Donnerstag, 24. Juli 2014

Midnight Crossing (1988)

Thriller, die mitten auf dem Ozean spielen, gibt es so einige. Phillip Noyce's wunderbarer "Todesstille" (1989) wäre das beste Beispiel. MIDNIGHT CROSSING (Midnight Crossing) besitzt eigentlich alle Zutaten, die einen spannenden Abenteuerfilm abgeben würden. Dazu gehören eine exotische Location, gute B-Darsteller plus ein A-Star (Faye Dunaway), eine gute Prise Sex, sowie eine interessante Story mit vielen überraschenden Wendungen, Intrigen, Mord und Totschlag. Was der Film leider nicht hat, sind ein fähiger Regisseur und ein gutes Drehbuch.

Die Story: Geschäftsmann Daniel J. Travanti überredet seine Angestellte Kim Cattrall und deren Ehemann John Laughlin zu einer Bootstour. Er will auf einer Insel vor Kuba einen Schatz bergen, den er in seiner Armeezeit dort versteckt hat - eine Million Dollar. Mit von der Partie ist auch Faye Dunaway als blinde Ehefrau Travantis. Zu viert schippern sie los, doch der Ausflug verläuft völlig anders als gedacht, weil beinahe jeder an Bord ein doppeltes Spiel spielt und eigene Interessen verfolgt...

Schade, schade, muss man sagen, denn das hätte ein wirklich toller Film werden können. Allein Faye Dunaway als Blinde auf einer Hochsee-Yacht, das schreit doch nach Suspense in bester "Warte bis es dunkel ist"-Tradition, ist sie doch auf Gedeih und Verderb den anderen Charakteren hilflos ausgeliefert. MIDNIGHT CROSSING aber erzählt seine Geschichte nicht aus Dunaways Perspektive, sondern aus beobachtender Distanz, was jede Identifikationsmöglichkeit mit ihren Ängsten zunichte macht.
Dabei hatte Dunaway hier einige ihrer besseren Tage. Die Diva spielt eher zurückgenommen und overacted selten (wenn, dann aber richtig), das überlässt sie gern den Co-Stars. Kim Cattrall ("Sex and the City") und John Laughlin ("China Blue - Bei Tag und Nacht") sind ein heißes Paar und dürfen sich oft nackig machen, gerade Cattrall muss aber zu oft die hysterische Nudel geben und fängt irgendwann an zu nerven (die Synchronisation mit einer übereifrig keuchenden Sprecherin versetzt ihr den Todesstoß). Daniel J. Travanti spielt den scheußlichen Fiesling, dem man absolut zutraut, seine blinde Gattin über Bord zu werfen, wenn gerade keiner guckt, und in einer Nebenrolle zieht Ned Beatty eine schlimme Schmierenkomödie als versoffener Ex-Pirat ab, die sich auf dem Niveau von John Voights Darstellung in "Anaconda" (1997) befindet. Seine Rolle bekommt allerdings einen netten Twist im letzten Akt. Von Schauspielführung ist hier also weit und breit nichts zu merken, es spielt jeder so, wie er gerade will. Ans Herz wachsen mag einem keiner der Reisenden so recht.

Ist die Konstruktion der Story durchaus spannend geraten, wird sie dummerweise von schlechten Dialogen und dem unglaubwürdigen Verhalten der Charaktere unentwegt sabotiert. Echter Suspense will sich so gut wie nie einstellen, weil Regisseur Roger Holzberg kein Gespür für Tempo oder Timing hat (hatte ich die Schauspielführung schon erwähnt?). Auch visuell fällt ihm nichts ein, weswegen der Thriller trotz üppiger Schauwerte wie ein TV-Film wirkt. Ein paar Action-Einlagen gegen Ende retten diesen Ausflug auch nicht mehr. Schön ist nur, dass der/die Richtige überleben darf, und dass der Film ein ganz bestimmtes Klischee, auf das man förmlich wartet, überraschend nicht bedient.

MIDNIGHT CROSSING ist ein Anwärter auf die "so schlecht, dass er schon wieder gut ist"-Schublade, aber ob er da wirklich hineingehört, ich weiß es nicht. Er ist vor allem mittelmäßig, wenngleich nie sterbenslangweilig. Lediglich einige der Dialoge sind so schlimm, dass man herzhaft lachen darf und sich ein wohliges Trash-Feeling einstellt. Was hier an Möglichkeiten verschenkt wird, ist mehr als bedauerlich.
Dementsprechend schlecht ist MIDNIGHT CROSSING auch aufgenommen worden. Er wurde als rasanter Kino-Reißer angekündigt und landete dann heimlich, still und leise als Videopremiere im Regal - wo er sich zum respektablen Ladenhüter entwickelte. Die gerade begonnenen Kino-Karrieren von Cattrall und Laughlin neigten sich damit ihrem Ende zu, und für Faye Dunaway war der Film ein weiterer Nagel im Karriere-Sarg. Regisseur Roger Holzberg wurde bei seinem nächsten Projekt, dem Thriller "Paint it Black", noch während der Dreharbeiten durch Tim Hunter ersetzt und drehte erst 20 Jahre später wieder fürs Kino - und zwar einen Animationsfilm für Kinder.

05/10

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