Sonntag, 29. Dezember 2013

Kino-Liste: 50 Lieblingsfilme der 70er

"Der Pate", "Apocalypse Now" und "The Deer Hunter" sind zweifellos große Werke der Filmgeschichte, die auf jede 'Best of'-Liste der 70er gehören. Aber hier geht es wie immer nicht um die besten Filme des Jahrzehnts, sondern um die Filme, die mir am meisten am Herzen liegen, aus den unterschiedlichsten Gründen. 
Insofern folgt nun zum Jahresabschluss 2013 meine persönliche Favoritenliste aus dem für mich spannendsten Jahrzehnt der Filmgeschichte, welches ungewöhnliche, tabubrechende, mutige und drastische Filme hervorbrachte, die Welten von heutiger Blockbuster-Mentalität entfernt sind - zumindest die meisten.. 


1. ALIEN - DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT (1979)

Im Weltraum hört dich niemand schreien, dafür schreit das Publikum umso lauter bei diesem bösen Sci-Fi-Märchen von Ridley Scott, das ganz alte Schreckensszenarien mit moderner Technik und den surrealen Kreationen H.R.Gigers kreuzt und Sigourney Weaver als kämpferische Heldin für eine neue Generation von Kinogängern etabliert. Ein furchterregend schöner Film, der einfach nicht altern will.


2. CHINATOWN (1974)

Roman Polanski schneidet Nicholson die herumschnüffelnde Nase entzwei und inszeniert nach dem wahrscheinlich besten Drehbuch der Filmgeschichte einen klassischen Film Noir, in dem schlichtweg alles stimmt, von Faye Dunaways Lippenstift bis zu Jerry Goldsmiths Trompetensounds. "Vergiss' es, Jake. Das ist Chinatown."


3. TAXI DRIVER (1976)

Robert de Niros Travis Bickle ist der einsamste Mann auf der ganzen Welt, aber Mitleid muss man mit ihm nicht haben. Martin Scorseses alptraumhafte Reise durch den nächtlichen Großstadt-Dschungel und die verwirrte Psyche seiner Hauptfigur bleibt unvergesslich. "Are you talking to me?"


4. BLUTSVERWANDTE (1978)

Inzest, Pädophilie und Mord kommen in den besten Familien vor, ganz besonders, wenn Claude Chabrol hinter der Kamera steht. Donald Sutherland sucht einen brutalen Killer, der sich hinter kindlicher Unschuld verbirgt, und Sahneschnittchen Laurent Malet ist das Objekt vielerlei Begierden gleich mehrerer Familienangehöriger.


5. DER EXORZIST (1974)

 
Die berühmteste Erbsensuppe der Filmgeschichte wird hier von Linda Blair gespuckt, wenn sie nicht gerade mit blutigen Kruzifixen masturbiert oder Bierkutscher-Flüche gegen Mutter und die Kirche ausspricht. Ein ganz normaler Teenager eben. William Friedkins bahnbrechender Film, der den Horror in den Mainstream katapultierte, kann aber noch viel mehr als Haare zu Berge stehen lassen.


6. UHRWERK ORANGE (1971)










Lust auf ein bisschen Ultra-Brutale, das alte Rein-Raus-Spiel oder einen Drink in der Korova-Milchbar? In der Gesellschaft von Malcolm McDowell und seinen Droogs könnte das ein spaßiger Abend so richtig schön Horror-Show werden. Nur nicht für die anderen. Schade, dass die Ludovico-Therapie unserem Alex jeden Spaß austreibt. "Ich bin geheilt, Alright."


7. FAMILIENGRAB (1976)









Von vielen belächelt, von mir geliebt, Hitchcocks letzter Film und vielleicht sein ungebremst albernster. Eine falsche Blondine, ein falsches Medium, ein falscher Taxifahrer und ein falscher Gentleman kommen sich bei gegenseitigen Gaunerspielchen in die Quere. Statt Star-Power und Hollywood-Glamour zeigt der altersmilde Hitch viel Sympathie für seine skurrilen Antihelden und Loser. Ein Film mit Schwächen, aber extrem liebenswert.


8. ZOMBIE (1978)










Nicht in der Nacht, sondern am hellichten Tag schickt George Romero seine lebenden Toten los, und zwar ins Kaufhaus, wo sie von den letzten Überlebenden der (Konsum-)Zivilisation mit Schusswaffen, Macheten und Sahnetorten malträtiert werden. Und wären die blöden Rocker nicht gekommen, hätten Menschen und Zombies co-existieren können. Irgendwer macht immer alles kaputt.


9. FAUSTRECHT DER FREIHEIT (1975)










Fassbinder nimmt die Münchener Schwulenszene aufs Korn und überschüttet sie mit beißendem Sarkasmus. Die Tragödie eines lächerlichen Zirkusclowns, der im Lotto gewinnt und von gepflegten Männern aus besten Häusern wie eine Weihnachtsgans ausgenommen wird, hat nicht jedem gefallen, ganz besonders nicht denen, die gemeint waren. Vielleicht mein allerliebster Lieblings-Fassbinder.


10. DER MIETER (1976)











Der schüchterne Trelkovsky will niemandem auf die Nerven gehen, dabei liegen seine eigenen bald blank in diesem Apartmenthaus der Hölle, in welchem Zähne in der Wand verborgen sind und Nachbarn Fäkalien vor den Türen deponieren, wo auf dem Innenhof mit Köpfen jongliert wird und Hände hinter Schränken hervorkommen. Da hilft auch kein Drag-Outfit, da kann  man nur noch aus dem Fenster springen. Wenn's beim ersten Mal nicht klappt, springt man zweimal.


11. FRENZY (1972)










Der letzte unschuldig Gejagte in Hitchcocks langer Reihe unschuldig Gejagter, aber so ganz unschuldig ist hier eigentlich niemand. Der Held ist ein Zyniker, der Krawatten-Mörder nicht ganz richtig im Kopf, die Sekretärin aus der Partnervermittlung eine Männerhasserin, und die Ehefrau des braven Inspektors foltert ihren Gatten mit kulinarischen Köstlichkeiten. "Mr. Rusk, Sie tragen ja Ihre Krawatte gar nicht."


12. KLUTE (1971)











Amerikanischer Psycho-Thriller trifft auf italienischen Giallo. Callgirl Jane Fonda erhält anonyme Telefonanrufe und den Oscar, Donald Sutherland sucht einen verschwundenen Freier und taucht tief ein in die Halbwelt aus Drogen, Prostitution und Perversion, das alles und noch mehr bietet Alan J. Pakulas teuflisch spannende Mischung aus Krimi, Psychodrama, Milieu- und Charakterstudie.


13. DER TAG DER HEUSCHRECKE (1975)









Die Traumfabrik Hollywood arbeitet während der Depressionszeit auf Hochtouren, aber hinter den dekadenten Kulissen lauern Armut, Verzweiflung, Irrsinn und Karen Black. Ein sensationell deprimierender Film, der es schafft, einem nervigen Kind den Tod an den Hals zu wünschen, um einem dann den Spiegel vorzuhalten, wenn er wirklich eintrifft. Großartiges, symptomatisches 70er-Kino mit furiosem Finale von John Schlesinger, ohne Rücksicht auf Verluste.


14. CARRIE - DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER (1976)









Brian de Palma holt die Teenager auf und vor die Leinwand und schockt sein kreischendes Publikum mit Menstruationsblut und religiösem Wahn. Wenn die Mama sagt, dass einen alle auslachen werden, könnte genau das passieren, auch wenn Mama selbst ihre Karotten seltsam hackt und eigentlich auch in die Klapse gehört. Dabei ist Carrie nur ein trauriges Mädchen, das geliebt werden möchte. Und wehe, wenn nicht!


15. MARTHA (1974)










Viele Frauen freuen sich, wenn ihr Gatte Geschenke mitbringt. Martha eher weniger. Fassbinder verbeugt sich vor Douglas Sirk und schickt Margit Carstensen durch eine Ehehölle, die sie selbst verschuldet hat. Was kann man schon erwarten, wenn man einen Mann heiratet, der einst mit Sissi liiert war und später als Sohn eines geistig derangierten Vaters Prostituierte mit seiner Filmkamera ermordet?


16. DAS ENDE - ASSAULT ON PRECINCT 13 (1976)









John Carpenter dreht (wieder) "Rio Bravo" neu und verbarrikadiert eine Gruppe Ahnungsloser in einem stillgelegten Polizeirevier, das sich mitten im sozialen Brennpunkt befindet. Draußen lauert eine anonyme Gang, und drinnen müssen sich Verbrecher und Polizisten zusammenraufen. Ein klaustrophobischer, grimmiger Alptraum, der nie nachlässt, und vielleicht Carpenters überhaupt bester Film.


17. SUSPIRIA (1977)










Die Hexen sind los in der Freiburger Tanzakademie, in der viel zu viel Draht auf Rollen aufbewahrt wird. Jessica Harper stolpert wie Alice im Wunderland durch dieses Kabinett des Schreckens, während Maden von der Decke regnen und Schäferhunde ihre blinden Herrchen zerfleischen . Dank des ohrenbetäubenden Goblin-Soundtracks und Dario Argentos genialem Auge für knallige Technicolor-Sets bleibt dieser Hexentanz für immer im Gedächtnis, wenn man ihn einmal gesehen  hat. Argentos Vorgänger "Deep Red" (1975) ist praktischerweise auf dieser Platzierung mit eingeschlossen, weil ich sonst wieder nur die 50 besten Horrorfilme aufliste.


18. DER MARATHON-MANN(1976)










Laurence Olivier möchte gern wissen, ob 'es sicher ist', aber Dustin Hoffman weiß nicht, was dieser glatzköpfige Zahnarzt mit dem eiskalten Blick überhaupt von ihm will. John Schlesingers meisterhafter Thriller ist für Zahnarztbesuche ungefähr das, was Hitchcocks "Psycho" für ausgiebiges Duschen war.


19. POSEIDON INFERNO (1972)










Gene Hackman führt als moderner Geistlicher eine Gruppe Überlebender durch den umgekippten Ozeandampfer in der Silvesternacht und schreit Gott an, er möge sie doch bloß in Ruhe lassen. Gott aber hat zu viel Spaß daran, die Schiffbrüchigen mit Wassermassen, Explosionen und dem Anblick von Shelley Winters' Unterwäsche in Angst und Schrecken zu versetzen. Der beste Katastrophenfilm aller Zeiten, nicht mehr und nicht weniger.


20. HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS (1978)









Michael Myers kommt nach Hause, um seine Schwester Jamie Lee Curtis zu besuchen und auf dem Weg ein paar Babysitter um die Ecke zu bringen. John Carpenter hat mit wenig Geld, aber viel Einfallsreichtum einen Film geschaffen, der das Horror-Kino für immer veränderte und heute noch als Blaupause für unzählige Nachahmer herhalten muss. Erreicht hat ihn trotzdem keiner.


21. THEATER DES GRAUENS (1971)










Vincent Price macht in dieser herrlich britischen Grand Guignol-Groteske als Overactor Deluxe Jagd auf seine Kritiker und befördert sie nach Anleitung Shakespeares und mit Hilfe seiner Tochter Emma Peel blutig ins Jenseits. Da spenden sämtliche Rezensenten schleunigst Beifall, denn keiner will der nächste sein. "Kritiker sind auch nur Menschen!" - "Ich sehe mich leider außerstande, mich dieser Meinung anzuschließen."


22. MORD IM ORIENT-EXPRESS (1974)









Albert Finneys exzentrischer Hercule Poirot bekommt es nicht mit einem, sondern gleich mit zwölf Mördern zu tun, inklusive einer gehemmten Ingrid Bergman, die sich um kleine braune Babys kümmert und dafür den Oscar abstaubt, sowie Anthony Perkins, der sein Mutterproblem zehn Jahre nach Hitchcock immer noch nicht in den Griff bekommen hat.


23. PICKNICK AM VALENTINSTAG (1975)









Ein sommerlicher Panflöten-Ausflug der höheren Töchterschule endet mysteriös, als eine von ihnen auf Nimmerwiedersehen im Berg verschwindet. Ein Drama, ein Verbrechen, oder doch ein Horrorfilm? Peter Weir behält gottseidank die Antwort für sich, was viele Zuschauer wütend macht, aber die haben ohnehin nicht verstanden, worum es beim Geschichtenerzählen geht.


24. FLAMMENDES INFERNO (1974)










Im Wolkenkratzer wird gezündelt, und die wenigen Partygäste im Obergeschoss, die nicht den Flammen zum Opfer fallen, stürzen aus Außenfahrstühlen, springen durch Glasscheiben, baumeln im improvisierten Skilift über der Stadt oder werden im Finale dank des findigen Architekten Paul Newman mit tonnenweise Wasser ersoffen. Wenn ausgerechnet O. J. Simpson bei der Haus-Security arbeitet, darf man sich nicht wundern. 


25. DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (1970)









Der ehemalige Filmkritiker Dario Argento macht mit seinem Regiedebüt den Giallo weltweit populär und sorgt dafür, dass in den folgenden Jahren mekrwürdigstes Getier in Filmtiteln herumfleucht. Tony Musante sucht als amerikanischer Schriftsteller in Rom einen Frauenmörder, muss mit Mario Adorf Katzen essen und wird von Werner Peters angebaggert. Suzy Kendall kreischt um ihr Leben, und die Lösung bringt ein Vogel mit Kristallgefieder.


26. DIE NACHT DER TAUSEND AUGEN (1973)









Elizabeth Taylor sieht in ihrem einzigen Ausflug ins Horror-Fach in Gewitternächten Leichen im Nachbarhaus, aber keiner glaubt ihr. Spielt da womöglich jemand "Lady Alquist" mit der pummeligen Diva, oder will die nur mit einem raffinierten Trick ihren untreuen Gatten Laurence Harvey und die vermeintlich beste Freundin Billie Whitelaw loswerden? Dabei sollte sie lieber ihren Kostümdesigner um die Ecke bringen.


27. STOPPT DIE TODESFAHRT DER U-BAHN 123 (1974)










Walter Matthau verhandelt mit vier Gangstern, die einen U-Bahn-Zug in ihre Gewalt gebracht haben. Das Quartett wird angeführt vom eisigen Robert Shaw, und Martin Balsam verrät sich durch einen unbedachten Nieser. Perfektes Unterhaltungskino der 70er mit Tempo, Humor und Spannung, und so viel besser als das kreuzüberflüssige Remake.


28. EINE LEICHE ZUM DESSERT (1976)









Die berühmtesten Detektive aus Literatur und Film verbringen das Wochenende im Landhaus von Truman Capote, der sie in ein Mörderspiel verwickelt, das mehr überraschende Wendungen auffährt als man zählen kann. Mit dabei: ein blinder Butler, eine taubstumme Köchin und der exzentrische Gastgeber, der aus Elchköpfen heraus spricht und gern die falsche Grammatik von Peter Sellers korrigiert.


29. CABARET (1972)









Wer sich fragt, ob man mit nur einem einzigen guten Film in seiner Karriere zum Weltstar für die nächsten Jahrzehnte und vermutlich alle Ewigkeit werden kann, der darf einen Blick auf Liza Minellis Darbietung der Sally Bowles in Bob Fosses "Cabaret" werfen, in dem Miss Minelli alles an die Wand spielt, singt und tanzt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. So viel Power, Mutter wäre stolz gewesen! Bye bye, mein lieber Herr Gesangsverein!


30. ATEMLOS VOR ANGST (1977)









William Friedkin inszeniert den französischen Klassiker "Lohn der Angst" neu, schickt Roy Scheider in einem Truck voller Sprengstoff durch den Regenwald und geht mit seinem fantastischen Film zu Unrecht komplett baden. Einer der meistübersehenen Filme aller Zeiten, ein Meisterwerk und der Beweis, dass es gute Remakes gibt.


31. DER WEISSE HAI (1975)










Und  noch einmal Roy Scheider, diesmal ohne Laster, dafür aber wasserscheu. Keine gute Ausgangslage, wenn man gegen eine mordgierige Bestie aus dem Ozean antritt, die Nummernschilder und Kinder auf Luftmatratzen verschlingt. Glücklicherweise steht ihm mit Robert Shaw ein grimmiger Seebär beiseite, dessen Erzählung eines Kriegserlebnisses schauriger ist als die ganze Monsterhatz. Steven Spielbergs Film sollte das Kino für immer verändern, nicht unbedingt im guten Sinne.


32. ACHTERBAHN (1977)









Timothy Bottoms sprengt als soziopathischer Erpresser eine Achterbahn in die Luft und verlangt einen Koffer voll Geld, damit er das nicht wiederholt. Dafür schickt er George Segal, der ohnehin nicht gut drauf ist, weil er sich gerade das Rauchen abgewöhnt, mit dem Lösegeld quer über den Rummelplatz. Hitchcock hätte sich für diese Mischung aus Katastrophenfilm, Thriller und Komödie sicher nicht geschämt.


33. AUF DER SUCHE NACH MR. GOODBAR (1977)









Tagsüber arbeitet sie als Lehrerin für Taubstumme, nachts zieht Diane Keaton einsam durch die Bars und gabelt Psychopathen für One Night Stands auf, bis sie schließlich nach lauter falschen Typen (inklusive Richard Gere) an den ganz falschen gerät. Seinerzeit ein Hit, der heftige Kontroversen auslöste, heute ziemlich vergessen - außer in Kamera-Seminaren, wo der Film rauf und runter besprochen wird, weil Kameramann William Fraker diese düstere Parabel über die Gefahren des Single-Lebens und die Selbstverwirklichung von Frauen in so finstere Bilder hüllt, dass man oft nach dem Lichtschalter sucht.


34. TOD AUF DEM NIL (1978)










Anders als Albert Finney legt Peter Ustinov seinen Hercule Poirot als sympathischen Tanzbär an, was auch seine Reize hat. Hier wird das Mörderspiel zusätzlich aufgepimpt durch atemberaubende Originalschauplätze, zickige Dialogduelle und ein Star-Ensemble, das man nicht alle Tage vor die Kamera bekommt. Diese Reise auf dem Todesdampfer lohnt sich allein schon wegen Nino Rotas pompösem Score oder Angela Lansburys versoffener Schundautorin."Und warum sehen Sie mich dabei an, auf diese familiäre, kontinentale Weise?" (Bette Davis zu Ustinov).


35. NETWORK (1976)









Sidney Lumet macht sich dank des bitterbösen Drehbuchs von Paddy Chayefsky über das Fernsehgeschäft lustig, der Horror aber liegt in der Tatsache, dass die Realität die Fiktion längst eingeholt hat und wir heute genau die Art von Fernsehen haben, die hier noch als absurdes Schreckgespenst an die Wand gemalt wird.



36. DEEP END (1970)










Arthouse-Kino vom Feinsten bietet diese Coming of Age-Geschichte um den hübschen jungen John Moulder-Brown, der als Aushilfe in einem öffentlichen Badehaus anheuert, wo er am ersten Tag fast von Diana Dors vergewaltigt wird, sich später in die schöne Jane Asher verliebt und lernen muss, dass Liebe sehr weh tun und sogar töten kann. Ein Film wie ein prachtvolles Gemälde oder ein Fünf-Gänge-Menü im besten Haus am Platz, serviert vom polnischen Filmkünstler Jerzy Skolimowski.


37. DAS OMEN (1976)










Botschafter Gregory Peck adoptiert das Kind des Teufels, Fotograf David Warner verliert den Kopf, und Lee Remick stürzt erst beim Blumengießen von der Galerie und macht anschließend den Abgang durchs Krankenhaus-Fenster, während Jerry Goldsmith den Oscar für seine satanische Choräle einheimst. Ein Nachfolger des "Exorzisten", der seine kreativen Todesszenen zelebriert.Wer erinnert sich nicht gern an die skandalöse ZDF-Ausstrahlung Anfang der 80er? Schön, wenn man dabei gewesen ist.


38. DIE FRAUEN VON STEPFORD (1975)










In Stepford tragen alle Frauen Rüschen, putzen den ganzen Tag, tauschen Rezepte aus und sind ihren Männern stets zu Diensten. Der Traum vieler Männer entpuppt sich aber als Alptraum für die eigenständige Katharine Ross, die bald erkennen muss, dass ihr eigener Gatte ebenfalls einen Putzroboter mit prallen Brüsten seiner Angetrauten vorziehen würde.


39. IS' WAS, DOC? (1972)











Peter Bogdanovich feiert die klassische Screwball-Comedy und den klassischen Slapstick der Stummfilm-Ära in dieser von vorne bis hinten durchgeknallten, zum Brüllen komischen Farce, in der Barbra Streisand als quirlige Studentin den vertrottelten Musikforscher Ryan O'Neal nebst seiner Verlobten Eunice Burns (Madeline Kahn) ordentlich ins Schwitzen bringt und mit ihm erst in einem chinesischen Drachen, und dann in der Bucht von San Francisco landet. Eine wahnwitzige Nummernrevue, dargeboten von einem Ensemble aus Spitzenkomikern. "Sie sind verkehrt herum." - "Ich weiß."


40. HINTER DEM RAMPENLICHT (1979)









In Bob Fosses zweitem Geniestreich des Jahrzehnts überarbeitet sich Roy Scheider als besessener, herumhurender, kettenrauchender, pillenschluckender und egomanischer Broadway-Regisseur bis zu Erschöpfung, Herzinfarkt und Exitus mit Showtreppe, begleitet von seinem persönlichen Todesengel Jessica Lange. Ähnlichkeiten mit dem Regisseur des Film sind nicht rein zufällig und auf jeden Fall beabsichtigt.


41. WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (1973)









Venedig ist immer eine Reise wert, man sollte aber darauf achten, dass man sich nicht in den dunklen Gassen verirrt oder komische kleine Personen mit roten Regenmänteln anspricht, denn dann könnte es der letzte Ausflug gewesen sein. Ein Filmkunstwerk der assoziativen Schnitte vom bejubelten Kameramann und Regisseur Nicolas Roeg, der nicht nur wegen einer freizügigen Sex-Szene zwischen Donald Sutherland und Filmgattin Julie Christie für Aufsehen sorgte.


42. BRENNPUNKT BROOKLYN (1971)









Unter der Leitung von William Friedkin ist Gene Hackman einem französischen Drogensyndikat in New York auf der Spur, absolviert eine der schweißtreibendsten Autojagden der Filmgeschichte und steht am Ende doch mit ziemlich leeren Händen da. Ein furioser Thriller, dessen Grenzen zwischen Fiktion und dokumentarischer Detailverliebtheit fließend sind.


43. COMA (1978)










Ärztin Geneviève Bujold bemerkt eine Anhäufung von Komafällen im örtlichen Krankenhaus und wird bald von bezahlten Killern durch Leichenhallen und geheimnisvolle Institute gejagt, in denen der illegale Organhandel bizarre Blüten treibt. Den ultraspannenden Schocker mit patenter Action-Heldin inszenierte Michael Crichton mit Insider-Kenntnis, Mordstempo und gelungenen Gruseleffekten.


44. DIRTY HARRY (1971)












Clint Eastwood ist Harry Calahan, der härteste Cop San Franciscos, der gelegentlich nicht mehr weiß, wie viele Schüsse er aus seiner Magnum abgefeuert hat, weswegen man sich aber nicht unbedingt freuen sollte, es sei denn, man hat einen Glückstag. Als desillusionierter Ermittler wird Dirty Harry von einem psychopathischen Serienkiller durch die ganze Stadt gehetzt, in Don Siegels extrem durchgestylten Thriller, der Maßstäbe setzte und Eastwood eine weitere unsterbliche Rolle bescherte.



45. DER SCHRECKEN DER MEDUSA (1978)









Richard Burton, der durch die Kraft seiner Gedanken Tragödien heraufbeschwören kann, bekommt von seiner Psychiatrein Lee Remick eins über die Rübe und liegt fortan im Koma, aber sein Gehirn lebt weiter und löst mehrere Katastrophen aus, darunter den Zusammenbruch einer voll besetzten Kathedrale und den Absturz einer Passagiermaschine in ein Wohngebäude. Stellt sich die Frage: ist die alte Suffnase Burton auch für den 11. September verantwortlich? Und bin ich allein durch die Tasteneingabe "11. September" jetzt auf einer geheimen Liste gelandet, die womöglich auch von Richard Burton kontrolliert wird?


46. DIE AMERIKANISCHE NACHT (1973)










Im Gespräch mit Hitchcock bemerkte Truffaut, dass Filme über die Dreharbeiten von Filmen nie erfolgreich sind. Das Gegenteil bewies er mit der 'amerikanischen Nacht', in dem das, was hinter den Kulissen geschieht, um einiges witziger, dramatischer und romantischer ist als das, was vor der Kamera so abläuft. Ein wundervolles Ensemble sorgt für hinreißende, intelligente und doppelbödige Unterhaltung für Cineasten und solche, die es werden wollen. Ganz großes Kino hinter dem Kino.


47. DIE TIEFE (1977)











Kein guter Film? Von wegen! Jacqueline Bisset und Nick Nolte geraten bei Freizeit-Tauchgängen auf den Bahamas an wertvolle Morphium-Ampullen, blutgierige Muränen, brutale Ganoven und den brummigen Robert Shaw, der seine Rolle aus dem "weißen Hai" einfach nochmal spielt. Tolle Unterwasser-Aufnahmen, toller Score von John Barry, und Fräulein Bisset in den nassesten T-Shirts, die das Kino je erleben durfte.


48. ERDBEBEN (1974)










Es rumpelt gewaltig, und bald darauf liegt L.A. in Schutt und Asche. Die Schauwerte dieses Katastrophen-Klassikers: Walter Matthau als stets besoffener Komparse, Ava Gardner, die älter aussieht als ihr Filmvater Lorne Greene, ein niedliches Hündchen im Handschufach, die bedauernswerte Genevieve Bujold, die so tun muss, als würde sie Charlton Heston attraktiv finden, sowie "Dallas-Pam" Victoria Principal mit einem Afro-Look, den man gesehen haben muss, um ihn zu glauben. Die Tricks und Effekte sind aber auch nicht schlecht.


49. FRANKENSTEIN JUNIOR (1974)









Die beste Filmparodie aller Zeiten, Gene Wilders beste Rolle und Mel Brooks' bester Film, was will man mehr? Die Liebe zu den Originalen steckt hier in jedem Detail, von der dominanten Frau Blücher über Nussknacker-Polizist Kenneth Mars, das steppende Frankenstein-Monster und die sexhungrige Verlobte des berüchtigten Barons, die beim Orgasmus die 'Carmen' anstimmt. "Sie haben Ihr Essen ja gar nicht angerührt."



50. SATURDAY NIGHT FEVER (1977)










John Travolta tanzt sich als gedemütigter Italo-Amerikaner an den Wochenenden aus ärmlichen Verhältnissen frei und gewinnt nicht nur einen Wettbewerb, sondern Selbstvertrauen und Respekt vor Frauen dazu. Der Film zum weißen Anzug, der das Lebensgefühl einer ganzen Generation von Disco-Gängern einfing, ist nicht nur ein präzises Zeitdokument, sondern ein wirklich gelungenes Werk, dessen unerwarteter, weltweiter Erfolg hochverdient war. Warum noch rumsitzen? You should be dancing!


UND DANN WÄREN DA NOCH:

Filme, die es haarscharf nicht auf die Liste geschafft haben, aber wahrscheinlich darauf gelandet wären, wenn ich sie an einem beliebigen anderen Tag geschrieben hätte:

Der Konformist (1970)
Der Schlachter (1970)
Der Riss (1970)
Duell (1971)
Schwarzer Engel (1976)
Der Spion, der mich liebte (1977)
Manhattan (1979)
Die Rocky Horror Picture Show (1975)
Der Dialog (1974)
Hundstage (1975)
Blutgericht in Texas (1974)
Hospital (1971)
Die Wiege des Bösen (1974)
Das Grauen kommt um 10 (1979)
Das unsichtbare Auge (1978)
Barry Lyndon (1975)
Ein Mann sieht rot (1974)
18 Stunden bis zur Ewigkeit (1974) 
Zeuge einer Verschwörung (1974)
Die Körperfresser kommen (1978)

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