HARD RAIN (Hard Rain) wird sich nach dem diesjährigen Hochwasser womöglich nicht jeder amüsieren. Die Mischung aus Katastrophenfilm und Action-Thriller lockte allerdings schon seinerzeit kaum Leute ins Kino, und die Kritiker verrissen das Regiedebüt des Kameramanns Mikael Salomon in Grund und Boden. Natürlich ist der Film von vorne bis hinten albernes Entertainment, aber er ist auch nicht schlechter als manch anderer Beitrag des Genres und kann absolut Spaß machen, wenn man in der richtigen Stimmung dafür ist - und gerne Schauspieler in nassen Klamotten sieht.

Worum geht es? Christian Slater spielt den Fahrer eines Geldtransporters, der bei einem Überfall durch eine von Morgan Freeman angeführte Bande zuerst seinen Onkel (Edward Asner) verliert und dann mit dem Geld um sein Leben läuft. Dumm nur, dass ausgerechnet an jenem Tag die Stadt nach heftigen Regenfällen überflutet ist und evakuiert wurde. Als dann auch noch der örtliche Staudamm zu brechen droht, eskaliert die Situation...

HARD RAIN ist vor allem eins - konsequent. Von der (schlecht) animierten Vorspannsequenz bis zum Abspann schüttet es ununterbrochen wie aus Eimern auf die armen Darsteller herab. Regisseur Mikael Salomon hatte schon Erfahrung mit Wassermassen, er hat immerhin James Camerons "The Abyss" (1989) fotografiert. Und in heutigen Zeiten, in denen CGI-Rechner sämtlichen inszenatorischen Aufwand übernehmen, ist es doch schön zu sehen, wie hier wirklich hart von allen Beteiligten mit den Fluten gearbeitet wird - wobei man einige Darsteller wahrlich nicht beneidet (und sie selbst wahrscheinlich nach einigen Drehtagen ihre Zusage bitter bereut haben).

Dass die Charaktere nicht allzu interessant sind, macht bei diesem Szenario nichts, es sind halt genau die Typen, die man in einem Katastrophenfilm erwartet. Da gibt es die ambitionierte Restauratorin (Minnie Driver), die gerade eine Kirche instandgesetzt hat und nun zusehen muss, wie ihre Arbeit im wahrsten Sinne den Bach runtergeht, dazu den frustrierten Sheriff (Randy Quaid), der von allen Einwohnern gehasst wird, einen jugendlich-tölpelhaften Deputy und ein altes Zausel-Ehepaar (Richard Dysart und die wunderbare Betty White, uns allen bekannt als 'Rose' aus den "Golden Girls"), das sich weigert, die Stadt zu verlassen, obwohl diese bereits halb unter Wasser steht. Das Paar wird übrigens am Ende des Films seltsamerweise vergessen. Nachdem beide mit einem Paddelboot durch den Regen unterwegs waren, erfahren wir nicht mehr, welches Schicksal sie erlitten haben.

Christian Slater, der auch als Co-Produzent fungiert (das Geld hätte er lieber auf dem Sparbuch gelassen, denn HARD RAIN hat kaum seine Kosten wieder eingespielt), bewirbt sich mit dem Film um den Titel des 'Mr. Wet T-Shirt' und ist ein sympathischer Held. Die Chemie mit Partnerin Minnie Driver stimmt, und das Drehbuch bemüht sich, seine Figur in dem abgeschlossenen Setting vor immer neue Herausforderungen zu stellen. Er muss das Geld verstecken, Kugeln ausweichen, wird von Jet Skis durch eine leere Schule gejagt und wechselt dabei mehrfach die Verbündeten. Befindet er sich anfangs noch auf der Flucht vor Morgan Freemans Drecksbande, rennt (und schwimmt) er kurz darauf mit Freeman vor dem Sheriff davon, der sich überraschend als wahrer Bösewicht entpuppt (ups, Spoiler, macht aber nix), bis es auf dem Dach eines davonschwimmenden Hauses zur ultimativen Ballerei kommt - inklusive einer sehr schönen Einstellung, in der ein Regentropfen in Zeitlupe auf dem Lauf der letzten abgefeuerten Waffe landet (Tzzzzisch...).

Die Stunts im Film sind erste Sahne (besonders der Jet Ski-Fahrer, der während der Jagd durch die Schule gegen eine Treppe rast und kopfüber in eine Trophäenvitrine fliegt), und Mikael Salomon hetzt das Publikum von einer Suspense-Sequenz zur nächsten. In der besten muss Slater aus einer Gefängniszelle entkommen, während das Wasser bis zur Decke steigt. Da hält man gern selbst mal die Luft an, wenn sämtliche Versuche scheitern und er schließlich durch ein Metallrohr atmet, bis ihn... nein, ich will nicht zu viel verraten.

Natürlich ist HARD RAIN kein filmisches Juwel. Der Humor ist gelegentlich gewöhnungsbedürftig (wie eine frühe Unterhaltung über Ohrenhaare), einige Nebenfiguren sind schlimme Klischees (der schwarze Gangster, der ständig Bibelsprüche zitiert, weil er entweder "Die Nacht des Jägers" oder "Pulp Fiction" einmal zu oft gesehen hat), und der begrenzte Schauplatz hat sich irgendwann abgespielt. Trotzdem, HARD RAIN ist nette, harmlose B-Unterhaltung (vergleichbar mit einem "Octalus", 2000), die sich selbst für nichts Besseres hält. Mir ist das hundertmal lieber als Actionfilme, die sich selbst zu ernst nehmen oder glauben, sie hätten Tiefschürfendes über das Leben zu erzählen.
Bei HARD RAIN sieht man die Schwerarbeit, die die Darsteller leisten, das Tempo stimmt, und dazu gibt es noch einen wuchtigen Soundtrack von Christopher Young. Und Christian Slater im nassen T-Shirt ist alles andere als ein schlimmer Anblick. Wirklich, was gibt es da zu meckern?

7.5/10

Montag, 1. Juli 2013

Final Destination 4 (2009)

Da ist er wieder, der Tod mit dem Plan.
Nachdem man bei New Line Cinema mit "Final Destination 3" (2006) erneut einen Kassenerfolg feiern konnte, holte man für den vierten Teil wieder Regisseur David R. Ellis an Bord, der bereits in "Final Destination 2" (2004) für ordentlich Spannung und Tempo gesorgt hatte. Auch hier gibt es einen spektakulären Autocrash, aber ansonsten sind die positiven Aspekte des Films sehr überschaubar. Da hilft auch kein 3-D.

Haken wir schnell die obligatorischen Elemente ab:
1. Die Katastrophe: ein Autorennen.
2. Die Protagonisten: farblose Twens mit fabelhaften Körpern, ein paar unsympathische Erwachsene, zwei nervige Kinder und ein sensibler Security-Mann.
3. Ist Tony Todd dabei? Nö.
4. Variationen des Grundmotivs: die Leute, die noch nicht 'dran' sind, können nicht sterben, selbst wenn sie es versuchen.

Desweiteren darf man festhalten, dass FINAL DESTINATION 4 (Final Destination 4) - abgesehen von ein paar Insider-Gags (ein Schwimmbad heißt 'Clear Rivers Water', nach dem Rollennamen von Ali Larter in den ersten beiden Teilen) - relativ humorfrei daherkommt, wenn man von den makaberen Todesarten absieht, die wieder für Schmunzler sorgen (sollen). Auch sonst macht sich der Film nicht viele Gedanken um so etwas Banales wie Handlung oder Konstruktion. Da muss Hauptdarsteller Bobby Campo nur mal kurz ins Internet, um sämtliche Details zu den Vorfällen der letzten Sequels zu finden (wahrscheinlich war er auf der IMDB) und den Plan des Todes zu verstehen. Danach rennt er lediglich den Ereignissen hinterher.

Das Drehbuch arbeitet zwar die Todesarten aus, die Charaktere kann man allerdings nicht einmal mehr als flach bezeichnen, weil selbst grundlegendste Infos fehlen. Wer sind diese Leute von Anfang 20, die den ganzen Tag bei Autorennen sitzen, im Schwimmbad liegen und in noblen Häusern und Apartments wohnen, welche offensichtlich sämtlich von Edel-Designern eingerichtet wurden? Wovon leben die alle? Sogar der (vermutlich schlecht bezahlte) Security-Guard bewohnt ein perfekt ausgestattetes Haus. Über die beiden Hauptfiguren erfährt man nichts - es sei denn, man macht sich die Mühe und schaut die Deleted Scenes (!) durch, dort findet man die knappe Info, dass sie wohl gerade die Schule abgeschlossen haben und Architektin und Broker (wie sympathisch) werden wollen.
Über die weiblichen Charaktere kann man ansonsten berichten, dass ihre Unterhaltungen ausschließlich um Schuhe, Sonnenbrillen oder Shopping im Allgemeinen kreisen und sie für ihr zartes Alter mehr Makeup im Gesicht tragen als ein durchschnittlicher Travestiekünstler im Jahr verbraucht. Die Jungs hingegen sind eitle Mucki-Machos mit hübscher Badehosen-Figur oder blasse Milchgesichter.

Das sind aber nicht die einzigen Schwächen, denn FINAL DESTINATION 4 enttäuscht sogar in den Bereichen, auf die es bei dieser Reihe überhaupt ankommt, nämlich bei den Todes-Szenarien, von denen einige gewohnt originell ausfallen (der Besuch im Schönheitssalon oder die Fahrt durch eine Autowaschanlage der Hölle), andere aber sind entweder so schlampig inszeniert, dass man nicht genau versteht, was eigentlich genau passiert, ergeben keinen Sinn (welcher Körper wird komplett durch ein Abflussrohr im Pool gesaugt??), oder aber die CGI-Tricks sind lächerlich (wie der Automechaniker, dessen Körper wie ein Puzzle in sich zusammenfällt).
Den heranrasenden Krankenwagen, der eine Figur unerwartet aus dem Bild katapultiert, haben wir schon im ersten Teil gesehen (dort war es ein Bus), und wenn am Ende ein LKW die letzten Überlebenden dahinrafft, hat man schon das Gefühl, dass der Tod sich vielleicht mal wieder eine frischere Variante ausdenken könnte als seine Opfer immer mit großen Fahrzeugen über den Haufen zu brettern. Selbst der anfängliche Autocrash kann nicht mit dem Highway-Unfall aus Teil 2 oder der Achterbahn im dritten Teil mithalten - zumal er von albernen 3-D-Effekten sabotiert wird, die schon in "Und wieder ist Freitag der 13." (1982) besser umgesetzt wurden.

Positiv ist zu vermelden, dass FINAL DESTINATION 4 ein geniales Vorspann-Design zu bieten hat, das die Todesfälle der vorangegangenen Episoden in Röntgenbild-Optik nachstellt. Das ist mit Abstand der kreativste Einfall im gesamten Werk. Die Musik von Brian Tyler macht ordentlich Krawall, und das Inszenierungstempo ist so hoch, dass man viele Schwächen übersehen kann, wenn man gewillt ist. Trotzdem fehlt hier einfach in vieler Hinsicht die Liebe zum Detail. Der Film ist ein grober Klotz, der zwar wuchtig um die Ecke kommt, dem man aber in jeder Minute anmerkt, dass hier nur noch ohne viel Anstrengung abkassiert werden soll.

05/10


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