Samstag, 26. Juli 2014

12:01 (1993)

In der Filmgeschichte kommt es häufig vor, dass zeitgleich sehr ähnliche Filme entstehen. So erinnern wir uns alle noch an die Flut von Unterwasser-Filmen Ende der 80er, oder die Mars-Abenteuer "Mission to Mars", "Ghosts of Mars" und "Red Planet".
Im Jahr 1993 entstanden mit "Und täglich grüßt das Murmeltier" und 12:01 (12:01) zwei Filme mit der identischen Grundidee einer Zeitschleife, in die der ahnungslose Held gerät und immer wieder denselben Tag durchleben muss. Nun kann man oft die Frage nach dem Huhn oder dem Ei stellen, doch in diesem Fall ist ganz klar, wer sich da bei wem bedient hat, denn 12:01 basiert auf einer Kurzgeschichte von Richard Lupoff, die bereits 1990 als Vorlage für einen Kurzfilm diente. die Macher des "Murmeltiers" haben sich bei Vorlage und Film kräftig bedient, was den Autor der Kurzgeschichte so auf die Palme brachte, dass er jahrelang die Gerichte beschäftigte. Leider (für ihn) wurde das "Murmeltier" von den mächtigen Columbia-Studios produziert, gegen die juristisch nicht anzukommen war. So blieb der Fall ungeklärt.

Aber genug der Hintergründe. Das Publikum profitierte immerhin davon, konnte es doch zwei gelungene Filme genießen, wobei mir persönlich 12:01 deutlich besser gefällt als der Bill Murray-Hit. Das liegt zum einen daran, dass 12:01 viel bescheidener und skurriler daherkommt (was nicht wundert, denn er wurde fürs US-Fernsehen produziert), zum anderen an dem Umstand, dass die langweilige Andie MacDowell hier nicht mitspielt, die mich immer in Tiefschlaf versetzt. Außerdem wartet 12:01 zusätzlich zu allen komödiantischen und romantischen Verwicklungen noch mit einem spannenden Thriller-Plot auf, der hervorragend umgesetzt ist, während sich das "Murmeltier" voll auf die Liebesgeschichte konzentriert.

Also, worum geht es in 12:01? Der nerdiger Büroangestellte Jonathan Silverman hasst seinen  langweiligen Job und ist heimlich in die schöne Wissenschaftlerin Helen Slater verliebt, die im selben Gebäude arbeitet, von ihm aber keine Notiz nimmt. Nach Feierabend beobachtet er entsetzt, dass seine Angebetete auf offener Straße erschossen wird, und zu Hause bekommt er einen elektrischen Schlag, der ihn in die Zeitschleife versetzt. Von jetzt an wacht er immer wieder am Morgen des Mordes auf und hat nur ein begrenztes Zeitfenster, um selbigen zu verhindern, die Hintermänner zu stellen und der Dame seines Herzens seine Liebe zu gestehen, bevor der schicksalhafte Tag wieder von Neuem losgeht...

12:01 ist vor allem eins - sympathisch. Das liegt vor allem an der unprätentiösen B-Besetzung, die prächtig als Ensemble funktioniert, ohne dass jemand eine One-Man-Show abzieht. Neben dem quirligen Silverman in der Hauptrolle spielen die wunderbare Helen Slater, die mal fast ein großer Star geworden wäre, wenn ihr Möchtegern-Blockbuster "Supergirl" (1984) nicht so ein gigantischer Flop gewesen wäre, dazu der großartige Martin Landau als Mad Scientist, dessen Experimente die Zeitschleife verursachen, sowie Jeremy Piven als skurriler Sidekick Silvermans. Sie alle sind witzig, liebenswert und haben viel Spaß mit ihren Rollen, das überträgt sich auch auf den Zuschauer.

Wie bei solchen Geschichten üblich (mittlerweile gibt es ja deutlich mehr Zeitschleifen-Filme als die beiden genannten Beispiele) wird im ersten Drittel des Films viel Wert auf Details gelegt, deren ewige Wiederholung (quasi mit Ankündigung) für reichlich Lacher sorgt. Hier sind das u.a. ein zusammenbrechender Bürostuhl, ein Anruf von Silvermans Mutter, ein Anschiss der Chefin, sowie eine Topfpflanze, die eigentlich im Müll liegen sollte, aber jeden Morgen wieder am selben Platz steht. Als durchschnittlicher Jedermann, der durch die Ereignisse lernt, sich durchzusetzen, zu sagen, was er auf dem Herzen hat, und das 'Beste' aus jedem Tag zu machen, wird er zur Identifikationsfigur für den Zuschauer und dessen Wunsch, selbst aus seiner täglichen Alltagsroutine auszusteigen. Die Zeitschleife ist ein Fantasy-Element, aber sie versinnbildlicht nur, was für viele Menschen real ist. Kein Wunder, dass diese Filme so gut beim Publikum ankommen. 

Neben der Komödie und der herzigen Romanze sorgt der Timelock um den Mord an Helen Slater dann auch noch für echte Hochspannung. Da die Zeitschleife in 12:01wissenschaftlich begründet wird (während sie in ähnlichen Filmen oft nur 'passiert'), gibt es also auch einen Weg, sie wieder abzustellen. Der ist zwar ähnlich 'glaubwürdig' wie der Flux-Kompensator aus "Zurück in die Zukunft" (1985), aber da sich der Film ohnehin nicht ernst nimmt, gehört das alles mit zum Spaß.

Für mich persönlich ist 12:01 der beste aller Zeitschleifen-Filme. Er ist extrem kurzweilig, straff erzählt, temporeich, und er verzichtet sowohl auf moralische Belehrungen (keiner muss hier ein 'besserer' Mensch werden) als auch auf allzu dick aufgetragenen Kitsch. Ein kleiner Film mit großen Stärken und - leider - immer noch ein Geheimtipp.

8.5/10


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