Samstag, 26. Juli 2014

12:01 (1993)

In der Filmgeschichte kommt es häufig vor, dass zeitgleich sehr ähnliche Filme entstehen. So erinnern wir uns alle noch an die Flut von Unterwasser-Filmen Ende der 80er, oder die Mars-Abenteuer "Mission to Mars", "Ghosts of Mars" und "Red Planet".
Im Jahr 1993 entstanden mit "Und täglich grüßt das Murmeltier" und 12:01 (12:01) zwei Filme mit der identischen Grundidee einer Zeitschleife, in die der ahnungslose Held gerät und immer wieder denselben Tag durchleben muss. Nun kann man oft die Frage nach dem Huhn oder dem Ei stellen, doch in diesem Fall ist ganz klar, wer sich da bei wem bedient hat, denn 12:01 basiert auf einer Kurzgeschichte von Richard Lupoff, die bereits 1990 als Vorlage für einen Kurzfilm diente. die Macher des "Murmeltiers" haben sich bei Vorlage und Film kräftig bedient, was den Autor der Kurzgeschichte so auf die Palme brachte, dass er jahrelang die Gerichte beschäftigte. Leider (für ihn) wurde das "Murmeltier" von den mächtigen Columbia-Studios produziert, gegen die juristisch nicht anzukommen war. So blieb der Fall ungeklärt.

Aber genug der Hintergründe. Das Publikum profitierte immerhin davon, konnte es doch zwei gelungene Filme genießen, wobei mir persönlich 12:01 deutlich besser gefällt als der Bill Murray-Hit. Das liegt zum einen daran, dass 12:01 viel bescheidener und skurriler daherkommt (was nicht wundert, denn er wurde fürs US-Fernsehen produziert), zum anderen an dem Umstand, dass die langweilige Andie MacDowell hier nicht mitspielt, die mich immer in Tiefschlaf versetzt. Außerdem wartet 12:01 zusätzlich zu allen komödiantischen und romantischen Verwicklungen noch mit einem spannenden Thriller-Plot auf, der hervorragend umgesetzt ist, während sich das "Murmeltier" voll auf die Liebesgeschichte konzentriert.

Also, worum geht es in 12:01? Der nerdiger Büroangestellte Jonathan Silverman hasst seinen  langweiligen Job und ist heimlich in die schöne Wissenschaftlerin Helen Slater verliebt, die im selben Gebäude arbeitet, von ihm aber keine Notiz nimmt. Nach Feierabend beobachtet er entsetzt, dass seine Angebetete auf offener Straße erschossen wird, und zu Hause bekommt er einen elektrischen Schlag, der ihn in die Zeitschleife versetzt. Von jetzt an wacht er immer wieder am Morgen des Mordes auf und hat nur ein begrenztes Zeitfenster, um selbigen zu verhindern, die Hintermänner zu stellen und der Dame seines Herzens seine Liebe zu gestehen, bevor der schicksalhafte Tag wieder von Neuem losgeht...

12:01 ist vor allem eins - sympathisch. Das liegt vor allem an der unprätentiösen B-Besetzung, die prächtig als Ensemble funktioniert, ohne dass jemand eine One-Man-Show abzieht. Neben dem quirligen Silverman in der Hauptrolle spielen die wunderbare Helen Slater, die mal fast ein großer Star geworden wäre, wenn ihr Möchtegern-Blockbuster "Supergirl" (1984) nicht so ein gigantischer Flop gewesen wäre, dazu der großartige Martin Landau als Mad Scientist, dessen Experimente die Zeitschleife verursachen, sowie Jeremy Piven als skurriler Sidekick Silvermans. Sie alle sind witzig, liebenswert und haben viel Spaß mit ihren Rollen, das überträgt sich auch auf den Zuschauer.

Wie bei solchen Geschichten üblich (mittlerweile gibt es ja deutlich mehr Zeitschleifen-Filme als die beiden genannten Beispiele) wird im ersten Drittel des Films viel Wert auf Details gelegt, deren ewige Wiederholung (quasi mit Ankündigung) für reichlich Lacher sorgt. Hier sind das u.a. ein zusammenbrechender Bürostuhl, ein Anruf von Silvermans Mutter, ein Anschiss der Chefin, sowie eine Topfpflanze, die eigentlich im Müll liegen sollte, aber jeden Morgen wieder am selben Platz steht. Als durchschnittlicher Jedermann, der durch die Ereignisse lernt, sich durchzusetzen, zu sagen, was er auf dem Herzen hat, und das 'Beste' aus jedem Tag zu machen, wird er zur Identifikationsfigur für den Zuschauer und dessen Wunsch, selbst aus seiner täglichen Alltagsroutine auszusteigen. Die Zeitschleife ist ein Fantasy-Element, aber sie versinnbildlicht nur, was für viele Menschen real ist. Kein Wunder, dass diese Filme so gut beim Publikum ankommen. 

Neben der Komödie und der herzigen Romanze sorgt der Timelock um den Mord an Helen Slater dann auch noch für echte Hochspannung. Da die Zeitschleife in 12:01wissenschaftlich begründet wird (während sie in ähnlichen Filmen oft nur 'passiert'), gibt es also auch einen Weg, sie wieder abzustellen. Der ist zwar ähnlich 'glaubwürdig' wie der Flux-Kompensator aus "Zurück in die Zukunft" (1985), aber da sich der Film ohnehin nicht ernst nimmt, gehört das alles mit zum Spaß.

Für mich persönlich ist 12:01 der beste aller Zeitschleifen-Filme. Er ist extrem kurzweilig, straff erzählt, temporeich, und er verzichtet sowohl auf moralische Belehrungen (keiner muss hier ein 'besserer' Mensch werden) als auch auf allzu dick aufgetragenen Kitsch. Ein kleiner Film mit großen Stärken und - leider - immer noch ein Geheimtipp.

8.5/10


Freitag, 25. Juli 2014

Der Wald vor lauter Bäumen (2003)

Um es kurz zu machen: DER WALD VOR LAUTER BÄUMEN ist die vielleicht witzigste deutsche Komödie der letzten 30 Jahre (neben "Sommer vorm Balkon", 2004). Um eine definitive Aussage machen zu können, müsste ich alle deutschen Komödien der letzten 30 Jahre gesehen haben, aber das kann mir niemand ernsthaft zumuten, daher also das 'vielleicht'.
Umso bitterer ist es, dass diese wunderbare Perle kaum jemand kennt.

Eva Löbau spielt in DER WALD VOR LAUTER BÄUMEN die junge Lehrerin Melanie aus der schwäbischen Provinz, die in einer Karlsruher Schule ihre erste Stelle antritt. Melanie möchte gern geliebt werden und wirklich etwas bewegen, sie ist mit Leib und Seele Lehrerin. Nur fehlt ihr dafür außer der Euphorie leider jegliches Talent, so dass sie gleich von Schülern mit Kaba-Tüten beworfen und auch sonst von niemandem ernst genommen wird. Melanie freundet sich mit ihrer Nachbarin Tina (Daniela Holtz) an, aber auch der wird die Junglehrerin bald zu aufdringlich. Mehr und mehr schwinden Melanies gute Absichten. Wird sie jemals akzeptiert, respektiert oder gemocht werden?

DER WALD VOR LAUTER BÄUMEN wurde von Regisseurin Maren Ade aufgrund fehlenden Budgets mit einfachsten Mitteln und im quasi-dokumentarischen Stil gedreht. Die Schauspieler dürfen offensichtlich improvisieren, und die Kamera ist immer hautnah dabei, wenn Melanie sich wieder mal zum Affen macht.
Melanie wird von Eva Löbau schlichtweg sensationell gut gespielt. Sie trifft genau die richtigen (leisen) Töne und entblättert so viele Facetten dieser introvertierten Lehrerin, dass man nie weiß, welche Richtung der Film einschlagen wird. Er könnte sich genau so gut zum Psycho-Thriller entwickeln, denn die Liebessehnsucht von Melanie trägt durchaus soziopathische Züge. Gelegentlich wird sie gar zur Stalkerin ihrer bedauernswerten Nachbarin, und ihre anfangs so hübsch spießige Wohnung verwandelt sich immer mehr in einen Polanski-Alptraum (mehr oder weniger).

Melanie lügt, um sich interessanter zu machen, lügt dann wieder, um die erste Lüge zu entkräften, und sie biedert sich überall an, das ist beängstigend. Selten hat ein Film den Drang (und die damit einhergehende Tragik und Frustration), beliebt zu sein und Anschluss zu finden, so scharfsinnig auf den Punkt gebracht. Ständig ist man hin- und hergerissen, ob man Melanie nun bemitleiden oder fürchten soll, manchmal möchte man sie auch einfach nur schütteln. Kennen möchte man sie eher nicht. Sie hält sich für weltoffen und kontaktfreudig, dabei ist sie lediglich creepy und humorlos. Wenn sie es zu gut meint, geschehen die schlimmsten Dinge. Das ist doppelt tragisch, weil ihr Wunsch, den Kindern etwas beizubringen und ihnen 'auf Augenhöhe' zu begegnen, während die Kollegen längst jeden Idealismus verloren haben, im Grunde lobenswert ist. Doch die Art, wie Melanie mit sich und der Welt umgeht, ist ebenso traurig wie falsch - und dabei so brüllend komisch.

Regisseurin Maren Ade findet für ihre Melanie eine zauberhafte Schlusseinstellung, in der Melanie vom Steuer ihres Wagens auf den Rücksitz klettert und das Auto alleine weiterfährt. Sie hat endgültig die Verantwortung abgegeben und genießt die Aussicht. Ein Hoffnungsschimmer, oder eine Fahrt ins Nirgendwo? Mal loslassen zu können, das wäre schon gut für eine Melanie.

DER WALD VOR LAUTER BÄUMEN lief auf mehreren Festivals und hat einige Preise bekommen, darunter auch einen Spezialpreis beim Sundance Film Festival. Man fragt sich, ob dort der herrliche schwäbische Dialekt von Eva Löbau eigentlich gewürdigt werden konnte, aber verdient ist das allemal.
Die deutsche DVD von DER WALD VOR LAUTER BÄUMEN ist leider alles andere als großartig geraten. Muss man als mittlerweile digital verwöhnter Zuschauer schon mit der Heimvideo-Ästhetik des Films zurechtkommen (was sehr schnell gelingt), darf man dann noch das Letterbox-Format aufzoomen, was die Bildqualität erneut verschlechtert, und als Extra gibt es lediglich einen unspektakulären Trailer, nichts weiter, dabei wären hier ein Making of, Audiokommentar oder Interviews deutlich angebrachter als bei Mainstream-Schrott, wo sich ohnehin alle nur gegenseitig loben. Maren Ade drehte übrigens nach diesem Glanzstück das vielfach prämierte Drama "Alle anderen" (2009).

DER WALD VOR LAUTER BÄUMEN beweist, dass es doch noch deutsche Komödien gibt, die eben nicht amerikanische Vorbilder uninspiriert für eine gschmacksentwöhnte Masse wiederkäuen und jede Filmminute mit Popsongs zuballern, damit das Publikum glaubt, es empfinde etwas, und in denen das Colour-Matching wichtiger ist als das Drehbuch, sondern die eine eigene Sprache, ein Anliegen und einen speziellen Humor haben. Zu schade, dass Filme wie dieser in der Minderheit sind - und wahrscheinlich bleiben werden. Wer jetzt Lust bekommen hat, sich den WALD anzuschauen, sei herzlich von mir animiert und eingeladen, er hat es verdient, wahrgenommen zu werden.

Bei Melanie bin ich mir da nicht so sicher... ein bisschen Angst macht die mir schon.

09/10


Donnerstag, 24. Juli 2014

Midnight Crossing (1988)

Thriller, die mitten auf dem Ozean spielen, gibt es so einige. Phillip Noyce's wunderbarer "Todesstille" (1989) wäre das beste Beispiel. MIDNIGHT CROSSING (Midnight Crossing) besitzt eigentlich alle Zutaten, die einen spannenden Abenteuerfilm abgeben würden. Dazu gehören eine exotische Location, gute B-Darsteller plus ein A-Star (Faye Dunaway), eine gute Prise Sex, sowie eine interessante Story mit vielen überraschenden Wendungen, Intrigen, Mord und Totschlag. Was der Film leider nicht hat, sind ein fähiger Regisseur und ein gutes Drehbuch.

Die Story: Geschäftsmann Daniel J. Travanti überredet seine Angestellte Kim Cattrall und deren Ehemann John Laughlin zu einer Bootstour. Er will auf einer Insel vor Kuba einen Schatz bergen, den er in seiner Armeezeit dort versteckt hat - eine Million Dollar. Mit von der Partie ist auch Faye Dunaway als blinde Ehefrau Travantis. Zu viert schippern sie los, doch der Ausflug verläuft völlig anders als gedacht, weil beinahe jeder an Bord ein doppeltes Spiel spielt und eigene Interessen verfolgt...

Schade, schade, muss man sagen, denn das hätte ein wirklich toller Film werden können. Allein Faye Dunaway als Blinde auf einer Hochsee-Yacht, das schreit doch nach Suspense in bester "Warte bis es dunkel ist"-Tradition, ist sie doch auf Gedeih und Verderb den anderen Charakteren hilflos ausgeliefert. MIDNIGHT CROSSING aber erzählt seine Geschichte nicht aus Dunaways Perspektive, sondern aus beobachtender Distanz, was jede Identifikationsmöglichkeit mit ihren Ängsten zunichte macht.
Dabei hatte Dunaway hier einige ihrer besseren Tage. Die Diva spielt eher zurückgenommen und overacted selten (wenn, dann aber richtig), das überlässt sie gern den Co-Stars. Kim Cattrall ("Sex and the City") und John Laughlin ("China Blue - Bei Tag und Nacht") sind ein heißes Paar und dürfen sich oft nackig machen, gerade Cattrall muss aber zu oft die hysterische Nudel geben und fängt irgendwann an zu nerven (die Synchronisation mit einer übereifrig keuchenden Sprecherin versetzt ihr den Todesstoß). Daniel J. Travanti spielt den scheußlichen Fiesling, dem man absolut zutraut, seine blinde Gattin über Bord zu werfen, wenn gerade keiner guckt, und in einer Nebenrolle zieht Ned Beatty eine schlimme Schmierenkomödie als versoffener Ex-Pirat ab, die sich auf dem Niveau von John Voights Darstellung in "Anaconda" (1997) befindet. Seine Rolle bekommt allerdings einen netten Twist im letzten Akt. Von Schauspielführung ist hier also weit und breit nichts zu merken, es spielt jeder so, wie er gerade will. Ans Herz wachsen mag einem keiner der Reisenden so recht.

Ist die Konstruktion der Story durchaus spannend geraten, wird sie dummerweise von schlechten Dialogen und dem unglaubwürdigen Verhalten der Charaktere unentwegt sabotiert. Echter Suspense will sich so gut wie nie einstellen, weil Regisseur Roger Holzberg kein Gespür für Tempo oder Timing hat (hatte ich die Schauspielführung schon erwähnt?). Auch visuell fällt ihm nichts ein, weswegen der Thriller trotz üppiger Schauwerte wie ein TV-Film wirkt. Ein paar Action-Einlagen gegen Ende retten diesen Ausflug auch nicht mehr. Schön ist nur, dass der/die Richtige überleben darf, und dass der Film ein ganz bestimmtes Klischee, auf das man förmlich wartet, überraschend nicht bedient.

MIDNIGHT CROSSING ist ein Anwärter auf die "so schlecht, dass er schon wieder gut ist"-Schublade, aber ob er da wirklich hineingehört, ich weiß es nicht. Er ist vor allem mittelmäßig, wenngleich nie sterbenslangweilig. Lediglich einige der Dialoge sind so schlimm, dass man herzhaft lachen darf und sich ein wohliges Trash-Feeling einstellt. Was hier an Möglichkeiten verschenkt wird, ist mehr als bedauerlich.
Dementsprechend schlecht ist MIDNIGHT CROSSING auch aufgenommen worden. Er wurde als rasanter Kino-Reißer angekündigt und landete dann heimlich, still und leise als Videopremiere im Regal - wo er sich zum respektablen Ladenhüter entwickelte. Die gerade begonnenen Kino-Karrieren von Cattrall und Laughlin neigten sich damit ihrem Ende zu, und für Faye Dunaway war der Film ein weiterer Nagel im Karriere-Sarg. Regisseur Roger Holzberg wurde bei seinem nächsten Projekt, dem Thriller "Paint it Black", noch während der Dreharbeiten durch Tim Hunter ersetzt und drehte erst 20 Jahre später wieder fürs Kino - und zwar einen Animationsfilm für Kinder.

05/10

Dienstag, 22. Juli 2014

Ladykillers (1988)

Maskierte männliche Killer, die blutjunge, kreischende Models um die Ecke bringen, gibt es in der Film-und Horrorgeschichte mehr als man zählen kann, aber warum geht das eigentlich nicht mal andersrum?

Geht es, wie der 1988 fürs US-Fernsehen produzierte Thriller LADYKILLERS (Ladykillers) beweist. Der Titel führt schon absichtlich in die Irre, denn Frauen sind hier nicht das Ziel eines irren Slashers, sondern knackige Kerle, genauer gesagt, die muskelbepackten Mitglieder eines Stripclubs für Frauen (sozusagen die Filmversion der 'Chippendales'). Diese werden von einer geheimnisvollen Mörderin mit toupierter Wallemähne und Sonnenbrille live während ihres Auftritts und vor den Augen aller Zuschauerinnen dahingemetzelt. Die Hauptverdächtigen sind die Besitzerin des schlüpfrigen Schuppens (Lesley-Ann Down, "Fackeln im Sturm") sowie eine reiche, männerfressende Klientin (Susan Blakely). Auftritt Marilu Henner als toughe und emanzipierte Ermittlerin, deren hübscher Lover Thomas Calabro (kurz vor seinem Durchbruch als 'Melrose Place'-Fiesling Michael Mancini, den zu hassen wir so liebten) als Jungpolizist undercover im Strippermilieu untertaucht, wo er prompt ins Visier der Killerin gerät und von unserer Detektivin in letzter Sekunde gerettet werden muss...

Die Idee, sämtliche Klischee-Geschlechterrollen des Serienkiller-Films auszutauschen, ist wirklich nett, das muss man dem ansonsten harmlosen Filmchen lassen. Ich mochte LADYKILLERS sehr, als ich ihn in meiner Jugend als Videopremiere sah (es war die Zeit, als ich mir praktisch jeden - und ich meine jeden - Film angesehen habe, der neu auf VHS herauskam). Marilu Henner ("Noises Off") schlägt sich gut als schöne Polizistin mit kompliziertem Privatleben, Thomas Calabro zeigt, dass er halbnackt eine gute Figur macht, und es gibt sogar eine typische Duschszene, bei der wieder nicht die bekannte nackte Dame, sondern einer der Tänzer bedroht wird. Der leichte Screwball-Touch in den Dialogen und die Tatsache, dass der Film sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt, sorgen für unterhaltsam-fluffigen 80er-Spaß, wenn man in sehr, sehr gnädiger Stimmung ist. In der besten Szene müssen sämtliche Polizisten des Reviers sich zu sexy Musikbegleitung entkleiden, um auszuknobeln, wer von ihnen undercover in die schwülstige Showtruppe eingeschleust werden soll. Das sieht man zugegebenermaßen nicht jeden Tag im 'Tatort'.

Leider schafft es LADYKILLERS nicht, außer den umgekehrten Geschlechtern noch irgend etwas anderes von Interesse zu erzählen. Das Drehbuch baut zwar an einer Stelle eine verheiratete Zeugin ein, die der Polizei wichtige Informationen vorenthält, weil sie heimlich in der Stripshow war und ihr Ehemann sich beim Anblick der Nachrichten laut fragt, was das wohl für verkommene Frauen sein müssen, die sich in so einer Spelunke herumtreiben, aber wer geglaubt hat, dass hier mit einer gesellschaftlichen Doppelmoral abgerechnet wird (nach welcher es Männern natürlich gestattet ist, sich halbnackte Stripperinnen anzuschauen, während Frauen sofort als Schlampen gelten, wenn sie ähnliches tun), befindet sich im falschen Film. Da Frauen das anvisierte Zielpublikum des Films sind, werden hauptsächlich die Tänzer ins rechte Licht gerückt, das war es auch schon.

Schwach sind auch die zahnlosen Mordszenen, bei denen Regisseur Robert Michael Lewis keinerlei Fantasie beweist. Allein die Mordwaffe - eine Art Designer-Teppichmesser mit mehreren Klingen - wirkt so lächerlich, dass man schon staunen muss, wie ein erwachsener Mann an solch harmlosen Kratzerchen in Sekundschnelle sterben kann. Noch unglaubwürdiger ist nur der Umstand, dass die Mörderin völlig unerkannt entkommen kann, ohne dass auch nur eine der vielen Frauen im Zuschauerraum Notiz von ihr nimmt. Von der im feurigen Finale enthüllten Backstory des Täters/der Täterin, die ihn/sie zum Morden antreibt, wollen wir gar nicht erst anfangen, die wäre eher in einem Giallo gut aufgehoben - und das meine ich ausnahmsweise nicht positiv.

LADYKILLERS ist nach der VHS-Veröffentlichung in der Versenkung verschwunden und aus selbiger bislang nicht wieder aufgetaucht. Eine DVD des Streifens sucht man weltweit vergebens. Vielleicht erbarmt sich ja irgendwann ein Anbieter und wirft sie auf den Grabbeltisch, ich würde sie kaufen. Das ist einer der wenigen Filme, von denen ich mir ein gutes Remake wünschen würde. Für die Besetzung hätte ich schon ein paar persönliche Favoriten. Aber wer bis dahin Filme über Männerstripper sehen will, sollte doch lieber zu "Ganz oder gar nicht" (1997) greifen.

Randnotiz: Männerstripper waren in den 80ern echt angesagt. Die 'Chippendales' sorgten weltweit für volle Läden und feuchte äh... Händchen, die 'Playgirl' ging haufenweise über den Ladentisch (wobei eher an Männer als an Frauen), und neben LADYKILLERS gab es auch noch den Kinofilm "Ein himmlischer Lümmel" (A Night in Heaven, 1983), in dem Christopher Atkins frisch von der Blauen Lagune auf die Stripper-Showbühne gebeamt wurde, um seine Lehrerin Lesley Ann Warren verrückt zu machen. Diese unlustige Komödie war ein Mega-Flop und beendete die Karriere des blonden Jünglings auf der Stelle.
Letztendlich waren das alles plumpe Versuche, eine etwas schräge 'Gleichberechtigung' herzustellen. Was damit bewiesen wurde war jedoch nur die Erkenntnis, dass Frauen sich beim Anblick von nacktem Frischfleich genau so daneben benehmen können wie Männer.

05/10



Sonntag, 13. Juli 2014

23 Schritte zum Abgrund (1956)

Falls gerade kein Hitchcock zur Hand ist, kann man sich die Zeit mit Henry Hathaways 23 SCHRITTE ZUM ABGRUND (23 Paces to Baker Street) die Zeit sehr nett vertreiben. Obwohl aufwändig produziert und hervorragend gespielt, ist dieser klassische Thriller irgendwie in den Jahren untergegangen und heute nur schwer erhältlich.

Van Johnson spielt einen kürzlich erblindeten amerikanischen Kriminalschriftsteller, der in London sein letztes Stück überarbeitet und zufällig in einem Pub das Gespräch zweier Fremder belauscht, die offenbar ein Verbrechen planen. Die Polizei schreibt das Ganze der Fantasie des Autors zu, also macht sich Johnson - gemeinsam mit seinem Butler (Cecil Parker) und seiner Sekretärin (Vera Miles) selbst auf die Suche nach den beiden Unbekannten und kommt einem Kidnapping auf die Spur...

Eine Hauptfigur mit Körperbehinderung, uninteressierte Gesetzeshüter, vage Hinweise auf ein Verbrechen, das ständig nebelverhangene London und die schlussendliche Konfrontation mit dem Täter, gegen den der 'schwache' Held selbst antreten und um sein Leben kämpfen muss, das hat Hitchcock zwei Jahre vor diesem Film in "Das Fenster zum Hof" (1954) bereits meisterhaft umgesetzt. So liegt der Vergleich natürlich mehr als nah, zumal sich mit Vera Miles in der weiblichen Hauptrolle auch noch eine Schauspielerin an Bord befindet, die man eng mit Hitchcock assoziiert (sie sollte ursprünglich die Kim Novak-Rolle in "Vertigo" spielen und wirkte später sowohl in "Psycho" als auch in der TV-Serie "Alfred Hitchcock Presents" mit). Auch Nebendarsteller Cecil Parker ist ein alter Hitchcock-Bekannter aus Filmen wie "Eine Dame verschwindet" (1939) und "Sklavin des Herzens" (1949).

Im direkten Vergleich schneidet 23 SCHRITTE ZUM ABGRUND schlechter ab, da ihm über weite Strecke das Tempo fehlt, die Kamera trotz exzellenter Ausleuchtung immer statisch bleibt und nie ein Eigenleben entwickelt, und weil Vera Miles mit einer im Grunde langweiligen Rolle gestraft ist, in der sie nie aktiv werden kann, anders als Grace Kelly im Vorbild. Und da, wo Hitchcock immer auch eine Komödie nebenher erzählt, bleibt dieser Krimi bierernst bis zum Schluss.

Das heißt aber nicht, dass Hathaways Film keine Stärken hat. Sehenswert ist vor allem Van Johnson in der Rolle als blinder Schriftsteller, der verbittert und schlecht gelaunt die Menschen um ihn herum vor den Kopf stößt und in seiner Darstellung nie um Mitleid buhlt. Ebenso wie er bleibt der Film insgesamt angenehm unsentimental. Vera Miles, die leider nie zu verdientem Starruhm kam, spielt ihre nichtssagende Rolle (Sie steht oder sitzt immer nur hübsch neben ihrem Co-Star) mit Liebenswürdigkeit und Würde, es macht immer Spaß, ihr zuzuschauen. Gegen Ende bekommt sie einen Wutanfall, als Johnson - um ihr Leben nicht aufs Spiel zu setzen - sie kalt abserviert, und diesen spielt sie mit Bravour. Die Geschichte ist dazu clever gebaut, und obwohl man als Zuschauer bis zum Schluss nie wirklich in das große Geheimnis, das Van Johnson entdecken muss, eingeweiht wird (noch ein großer Unterschied zu Hitchcock), bleibt man doch dicht an ihm dran.

Henry Hathaway gelingen außerdem zwei große Suspense-Highlights, wenn Van Johnson von einem Killer nachts in ein Abrißgebäude gelockt wird, wo er fast in den gähnenden Abgrund stürzt, und wenn er am Ende in seinem Apartment gegen den Oberbösewicht antreten muss. Um die Chancengleichheit zu wahren, zerstört er sämtliche Glühbirnen in seiner Wohnung. Diesen Dreh hat Frederick Knott in seinem kurz später entstandenen Theaterstück "Wait Until Dark" erfolgreich kopiert, und Regisseur Terence Young hat daraus in seiner Verfilmung mit Audrey Hepburn einen unvergesslich spannenden Kinomoment geschaffen. Hier ist das Finale nicht ganz so packend wie bei Young, aber Hathaway kann zumindest sagen, dass er es als Erster inszeniert hat.

23 SCHRITTE ZUM ABGRUND hatte bemerkenswerten Einfluss auf den italienischen Giallo, und man fühlt sich während des Films ständig an Argento, Bava und die weniger talentierten Kollegen erinnert. Besonders Argentos "Das Geheimnis der schwarzen  Handschuhe" (1970) kommt einem in den Sinn, mit dem Schriftsteller, der zum Detektiv mutiert, Mordanschlägen bei Nebel, Killern in schwarzen Mäntel und Hüten, sowie dem wichtigen Detail, das zu Beginn falsch interpretiert wird und dem Hauptdarsteller keine Ruhe lässt - hier ist es ein Parfüm, das vielleicht oder auch nicht dem Täter gehört.

Henry Hathaways Thriller spielt zwar nicht in der obersten Liga, aber für spannende, gut gespielte und sorgfältig produzierte 90 Minuten ist er eine gute Wahl. Wäre schön, wenn sich ein DVD-Label des Films annehmen würde.

08/10

Donnerstag, 10. Juli 2014

DVD-Veröffentlichung: Thriller (1973-1976)

Ich bitte um einen kurzen Applaus für Pidax Film, die jüngst einen meiner absoluten Lieblinge bei uns veröffentlicht haben, und zwar die britische Serie "Thriller" aus den frühen 70ern.
Ich erinnere mich noch mit wohligem Grusel, wie ich als Kind bei der deutschen TV-Ausstrahlung heimlich bis spät abends aufgeblieben bin und besonders nach einer Folge wochenlang Alpträume hatte - die von der guten Sorte, wohlgemerkt.

"Thriller" wurde erdacht von Brian Clemens, dem kreativen Geist hinter "The Avengers" ("Mit Schirm, Charme und Melone"), und auch hier finden wir einige der typischen Merkmale der Kult-Agentenserie: Gastauftritte damaliger und kommender Stars wie Robert Powell, Ingrid Pitt, Denholm Elliott, Donna Mills und Judy Geeson, bizarre Plot-Wendungen, lange stumme Sequenzen, überraschende Auflösungen, viel schwarzen Humor und jede Menge Atmosphäre, auch wenn die damalige TV-Aufnahmetechnik (die Außenaufnahmen sind auf Film gedreht, die Innenaufnahmen hingegen auf Video) heute stark angestaubt wirkt. Komponist Laurie Johnson, der schon die unvergessliche "Avengers"-Musik komponierte, hat auch hier eine Titelmelodie kreiert, die im Gedächtnis bleibt, ebenso wie die kurze, stylische Titelsequenz, die nach dem jeweiligen Teaser beginnt.

"Thriller" erzählt in sich abgeschlossene Geschichten (je 65 Minuten), die vom übernatürlichen Spuk über Serienkillern bis hin zu Spionageabenteuern verschiedenste Filmgenres abdecken. Heute wäre eine solche Reihe, in der man sich als Zuschauer jede Woche auf komplett neue Figuren und ein anderes Setting einlassen muss, undenkbar, dabei liegt gerade in der Unvorhersehbarkeit der Serie der größte Reiz. "Thriller" lief erfolgreich im britischen TV über sechs Staffeln lang, mit insgesamt 43 Episoden. Das deutsche Fernsehen zeigte 11 davon in synchronisierter Fassung, diese 11 liegen nun in einer DVD-Box vor. Die komplette Serie gibt es selbstverständlich in Großbritannien (und anderen Ländern) zu kaufen, aber wer einen Eindruck erhalten will, der ist mit dieser Box sehr gut bedient, zumal man sagen muss, dass die ausgewählten 11 Folgen tatsächlich die Highlights der Serie darstellen.

Unter den Episoden befindet sich auch diejenige, die mir damals schlaflose Nächte bereitet hat ("Possession - Dämonen des Bösen"), und die (man ahnt es) von einem Spukhaus handelt, in welchem ein Serienmörder einst sein Unwesen trieb, dessen Geist nun scheinbar in den neuen Besitzer fährt. Nie vergesse ich die Hand einer Frauenleiche, die im Keller aus dem frisch betonierten Fußboden herausschaut...

Zu den weiteren Höhepunkten gehören ein verblüffender Auftritt der jungen Helen Mirren in einer Doppelrolle, die ihr ganzes Können fordert, eine Hommage an sowohl Hitchcocks "Eine Dame verschwindet" als auch Agatha Christies "Mord im Orientexpress", sowie eine ultraspannende Geschichte, in der Julie Sommars von einem Killer durch ein nächtliches Bürohochhaus gejagt wird - eine Folge, die fast völlig ohne Dialog auskommt (heutzutage ebenfalls undenkbar).
Brian Clemens war ein großer Hitchcock-Fan (siehe auch sein Film "Tödliche Ferien"), das merkt man allen Folgen an. Clemens vertraut immer darauf, dass der Zuschauer mitdenkt und greift nie auf billige Effekthascherei zurück. Er versorgt den Zuschauer oft mit mehr Informationen als seine Charaktere und erzeugt somit den klassischen 'Hitchcock-Suspense'. Das beste Beispiel dafür ist die Episode "Die geschlossenen Augen", in der Gangster eine Blindenschule besetzen, um einen Mord auszuführen, und die blinden Studenten lange nicht ahnen, was da vor sich geht - ein Szenario, das Clemens auch in seinem Spielfilm "Stiefel, die den Tod bedeuten" wirkungsvoll umgesetzt hat.

Technisch geht die DVD-Box in Ordnung. Die Bildqualität ist für das Alter der Serie annehmbar, der deutsche Ton ist nicht berauschend (der O-Ton ist deutlich besser), aber akzeptabel. Danke für diese Veröffentlichnung!



Montag, 7. Juli 2014

In der Gewalt der Zombies (1980)

Der italienische Schmuddel-Maestro Aristide Massaccesi - auch bekannt als Joe D'Amato - sprang 1980 auf den erfolgreichen Zombie-Zug auf und produzierte mit IN DER GEWALT DER ZOMBIES (Le Notte Erotiche dei Morte Viventi) einen Film vom Bodensatz des Genres. Die Idee des Streifens, Splatter-Horror mit saftiger Erotik zu kombinieren, geht dabei mächtig in die Hose.

Der Inhalt ist deutlich an Fulcis Hit "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" (1979) angelehnt. Ein reicher Typ (Mark Shannon) will auf der sagenumwobenen 'Katzeninsel' eine Hotelanlage bauen und schippert mit Freundin und Skipper (George Eastman, der "Man-Eater" aus D'Amatos Schocker höchstpersönlich) dorthin. Die Insel ist so mysteriös, dass die Menschen auf dem Festland schon die Flucht ergreifen, wenn man nur ihren Namen ausspricht, und tatsächlich treiben sich dort - neben einer schwarzen Katze und einem geheimnisvollen Voodoo-Pärchen - jede Menge Zombies herum...

Bis die Zombies auftauchen,  wird aber erstmal jede Menge gerammelt, was das Zeug hält, und zwar ungefähr eine geschlagene Filmstunde lang. Der Originaltitel des Films lässt sich etwa mit "Die erotischen Nächte der lebenden Toten" übersetzen, allerdings sind es nicht die Zombies, die hier lüstern übereinander herfallen, sondern Hauptdarsteller Mark Shannon und diverse Nebendarstellerinnen, die ihn unter der Dusche abseifen, sich mit ihm in den Laken lümmeln oder auf Holztischen masturbieren, bis die Schwarte kracht. Leider sieht Shannon aus wie ein typischer Pornostar der 70er und ist mit seinem Proleten-Schnauzer ebenso abtörnend unsexy. Sein deutlich attraktiverer Co-Star Eastman behält hingegen beim Sex stets die Jeans an. Da war wohl noch ein letzter Rest Berufsehre übrig. Spielverderber.

Von IN DER GEWALT DER ZOMBIES existieren zwei Versionen, eine 'Zombie'-Fassung mit simuliertem Sex, sowie eine Hardcore-Variante, in welcher die Fummelei deutlich schärfer ausfällt, samt Ejakulation und oralem Verwöhn-Aroma. Die auf den Plakaten als Star aufgeführte Laura Gemser spielt im Film übrigens nur eine Nebenrolle. Sie lebt als Insel-Maskottchen mit ihrem Onkel (bei dem sich der Film nicht entscheiden kann, ob er nicht doch ihr Großvater ist) unter den Palmen und starrt gelegentlich ominös in die Nacht hinaus, bis es zur obligatorischen lesbischen Einlage am Strand kommt, welche wenigstens das Herz der heterosexuellen männlichen Zuschauer höher schlagen lassen soll. Gemser wurde in den 70ern als 'Black Emanuelle' berühmt (ach, die herrlichen 70er...) und hat als solche mehrere Softerotik-Streifen (sowie mit "Nackt unter Kannibalen" einen Vertreter des Horrorkinos) mit Joe D'Amato gedreht. Hier bekommt sie kaum nennenswerte Szenen, darf aber im letzten Akt Hauptdarsteller Shannon den Penis abbeißen und herzhaft darauf herumkauen. Guten Appetit!

Ein weiterer erotischer 'Höhepunkt' des Films ist eine Shownummer, bei der eine Tänzerin auf der Bühne eine Sektflasche auf höchst eigenwillige Weise zwischen den Schenkeln entkorkt - ein zweifelsohne toller Trick, aber man fragt sich, wo nur der Korken geblieben ist... 

Was den Horror anbelangt, der hält sich sehr in Grenzen. Ab und an marschieren ein paar Untote durchs Bild und nagen an diversen Kehlen, aber die Effekte stammen aus der untersten Schublade mit der Aufschrift 'billig'. Lediglich im Finale kann D'Amato dann doch noch mit ein paar gelungenen Momenten punkten, wenn die Zombies endlich in Grüppchen auftauchen, aus dem Wasser steigen und über die Insel schlurfen. Die Langsamkeit der lebenden Toten erinnert angenehm an Ossorios "Die Nacht der reitenden Leichen" (1971), und die Musik von Marcello Giambini sorgt zumindest für ein bisschen Klasse und Atmosphäre. Der Film endet mit einer ganz witzigen Pointe, aber das war's dann auch schon.

Joe D'Amato, der neben dem Spanier Jess Franco vielleicht exemplarischste Exploitation-Regisseur der Filmgeschichte, hat in seiner Karriere an die 200 offizielle Filme gedreht, und wer weiß, wie viele noch unter anderem Namen. Von Pornos über Horror bis zu Historienschinken hat er alles verfilmt, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Schade, das er sein durchaus vorhandenes Talent viel zu oft verschleuderte. An guten Tagen gelingen ihm durchaus starke Horror-Momente (wie in "Man-Eater" oder seinem wohl besten Genrefilm "Sado - Stoß das Tor zu Hölle auf").

IN DER GEWALT DER ZOMBIES aber ist von vorne bis hinten todlangweiliger Trash, der eher zum Einschlafen als zum Mitfiebern einlädt. Überhaupt ist die Mixtur aus Sex und Gewalt eine merkwürdige Idee, sollen doch die erotischen Einlagen den Zuschauer erregen, die Zombie-Angriffe ihn aber gleichzeitig anekeln. Der Gedanke dahinter, dass jeder was für sein Geld bekommt, ist nachvollziehbar, tatsächlich aber bekommt stattdessen keiner so richtig was.
Immerhin konnten seinerzeit - als es noch keine Videotheken gab - Opas mit Hut und Regenmantel, sowie deren pubertierende Enkel, unter dem Vorwand, sich den neuesten Horrorstreifen reinzuziehen, ins örtliche Bahnhofskino latschen, um dort feixend ein paar ordentliche Hardcore-Momente zu erhaschen. Ist doch auch was.

Zuletzt sei erwähnt, dass auch IN DER GEWALT DER ZOMBIES seine Fans hat, die den Film lieben. Und deswegen ist es so wunderbar, ein Horror-Fan zu sein. In diesem Genre findet jedes Töpfchen sein Deckelchen, und  sei es noch so verranzt und unansehnlich.

03/10
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