Samstag, 16. August 2014

Straße der Verdammnis (1977)

Es hört sich erst mal nach einer guten Nachricht an. Der Endzeit-Action-Thriller STRASSE DER VERDAMMNIS (Damnation Alley), der hierzulande jahrzehntelang nur als schundige VHS im Vollbild-Format (schwer) erhältlich war, erscheint endlich auf DVD und Blu-Ray in angemessener Qualität. Der geneigte Zuschauer kann den Film nun so sehen, wie er auch konzipiert wurde, im Widescreen-Format und in guter Bildqualität. Wer ihn noch aus Kindheitstagen als aufregendes Abenteuer-Spektakel in Erinnerung hat, wird bei dieser Meldung in Entzücken geraten. Die schlechte Nachricht folgt aber auf dem Fuße: so doll ist STRASSE DER VERDAMMNIS leider nicht. 

Worum geht es? Kurz nach dem dritten Weltkrieg (laut Voice-Over soll es lange nach dem Nuklearkrieg sein, doch die Darsteller sehen alle exakt so aus wie zu Beginn des Films) wird die verwaiste Erde von Sturmfluten und Orkanen heimgesucht. Drei Männer vom Militär (Jan-Michael Vincent, George Peppard und Paul Winfield) scheinen die letzten Überlebenden zu sein, doch dann empfangen sie ein Signal aus Albany und beschließen, in zwei stählernen Trucks den schweren Weg durch die Wüste, auf der so genannten "Straße der Verdammnis", aufzunehmen. Auf ihrer Reise lernen sie in Las Vegas eine Tänzerin kennen (wie praktisch für die Jungs, dass es keine Rentnerin ist, die die Katastrophe überlebt hat, sondern ein knackiges Mädel) und geraten in zahlreiche lebensbedrohliche Situationen mit überdimensionalen Tierchen und gefährlichen Gruppen...

Das hört sich doch nach einem furiosen Schocker voller Spannung, Action und Endzeitstimmung an. Leider aber ist die Umsetzung so langweilig und streckenweise dilettantisch geworden, dass man sich fragen  muss, wie man diesen verfilmten Groschenroman jemals ernsthaft gut finden konnte. Die Jugend entschuldigt da einiges. Schuld daran ist Regisseur Jack Smight, der schon den Trash-Heuler "Giganten am Himmel" (1975) inszenierte, welcher ein großer Action-Film sein wollte und dann doch nur für unfreiwllige Lacher sorgte.
STRASSE DER VERDAMMNIS kam zeitgleich mit "Star Wars" in die Kinos und ging dort im Schatten des Giganten gnadenlos unter. Betrachtet man beide Werke heute, muss man feststellen, dass einer von beiden furchtbar gealtert ist, und damit ist nicht George Lucas' Blockbuster gemeint (von dem ich kein Fan bin - er ist trotzdem hundertmal besser als sein Konkurrent). Was vor allem enttäuscht, sind die Spezialeffekte, die schon damals kaum überzeugend gewesen sein können. Zu Beginn des Films tauchen ein paar übergroße Skorpione auf, durch die Jan-Michael Vincent (heute ohne Helikopter) mit seinem Motorrad hindurchdüsen muss, und diese Viecher sind so schlecht in den Film hineinkopiert, dass der Zuschauer eher zu Kopfschütteln animiert wird. Gegen diese Monster wirken die Filme Jack Arnolds wie tricktechnische Meisterleistungen, und auch die überdimensionalen Echsen aus "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" (1959) wirken im Vergleich beängstigender. Der Fairness halber sei erwähnt, dass die später auftauchenden Riesen-Kakerlaken besser gemacht sind und für wenigstens ein bisschen Gänsehaut (und etwas Blut) sorgen.

Ansonsten aber gibt es in STRASSE DER VERDAMMNIS wenig Überzeugendes. Die Handlung schleppt sich trotz knapper Lauflänge so dahin, die vielen Dialogszenen zwischen den Set-Pieces sind uninteressant geschrieben, und die Charaktere bleiben ebenso farblos. Kein Wunder, dass die Schauspieler sämtlich auf Autopilot umschalten. George Peppard sieht gar so aus, als würde er jeden Moment einschlafen, er schnarcht sich wie auf Valium durch seine Rolle und versteckt sich hinter Schnauzer und Basecap. Gegen Ende sorgt ein wenig Action für einen geringen Unterhaltungsfaktor, aber insgesamt stellt STRASSE DER VERDAMMNIS doch eine ziemliche Tortur dar.

Gibt es Positives? Ja. Die Musik von Altmeister Jerry Goldsmith macht ordentlich Rabbatz mit großem Orchester und gehört eigentlich in einen hochklassigeren Film, und die Farbfilter, die für die unterschiedlichen Endzeit-Stimmungen benutzt werden, sind ganz nett anzuschauen. Die Aufnahmen der Atomkatastrophe zu beginn des Films bestehen aus dokumentarischem Material und können kurze Beklemmung verursachen. Alles andere ist zu künstlich und zu sehr Papp-Maché (auch die Figuren). Obwohl ich kein Fan von Remakes bin, wäre dies ein geeigneter Kandidat für eine Neuverfilmung. Für Nostalgiker und Fans des apokalyptischen Endzeit-Thrillers ist STRASSE DER VERDAMMNIS sicher einen Blick wert, aber man sollte bloß keinen "Mad Max" erwarten.

Die DVD/Blu-Ray-Veröffentlichung des Labels Media Target ist trotzdem sehr willkommen, weil lange überfällig. Neben der Einzel-Blu-Ray wird es auch eine Limited Edition als Blu-Ray/DVD-Combo geben. Beide Versionen bieten massig Extras, darunter Audiokommentare und die Super 8-Fassung. Auch die Covergestaltung weiß zu begeistern. Danke dafür, selbst wenn der Film weißgott nichts Besonderes ist.

05/10

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