Dienstag, 22. Juli 2014

Ladykillers (1988)

Maskierte männliche Killer, die blutjunge, kreischende Models um die Ecke bringen, gibt es in der Film-und Horrorgeschichte mehr als man zählen kann, aber warum geht das eigentlich nicht mal andersrum?

Geht es, wie der 1988 fürs US-Fernsehen produzierte Thriller LADYKILLERS (Ladykillers) beweist. Der Titel führt schon absichtlich in die Irre, denn Frauen sind hier nicht das Ziel eines irren Slashers, sondern knackige Kerle, genauer gesagt, die muskelbepackten Mitglieder eines Stripclubs für Frauen (sozusagen die Filmversion der 'Chippendales'). Diese werden von einer geheimnisvollen Mörderin mit toupierter Wallemähne und Sonnenbrille live während ihres Auftritts und vor den Augen aller Zuschauerinnen dahingemetzelt. Die Hauptverdächtigen sind die Besitzerin des schlüpfrigen Schuppens (Lesley-Ann Down, "Fackeln im Sturm") sowie eine reiche, männerfressende Klientin (Susan Blakely). Auftritt Marilu Henner als toughe und emanzipierte Ermittlerin, deren hübscher Lover Thomas Calabro (kurz vor seinem Durchbruch als 'Melrose Place'-Fiesling Michael Mancini, den zu hassen wir so liebten) als Jungpolizist undercover im Strippermilieu untertaucht, wo er prompt ins Visier der Killerin gerät und von unserer Detektivin in letzter Sekunde gerettet werden muss...

Die Idee, sämtliche Klischee-Geschlechterrollen des Serienkiller-Films auszutauschen, ist wirklich nett, das muss man dem ansonsten harmlosen Filmchen lassen. Ich mochte LADYKILLERS sehr, als ich ihn in meiner Jugend als Videopremiere sah (es war die Zeit, als ich mir praktisch jeden - und ich meine jeden - Film angesehen habe, der neu auf VHS herauskam). Marilu Henner ("Noises Off") schlägt sich gut als schöne Polizistin mit kompliziertem Privatleben, Thomas Calabro zeigt, dass er halbnackt eine gute Figur macht, und es gibt sogar eine typische Duschszene, bei der wieder nicht die bekannte nackte Dame, sondern einer der Tänzer bedroht wird. Der leichte Screwball-Touch in den Dialogen und die Tatsache, dass der Film sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt, sorgen für unterhaltsam-fluffigen 80er-Spaß, wenn man in sehr, sehr gnädiger Stimmung ist. In der besten Szene müssen sämtliche Polizisten des Reviers sich zu sexy Musikbegleitung entkleiden, um auszuknobeln, wer von ihnen undercover in die schwülstige Showtruppe eingeschleust werden soll. Das sieht man zugegebenermaßen nicht jeden Tag im 'Tatort'.

Leider schafft es LADYKILLERS nicht, außer den umgekehrten Geschlechtern noch irgend etwas anderes von Interesse zu erzählen. Das Drehbuch baut zwar an einer Stelle eine verheiratete Zeugin ein, die der Polizei wichtige Informationen vorenthält, weil sie heimlich in der Stripshow war und ihr Ehemann sich beim Anblick der Nachrichten laut fragt, was das wohl für verkommene Frauen sein müssen, die sich in so einer Spelunke herumtreiben, aber wer geglaubt hat, dass hier mit einer gesellschaftlichen Doppelmoral abgerechnet wird (nach welcher es Männern natürlich gestattet ist, sich halbnackte Stripperinnen anzuschauen, während Frauen sofort als Schlampen gelten, wenn sie ähnliches tun), befindet sich im falschen Film. Da Frauen das anvisierte Zielpublikum des Films sind, werden hauptsächlich die Tänzer ins rechte Licht gerückt, das war es auch schon.

Schwach sind auch die zahnlosen Mordszenen, bei denen Regisseur Robert Michael Lewis keinerlei Fantasie beweist. Allein die Mordwaffe - eine Art Designer-Teppichmesser mit mehreren Klingen - wirkt so lächerlich, dass man schon staunen muss, wie ein erwachsener Mann an solch harmlosen Kratzerchen in Sekundschnelle sterben kann. Noch unglaubwürdiger ist nur der Umstand, dass die Mörderin völlig unerkannt entkommen kann, ohne dass auch nur eine der vielen Frauen im Zuschauerraum Notiz von ihr nimmt. Von der im feurigen Finale enthüllten Backstory des Täters/der Täterin, die ihn/sie zum Morden antreibt, wollen wir gar nicht erst anfangen, die wäre eher in einem Giallo gut aufgehoben - und das meine ich ausnahmsweise nicht positiv.

LADYKILLERS ist nach der VHS-Veröffentlichung in der Versenkung verschwunden und aus selbiger bislang nicht wieder aufgetaucht. Eine DVD des Streifens sucht man weltweit vergebens. Vielleicht erbarmt sich ja irgendwann ein Anbieter und wirft sie auf den Grabbeltisch, ich würde sie kaufen. Das ist einer der wenigen Filme, von denen ich mir ein gutes Remake wünschen würde. Für die Besetzung hätte ich schon ein paar persönliche Favoriten. Aber wer bis dahin Filme über Männerstripper sehen will, sollte doch lieber zu "Ganz oder gar nicht" (1997) greifen.

Randnotiz: Männerstripper waren in den 80ern echt angesagt. Die 'Chippendales' sorgten weltweit für volle Läden und feuchte äh... Händchen, die 'Playgirl' ging haufenweise über den Ladentisch (wobei eher an Männer als an Frauen), und neben LADYKILLERS gab es auch noch den Kinofilm "Ein himmlischer Lümmel" (A Night in Heaven, 1983), in dem Christopher Atkins frisch von der Blauen Lagune auf die Stripper-Showbühne gebeamt wurde, um seine Lehrerin Lesley Ann Warren verrückt zu machen. Diese unlustige Komödie war ein Mega-Flop und beendete die Karriere des blonden Jünglings auf der Stelle.
Letztendlich waren das alles plumpe Versuche, eine etwas schräge 'Gleichberechtigung' herzustellen. Was damit bewiesen wurde war jedoch nur die Erkenntnis, dass Frauen sich beim Anblick von nacktem Frischfleich genau so daneben benehmen können wie Männer.

05/10



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